Xilitla 4


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September 13th 2015
Published: September 14th 2015
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Sonntag, unser letzter ganzer Tag in Xilitla. Sonntags wird hier auf dem Zócalo zum Huapango aufgespielt, da wollen wir unbedingt mitmischen, wie schon auf unserem Kurzbesuch vor 6 Jahren.
Nach dem Fruehstueck haben wir aber erst einmal Don Beto Ramóns Gesundheitsschloss (el Castillo de la Salud) in Ahuacatitlan besucht, eine gute halbe Autostunde von Xilitla entfernt. Don Beto war ein aztekischer Heiler von ueberregionalem Ruhm, Bilder zeigen ihn mit mexikanischen Praesidenten, selbst Fidel Castro hat ihn empfangen. Er hat in seinem Heimatort symbolbeladene, knallbunt bemalte Gebaeude errichten lassen, deren Formen ihm in seinen Traeumen aufgetragen worden waren. Auch sie scheinen teilweise keinem Zweck zu folgen, hier enden aber die Aehnlichkeiten mit Edward James. Don Beto wusste offensichtlich genau, was er wollte, und alle Gebaeude sind auch vollendet. Es gibt auch einen grossen Garten mit Heilpflanzen, samt Schildern mit Bild, Namen und Verwendung.
Aus dem Laden ist fuer seine Nachfahren ein dickes Geschaeft geworden. Eine kleine Fabrik stellt Naturheilpraeparate gegen nahezu alle Geisseln der Menschheit her, die Dichte an dicken SUV's gleicht den besten Vierteln von México Stadt. Ausserdem scheint es einen echten Familienkrach zu geben, denn auf dem Hinweg warnen Schilder vor Nachahmern, und zwei seiner Soehne werben auf anderen Schildern fuer ihr eigenes Institut, das 1 km vor dem Schloss an der Strasse liegt.
Trotzdem ist der Besuch und die Geschichte und der Rundgang interessant, insbesondere, wenn man bereit ist, auch zwischen den Zeilen zu lesen.
Zurueck in Xilitla machten sich unsere Gastgeber gerade bereit, zum Huapango auf den Zócalo zu gehen, und luden uns ein mitzukommen. Dort haben wir das Tanzbein aufgestampft. Dazu sind Holzpaletten zu einem grossen Tanzboden ausgelegt, damit die Absaetze ordentlich knallen. Der Huapango hat fuer jede Strophe einen ruhigen Teil, bei dem nur abwechselnd das eine und das andere Bein vorgesetzt wird. Dann kommt der schnelle Teil, wo man im rasenden Rhythmus die Stiefel auf das Holz knallen laesst. Jung und alt trifft sich, alle Schichten und Koerpergroessen sind vertreten, abgerissene Kleidung neben Jeans und T-Shirt und Frauen mit bunt bestickten Tuniken. Maenner tragen Panamahuete und Stiefel mit schraegem Absatz. Einheimische ueberwiegen bei Weitem. Mehrere Trios wechseln sich ab, der Einsatz dauert vom Ende der Mittagsmesse um 13 Uhr bis zum Beginn der Abendmesse um 17 Uhr. Obwohl die Sonne nur halb durch die Wolkendecke kommt, ist es warm und schwuel, und der Schweiss rinnt in Stroemen. Wir haben dann mit unseren Gastgebern zusammen zum Essen eine Pause gemacht, und ich musste mir erst einmal auf der Toilette die Schweissbaeche abtrocknen, weil sie einfach nicht verdunsten wollten. Zum Nachtisch haben wir uns noch einmal ins Getuemmel gestuerzt, dann war die Veranstaltung aber auch bald zuende.
Noch ein paar Bemerkungen zu diesem Blog. Angezettelt hat ihn ja Diana, nach dem Vorbild meiner Cousine Tanja und Jens. Jetzt bin ich derjenige, der das ausbaden muss. Nachdem das Notebook den Geist aufgegeben hat, hacke ich also auf dem Smartphone herum, einem Geraet, dessen Groesse meinen Baerentatzen voellig unangemessen ist. Ausserdem sind in der Eingabe-Software Fehler drin, dass man den Programmierer dazu verknacken sollte, selber einen Blog zu verfassen, zur Strafe. Und trotzdem seht ihr, dass der Virus mich infiziert hat und mich dazu bringt, mir Fertigkeiten anzueignen, die zu erlernen ein vernuenftiger Mensch sich weigern sollte.

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