Kapitel 5: Roadtrip in den Süden


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Oceania » Australia » Western Australia
November 29th 2012
Published: November 30th 2012
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Seit etwas über 2 Monaten sind wir nun in Australien und bisher hat sich die Faszination in Grenzen gehalten. Anstelle von unglaublichen Weiten, exotischen Tieren und atemberaubender Natur sind für uns vor allem die harte Arbeit unter extremen Bedingungen, illegales Campen und öffentliche Toiletten zum Inbegriff eines australischen Traums geworden. Doch das soll nun endlich ein Ende haben, zumindest vor erst.

Wir schreiben die erste Woche im März und unser Entschluss steht fest, wir verlassen Perth und den Trigg Beach, endlich. Diese Stadt hat uns nicht nur einmal an den Rand der Verzweiflung gebracht, obgleich es sicherlich nicht an der beeindruckenden Silhouette oder der fast schon peinlich hohen Lebensqualität liegt, die man hier offensichtlich genießen kann. Unseren letzten Abend verbringen wir jedoch in Fremantle, auf einer künstlichen Landzunge an deren Ende ein Leuchtturm steht, die weit ins Meer hinaus gebaut wurde um die Wellen für den großen Güterhafen zu brechen, der sich direkt hinter, neben und um uns herum befindet. Hier draußen weht eine stetige raue Brise die das Meer gegen die großen, aufgeschütteten Felsklötze peitscht, sodass man sich nur schwer verständigen kann. Mit uns sind noch der Schweizer Daniel, der uns dieses lauschige Plätzchen empfohlen hat, da man hier angeblich gut fischen kann und, was noch viel wichtiger ist, es Nachts keine oder wenn dann nur sehr seltene Kontrollen der örtlichen Ranger geben soll, und der aus Norddeutschland kommende Max. Max ist bereits seit über einem Jahr in Australien und hat den Kontinent gemeinsam mit seiner Freundin einmal umrundet. Vor einigen Tagen ist sie dann zurück nach Deutschland geflogen. Seither sind Max und Daniel, die wir beide am Trigg kennengelernt haben, gemeinsam unterwegs.

Leider haben wir an diesem Abend kein Glück mit dem Angeln und so kommt es das wir vier am Schluss mit Spagetti und Tomatensoße in einem Windgeschützten Abschnitt des steilen Ufers sitzen und den Sonnenuntergang bestaunen. Die beiden Jungs haben sich in den Kopf gesetzt erst einmal gemeinsam zu reisen, wohin, das wird noch entschieden. Bei uns ist zumindest die Richtung klar, Süden.

Der Süden von West Australien beeindruckt durch seine riesigen Karri-, Jarrah- und Marri- Wälder, kleinen Orten, eingebettet in hügelige Landschaft, einige der weltbesten Surfspots und einige gute Optionen um Arbeit zu finden. Dabei geht es vor allem um die Weinregion rund um Margarete River. Und im Weingeschäft sind wir ja nun schon erfahren.

Nach einigen Bieren und einer mal wieder ungenügenden Wäsche an einem Wasserhahn, angebracht an der Außenwand des kleinen Toilettenhäuschens, ist auch längst schon Schlafenszeit. Eine kurze Nacht und ein letzter Tag Arbeit auf dem Peel Estade Weingut in Rockingham steht uns bevor. Das heißt um 4 Uhr Morgens aufstehen. Einmal mehr. Wir verabschieden uns von Max und Daniel, einmal mehr, vielleicht sehen wir uns ja wieder, vielleicht auch nicht.



Am nächsten Morgen stehen wir zur geplanten Zeit auf und Alles geht wie von selbst. Anziehen, Kaffee aufsetzen, Bad, oder in unserem Fall Parkplatztoilette und Freiluft Dusche, Auto zum fahren herrichten, gefrühstückt wird auf der Fahrt. Dann sind wir auf dem Weg. Noch einmal Wein pflücken. Noch einmal die Stunden in monotoner Gleichgültigkeit verbringen, dünne Gespräche, hier und da wird ein Witz erzählt, unsere Arbeitskollegen, ein spezieller Mix aus Australiern, Engländern, Schweizern und Franzosen, jeder hat seinen eigenen Grund warum er in den frühen Morgenstunden Wein pflückt, anstelle sich noch einmal im Bett um zu drehen. Entschädigt werden wir jedoch mit einigen der kitschigsten Sonnenaufgängen über den dunstenden Reben wie man sie sich nur in Pilcher Romanen vorstellen kann und mit einem Scheck am Ende des Arbeitstages.

