La Vida Mexicana en Valladolid - Kleinstadtflair und große Pyramiden


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January 24th 2020
Published: January 27th 2020
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Nach einem dann doch erstaunlich entspannten 12-Stunden-Flug, zumindest soweit eine Reise mit einem Baby auf dem Schoss und einem Kleinkind das Wort entspannt verdient, kommen wir gegen 22 Uhr Ortszeit in Cancun in unserem Hotel an. Die erste Nacht hatten wir lediglich ein günstiges Flughafenhotel gebucht, damit wir zu dieser, für uns unchristlichen Uhrzeit (ca. 4 Uhr morgens in Deutschland) nicht mehr weit fahren müssen. Ohne jegliche Erwartungen sind wir dann doch etwas überrascht von der großzügigen Villa mit Pool und tropischem Garten und bekommen von dem bereits etwas angetrunkenen Gastwirt auch noch ein Upgrade ins „Familienzimmer“. Ob diese Großzügigkeit unseren müden Gesichtern oder seinem Alkoholpegel zuzuschreiben ist, keine Ahnung, aber wir freuen uns. Leider sind unsere Kinder, die im Flugzeug im Gegensatz zu uns zumindest ein paar Stunden geschlafen haben, ab 2.30 Uhr wieder hellwach und Marlene möchte sowohl „runter gehen, was essen“ als auch „spielen“. Um 4.30 Uhr können wir sie dann doch nochmal zu einem Stündchen Schlaf überreden und so steigen wir dann halbwegs wie normale Menschen gegen 6 Uhr aus dem Bett und versuchen uns im Laufe des Tages körperlich an die örtliche Zeit anzupassen. Marlene und ich nehmen vor dem Frühstück noch ein kurzes Bad im doch recht kühlen Pool und dann startet unser erster Urlaubstag. Nach mehreren Tassen Kaffee sieht die Welt schon anders aus und wir starten gut gelaunt unsere erste Etappe in das kleine Maya-Städtchen Valladolid im Landesinnern, etwa zwei Fahrtstunden entfernt. Da wir auf dem Weg keinen einzigen Geldautomat entdecken müssen wir auch direkt den ersten „Wegelagerer“ schmieren. An der einzigen Mautstation der Strecke kann man natürlich nur bar bezahlen und so werden wir angewiesen, aus dem kameraüberwachten Bereich zurückzusetzen und uns dann mit dem Chef der Mautstation hinter dem Fahrzeug zu treffen und ihm konspirativ 20 Euro zu überreichen. Dann dürfen wir ohne Quittung passieren. Nicht allzu schlimm für uns, denn 16 Euro kostet die „Autobahngebühr“ sowieso. Und jetzt können wir uns wenigstens sicher sein, dass es hier -Klischeedenken an- immer jemanden gibt, der für ein paar Scheine egal welcher Währung eine Lösung für alle erdenklichen „Probleme“ findet.



In Valladolid haben wir für vier Nächte eine Privatunterkunft bei „Suzi“, einer kleinen rundlichen Maya, gemietet. Die Zimmer liegen rund um einen traumhaften kleinen tropischen Garten mit Schwimmbad und Hängematten, außerdem gibt es ein nostalgisches Kinderkarussell zum selbst drehen, eine Schaukel und ein Trampolin. Nicht nur wir Erwachsenen fühlen uns hier also pudelwohl. Valladolid ist zwar die drittgrößte Stadt im Bundesstaat Yucatan, mit nur etwa 75.000 Einwohnern jedoch immer noch sehr überschaubar und entspannt. Kleine einstöckige bunte Häuser, ein wunderschöner Park mit einer Kathedrale im Zentrum und ein altes Franziskanerkloster mit einer beeindruckenden festungsähnlichen Fassade direkt neben unserer Unterkunft, sind die einzigen Sehenswürdigkeiten dieser Kleinstadt, die noch heute von vielen Maya bewohnt wird. Mit vielen traumhaften Cenoten (natürliche, mit Süßwasser gefüllte Kalksteinlöcher, in denen oft gebadet werden kann) in der Umgebung, dem Unesco-Welterbe Chicken-Itza und anderen Attraktionen in der Nähe ist Valladolid jedoch dennoch ein guter Ausgangspunkt und weist eine gewisse touristische Infrastruktur auf. Wir verbringen hier ein paar entspannte Tage, geprägt von Spaziergängen durch die malerischen Straßen, leckerem Essen und Mittagsstunden im Pool oder den Hängematten bzw. auf dem Karussell in unserer Unterkunft. Unsere Gastgeberin kocht uns jeden Morgen ein warmes yukatenisches Frühstück mit Empanadas (gefüllten Teigtaschen), würzigen Rühreiern oder Papadzules (knusprigen dunklen Tiegfladen mit einer Füllung aus Ei und Grünzeug). Dazu gibt es frisches Obst von der hauseigenen Bananen- oder Papaya-Palme und ein zwiebackähnliches Brot mit Marmelade und frischem Honig. Tagsüber essen wir in der Stadt in der es von hippen veganen Cafés über schicke Restaurants und einfachen Gaststuben oder Garküchen einfach alles gibt. Burritos, Ceviche, Fajitas und Quesadillas, Tacos oder Nachos mit Bohnenmus, Guacamole und Käse überbacken, tatsächlich ist das was wir hier essen recht ähnlich zu dem, was man von zuhause als mexikanisches Essen kennt. Nur oft ein wenig pikanter… Ein paar Mal essen wir auch „cochinita pibil“ eine Art pulled pork mit zitrusartigen Gewürzen, dass entweder in Empanadas oder in Fajitas gefüllt wird und hier ebenfalls eine Spezialität ist. Insgesamt ist das Essen einfach aber sehr lecker, wenn man wie wir Avocados, Hühnchen und Käse sowie jede Form von Teigfladen- oder wie unsere Tochter sagt: Pfannkuchen- mag.



