Roadtrip durch die Wüste: Arequipa, Colca Canyon, Huacachina


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October 3rd 2018
Published: October 7th 2018
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Nach all unseren kalten Nächten rund um Cusco und Puno, eingepackt in Wollsocken, Strumpfhosen, Schals und Hauben, freuten wir uns schon sehr auf Arequipa: Der Wetterbericht versprach wärmeres Klima, außerdem liegt Arequipa ja auf “nur” 2.300 Höhenmetern.

Mit dem Bus ging es erstmal sechseinhalb Stunden in Richtung Westen, diesmal unter Tags mit herrlichen Ausblicken über die Landschaft. Aus den grün-grau-braunen Bergen fuhren wir in die karge Wüste. Ein Szenario wie wir es nur aus Hollywood-Filmen kennen. So luxuriös wie mit der Buscompany Sur del Cruz bin ich allerdings noch selten gereist: Mit breiten Ledersitzen, Kuscheldecken, Entertainment-Screens, Check-In mit Gepäckaufgabe, mehrfachen Security Checks, Mittagessen, Kaffee... So lässt sich eine lange Überlandfahrt gut aushalten.

In Arequipa angekommen, haben wir uns sehr über die Essensvielfalt einer Großstadt gefreut: Das Angebot hier ist bedeutend größer als in kleinen peruanischen Bergorten, vor allem vegetarische Küche und Salate gibt es hier mehr. Außerdem neu für mich: Straßenverkäufer mit Emoliente. Emoliente ist frisch gebrauter Kräutertee für alle möglichen Beschwerden, zusammengemixt von einem Verkäufer mit vertrauenswürdigem Apothekercharme im weißen Kittel. Und das ganze für einen Sol (weniger als 30 Cent). Das war wirklich eine fabelhafte Entdeckung von der wir seit dem viel Gebrauch machen... Später in Lima habe ich sogar Emoliente Artesenal in Säckchen in Supermärkten gefunden und herausgefunden, dass die Kräuter die hier in Peru verwendet werden 1:1 dieselben Kräuter sind die ich seit Nicaragua immer in meiner Reiseapotheke dabei habe und mit Begeisterung zu mir nehme. Cola de Caballo (Schachtelhalm), Boldo (ein Magenkraut), Liñaza (Leinsamen), Canela (Zimt), Limón (Limette), Manzanilla (Kamille) ...

Am selben Abend haben wir auch unsere Freunde vom Salkantay-Trek wieder getroffen: Thomas aus der Schweiz, Danay aus Griechenland und Rocio aus Spanien. Wir haben unser Wiedersehen mit einem Bierchen in einer lokalen Cervecería gefeiert und uns am nächsten Tag früh morgens auf unseren Road Trip gemacht: Fünf Stunden mit dem Auto durch die Wüste bis nach Yanque, einem Ort im Colca-Tal. Die Kurvenstraßen, der Ausblick, die endlosen Gespräche, unzählige Lacher und die gute Musik waren ein Highlight für sich. Gemeinsam mit Freunden im Auto zu reisen war eine nette Abwechslung zu den organisierten Tours und langen Busfahrten.

Einer meiner persönlichen Top-Momente war das Mittagessen mitten in der Wüste. Wir waren schon mehrere Stunden unterwegs, hatten wilde Vicuñas entlang der Straße fotografiert, mit Lamas und Alpakas gekuschelt und Gletschereis am Straßenrand entdeckt. Wir hatten wilde Überholmaneuver erlebt und überlebt, mussten uns an Geröll, Wildtieren und parkenden Autos vorbeiquetschen... und dann, als es früher Nachmittag war und der Hunger sich schön langsam bemerkbar machte, tauchte da plötzlich ein einsames kleines Lokal mitten in der Wüste auf. Zwei von uns waren erst skeptisch, allerdings hat sich schlussendlich der Hunger durchgesetzt - wer weiß, wo man in dieser kargen Landschaft sonst noch etwas Essbares finden könnte ... Wir haben die Inhaberin getroffen, Emma, und sie gefragt ob sie fünf Leute bewirtschaften könnte. Sie hat uns sofort mit offenen Armen empfangen und ihre gesamte Aufmerksamkeit uns gewidmet: Wir wurden mit Kaffee, Tee, Bier, Mittagsmenü (Quinoa-Gemüse-Suppe, Fisch mit Reis und Gemüse) und Schokolade verköstigt, hatten das gesamte Lokal für uns und verbrachten zwei Stunden im Himmel auf Erden. Mitten in der Wüste auf rund 2.500 Höhenmetern, gefühlt am Rande der Welt. Und das ganze für nicht mal 3€ pro Person mit der freundlichsten Bewirtung die man sich vorstellen kann.

