Alltag auf der Farm - von Tagen voll Doppelkopfrunden und Bastelstunden, voll Poolkämpfen und Kuchendämpfen


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Africa » Namibia
October 31st 2014
Published: October 31st 2014
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Das Leben auf Etendero ist so wundervoll, weil man in dieser Atmosphäre so herrlich entschleunigt. Es ist einfach von Anfang an klar, dass es hier nicht viel Programm gibt und es deswegen auch einfach der auf Reisen bei mir sonst übliche "To do- Stress" wegfällt. Und natürlich ist es wunderschön, so viel Zeit mit der ganzen Familie zu haben und doch irgendwo zu Hause zu sein. Nur dass niemand arbeiten muss...obwohl niemand ist nicht ganz richtig: Carla und Johanna haben Berge von Hausaufgaben dabei, die sie über die Herbstferien erledigen müssen. Schule war früher irgendwie auch entspannter.



Dennoch verbringen wir ein paar entspannte Tage, die gefüllt sind von tollem Essen, Wasserballkämpfen im und Lesestunden am Pool, langen hitzigen Doppelkopfsessions und ausgiebigen Alkoholgelagen am Abend.



Carla, Johanna, Dad und ich erklimmen eines Morgens noch einmal den Etendero Berg ( ich stelle dabei erneut fest, dass der viel höher ist als er von unten aussieht) und genießen einen Early-Bird-Blick über die Farm, der für den mühsamen Aufstieg definitiv entschädigt. Ungefähr eine Stunde klettern und kraxeln wir nämlich über Steine und Geröll und schieben uns an dornigen Hackibüschen vorbei, begleitet vom lärmenden Geschrei eine Pavianherde, die uns immer ein paar hundert Meter voraus, aber trotzdem schon meilenweit zu riechen ist. Zum Glück verziehen sich die Tiere, als wir den Gipfel erreichen, denn sie sind nicht ganz ungefährlich und eigentlich wollen wir den Revolver, den wir vorsorglich wegen der Raubtiere mitgenommen haben ungern benutzen, auch wenn ein Signalschuss in die Luft wahrscheinlich ausgereicht hätte, um sie zu verjagen.

Aus der Vogelperspektive sieht man erst wie groß das Farmgelände eigentlich ist, denn weit und breit ist nur das eine Haus zu sehen. Der Abstieg ist nochmal ziemlich beschwerlich so ganz ohne Pfad und wir rutschen mehr herunter als wir gehen. Das folgende. Frühstück haben wir uns wirklich verdient.



Mittwoch Abend fahren Johanna, Carla und ich "mal eben schnell zu den Nachbarn" auf der 20 Autominuten entfernten Farm " Immenhof" weil wir dort Reiten wollen.

Zwei Stunden streunen wir mit einem Mitarbeiter der Farm durchs "Rivier", das trockene Flussbett, und die wunderschöne Farmlandschaft im Abendlicht. Wir sehen eine Herde Gnus, ein paar Kudus, Warzenschweine, Eland-Antilopen und Springböcke.

Am Ende geben die Pferde nochmal richtig Gas und wir preschen durch das Rivier zurück zur Farm, dass die Kiesbrocken nur so fliegen. Ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß das machen kann, aber auch, wie weh dir der Hintern nach so einem Ritt tut.



Wir verbringen ansonsten viel Zeit mit dem Farmalltag, schauen morgens mit den Kindern beim Brotbacken zu, gehen mit Wilhelm melken, beobachten vom Pool oder der Veranda aus die wilden Oryx und Kudus, die inzwischen ganz nah ans Haus kommen und scheinbar unbeeindruckt von unserer Anwesenheit im Rivier grasen, spielen mit den Hunden Simba, Samba und Hexe und sind ständig am Futtern. Jeden Abend gibt es ein köstliches hausgemachtes Abendessen mit Wildfleisch (im Moment meistens Oryx), Kartoffeln, Salat und Gemüse. Mittags gibt es eigentlich immer einen Berg Schnittchen zwischen den Doppelkopfrunden und um vier Uhr wieder Kaffee und Kuchen, den meistens die Mädchen mit den Angestellten zusammen gebacken haben.

Es ist extrem heiß hier im Inland, obwohl wir uns auf 1400 Höhenmetern befinden. Am Pool ist es nur kurz in der Sonne auszuhalten und Tim und Dad holen sich direkt am ersten Tag einen fiesen Sonnenbrand. Ohne den Pool wäre es allerdings noch schlechter auszuhalten und besonders die kleine Sophie ist kaum aus dem Wasser zu kriegen.



