Goraksep (5.140m) und Mount Everest BC (5.364m)


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Asia » Nepal
March 19th 2012
Published: June 20th 2017
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Oh, man – was fuer ein Tag! Es sollte der grosse Tag werden an dem wir das Mount Everest Base Camp entern und in Glueckseeligkeit nachher darueber reden und lachen… Beginnen tut der Tag aber erst einmal ganz anders und sehr unschoen: gerade im Fruehstuecksraum eingetroffen erreicht uns die Neuigkeit, dass es in der Nacht einen Todesfall aufgrund von Hoehenkrankheit gegeben hat. Ein Trekker ist in der Nacht von unserem naechsten Ziel Goraksep "zu uns" nach Lobuche herunter gebracht worden, hat die Nacht aber nicht ueberlebt.

Er habe Tags zuvor Everest Base Camp und Kala Pathar in einem Rutsch gemacht und danach sei es ihm schlecht gegangen. Er habe den Rettungshubschrauber angefordert, dieser habe aber nicht landen koennen, da es zu windig war, so die Story der Sherpa.

Als wir den Schock noch verdauen und aus dem Fenster gucken, landet auch schon der Rettungshubschrauber und eine voellig fertige Frau wankt in Richtung des Helikopter – wir denken noch “gut, dass sie geholt wird – sie sieht wirklich nicht gut aus”. Nur eine Sekunde spaeter sehen wir dann, dass einige der Hamburger Studenten aus der Lodge nebenan kommen und voellig fertig aussehen und dann wird auch der Leichnam nach draussen und zum Hubschrauber gebracht. Oh, man – es ist ja eigentlich egal, wen es da erwischt hat, aber wir hoffen natuerlich in dem Moment, dass es keiner unserer Hamburger Jungs ist, mit denen wir mehrfach ausfuehrlicher gesprochen und gescherzt haben und die wir alle sehr symphatisch fanden.

Als der Hubschrauber dann abhebt und wir uns mit arg gedaempfter Stimmung und schlechtem Bauchgefuehl auf den Weg nach Goraksep machen, bekommen wir noch die ganze Story von den Hamburgern erzaehlt: der Tote ist Este und war ein erfahrener Bergwanderer, der das Everst Base Camp schon mehrfach gemeistert hatte und Fuehrer seiner Gruppe war. Er hatte seine Gruppe gestern, als er merkte dass es ihm immer schlechter ging in dem Glauben nach unten “vorausgeschickt”, dass der Rettungshubschrauber wenig spaeter eintreffen und ihn holen wuerde.

Da dies nicht geschah, war er also ganz alleine in Goraksep. Sein Zustand muss sich dann immer weiter verschlechtert haben und in der Nacht hoerte einer der Studenten im Zimmer nebenan so komische “Schnarch-Laute”, dass er irgendwann skeptisch wurde und klopfen ging. Nach 10 Minuten oeffnete der voellig fertig aussehende Este dann mit letzter Kraft die Tuer. Den Ernst der Lage erkennend beschlossen dann eine Hand voll der Hamburger und ein paar Sherpa, den Mann aus Goraksep weg zu bringen, in weniger grosse Hoehen. Mitten in der Nacht machten sie sich also auf und schleppten den Mann bis nach Lobuche – eine sehr schwere Aufgabe, die auessersten Respekt fordert. In Lobuche angekommen lebte der Este auch noch, aber es war nicht mehr viel Sauerstoff in der Sauerstoff-Flasche der Lodge und am Ende hat er dann trotz aller Versuche die Nacht nicht ueberlebt. Unsere Hamburger Jungs und Deerns waren natuerlich total fertig mit der Welt, somal es dann auch noch an Ihnen war, der Freundin des Toten die Nachricht zu ueberbringen. – Das war uebrigens die uebel aussehende Frau, die zu erst zum Hubschrauber gebracht wurde, also kein weiteres Hoehenkrankheitsopfer.

Wie wir spaeter auf dem Weg noch erfahren sollten, gab es neben der unverstaendlichen Panne, dass es in Lobuche keinen Sauerstoff gab (fuer die Lodges zu teuer…😉, noch einen weiteren Punkt in dem ggf. 150 EUR gereicht haetten um das Leben des Mannes zu retten: da die Gruppe des Esten bereits auf dem Weg nach unten war, hatte sich keiner bereit erklaert die Kosten von 150 EUR fuer einen Transport per Pferd zu uebernehmen – mit dem haette man es vielleicht noch rechtzeitig noch tiefer geschafft… Wirklich traurig.