Eine Stunde später fanden wir uns in Chivay wieder, dem etwas größeren Ort nahe dem Colca Canyon. Bei der Ortseinfahrt wurden wir zur Kontrolle angehalten - offenbar werden Touristen hier zur Kasse gebeten. Als unsere Fahrerin, Rocio aus Spanien, ausstieg um mit dem Beamten zu sprechen, rechneten wir schon damit nun Eintrittsgeld zahlen zu müssen. Kurze Zeit später kam sie lachend zum Auto zurück und sagte nur: “Los los los, fahren wir schnell weiter. Welche Richtung??” Sie hatte dem Beamten erklärt wir wären nur auf der Durchfahrt nach Cusco, daher mussten wir keine Tickets kaufen. Warum sie ihm erklärt hat, dass wir nur zu dritt wären, weiß niemand so wirklich, auf jeden Fall hat sie uns damit gute 30€ pro Person gespart, also haben wir nicht weiter nachgefragt. Die Aktion war auf jeden Fall ziemlich lustig, weil sie nicht so genau erklären konnte, wie oder warum sie die Fahrt nach Cusco so schnell erfunden hat... darüber haben wir noch den ganzen Abend gelacht.

Endlich angekommen in Yanque, wurde uns von unserer AirBnb Gastgeberin Liliana gleich mal offenbart, dass der ganze Ort eine Hochzeit feiert und wir die nächsten Nächte im Ort wohl davon hören würden. Mit diesen Worten - und einer Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten - lud sie uns sogleich auch zu den Feierlichkeiten ein. Was soll man da nur sagen? Wenn wir schon nicht schlafen, dann werden wir wenigstens auf einer peruanischen Hochzeit feiern... Gesagt getan: Wenige Stunden später, nach einem Besuch der Aguas Termales (natürliche Thermalbäder), fanden wir uns bei der Feier ein.

Wir waren natürlich sofort die Attraktion schlechthin und wurden erst von allen Seiten skeptisch beäugt. Nach und nach fingen die Gäste an heimlich Fotos und Videos von uns zu machen, bis schließlich eine Peruanerin auf uns zukam und uns in einen Tanz integrierte. Von da an gab es kein Halten mehr: Wir tanzten, lachten, feierten zu typisch peruanischer Musik die eine siebenköpfige Band zum Besten gab. Wenn man es nicht besser weiß, könnte man meinen die Band spielt Asia-Pop, die Outfits und Musikrichtung war für unsere Ohren ganz schön funky... Man gab uns Bier, Chicha (Maisbier) und Pisco (Traubenschnaps). Die Gäste posierten mit uns für Fotos und stellten neugierige Fragen. Auch das Brautpaar war interessiert und freute sich sehr über unsere Geldscheine aus verschiedensten fernen Ländern (UK Pounds, Euro, mexikanische Pesos, US Dollars... und peruanische Soles). Der Abend hat noch lange nicht geendet als wir um Mitternacht das Fest verlassen haben.

Etwas merkwürdig war, dass die halbe Festgesellschaft direkt vor dem Zelt auf offener (Erd-)Straße gepinkelt hat. Ältere Frauen in edlen Trachten hockten einfach so am Straßenrand und erleichterten ihre Blase... ganz ohne Scham, direkt vor Lokalen und Hauseingängen, direkt vor uns als wir daran vorbeigingen. Wenn das ganze Dorf feiert herrscht wohl Ausnahmezustand. Und das über mehrere Tage hinweg.



Am nächsten Tag starteten wir um 06:30 in Richtung Cruz del Condor - einem Aussichtspunkt im Colca Canyon. Eine Seite des Canyons ist gut ausgebaut, mit einer asphaltierten Bergstraße, Aussichtsplattformen und massenhaft Guides und Touranbietern. Hier zahlt man die besagten 30€ Eintritt nur um die Straße befahren zu dürfen. Von unseren Gastgebern wussten wir allerdings, dass es möglich ist den selben Ausblick von der anderen Talseite zu bekommen - die Anfahrt wäre nur etwas länger und der Aussichtspunkt könnte nur durch eine Wanderung erreicht werden. Nach unserem Salkantay-Trek fühlten wir uns jedem Abenteuer gewachsen, also machten wir uns dort hin auf den Weg. Nach gut zweieinhalb Stunden Fahrt über Schotterpfade, kreuz und quer durch die Berglandschaft, mussten wir uns allerdings geschlagen geben: Der Weg war nicht beschrieben und schon viel länger als erwartet, die Straßen steil und in katastrophalem Zustand, außerdem war unser Tank dem Ende gefährlich nahe. Da wir nicht genau wussten, wie lange die Fahrt noch dauern würde, kehrten wir schließlich um. Einige Zeit später fanden wir uns etwas ernüchtert beim Eingang der Touri-Straße ein.