Außerdem basteln Mama, Inge und Nicki fleißig Partydekoration in Form
Die Aussicht am PoolDie Aussicht am PoolDie Aussicht am Pool

.... Da waren wir oben!
von riesigen verzierten Gurkengläsern die als Windlichter dienen sollen und es müssen weitere Einkäufe und andere Vorbereitungen für den großen Tag erledigt werden. Zum Beispiel muss Frau Kroll, die Pächterin der Farm auf die Nachbarfarm fahren um dort noch ein wenig Geschirr für Freitag auszuleihen. Das Vorhandene reicht für die erwarteten 70 Gäste einfach nicht aus. Eine der Kurierfahrten zum Metzger in Omaruru übernehmen wir am Donnerstag. Wir haben 13 kg Bratwürste und drei große Kühltaschen voll Steaks an Bord als wir wieder zurückkehren. Omaruru ist eigentlich ein ganz nettes Städtchen aber es ist so heiß, dass wir außer dem Schlachter nur noch den modernen Spar aufsuchen und uns danach in den schattigen Garten von "Gudrun's Kaffee" zurückziehen. Hier kann man es über die Mittagshitze wenigstens halbwegs aushalten bevor es mit dem unklimatisierten uralten VW-Bus der Farm wieder über die Buckelpiste zurück zur nach Etendero geht. Unsere größte Sorge ist und bleibt, ob das Zelt, was wir für Freitag bestellt haben, rechtzeitig kommt und vor Allem rechtzeitig vor Eintreffen der Gäste im Rivier hinter dem Farmhaus aufgebaut ist. Irgendwie melden sich die Zeltbauer, die extra aus Windhoek kommen, die ganze Woche nicht. Und die zweite Sorge ist natürlich, ob wir überhaupt im Rivier feiern können. Es ist derzeit "kleine Regenzeit", das heisst, dass der eine oder andere kurze Schauer durchaus denkbar ist. Immer wieder ziehen auch Wolken auf aber es bleibt die ganze Woche trocken. Regen ist hier ja eigentlich ein Segen aber vielleicht kann er nicht gerade am Partytag herunterkommen. Dann würde sich das ansonsten trockene Flussbett hinter dem Haus möglicherweise in einen sehr unangenehmen Ort zum Feiern verwandeln. Und außerdem würde der Regen uns, je nach Intensität, von der restlichen. Zivilisation abschneiden, und am Sonntag müssen wir irgendwie mit unserem kleinen Mietwagen zurück nach Windhoek zum Flughafen kommen. Da wir diesmal die Billigvariante gebucht haben und keinen Allradantrieb haben, wäre die Rivierdurchquerung bei Hochwasser nahezu

unmöglich. Die andere unangenehme Überraschung, zumindest für den weiblichen Teil der Familie, wäre das Auftauchen einer Schlange. Zumindest ich bin zum ersten Mal im namibischen Sommer hier, wo die Schlangen sich nicht in "Winterstarre" befinden. Die ganze Woche habe ich noch keine gesehen, aber Hannes, einer der Mitarbeiter hat letzte Woche beim Überprüfen der Weidezäune eine Python in einem Brunnen gefunden. Die hat er dann netterweise mit auf die Farm gebracht um sie den Gästen zu zeigen. Mir reicht schon das Video davon aus um mich zu gruseln und nachdem ich irgendwoher die Story gehört habe, dass Schlangen manchmal durch die Toiletten heraufkriechen, achte ich tunlichst darauf den Klodeckel in meinem Bungalow immer geschlossen zu halten und leuchte auch Nachts erst mal hinein, bevor ich die Toilette benutze. Hier gibt es neben der giftigen und sehr aggressiven Puffotter unter anderem die tödliche. Boomslang, die im Baum sitzt und gegen deren Biss kein Gegengift hilft. Eine Puffotter hat letztes Jahr den kleinen Hund der Farm unter die Erde gebracht.

Donnerstag Nachmittag beginnt ein Kuchenbackmarathon in der Farmhausküche. Wiebe, Inge, Mama und ich backen alle hinter einander jeweils einen Kuchen für die Party, was den alten Gasofen vor eine echte Herausforderung stellt. Uns allerdings auch, denn es gibt nur die Einstellungen "high" und "low". Dennoch sehen die Ergebnisse unserer Backsession ganz passabel aus. Hoffen wir, dass sie acuh so schmecken.



Für Freitag früh haben sich bereits die ersten Geburtstagsgäste angekündigt, die teilweise mit einem kleinen Flugzeug von ihren Farmen aus anreisen werden, sodass ich schon morgens mein Zimmer im neu gebauten Gästetrakt gegen eine Matratze tauschen muss. Ein Großteil der Gäste wird auf der Farm übernachten, nur die unmittelbaren Nachbarn tun sich nachts noch die Fahrt zurück über unbeleuchtete Schotterpisten nach Hause an.


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DoppelkopfDoppelkopf
Doppelkopf

eine ernste Angelegenheit in dieser Familie


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