Zwei Tage Sonne satt in Istrien - Pula, Rovinj und ein bisschen Strand und Meer


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May 16th 2019
Published: May 21st 2019
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Je näher wir der Adria kommen umso mehr klart der Himmel auf und nach einer regennassen Fahrt durch Slowenien und über die Grenze nach Kroatien können wir unser Glück kaum fassen, als wir gegen Mittag bei blauem Himmel und 15 Grad in Pula ankommen und vom in der Sonne glitzernden Mittelmeer begrüßt werden. Der Campingplatz auf einer Halbinsel im Süden der Stadt ist nahezu leer und da er eigentlich über 250 Stellplätze verfügt, bedeutet das für uns Platz ohne Ende. Wie es hier allerdings in der Hauptsaison zugehen mag, wollen wir lieber nicht wissen. Unter Pinien an einem kleinen Hang gelegen mit Blick durch die Bäume aufs Wasser beziehen wir unseren Stellplatz und das Urlaubsgefühl setzt spätestens ein, als wir die Liegestühle in die Sonne stellen. Einen Kaffee in der Hand, die Sonnenbrille auf der Nase und Platz für Marlene mit ihrem Ball ohne dass wir ständig aufpassen müssen, dass sie nicht von einem anderen Wohnmobil überfahren wird, so hatte ich mir das vorgestellt. Allerdings sind jetzt 15 Grad auch nicht das totale Sommerwetter, wenn die Sonne kurz hinter den Wolken verschwindet, wird es direkt empfindlich kühl, aber wir sind so dankbar für die Sonne dass wir das kaum bemerken. Nach einem Rundgang ans Meer, in die kleine Bucht, in der die Fischerboote schaukeln, bis zum Spielplatz und zurück ist es schon fast Zeit zum Abendessen und wir haben uns für heute vorgenommen, zur Feier des Tages Fisch essen zu gehen. Irgendeine kleine einfache Gaststätte mit Gegrillten Meerestieren und familiärer Atmosphäre hatten wir uns vorgestellt und genau so eine findet Dennis nach kurzer Recherche in 10 Minuten Fußmarsch entfernt. Wir laufen also los aber irgendwie finden wir das Restaurant nicht und landen stattdessen versehentlich in der schicksten ‚Enoteca‘ weit und breit. Das merken wir aber leider erst als wir schon sitzen und da das Personal sich bereits überschlägt vor Freundlichkeit, uns einen Kinderstuhl gebracht hat und mit Marlene schäkert, beschließen wir zu bleiben und es jetzt halt mal krachen zu lassen. Es gibt sogar einen Gruß aus der Küche so schick ist das hier, ein Stockfischpüree, wie man uns sagt. Schmeckt aber viel besser als es klingt und dann lassen wir uns noch Brot und lokales Olivenöl schmecken bevor eine Fischplatte mit Grillgemüse, Garnelen, Seebarsch, gegrillten Calamari und Tintenfischen gebracht wird. Wir hätten uns heute auch mit guten hausgemachten Calamari mit Pommes begnügt aber es schmeckt wirklich exzellent und so genießen wir den Abend und versuchen uns nicht davon stressen zu lassen, dass unser Kind mal wieder „hallo hallo hallo“ durch das Ganze Restaurant brüllt, die köstlichen Garnelen mit einem deutlichen „Nein“ unter den Tisch wirft und stattdessen nur Brot futtert. Zum Glück ist man hier sehr professionell, bringt ständig Brot nach und erwidert jedes Mal freundlich Marlenes Gruß mit einem weiteren „Hallo“. Den Folgetag verbringen wir bei strahlendem Sonnenschein und maisommerlichen 17 Grad in Pula. Mit dem Bus fahren wir direkt ins überschaubare Zentrum der einst römischen Metropole. Die Römer haben hier während ihrer Herrschaft deutlich sichtbar ihre Spuren hinterlassen, es gibt ein wundervoll erhaltenes Amphitheater, einen Triumphogen und den kleinen aber spektakulären Augustustempel aus dem ersten Jahrhundert zu bewundern. Außerdem noch Überreste der alten Stadtmauer und etliche kleinere Anlagen und Ausgrabungen sowie ein Kastell. Allerdings ersparen wir uns und unserem Kind den Großteil der Besichtigungen und flanieren stattdessen lieber durch die blitzsauberen Gassen voll bunter kleiner Häuser und Läden und Dennis findet tatsächlich mit geübtem Blick den wahrscheinlich einzigen Friseur Kroatiens, der alle Spieler von Eintracht Frankfurt kennt, um mal wieder seinen traditionellen Urlaubsfriseurbesuch zu erledigen. Um diese Jahreszeit ist Pula unaufgeregt und entspannt, außer uns sind gefühlt kaum Touristen unterwegs, sondern viele Rentner und Einheimische bevölkern die Sonnenplätze in den Cafe's rund um einen hübschen Wochenmarkt unter hohen Kastanienbäumen. Hier sind riesige Ochsenherztomaten und Paprika aufgestapelt, neben Ständen mit den für diese Region typischen Spezialitäten: Olivenöl und Trüffel aus Istrien. Wir kaufen jedoch nur ein Glas Ajvar, die köstliche, traditionell zu Grillfleisch servierte „Nationalspeise des Balkan“ und die einzige Form, in der ich Gemüsepaprika ohne Todesverachtung zu mir nehme. Die hier in der Region ist eher mild und kommt am Folgetag zu frischen Cevapcici bei uns auf den (Camping-)tisch. Nach einem sonnigen Mittagessen vor der kleinen hübschen Markthalle, für Dennis gibt es noch einen Schnaps aufs Haus dazu, fahren wir gemütlich zurück auf den Campingplatz wo wir noch ein bisschen in der Sonne sitzen, den Spielplatz unsicher machen und das herrliche Wetter genießen.