Mit seinem mexikanischen Charme konnte Julio uns immerhin fünf Tickets für “Latinoamericanos” organisieren, wir waren so spät dran, dass man sich zu dieser Zeit kein Glück mehr mit den Kondoren erwarten konnte. Uns wurde gesagt, die beste Zeit um sie zu sehen wäre zwischen sieben und zehn Uhr morgens, mittlerweile war es nach 12 Uhr mittags... Und dennoch waren wir fest entschlossen: Wir wollten zumindest den Ausblick über den Canyon genießen - und allein schon die Fahrt über die asphaltierte Bergstraße war zugegebenermaßen ein Luxus nach dem stundenlangen Gerumpel auf der anderen Canyon-Seite. Und dann, als niemand es erwartet hätte, haben wir plötzlich unseren ersten Kondor gesehen: Vom Auto aus, im Tiefflug, direkt über uns. Was für ein Glück! Wir stoppten bei einem Aussichtspunkt um ihn zu beobachten und staunten nicht schlecht über die gewaltige Größe des Raubvogels und die Eleganz in der Höhe mitten in dieser Gebirgslandschaft. Es dauerte nicht lange und ein nächster Kondor tauchte auf. Und so hatten wir unser ganz persönliches Kondor-Erlebnis, allein, mitten in einem der touristischten Parks in Peru, mitten im Colca-Tal, am Cruz del Condor.




Ica Wüste & Huacachina Oase

Der Morgen nach unserem Kondor-Erlebnis sollte auch den Abschied von unseren Freunden bedeuten. Wir reisten im Bus zurück nach Arequipa - für einen Tag - um dann von dort aus über Nacht 12 Stunden in die Wüstenstadt Ica und die Huacachina Oase zu fahren. Die erste Busfahrt, vier Stunden durch die Wüste, war aussichtsreich und gemütlich, nur die Einfahrt in die Stadt Arequipa war ziemlich zäh bei stockendem Verkehr. Uns wurde empfohlen ein Museum in Arequipa zu besuchen das Juanita, das Inka-Mädchen aus dem Eis, ausstellt. Ich habe noch nie viel Begeisterung für Skelette oder Mumien gehabt, daher hätte ich diese “Attraktion” bestimmt ausgelassen, aber ich bin froh, dass wir der Empfehlung gefolgt sind. Juanita scheint wortwörtlich im ewigen Eis zu ruhen - sie wird in einer Glasbox tiefgefroren konserviert gehalten, von außen kann man allerdings etliche Details ihrer Haut, Gesichtszüge, Gewand und Grabbeigaben erkennen. Nach gut einer halben Stunde Museumsführung, kurzem National Geographics Video und toll erhaltenen Ausstellungsstücken aus der Inka Zeit, kommt man in den dunklen Raum mit der Mumie. Einem jungen Mädchen in buntem Gewand. Ihr Anblick ist äußerst rührend. Laut neuesten Erkenntnissen war Juanita wohl eine Opfergabe an die Götter - und sie war nur eine von vielen. Diese Kinder wurden von klein an auserkoren und auf ihr Schicksal vorbereitet: Die Wiedervereinigung mit den Göttern. Dafür wanderten sie letztendlich wochenlang bis zum Gipfel eines der heiligen Berge um dort in einem Inka-Ritual den ewigen Schlaf im Eis zu finden. In Juanitas Fall von Puno aus mehrere hundert Kilometer nach Arequipa bis zum Vulkan Misti. Die Wissenschafter sind sich einig, Juanita hätte bei ihrem Tod keinen Schmerz verspürt - und wenn man dieser Erkenntnis Glauben schenkt, kann man auch fühlen, was für eine Ruhe der zierliche Körper ausstrahlt.

Den restlichen Tag haben wir sehr gemütlich, mit viel Emoliente, in Arequipa verbracht, bis um 21:30 unser Bus nach Ica abfuhr. 12 Stunden später fanden wir uns mitten in der Wüste wieder, in einer kleinen Wüstenstadt die scheinbar zu 100% auf Besucher ausgelegt ist. Hier hat man kaum eine Chance dem Tourismus zu entkommen, es gibt einfach keine Alternative... Wir haben eine Wein & Pisco Tour gemacht, das älteste Weingut Südamerikas besucht (TACAMA, erbaut 1540 von den Spaniern, mittlerweile anerkannt als eines der besten Weingüter der Welt) und haben Pisco, Spumante und Wein verkostet. Und auch wenn wir uns kaum abseits des "beaten paths" bewegt haben, war der Blick hinter die Kulissen der Weingüter in Südamerika interessant. Ica ist eine chaotische kleine Wüstenstadt, hier werden erstaunlicherweise auch die süßesten Früchte der Region angebaut, definitiv die besten die ich bisher in Peru gegessen habe.

Am Abend haben wir noch einen Abstecher in die Huacachina gemacht, eine blühende Oase mitten in der Wüste. Wir genossen phänomenale Ausblicke über die Landschaft bei Sonnenuntergang. Am nächsten Tag ging es wieder zurück zur Busstation für unsere letzte Etappe: Lima. Doch noch bevor wir dort ankommen sollten, hatten wir einen Autounfall im Taxi. Ein Mototaxifahrer der hinter uns gefahren ist war wohl unaufmerksam und ist mit unserem Auto kollidiert - glücklicherweise ist außer einem Blechschaden nichts passiert... Und dennoch wird einem in so einer Situation sehr schnell bewusst, wie rapide das Leben umschlagen kann. Glück gehabt.



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