Einen Vormittag besuchen wir chichen itza, die berühmteste aller Maya-Stätten, etwa 40 Minuten Fahrzeit von Valladolid entfernt. Obwohl oder gerade weil wir mit Menschenmassen und aufdringlichen Verkäufern gerechnet haben, gefällt es uns hier sehr gut. Wir schaffen es, gegen neun Uhr, noch vor Ankunft der Reisegruppen, die ab 11 Uhr von der Küste hier her gekarrt werden, dort zu sein und bewundern „el Castillo“ den perfekt erhaltenen, pyramidenförmigen Haupttempel noch weitgehend alleine. Der Wettergott ist uns auch wohlgesonnen und schickt ein paar Wolken, sodass wir zwei schöne Stunden hier verbringen können und uns auch die anderen, aus meiner Sicht jedoch weitaus unspektakuläreren Stätten auf dem Gelände, noch in Ruhe ansehen können. Als dann die Reisebusse ihre mit rosa Sonnenschirmen bewaffnete Fracht ausspucken verlassen wir das Gelände und fahren wieder Richtung Valladolid um dort in Ruhe Mittag zu essen. Es war eine beeindruckende Ausgrabungsstätte, noch gespannter bin ich jedoch auf die noch weitegehend vom Tourismus unberührte Ruinenstadt Calakmul im Süden von Yukatan, die wir im Laufe der Reise noch besichtigen wollen. Denn sowohl der Eintrittspreis von knapp 25 Euro pro Person als auch die teils dreisten und etwas aufdringlichen zahllosen Händler auf dem Gelände, machen diesen Ort inzwischen mehr zu einem Erlebnispark als zu einiger heiligen Stätte in der man den Geist der Maya noch spüren kann.



An den Abenden in Valladolid flanieren wir wie die locals über die gepflegte Plaza an der Kathedrale, die voll ist von Einheimischen und Touristen, mobilen Eisverkäufern und Essenständen. Einen Abend tanzen hier hübsche Frauen in traditionellen Kleidern eine Art mexikanischen Stepptanz, am nächsten Abend trommelt und tanzt eine Gruppe aufwändig bemalter, traditionell und spärlich bekleideter, teils mit Federn und Masken geschmückter, Maya-Männer zu betörenden Klängen einen traditionellen Opfertanz. Das Schauspiel und insbesondere der begleitende, andersartige Gesang zieht uns total in seinen Bann und Marlene spricht noch Tage später davon, dass sie die „komischen Männer“ wieder sehen will. Unser letzter Tag, an dem wir eigentlich die große zentrale Cenote im Ort besuchen wollen, wird leider überschattet davon, dass Marlene in der Nacht fast 40 Grad Fieber bekommt und so in den Seilen hängt, dass nicht mal der Spielplatz um die Ecke sie locken könnte. Wir besuchen an diesem Morgen also nur das ehemalige Kloster San Bernardino de Siena, das in einem wunderschönen riesigen Garten eingebettet quasi direkt neben unserer Unterkunft lieg. Außer einer wirklich schönen Kirche und einem schön erhaltenen mehrstöckigen Kreuzgang sowie dem Garten in dem sich ein altes Brunnengebäude mit Zugang zu einem unfassbar tiefem Cenote befindet, gibt es allerdings nicht viel zu sehen und wir verbringen den größten Teil des restlichen Tages in der Unterkunft. Am Abend ist das Fieber zum Glück weit zurück gegangen sodass die kleine Patientin mit uns zum Essen gehen kann. Vorher muss Dennis natürlich noch eine alte Tradition fortsetzen und lässt sich beim wahrscheinlich lässigsten Barbershop Mexikos die Haare schneiden. Ein älterer Herr im schicken gestärkten Hemd und mit einem Hang zum Perfektionismus schnippelt und rasiert, kämmt und pudert hingebungsvoll an seinem Kopf herum. Wir warten währenddessen in dem, man könnte denken nostalgischen, aber vermutlich mit original Inventar aus dem mindestens letzten Jahrhundert eingerichteten kleinen Raum voll dunkler schwerer Möbel und bestaunen sein Werk in den zu allen Seiten und an der Decke aufgehängten riesigen Spiegeln. Für den Folgetag, unseren ersten Ortswechsel nach Merida, haben wir uns dann einen Cenote vorgenommen der am Wegesrand liegt, außerdem den kleinen Ort Izamal. Nach der Unabhängigkeit Mexikos war Izamal eine der bedeutendsten Siedlungen Yucatans, heute ist es hauptsächlich bekannt als „la ciudad amarillo“ für ihr in sanftem gelb gehaltenen Gebäude im Ortszentrum, und für die riesige Klosteranlage San Antonio de Padua. Als Souvenir aus Valladolid nehme ich übrigens eine rot geschwollene Schulter mit auf die Reise. Während ich am ersten Tag nichtsahnend unter einer Palme gestanden hatte, hatte mich ein Monstermoskito angefallen und sich in meinen Haaren verfangen.







Und jetzt noch zwei Mal „Besserwisserwissen Mexiko“ zum Abschluss:

Mexikaner sind echt klein.



Und sie essen geschnittenes Obst mit gemahlenem Chilipulver obendrauf: Ananas, Kokosnuss, Mango, alles!


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Traditionen müssen gepflegt werden


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