Als wir gegen Mittag wieder ins Auto steigen, klebrig von Schweiß und Traubensaft, ist es wieder da, das Gefühl, die Freiheit, die Ungebundenheit, die weite Welt, der ganze Kontinent, meinetwegen das Universum, liegt uns zu Füßen. Lass uns los fahren.

Aber vorher noch duschen.

Unser erstes Ziel ist das 50 Km südlich gelegene Mandurah, mit seinen Wasserkanälen und der großen Marina gleich im Stadtkern. Wir schlafen auf einem der zahlreichen kostenlosen Campingplätze, etwas abseits der Stadt. Diese Plätze bieten meist nicht mehr als einen Grund wo man stehen kann. Manchmal gibt es fliesendes Wasser oder gar Toiletten. Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück, geht es die nächsten 50 Km nach Harvey und dann weiter nach Bunbury, geschlafen wird auf einem Rastplatz am Highway, geduscht am Strand der nie weit weg ist, dann nach Busselton und Dunsborough bis Ballingup, dem ersten top Surfspot, der mir fast die Sprache verschlägt. Doch nicht nur uns gefällt die enge Bucht und die langgezogenen Wellen. Der Parkplatz am Strand ist voll mit Backpackervans. Im angrenzenden Park tummeln sich Familien gleichermaßen wie Rucksacktouristen die ihre Wäsche an Leinen zwischen den Bäumen trocknen.

Leider ist der nahe Campingplatz voll und wie wir schon mehrfach erfahren haben sind die Ranger hier im Süden nicht so gutmütig wie in und um Perth. Wir treffen ein Pärchen aus Holland wieder, die wir schon einmal irgendwo auf der Strecke getroffen haben. Nach einem gemeinsamen Dinner und einigen Zufällen später, ergibt es sich das wir hinter einem Labyrinth, eine Art Vergnügungspark für Kinder, einen Stellplatz für die Nacht finden.

Am nächsten Tag fahren wir das letzte Stück nach Margarete River, durch immer dichter werdenden Wald in Abwechslung mit riesigen Weingütern, die unseren Weg säumen. Hier muss es möglich sein den nächsten Job zu finden, und wenn auch nur für ein paar Wochen. Nur um Sicherheit auf dem Konto zu haben. Bevor es weitere Distanzen zu bewältigen gilt. Doch wie es zu erwarten war, ist die Stadt voll von Leuten wie uns und alle haben das gleiche Ziel, einen Job finden. Die Hostels sind ausgebucht, die Campingplätze teuer und die Arbeitsagenturen haben nur noch Wartelisten für uns bereit. So schwindet unsere Zuversicht in diesen Ort. Und wir verbringen die Nacht, das erste Mal für uns, in einem nahen Nationalpark. Diese Parks bieten einfache Campingplätze, Gasgrills und sogenannte Buschtoiletten in einer geschützten Umgebung, wo einem schon mal Schlangen oder Kangaroos begegnen können.

Wir bleiben insgesamt 3 Tage in Margarete River und wie es auch nicht anders sein kann, treffen wir Max und Daniel wieder. Gemeinsam mit ihnen gönnen wir uns eine Nacht auf einem nahen Campingplatz. Das erste Mal für uns in Australien. Was aber noch viel wichtiger ist, das erste mal seit wir Jeffs Haus verlassen haben kommen wir wieder in den Genuss einer warmen Dusche. Wie einem die einfachen Dinge doch die meiste Freude bereiten können.

Margeret River kann uns trotz seiner angenehmen Stimmung, den Bars und Restaurants und der wunderschönen Landschaft, nicht halten. Wir können es uns buchstäblich nicht Leisten an einem Ort zu verharren und auf einen Job zu hoffen. In zwischen haben wir erkannt, das es über kurz oder lang nur für uns in diesem Land funktionieren kann, wenn wir endlich einen festen Job für ein paar Monate finden. Alles andere wäre pure Illusion. Was wenn das Auto kaputt geht, was wenn wir kein Geld mehr haben und die nächste Stadt weit weg ist? Wir versuchen Entscheidungen zu treffen und können doch die Konsequenzen nicht absehen. Wo soll unser Weg hin führen, wo kann man Arbeit finden, Arbeit, Arbeit, Arbeit, am besten gut bezahlt, meinetwegen kann es auch anstrengend sein, aber bitte, Arbeit!

