Wüstenerlebnisse


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Namibia's flag
Africa » Namibia » Swakopmund
October 28th 2014
Published: October 30th 2014
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Zum ersten Mal in Namibia im Sommer...schon als ich aus dem Flugzeug steige merke ich dass ich gegen eine Wand aus flirrender Hitze laufe und nach dem ersten Schockmoment, in dem ich daran erinnert werde dass ich eine lange Hose, einen Pulli und einen Parka trage beginne ich mich darüber zu freuen, dass ich kurz vor Beginn des deutschen Winters noch einmal zwei Wochen richtigen Sommer tanken darf. Und vor Allem werde ich zum ersten Mal in meinem Leben meinen Geburtstag im Sommer begehen.

Als Novemberkind, dass sein Leben lang jeden Kindergeburtstag als Poolparty feiern wollte, und niemals das entsprechende Wetter dazu hatte, ist das wirklich etwas besonderes.

Und nachdem ich mich umgezogen habe, kann mich somit nicht mal mehr die vierstündige Fahrt nach Swakopmund, die mir jetzt noch bevorsteht, aus dem Konzept bringen. Da der Rest der Familie entweder bereits schon dort ist oder zumindest gut erholt am Flughafen zur Abholung erscheint, komme ich auch erstmal drum herum, mich selbst in den Linksverkehr stürzen zu müssen und werde zumindest den ersten Teil der schier endlos geradeaus führende Strasse nach Swakopmund kutschiert. Nach der langen Fahrt erwartet uns ein erstaunlich kühles und bewölktes Swakopmund und ich ziehe mir sofort wieder mein Flugzeugoutfit an, um noch ein Stündchen vor dem Abendessen durch die Stadt und ans Meer zu bummeln.

Swakopmund wirkt wie ausgestorben an diesem Samstag Abend und dadurch etwas bedrückend. Trotzdem ist es ein irgendwie schön, einen so vertrauten Ort wieder neu zu erkunden. In den letzten Vier Jahren hat sich hier einiges getan.

Überall wird renoviert und gebaut und dennoch sind die im altdeutschen Stil errichteten Wohn- und Einkaufsstraßen, der Leuchtturm und das Alte Amtsgericht immernoch das Herzstück der Stadt.

Zu Abend essen wir im schicken Hansahotel, wo wir auch alle zusammen wohnen. Es gibt köstliche riesige Portionen frischen Fisch, Meeresfrüchte und zur Vorspeise Interessantes wie Kudu-Carpaccio und Springbockleber-Medaillons.

Leider sind Inge und Ebo, den wir ja eigentlich zu seinem 70sten Geburtstag hier überraschen mit einem fiesen Magendarm-Infekt außer Gefecht gesetzt sodass unser großer Auftritt bis zum Frühstück am Sonntag warten muss.

Die Überraschung ist deswegen aber nicht geringer.

Nach dem Frühstück startet der nicht magenkranke Teil der Familie zu einer Offroadtour mit dem Jeep in die Namibwüste, die am Rande der Stadt beginnt.

Die Tour nennt sich Living Desert und unsere Guides Cleo und Ernst versprechen uns, dass wir heute die "Little Five" von Namibia sehen werden: die Sidewinder Snake, eine giftige kleine Sandviper, die sich seitlich vorwärts bewegt, die White Dancing Lady Spider, die bei Gefahr elegant die Beine hebt und "tanzt", den Gecko, die Eidechse und das Chamäleon.

