Das Drama um Paul


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September 24th 2019
Published: September 24th 2019
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Dieses Drama zieht sich jetzt schon seit Anfang August hin, und ich kann nur hoffen, dass es jetzt ein Ende fndet.
In den Usambara Mountains fiel ich um (wie immer im Stehen, ich wollte Paul auf unebenem, steilen Gelände wenden).
Nachdem ich mich unter ihm herausgewurstelt hatte, nutzte ich gleich die Gelegenheit, seinen Bauch zu inspizieren. Und siehe da - da war ein Ölfleck auf dem Kardan. Also zu BMW nach Dar es Salam, wo sie nett waren, aber fast keine Erfahrung mit Motorrädern haben und keinerlei Ersatzteile. Alles muss aus Deutschland geschickt werden, das dauert 2 Wochen. Immerhin machten sie einen Ölwechsel im Kardan, und ich fuhr weiter. Neben BMW Dar waren eine Vielzahl von Leuten beteiligt an Pauls Schicksal, die alle versprachen, in Kürze die Ersatzteile zu haben, oder die genau wussten, was zu tun sei. Ich fuhr dann Paul die ganze nächste Zeit, immer ein scharfes Auge auf den Hinterradantrieb werfend. Nach Songea fuhr ich mit dem Bus, um die leckende Dichtung nicht zu arg zu strapazieren. Auf dem Weg von Dodoma hielt ich unterwegs in einem kleinen Kaff und fand einen pickipicki fundi (=Motorradwerkstatt), der das Kardanöl erneuerte. Teils gab ich selber die Anweisung, was zu tun sei, teils telefonierte er nach Dar zu BMW, um Hilfe zu bekommen. Jedenfalls war wirklich nur sehr wenig Öl mehr im Kardan gewesen.
In Dar traf ich auf Globebusters am 8.9., sie wussten von meinem Problem, hatten Dichtungen dabei, bauten sie ein und ich fuhr weiter. Bis über die Grenze nach Sambia. Dort war endgültig Schluß mit Freude, die Bremsbeläge, die Bremsscheibe, der Reifen - alles voller Öl. Zwei Tage war ich dann im Van of Shame, am dritten Tag nur nch kurz. Dann stieg Big Paul aus, um nach Windhoek zu fliegen.
Treffen mit zwei neuen Mitfahrern, Leihauto mieten, am Montag Abend kam er in Etosha an.
Ich fuhr Julias Motorrad bs Etosha. Es handelt sich um eine Triumph Tiger, die einfach nicht für mich gemacht ist. Ich finde, dass manche Teile einfach billig sind - der Seitenständer schaut aus, als könnte er sofort brechen, der Sound ist von einer heißen Nähmaschine, und einmal blieb das gute Tier einfach auf der Straße stehen. Aber natürlich war ich begeistert, wieder einige hundert Kilometer auf Motorrad zu verbringen.
Von Rundu aus wurde Paul mit einem LKW für 650 € nach Windhoek gebracht (gestern), zu BMW, wo sie hoffentlich heilend eingreifen können. Die Ersatzteile sind schon letzte Woche bestellt worden, aber die Bezahlung war schwierig, denn sie nehmen keine Kreditkarten an. Also musste ich eine Überweisung von der Bank in Deutschland aus veranlassen, die aber keine Überweisungen mehr machen, die telefonisch beauftragt sind. Also musste Wolfgang zur Bank in Gautiing fahren, dort die Überweisung beauftragen, und dann dafür sorgen, dass mir die Bank per email eine Bestätigung schickt, dass die ÜW erfolgt ist - damit BMW sich dann dazu bequemte, die Ersatzteile zu bestellen. Telefongespräche egal ob nach Deutschland oder Windhoek kosten 6 € pro Minute.
Es ist kaum vorstellbar, dass das Ganze noch schwieriger hätte sein können. Morgen fahre ich mit dem Leihauto nach Windhoek (550 km), gleich zu BMW, werden dort in Tränenfluten ausbrechen und versuchen, die Reparatur zu beschleunigen. Leihauto zurück, Paul beladen, und schauen, wo die Gruppe ist und ich sie wieder finden kann. Wobei ich nicht irgendeine beliebige Straße fahren werde, denn ich werde mich feige auf Teerstraßen bewegen. Die ungeteerten Straßen sind von sehr unterschiedlicher Qualität, Sanddünen in der Straße sind leicht möglich, und bei tiefem Sand bin ich schlecht.
Für diese ganzen Sachen brauchte ich immer wieder Bargeld und nie funktionierte die Mastercard. Jetzt hat sich herausgestellt, dass sie seit Ende August gesperrt ist, weil der Verdacht besteht, dass jemand meine Daten geklaut hat. Eine neue Karte wurde nach Gauting !!!! geschickt. Jetzt schickt sie Wolfgang nach Südafrika in ein Hotel, in dem ich in einer Woche bin (hoffe ich), dann muss ich sie nur noch aktivieren, wie auch immer das geht.
Außerdem hab ich mich gestern ernsthaft verfahren, ich fogte nämlich dem Navi, blieb sogar stehen, um zu kontrollieren, dass mich das zur Lodge bringt, alles ok. Nach 65 km auf Gravel Road stand ich tatsächlich vor einem großen Schild: Meine Lodge. Auch ein großes Tor war da und ein hoher Zaun. Leider auch ein riesiges Vorhängeschloß und weit und breit kein Mensch. Das Navi zeigte in dieser Gegend sowieso fast nichts an.Telefonnetz nicht vorhanden - ich hätte sonst bei der Lodge angerufen, und gefragt, wieˋs weiter geht. Ich war schließlich fast da! Ich fuhr erst mal einige Kilometer am Zaun entang, traf Kudus, die nicht sehr gesprächig waren, und kehrte dann um. Die Straße bestand aus blendend weißem Kalkstein, der die Sonne optimal spiegelte, Temperatur 40 Grad, kein Mensch zu sehen, Navi keine Hilfe. Dafür zahllose Gatter: anahalten, absteigen, Gatter auf, aufsteigen, durchfahren, absteigen, Gatter zu, aufsteigen. Weiterfahrt bis zum nächsten Gatter.Irgendwann nahm ich mich zusammen und machte einen Plan: wenn ich die ganze Strecke zurückfahre bs zur Teerstraße, dann bin ich wenigstens in Gegenden, wo mehr Leute sind, die ich fragen kann. Aber dann kam eine Abzweigung, ebenfalls Schotter, die mich wenigstens in die richtige Richtung brachte, und so gibt es keine weibliche Leiche im nördlichen Namibia.
Ach ja, Ischias habe ich auch.
Mein zweiter Vorname ist Hiob.

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25th September 2019

Aber Angelica heisst Engel...
... und du hast eine Engelsgeduld, dich immer wieder mit so etwas auseinander zu setzen! Andere haetten schon das Handtuch geschmissen und haetten das nächste Flugzeug nach D. Bestiegen und waeren nie wieder in ‘solche Gegenden’ gefahren! Aber du hast das Zeug dazu, und wenn dann alles wieder glatt geht, steht dir die Langeweile ins Gesicht geschrieben, oder? Viel Glück mit Paul wünsche ich aber!!!!!!!
25th September 2019

wie recht du hast.
Mir wird schon beim Gedanken an daheim ganz schlecht.... Paul ist soeben aus dem Motorrad Krankenhaus gekommen und hoffentlich geheilt.
26th September 2019

Drücke die Daumen...
... oder den Gashebel und Bremse..., Auf dass du noch lange und der Reise bist!

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