Entspannte, australische „Laidback- Stimmung“ klingt gut, nur muss man diese sich teuer erkaufen.

Wir ziehen weiter. Versuchen die mühsam erlernte innere Ruhe und Gelassenheit die wir aus Asien mitgebracht haben für uns zu nutzen. Versuchen die Dinge auf uns zu kommen zu lassen und nicht zu Verzweifeln. Denn noch, haben wir ja einige Dollars. Es geht nach Pamberton, ein langweiliges Provinznest inmitten von Farmen und Wäldern. Wir klettern auf einen der berühmten „Kletterbäume“, dessen Krone man über eine steile, 60 m hohe Wendeltreppe aus breiten Stahlnägeln erreicht, die ringsum den Stammt eingeschlagen wurden. Einen Schlafplatz für die Nacht finden wir in einem nahen Nationalpark, mitten im Wald an einem See.

Am nächsten Tag erreichen wir das gemütliche Denmark, was uns auf den ersten Blick sympathisch ist. Nicht weit entfernt davon, auf halbem Wege nach Albany, gibt es einen kleinen, versteckten Campingplatz am Perry Beach, wo man für 10$ die Nacht stehen kann. Zwar gibt es keine warmen Duschen und auch keine BBQ´s oder sonstige Annehmlichkeiten, aber die Lage, der Preis und die Leute dort sind einfach vom Besten. Wir lernen ein älteres australischen Pärchen kennen, die sich für mehrere Wochen auf dem Platz eingenistet haben. Der Mann ist ein begeisterter Fischer und eine wahre Frohnatur.

In den nächsten 3 Tagen lerne ich mit Hilfe meines neuen Mentors die Basis des Rockfisching's und wie man einen Hering filetiert. Wir wandern an der Küste entlang, saugen die Ruhe und Gelassenheit dieses Ortes in uns auf, machen neue Bekanntschaften und frittieren frische Heringe in einer Gusseisernen Pfanne über offenem Feuer. Es gelingt uns tatsächlich, all unsere Sorgen auf dem Highway zurück zu lassen und diese Tage wirklich zu genießen. Plötzlich entdecken wir all die Farben um uns herum. Zum ersten mal haben wir das Gefühl wirklich frei zu sein.

Leider sind nach 3 Tagen unsere Vorräte, vor allem das Trinkwasser, aufgebraucht und wir müssen in eine Stadt. Albany wird somit unser nächstes Ziel.

Mit 25000 Einwohner fast schon eine Metropole in dieser Gegend. Aber es gibt wiedereinmal Alles was unser Herz begehrt. Einen Coles Supermarkt, günstige Tankstellen, einen Dan Murphy´s Bottleshop, die günstigste Bottelshop Kette in Australien, dutzende Second Hand Läden, wo man vom Geschirr über Möbel bis Klamotten alles findet und jede Menge kleiner Geschäfte, Restaurants und Cafes. Aber was für uns wirklich eine herausragende Einrichtung darstellt, sind kostenlose, öffentliche, warme Duschen, mitten im Ortskern. Selbstverständlich keine Einrichtung nur für Backpacker, sondern wohl eher für die weniger Bemittelten Einwohner der Stadt. Weshalb einem beim betreten durchaus üblere Gerüche entgegen schlagen können. Doch unsere Toleranzgrenze ist inzwischen durchaus hoch angesetzt.

Doch trotz Aller Annehmlichkeiten, es gibt in einem Shop der Office Works Kette sogar kostenloses Internet, ergibt sich auch in Albany keine Möglichkeit für uns einen Job zu finden. Und wir stehen einmal mehr vor einer schwierigen Entscheidung. Die Frage ist ob wir weiter entlang der beeindruckenden Küste fahren bis zum bezaubernden Esperence, was allerdings eine Strecke von knapp 500km bedeutet und keine Garantie auf Arbeit birgt oder, ob wir wieder nach Norden Richtung Perth fahren, diesmal durch das trostlose Landesinnere mit tausenden von Farmen und kleinen Örtchen und ebenfalls keiner Garantie auf Arbeit, aber immerhin vielversprechenden Aussichten.

Wir entscheiden uns für die Vernunft und fahren gen Norden. Nächster Stopp, Mt. Barker.



by Patrick Bauer



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