Und tatsächlich werden wir dank unserer brillanten Spurenleser alle fünf kennenlernen. Dabei kann ich garnicht sagen, welches der Tiere mich am meisten beeindruckt hat. Die Sandviper gräbt Cleo als erstes aus, nachdem er ein Atemloch im Sand in der Nähe eines Gebüsches entdeckt hat. Und interessanterweise ekelt mich die Schlange ausnahmsweise nicht sondern fasziniert mich. Allerdings könnte es auch an ihrer Größe liegen, das Tier ist nur etwa 20 cm lang. Und irgendwie ist es auch nicht ganz so widerlich, dass sie sich seitwärts schlängelt. Fast wäre ich sogar geneigt, sie mal anzufassen um endlich meine Schlangenphobie zu besiegen aber Cleo erwähnt, dass man von dem Gift drei tage lang blind wird, wenn die Schlange zubeisst, sodass wir es doch ihm überlassen, das Tier fachmännisch mit Hilfe eines Stockes zu fixieren und aufzuheben. So können wir die Sidewinder Snake noch einmal aus der Nähe betrachten, bevor sie sich wieder innerhalb von Sekunden im Sand eingräbt. Wir fahren noch weiter in die Wüste hinein, die Landschaft ist wunderschön und weckt unweigerlich das Bedürfnis, die endlosen Dünen hochzuklettern und herunterzurutschen - nicht nur bei den Kindern.

Und so ziehen wir am nächsten Stop alle unsere Schuhe aus (die Schlangen sind schnell vergessen) und klettern die Dünen hoch, springen, rennen und rutschen hinunter während unsere beiden Guides fleissig nach Tieren graben und suchen.

Und plötzlich entdecken wir selbst etwas im Sand, eine komische pelzige Spinne mit dickem runden Körper, die wir schnell in Wiebes Schuh fangen, um sie stolz unserem Ernst zu präsentieren. Und der ist tatsächlich beeindruckt und erklärt, dass diese Spinne noch weitgehend unerforscht ist und er selbst sie erst zwei Mal gesehen hat! Also wird das Tier nach einem ausgiebigen Fototermin in eine Dose verfrachtet, denn Ernst will sie einem Biologen vorführen. Nicht bevor wir ihm das Versprechen abgenommen haben, dass wir natürlich in den Biologiebüchern erwähnt werden und an der Namensgebung der neuen Spezies beteiligt werden. Aber auch Cleo war nicht untätig und präsentiert uns sowohl eine blitzschnelle kleine Eidechse und einen wunderschönen transparent in allen Farben schillernden - eigentlich nachtaktiven- Gecko, den er aus seinem Sandloch ausgegraben hat. Den Gecko dürfen wir alle mal auf die Hand nehmen und sind hellauf begeistert von diesem zarten Tier, dass wir alle noch nie gesehen haben.

Danach graben wir ihn wieder ein, denn mit seiner empfindlichen Haut würde er sonst tagsüber in der Sonne verbrennen.

Und noch bevor wir weiterfahren entdeckt Cleo noch Nummer Vier auf der Liste, die faszinierendste Spinne, die ich jemals gesehn habe. Sie ist schneeweiß, hat lange kräftige, fast durchsichtige Beine, die sie, wenn sie in Angriffslaune ist, elegant einzeln anhebt. Daher kommt der Name Dancing Lady. Auch diese Spinne ist giftig weswegen wir uns damit begnügen sie zu beobachten, bis sie sich nach einem Tänzchen wieder in den Sand eingräbt. Dann fehlt jetzt nur noch der Chamäleon, den wir jedoch auch kurz darauf präsentiert bekommen. Der Wüstenchamäleon ist aus nachvollziehbaren Gründen nicht so farbenfroh wie sein Kollege aus dem Dschungel, färbt sich jedoch auch vor unseren Augen von sandfarben in dunkelbraun und sieht aus wie ein kleiner Dinosaurier.

Alles in Allem sind wir mächtig beeindruckt von der Tierwelt in diesem anscheinend so lebensfeindlichen Umgebung. Die Tiere hier profitieren natürlich von der Nähe zum Meer und beziehen ihre Flüssigkeit durch den morgendlichen Nebel, der früh am Morgen vom Atlantik her über die Namib zieht. Wir sehen noch einige riesige Sandkäfer, die sich mit ihren ellenlangen Beinen Wettrennen über den ständig die Dünen herunter rutschenden Sand liefern, eine weitere Sandviper und im Augenwinkel ständig irgendwo eine flinke Eidechse. An einer der größten Dünen halten wir letztlich nochmal an und erklimmen sie für einen atemberaubenden Blick bis rüber zum Atlantik und über die Dünenlandschaft der Namib.