Meinen Lieblingsdialog des Tages habe ich übrigens im Augustustempel mitgehört. Ein, vermute ich russischer, Tourist unterhält sich mit der Dame am Kassenhäusschen: „what is this?“ „it’s the Tempel of Augustus“ „Aha…längere Pause…was he a greek god or so?“. Die Antwort der Dame höre ich nicht mehr aber ihr Gesicht dazu gefällt mir sehr gut. Danach sehen wir den Mann, wie er gefühlt tausend Selfies mit dem Tempel schießt und wahrscheinlich stolz zuhause vorzeigt und mit seinem Wissen über „griechische Götter“ prahlt.



Auch am nächsten Tag strahlt sie Sonne vom Himmel und da wir eh schon alle zuvor ins Auge gefassten Pläne in Slowenien über Bord geschmissen haben, beschließen wir noch einen Tag in Istrien zu bleiben, anstatt diesen sonnigen Tag im Auto zu verbringen. Denn schon am Folgetag soll das Wetter wieder schlechter werden und unsere Wetter-App zeigt für fast alle Orte auf unserer Liste dann vier Tage Gewitter und Regen, wenn auch bei 17-22 Grad. Wir fahren also ins nur 30 km entfernte Rovinj. Die kleine Altstadt des nur 15.000-Einwohner großen Städtchens schiebt sich spektakulär auf einer Halbinsel ins Meer hinaus, die alten Häuser sind bis ans Wasser gebaut und in der Mitte der Altstadt thront auf einem Hügel die wunderschöne Kirche der Heiligen Eufemia. Unser Campingplatz liegt nur 4 km von der Altstadt entfernt an einem wunderschönen Bucht und ist (leider) wieder so ein riesen Stellplatz aber auch hier wieder zu höchstens 10% ausgelastet. Bei dem kleinen familiären Campingplatz in der Nähe, den wir anvisiert hatten, wurde uns beim Check-In gesagt, dass Babys nicht erwünscht wären, da „man hier gerne entspannen würde“, was uns sehr enttäuscht hat. Dafür können wir jetzt mit unserem entspannten Kleinkind fast ganz alleine die riesige Anlage des Camp Polari mit ihren drei Spielplätzen, der großen Poolanlage und dem eigenen Strandzugang nutzen. Außer Marlene traut sich nur ein kleines italienisches Mädchen in den riesigen Kinderpool, denn das Wasser ist trotz der sommerlichen Außentemperaturen immer noch recht frisch. Wir verbummeln also den herrlich sonnigen Tag mit Sonnenbaden, Sand schippen, am Strand spazieren und relaxen und verschieben unsere Stadtbesichtigung auf den Folgetag, der wieder etwas durchwachsen werden soll.



Abends kommt dann noch unser frisches Ajvar vom Markt mit Cevapcici und Pleskavica (mit Schafskäse gefülltes Hacksteak) vom Grill auf den Tisch und zum ersten Mal ist es mild genug um draußen zu Abend zu essen. So muss sich Camping anfühlen. Dafür starten wir dann frisch erholt am nächsten Morgen nach dem Frühstück zu unserem Spaziergang am Meer entlang in die autofreie Altstadt von Rovinj. Links die wunderschöne Bucht mit kleinen bewachsenen Inseln gesprenkelt, rechts ein paar Ferienapartments und ab und zu eine Bar, ein Fussballfeld oder der Pool einer Hotelanlage ist es ein sehr schöner und abwechslungsreicher Weg, der uns dann irgendwann durch einen kleinen Pinienwald und vorbei an blühenden Klatschmohnwiesen durch die ersten, einfachen aber sehr gepflegten Straßenzüge von Rovinj führt. Je mehr wir uns der Altstadtinsel nähern, umso enger werden die Gassen, bis sie schließlich in einer hell gepflasterten blank polierten Fußgängerzone mit kleinen bunten schiefen Häusschen enden. Es folgen ein paar typische Souvenir- und Touristenläden aber insgesamt ist alles herrlich unaufgeregt, die Häuser nicht zu Postkartenmotiven restauriert und es sind mehr Einheimische und Individualtouristen als Reisegruppen unterwegs. Am kleinen Hafen kaufen wir auf dem Wochenmarkt ein Glas Marmelade und dann zieht es uns durch die steilen Gassen den Berg hinauf zur Kirche der Heiligen Eufemia, von wo man einen beeindruckenden Rundumblick genießt.Auch der Abstieg zur anderen Seite durch sich eng windende Kopfsteinpflastergassen mit kleinen Läden, Cafés und Galerien ist toll und ein bisschen Nieselregen kann uns nicht die Laune verderben.



