Fort Kochi


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April 12th 2012
Published: June 20th 2017
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Geo: 10.012, 76.2251

Pünktlich um 6:30 Uhr startet unser Zug in Richtung Norden und die viereinhalb Stunden Fahrt vergehen bei nettem Blick aus dem Fenster auch recht schnell.

In Ernakulum angekommen versuchen wir dann vergeblich Zugtickets für unsere Weiterreise zu ergattern: als wir in der Ernakulum Town Station endlich an der Reihe sind und wir uns freuen, dass wir sogar Tickets bekommen, folgt die Enttäuschung gleich auf den Fuße. Der gute Mann hat einfach mal eigenhändig den nächsten freien Zug gebucht, aber nicht den, den wir wollten, sondern 3 Tage später. Das passt uns so gar nicht in den Reiseplan, denn wir wollen ja noch ein paar Tage in Goa and den Strand. Als wir, nach erneute, hinten Anstellen wieder dran sind und das Ticket umtauschen, oder zurück geben wollen, wird uns gesagt, dass man die Tickets, die wir gerne hätten, nur noch in der Junction Station bekommt, da dort auf die Touristen Quote zugegriffen werden kann. Wir suchen uns also eine Autorikscha und lassen uns zum Südbahnhof bringen. Dort stellen wir uns eine Weile an, damit uns der Beamte als wir dann dran sind sagt, dass wir uns 2 Schalter weiter rechts hätten anstellen sollen... Also noch einmal das Spiel. Als wir auch hier keine Tickets bekommen, weil schlichtweg alle Züge ausgebucht sind, ist die Laune etwas im Keller. Als nächstes heißt es dann Zimmer suchen und auch das gestaltet sich ein wenig schwierig. Der LP Tip ist, wie bisher eigentlich immer, wenn wir es versucht haben, schon ausgebucht, dass nächste angesteuerte Hotel zu teuer, ein anderes Gefällt uns nicht. Schlussendlich finden wir dann aber doch eine Bleibe: Fort Shore Homestay. Hier finden wir ein Zimmer vor, in dem wir glatt barfuß laufen mögen und dass tatsächlich ein bisschen westlichen Standard hat (auch hier bleibt also das Schlafsack-Inlay im Rucksack) – Kostenpunkt einmal mehr 11 EUR, die hier aber durchaus okay sind, somal es Free WiFi gibt...

Im Anschluss buchen wir im Hotel eine Backwater Tour für 650 Rupees für morgen und sind schon ganz froh, dass Pick-Up dieses mal erst um 8:30 Uhr ist. Zu unserer großen Überraschung sagt uns der Reuzeptionist, den wir nach Bahntickets und Bustickets fragen, dass er Zugtickets für den 14. Besorgen könne – allerdings zum stolzen Preis von 2.000 Rupees, den wir so einfach nicht zu zahlen bereit sind. Leider soll auch der Bus stolze 1.200 Rupees kosten und so beschließen wir, dass wir es noch einmal auf der Straße probieren, oder eben noch einmal zur Junction Station fahren.

Als wir in der Folge durch die Straßen von Kochi laufen, sind wir zum Ersten mal in Indien wirklich positiv überrascht: Fort Kochi könnte glatt auch eine Stadt in Spanien, oder eben Portugal sein: nette kleine Gassen und schöne Gebäude, zudem alles recht gut erhalten und sauber.

Vasco Da Gama , dem wohl der Umstand, dass es hier so nett wirkt zu verdanken ist, ist in Kochi gestorben und lag ursprünglich auch hier begraben; seine sterblichen Überreste wurden jedoch 14 Jahre nach der Beisetzung in Kochi zurück nach Lissabon geholt.

Als wir gerade am Wasser angekommen sind spricht uns ein lustig aussehender, junger Mann an, dem ich zuvor mit meiner Pepsi-Light zugeprostet hatte. Er hat wildes Lockenhaar, dass zum Zopf zusammengebunden ist, hat eine knallgelbe Sonnenbrille auf und sieht insgesamt aus wie ein netter Bär. Was er von uns will, ist ein wenig Standard: es würde heute ein Bollywood Film gedreht werden für den noch westliche Statisten gesucht würden. Diese Nummer haben wir schon mehrfach gehört, denn der Grund, warum sie immer so dringend westliche Mädels suchen ist der, dass keine Indische Frau die etwas auf sich hält sich so leicht bekleidet hinstellen würde, wie wir Westler es eben tun.

