Allein und nass


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May 20th 2014
Published: May 20th 2014
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Dieser Tag war nicht gerade erfreulich.

6-30 Frühstück, 7.30 Abfahrt. Regen. Ich bin mit der Gruppe bis zur Grenze nach Aserbeidjan mitgefahren, habe mich dann von allen verabschiedet. Und dann war ich allein. Regen hatte aufgehört-

da ich heute fast den ganzen Tag auf Landstraßen war, fielen mir neue Sachen auf: ungeheure Anzahl an Mercedes - durchschnittlich drei von 10 PKW sind Mercedes. Dabei sind die Häuser durchwegs grauslich. Viele Häuser stehen leer, verfallen. Die anderen sind in so schlechtem Zustand, dass ich mich nur wundern kann, dass da jemand wohnt. Viele Wohnhäuser aus der Sowjet-Zeit sind Vandalismus zum Opfer gefallen, die Ruinen stehen allenthalben.

Es gibt auch viele Kleinlaster, mit deutschen Aufschriften: Blumen Logistik, Wir liefern auch Sonntags (was???), ein Kölner Dachdecker kann sein Auto hier sehen usw.

Auf der Autobahn ist das bisher nicht so aufgefallen und in Tblisi auch nicht.

Hier im Osten wird viel Wein angebaut und es ist eine Weinroute angelegt worden, nehme an, man kann da Weinbauern besuchen, Wein probieren, kaufen und dann im Dämmerzustand heimfahren.

Besuch bei einem Kloster, in einer kleinen Kapelle reges Treiben. Ich durfte rein, musste aber: meine Haare bedecken; ein Tuch umbinden (so als Art Rock), und das Kreuzzeichen machen. Dann begannen die 8 Mönche Weihrauchfass zu schwingen und zu singen - disharmonisch aber es soll so klingen. Nach einiger Zeit verschwand ich wieder.

Eigenartig war eine mächtige Eiche gleich daneben, bei der auch Kerzen angezündet werden. Wäre bei uns nicht vorstellbar, ist aber im Hinduismus und Buddhismus üblich.

Es begann wieder zu regnen. Die Bergstrecke, die ich fahren wollte, war ungeteert und die Schotterstraße war gleich am Anfang ganz grauenhaft. Ich habe mir vorgenommen, nur dann Schotterstrecken zu fahren, wenn sie nicht zu lang sind (diese wäre 80 km gewesen), wenn sie nicht zu schlecht sind und wenn die Straße einigermaßen befahren ist - und nicht nur jedes Schaltjahr einer da vorbeikommt. Ich wendete, weil gleich alle drei Kriterien erfüllt waren.

Aber auch die Teerstraße wand sich bald einen wilden Pass hinauf, Haarnadelkurven im Überfluß, strömender Regen. Ich begann nach einem Hotel Ausschau zu halten.

Keines da.

Dann entschloß ich mich, nicht nochmal in Tblisi zu übernachten, sondern außerhalb was zu suchen - bei Regen macht es auch keinen Spaß, durch T zu wandern. Umgehungsstraße gewählt - breit und gut ausgebaut; Ende der Ausbaustrecke, Schlaglöcher im Teer. Und dann Ende der Teerdecke - bei uns wäre dieses lange Stück als unbefahrbar definiert worden. Mindestens zwei starke Bäche flossen die Straße hinunter, die Schlaglöcher konnten in der Tiefe überhaupt nicht abgeschätzt werden, weil alles unter Wasser stand, schlaglochfreie Stellen gab es nicht. Wunderbar. Im Stehen fahren.

Dann kam die Autobahn. Das Fahren war ja jetzt besser, aber Hotels sind da ja eher rar. Aber in diesem Fall waren doch zwei direkt an der Autobahn. Nur leider auf der anderen Seite, und es gab keinerlei Möglichkeit, da hinzukommen. Ich tröstete mich mit der nächsten größeren Stadt. Laut Karte musste ich abfahren und einer kleineren Straße folgen. Leider verschwand die Straße plötzlich unter der Autobahn und damit musste ich wenden, zurück und was anderes ausprobieren.