So machen wir uns also nach all diesen Informationen an den Aufstieg.

Nach 1,5 Std. treffen wir auf den Rest der Hamburger, die die schlechte Nachricht schon gehoert hatten. Beilauefig wird dann noch erwaehnt “ja, ueber 5.000m beginne eben die Todeszone” – sehr aufbauend, wenn man nach der morgendlichen Geschichte diese Grenze gerade passiert hat…

Weitere 1,5 Stunden spaeter kommen wir dann in Goraksep an. Ich habe mittlerweile wieder Kopfschmerzen und zusammen mit “Kopfkino” will sich die Vorfreude auf das Base Camp nicht so recht einstellen.

So trotten wir nach einer kurzen Pause und einem warmen Getraenk wieder los. Wir sind jetzt ohne Gepaeck unterwegs, haben aber alle das Gefuehl trotzdem unseren Rucksack zu tragen zu haben. Stetig hinterfragt man sich selbst, wie es einem geht, dann beschliessen wir den Kala Pathar morgen nur zu machen wenn wir uns super fuehlen und kommen zudem ueberein, dass wir den Chu-La Pass nicht machen, sondern gleich morgen mit dem Abstieg beginnen.

Gegen 14:20 Uhr sind wir dann ueber all das Gruebeln und in uns herein gehorche tatsaechlich am Mount Everest Base Camp angekommen.

Es ist eigentlich schrecklich unspektakulaer, sind es doch nur 2 Steine mit Gebetsfahnen und etlichen “ich war hier” Nachrichten, die vor den Auslaeufern des Gletschers liegen an dem momentan nur ca 10 Zelte stehen, die als Vorbereitung auf eine Gipfelexpedition genutzt werden. Den Everest Gipfel sieht man derweil von hier gar nicht.

Trotzdem machen natuerlich auch wir die obligatorischen Fotos an den Steinen und sind irgendwie froh und stolz es hierher geschafft zu haben. Das war ja immerhin auch das Ziel.

Nach den Fotos geht es dann auch gleich wieder los. Der Rueckmarsch wartet.

Netti hat mittlerweile neben Kopf- auch noch Fuss-Aua und wir geraten zudem in einen ordentlichen Yak-Stau der uns nur die Koepfe schuetteln laesst weil die Yak-Treiber wirklich daemlich sind und dann auch noch “un-nett”zu ihren Tieren. So wird natuerlich am steilen Hang nicht gewartet, bis die eine Herde vorbei ist, sondern die Tiere werden frontal aufeinander getrieben, bis diese aus beklemmung leicht aggressiv werden und teilweise abzustuerzen drohen. Erst dann macht einer der beiden Treiber kehrt und bewirft dabei die Yaks mit Steinen und pruegelt mit Knueppeln, damit diese sich in entgegengesetzte Richtung bewegen. Echt bescheuert!

Wir sind dann zugegebener massen heilfroh, als wir endlich wieder in Goraksep sind. Ich mit weniger Kopf-Aua, Netti mit mehr…

In der Lodge angekommen stellen wir fest, dass diese recht leer ist. Die Grosse Gruppe Norwegerinnen und Norweger, die mittags noch hier waren und dann wie wir zum Base Camp aufgebrochen ist, hat sich nach dem morgendlichen Vorfall entschieden direkt wieder runter nach Lobuche zu gehen und unterhalb 5.000m zu schlafen. Wir koennen es verstehen…

Der Abend hat nicht allzuviel zu bieten denn so richtig wohl fuehlt sich trotz Ziel-Erreichung scheinbar keiner in seiner Haut.

Das Einzige, was ausser der duennen Luft noch atemberaubend ist, ist der Sternenhimmel: soetwas habe ich wirklich noch nicht gesehen. Hier oben gibt es natuerlich gar keine stoerenden Lichtquellen – und ein bisschen dichter dran ist man eben auch… Wahnsinn!



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29th March 2012

Mein Gott, als wäre ich dabei. Was für irre Bilder !!! Die Leistung finde ich super !!!!!!!!!!!!!

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