Wir erklären ihm, dass wir dies wissen und lehnen dankend ab. Ins (nette) Gespräch mit Wilfi kommen wir dann aber trotzdem und so landen wir einige Zeit später statt uns die Stadt anzusehen mit Wilfi in einem Lokal und trinken Alsterwasser. Im Anschluss will uns Wilfi noch eine Stelle zeigen, wo der Sonnenuntergang besonders schön sei und da wir ihn nach 3 Stunden Gespräch als nett und harmlos eingestuft haben, stimmen wir zu. Als nächstes sammeln wir also Wilfis Freund Adhi ein, der das Restaurant Salt & Pepper führt (ein LP Tip) und schwuppdiwupp sitze ich hinten auf Wilfi's Motorroller und Netti hinten auf Adhi's Royal Enfield die knattert wie ein Weltmeister.

Wir rauschen also auf den „Bikes" in Richtung Sonnenuntergang und die Szenerie ist wirklich toll: rechts und links von uns finden sich erst diverse, schöne Kirchen und Häuser und wenig später die Backwaters: große Flächen sind voll mit Wasser und Gesäumt von Palmen. Das ganze Bild ist dann in schönste Sonnenuntergangsfarben getaucht und lässt sich besonders gut mit gegen die Hitze helfendem Fahrtwind um die Nase genießen. Einfach toll. Schade, dass wir keinen Fotoapperat dabei haben.

Nach gut einer halben Stunde fahrt und als es bereits dunkel ist, kommen wir dann an eine Stelle, wo mit dem Boot übergesetzt werden muss. Die Bikes bleiben derweil stehen und so scheinen wir unser Ziel erreicht zu haben, welches uns seit einiger Zeit eh komisch vorkommt, denn der Sonnenuntergang ist ja längst vorbei. Dabei stellen wir einmal mehr fest, dass es gut und schade zugleich ist, dass man doch immer etwas misstraut und vorsichtig ist, weil man eben nicht unvorsichtig sein will. Und so zucken wir auch kurz, als uns Wulfi nach 500 Metern, mitten in schönster Szenerie erklärt er habe eine Überraschung wo wir jetzt sein: bei ihm zu Hause...

Schon ruft er seinen Vater über den Zaun um sich anzukündigen und da stehen wir dann auch schon vor der Haustür und werden von seinem Vater begrüßt.

Wulfi zeigt uns erst das Grundstück, welches ausser zur Straße hin komplett mit Wasser umgeben ist. Vom Baum hängt eine Angelleine in das Wasser, da es zumeist fangfrischen Fisch zum Essen gibt. Einfach super.

Nach der Gartenbesichtigung bittet uns Wulfi's Vater herein, kocht lecker Tee für uns und bereitet eine Süßigkeit für uns zu. Wirklich nett.

In der Folge schauen wir uns ein paar Fotoalben an und dann geht es auch wieder zurück in Richtung Kochi – dieses mal auf der nicht so schönen Nicht-Wasser-Route. Auch ich darf einmal Roller fahren und wundere mich danach über mich selbst – in Indien fahren war bisher ein Albtraum. Die Straßen hier sind allerdings um die Uhrzeit nicht mehr voll und grundlegend eh 10 Klassen besser als im Norden des Landes.

Wieder in Kochi angekommen fahren wir zum Hafen und kaufen bei den gerade wieder eingelaufenen Fischern fangfrischen Fisch, bzw. Garnelen. Diese werden dann im Salt&Pepper für uns zubereitet. Was für ein Service.

Nach dem Essen werden wir ordnungsgemäß bei unserem Homestay abgesetzt und wir versprechen uns morgen nach unserer Backwater-Tour bei Wilfi zu melden.

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