Ich drückte am Navi den Knopf: Hotels in der Nähe finden. Navi fand eines, ich fuhr hin. Ich war schon ganz begeistert, als ich zwei Schlote rauchen sah, einen Bahnhof mit mehreren Geleisen, eine Polizeistation - na, da muss doch ein Hotel sein. Das Navi lotste mich zu den rauchenden Schloten, aber leider nicht zu einem Hotel. Es gab keines. Ich überlegte, ob ich in die Polizeistation gehen sollte und randalieren sollte; Folge -
Blick zum KaukasusBlick zum KaukasusBlick zum Kaukasus

Die russische Grenze ist gleich auf dem ersten Bergkamm
Festnahme und Arrestzelle. Aber dies ist doch etwas übertrieben. Auch die Krankenstation schaute ich neidisch an, die haben doch sicher Betten? Aber mir fehlte ja nichts ausser trockener Wäsche. Und Wärme. Und was zum Essen.

Nochmal Navi befragt: In Gori waren zwei Hotels angegeben. Also dort hin. Und bei strömendem Regen, nass und kalt kam ich endlich in Gori an (nach 11 Stunden), bekam für 45 € ein Zimmer, Frühstück auch. Und seither liege ich im Bett und warte, dass die Zehen auftauen. Bisher noch nicht erfolgt- ich gehe jetzt Duschen, vielleicht hilft das. Immerhin gibt es einen beheizten Handtuchhalter, da hängen jetzt Teile meiner Garderobe, in der Hoffnung, dass sie bis morgen trocken sind. Wäre nett.

Der Stil des Hotels, die Einrichtung: Unverän dert seit Bau in der Sowjetzeit. Naja, gemütlich hab ich's ja daheim. Unten tobt eine Party, an Schlaf ist nicht zu denken.



Zur Lage: Istanbul: 1700 km, Teheran: 1200 km, Baku: 700 km.


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BienenstöckBienenstöck
Bienenstöck

man versetzt dann einfach den Anhänger
Gebäude aus der SojetzeitGebäude aus der Sojetzeit
Gebäude aus der Sojetzeit

oben im Kreis: Hammer und Sichel


21st May 2014

Liebe Angelica, vielen Dank für deine ausführlichen Beschreibungen...ich freu mich täglich drüber und sie helfen mir auch über mein absolutes Stimmungstief. Bernadette ist mit Nici unterwegs Heute Richtung London und dann nach Kauai Island. sie versetzt mich auch immer wieder mit Schrecken so wie du...bin immer sehr dankbar wenn ihr alle wieder da seid...das ist schon pathologisch. Heute versuchen wir zum 2. Mal unser Auto, das seit fast 5 Wochen in 'Reparatur steht auszulösen. Dieses Autohaus Christl, wo unser Auto durch eine andere Werkstätte landete ist wahrlich grenzwertig. Ich mochte es früher schon nicht aber als sie uns gestern anriefen, dass unser Auto abholbereit ist und Martin dorthin fuhr wollten sie doch glatt € 6.000,00 BAR auf die Hand...Martin tobte, ich tobte am Telefon. wir erreichten nichts. irgendwie ist es schon seltsam hier in Deutschland geworden. Vieles versteh ich nicht mehr, muss ich auch nicht. In der Schule lotzen wir grad 150 Schüler durchs Abitur...grauenhaft. sitze täglich bis Spätnachmittags in Colloquien und wundere mich was die Kollegen so fragen....das hat nichts mit dem Niveau von früher zu tun.... die Sonne scheint bei uns und ich schwinge mich gleich aufs Rad um zur Schule zu fahren Ganz gute Fahrt mit warmen Füßen und vielen schönen Eindrücken wünscht Gabi

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