Danach gibt es noch eine wahnsinnige Achterbahnfahrt im Jeep über die Dünen zurück nach Swakopmund.

Am Nachmittag haben wir eine Quadtour gebucht, wo wir das ganze noch mal als Selbstfahrer erleben dürfen. Tim, Benni, Carla, Johanna, Dad und ich fahren mit unserem grummeligen Tourguide "JP" zwei Stunden auf den kleinen Flitzern durch die Wüstenlandschaft. Es macht super Spaß, auch wenn mit meinem Quad irgendwas nicht stimmt. ich gebe eigentlich non stop Vollgas, werde trotzdem ständig überholt und verliere an Geschwindigkeit. Beim Aufstieg auf die Dünen merke ich dann meistens schon unten, dass mein Speed mal wieder nicht reichen wird und bleibe wie befürchtet ständig kurz vor dem Dünenkamm stecken. Dann heisst es das Quad ausgraben und zurückrollen lassen und versuchen wieder anzufahren und die anderen einzuholen. Ein ziemlich nerviges und anstrengendes Spielchen, was sich ungefähr
Namib WüsteNamib WüsteNamib Wüste

johanna, Sophie und ich
zehn mal auf der Tour wiederholt. JP versucht es mit Öl abgiessen, Reifendruck ablassen und diversen anderen Experimenten aber nichts scheint langfristig zu helfen. Trotzdem ist die Tour super und wir machen natürlich all die verbotenen Sachen...überholen, nebeneinander fahren, während der Fahrt aufstehen, driften - wie immer ist halt alles das verboten, was am meisten Spaß macht...Als wir am Ende der Tour völlig fertig und in Sand paniert wieder ankommen ist JP glaube ich auch ganz froh uns wieder loszuwerden. Abends gehen wir wieder leckeres Fisch essen und ertränken ihn dann in der Hotelbar noch fleissig mit ein paar Absackern. Zum Glück sind alle wieder so weit fit im Magen, dass sie das Essen genießen können.

Am nächsten Morgen steht noch ein kleiner Shoppingbummel bei strahlendem Sonnenschein auf dem Programm. Mein Papa kauft sich schicke neue Kuduleder-Schuhe und ich ein paar Mitbringsel und ein wunderschönes Bild. Der absolute Renner sind hier im Moment Palmennüsse, in deren weiche Haut die geschickten Straßenverkäufer afrikanische Tiere einschnitzen und dann bei Kauf auch noch blitzschnell deinen Namen dazu gravieren. Ich glaube insgesamt kaufen wir davon bestimmt 15 Stück.

Bevor wir gegen 13 Uhr wieder in Richtung Farm aufbrechen, machen wir noch einen Großeinkauf im Supermarkt um schon einiges für das große Fest am Freitag und natürlich auch ein paar basics einzukaufen. Das Leben auf der Farm ist dahingehend eben beschwerlich. Der nächste Supermarkt ist 30 km auf einer Schotterpiste entfernt, wenn man da bei der wöchentlichen Einkaufstour die Butter vergessen hat, muss man eben eine Woche ohne auskommen oder die beschwerliche Fahrt nochmal auf sich nehmen. Zum Glück haben wir die Kinder dabei, die begeistert die insgesamt sechs Gatter öffnen und schließen, die sich auf dem Weg befinden und die sowohl die einzelnen Farmen voneinander abtrennen als auch einzelne Farmabschnitte untergliedern, damit die Weiden sich von Zeit zu Zeit erholen können und das Nutzvieh nicht ungehindert und unkontrolliert alles abweidet.

Auf Etendero werden wir schon mit Kaffee und Streuselkuchen erwartet.

Hier werden wir bis Samstag ein paar gemütliche Familientage verbringen.


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Vor dem Quad fahren Vor dem Quad fahren
Vor dem Quad fahren

... Im Krankenschwesterlook
In der WüsteIn der Wüste
In der Wüste

Man wartet mal wieder auf mich
Pipi-Pause in den Dünen:Pipi-Pause in den Dünen:
Pipi-Pause in den Dünen:

"Mist wo ist der nächste Baum?"


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