Wir speisen dann noch mit herrlichem Blick auf die Kirche am anderen Ende des Hafens in einem kleinen einheimischen Restaurant und nehmen uns dann gut gesättigt vor, den Rückweg auch wieder zu Fuß zurückzulegen anstatt in ein Taxi zu investieren. Zugegebenermaßen angesichts der näherkommenden Wolkenfront und mangels Regenausrüstung (sowohl unsere Capes als auch zwei Regenschirme liegen gut verstaut im Wohnmobil) etwas gewagt aber der Blick auf Rovinj den der Rückweg am Meer entlang verspricht, ist einfach zu schön. Wir nehmen diesmal nämlich nicht die Abkürzung durch die Vorstadt sondern laufen direkt am Wasser zurück und es kommt wie es kommen muss, in einer riesigen als Park angelegten Halbinsel, die sich zwischen unsere Bucht und die Stadt schiebt verlaufen wir uns heillos und so dauert der Rückweg keine vier sondern mindestens sechs Kilometer und wir kommen natürlich in einen ordentlichen Regenschauer. Marlene ist im Buggy noch einigermaßen gut geschützt auch wenn sie trotzig alle Jacken und Tücher die man ihr überlegen will aus dem Wagen wirft, aber wir werden doch ziemlich nass und es kühlt auch ein wenig herunter. Der letzte Teil des Weges wird dadurch kein gemütlicher Strandspaziergang mehr sondern im Laufschritt absolviert und am Ende stehen 14 km Tagesetappe auf unserer Agenda. Mit meinem mittlerweile 8-Monats-Bauch eindeutig ein bisschen zu viel und auch Dennis ist geschafft vom Buggy den Berg hoch und runter schieben. Marlene, die mindestens zwei Kilometer der Strecke auch selbst gelaufen ist, schlummert bei unserer Ankunft auf dem Campingplatz schon selig und nachdem sich dann kurz darauf alle Himmelsschleusen öffnen sitzen wir wohlig erschöpft in unserem warmen Camper während draußen die Welt untergeht und der Regen gegen alle Fenster peitscht. Nach diesem aufregenden Tag schafft es sogar unser Frühaufsteherkind mal bis 8.16 Uhr „auszuschlafen“ und da der nächste Tag uns immer noch grau und begrüßt, lassen wir uns Zeit und nehmen eine größere Fahrstrecke bis hinter die bosnische Grenze in Angriff. Auf der kroatischen „Autobahn“, die interessanterweise auch dann ziemlich viel Maut kostet wenn sie aus einer einspurigen kurvigen Landstraße besteht auf der nur 80 gefahren werden darf, geht es ins Inland. Die Straße schraubt sich spektakulär den Velebit hinauf und links und rechts sieht man nichts als bewaldete Berge, so weit das Auge reicht. Es geht durch etliche Tunnel und an kleinen Dörfern vorbei, und als wir in der Nähe von Zagreb sind und Marlene gerade eingeschlafen ist fassen wir den Plan, mal wieder unseren Plan zu ändern. Anstatt noch drei Stunden weiter nach Bosnien hinein zufahren checken wir kurz vor Karlovag nochmal das Wetter und siehe da, für die Plitvicer Seen ist für Morgen plötzlich wieder Sonne bei erträglichen 14 Grad gemeldet. Also fahren wir ab und kurven nochmal eine Stunde über Land bis nach Rakovica, einen kleinen Ort nur 5 km vom Eingangstor zum meistbesuchten Nationalpark Kroatiens entfernt. Hier ergattern wir einen wirklich schönen Stellplatz auf einem riesigen Gelände, das sich großzügig in eine wunderschöne grüne Hügellandschaft schmiegt. Ein Glücksgriff, denn eigentlich hatte ich wieder auf dem „kleinen familiären“ Campingplatz bestanden, aber der entpuppte sich als halb überschwemmter fürchterlicher Schotterparkplatz mit aneinander gereihten Parzellen, die durch Ketten abgeteilt sind. Hier gibt es keine Parzellen und so viel Platz dass es an der Rezeption niemand interessiert wo wir uns hinstellen und wie lange wir bleiben. Der kleine Supermarkt im Camp versorgt uns auch noch super günstig mit frischem Brot und Käse und fast kann ich nicht glauben, dass wir hier an einer der berühmtesten Sehenswürdigkeiten des Landes nächtigen. Am nächsten Morgen geht es dann ins Winnetouland und wir hoffen, dass die Wettervorhersage stimmt, denn wenn wir bisher in diesem Maiwinter eines gelernt haben, dann dass das Wetter sich derzeit nicht vorhersagen lassen will…


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