Noch mehr Maya


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North America » Mexico » Chiapas » Palenque
May 8th 2017
Published: May 10th 2017
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4.5.

Wir verbringen den Tag im Bus. Die Fahrt bis Palenque im Staat Chiapas dauert neun Stunden. Wir schlafen, lesen, schreiben Tagebuch, betrachten die vorbeiziehende Landschaft. Meist sind die Strassen von dichtem Gestrüpp gerahmt, manchmal sieht man aber Weiden mit buckligen Rindern, mageren Pferden und struppigen Ziegen, die Zaunpfosten haben Wurzeln geschlagen und bilden mancherorts dichte Hecken. Im Süden tauchen am Horizont Hügel auf, wir fahren an Seen vorbei mit bewaldeten Ufern. Einmal fahren wir durch dichte Rauchschwaden, vorbei an einem lodernden Buschfeuer. Mitten im Nirgendwo werden wir gebeten, unser Gepäck auszuladen und in einer Halle durchleuchten zu lassen. Jeder Fahrgast muss einen Knopf drücken, ein Zufallsgenerator. Bei einigen leuchtet ein rotes Licht auf, diese müssen ihr Gepäck durchsuchen lassen. Wir begreifen nicht, wozu das Ganze sein soll.

In Palenque erfrischen wir uns gerade im Hotelpool, als es zu regnen beginnt. Und zu donnern. Plötzlich gehen die Lichter aus – mehr als eine Stunde lang Stromausfall. Im Schein der Stirnlampe spielt Eva Querflöte, bis das Licht wieder angeht und wir essen gehen können.

5.5.

Es regnet immer noch, wir beschliessen einen Ruhetag einzuschieben. Wir installieren Eva in einer Ecke des Hotelrestaurants - einem mässig gemütlichen Etablissement mit Plastikpolsterstühlen und Kunststofftischtüchern in siebziger orange-dunkelbraun, an den Wänden hangen schaurig-schöne Gemälde von Ruinen und Papageien. Sie arbeitet an ihrem Schulprojekt (sie hat den Auftrag, ihrer Klasse drei Mal über ein beliebiges Thema zu berichten, der erste Bericht handelt vom Tauchen). Marco und ich machen uns in einer Regenpause auf um Touren für die nächsten Tage zu organisieren. Unsere Wäsche können wir an der Rezeption abgeben, so ist auch das endlich erledigt.

6.5.

Mit einer buntgemischten Touristen-Truppe aus Europäern, Amerikanern und etwa zur Hälfte Mexikanern fahren wir zu den Maya-Ruinen von Palenque. Im Gegensatz zur Ebene von Chichen Itza fügt sich diese Stätte in die Topografie des hügeligen Geländes. Die Gebäude sind weniger stark restauriert und man kann sie betreten. Auf diese Weise erhält man noch einen besseren Eindruck davon, wie die Maya hier gelebt haben. Dank des gestrigen Regens herrschen angenehme Temperaturen, die Luft ist klar und die Ruinen sind frisch gewaschen – ideale Bedingungen für schöne Fotos.

Weiter geht es zu einem pompösen Wasserfall inmitten des Regenwaldes. Auch hier wirkt sich der Regen positiv aus, imposante Wassermassen stürzen von den Klippen herunter. Wir folgen einem schmalen Pfad hinter dem Wasservorhang hindurch in eine Höhle. Dort erhalten wir Taschenlampen und waten etwa 50 Meter durch knietiefes Wasser bis zu einem kleinen Wasserfall, der einer Öffnung im Fels entspringt.

Letzte Station ist «Agua Azul» (blaues Wasser), passend benennt, da Mineralien das Wasser in einem leuchtenden Türkis erstrahlen lassen. Eine Reihe von Wasserfällen und natürlichen Pools, in denen man baden kann, umringt von Regenwald, ergeben ein unwirklich erscheinendes, äusserst spektakuläres Setting. Dies lockt natürlich die Touristen an, was wiederum die ganze Maya-Kitsch-Industrie fördert - der ca 2km lange Weg dem Flusslauf entlang ist gesäumt von Ständen. Wir erstehen bloss eine Mango, diese ist aber an einem Holzstab aufgespiesst, geschält und zu einer kunstvollen Blüte geschnitzt, was den Klecker-freien Genuss ermöglicht.

Beim Aussteigen schenkt ein mexikanischer Tourist, mit dem sich Marco etwas unterhalten hat, Eva eine hübsche Armkette. Abends trinken wir unsere erste Margarita (bisher war es uns immer zu heiss, es war mehr Bier-Wetter) bei einem deutschen Aussteiger mit einer Po-langen Rastalocke und geniessen seine Spezialität, Garnelen mit Kaffeebohnen. Diese sind ganz knackig geröstet, schmecken nussig mit nur einem Hauch von Kaffee, muy rico!

7.5.

Tagwache um 5.30h, eine weitere Tour bringt uns heute tief in den Regenwald zu zwei entlegenen Maya-Stätten. Die Strasse führt uns vorbei an kleinen indigenen Dörfern - Maya -, die grossenteils autonom organisiert sind. Rund um die Dörfer sind ganze Hügelflanken mit Mais bepflanzt, jede einzelne Staude von Hand gesetzt. Bananenpalmen, Papaya- und Avocadobäume begrenzen die Felder, zerzauste Hunde und Hühner streunen frei herum. Nach dreistündiger Holperfahrt und einer halben Stunde in einem Motorboot auf dem Grenzfluss zu Guatemala erreichen wir Yaxchilan, für uns die eindrücklichste und schönste Anlage, die wir bisher gesehen haben. Die Ruinen wurden bloss freigelegt von Bäumen und Gestrüpp und soweit gesichert, dass sie nicht weiter einstürzen, befinden sich aber ansonsten in unberührtem Zustand. Da wir uns von der Gruppe abgesetzt haben und die Gebäude auf eigene Faust erkunden sind wir fast alleine. Wir setzen uns auf den höchsten Punkt einer Ruine und geniessen den Ausblick, als plötzlich wenige Meter hinter uns im dichten Regenwald ein unheimlicher Lärm ertönt. Da brüllt und röhrt und heult es von allen Seiten. Wir sehen schemenhaft Gestalten, die in den Bäumen herumschwingen. Das Ganze dauert ein paar Minuten, plötzlich ist der Spuk vorbei und es herrscht wieder Ruhe.

In einem Dorf werden wir mit einem dreigängigen Menu verwöhnt, und nach einer weiteren Stunde Fahrt besichtigen wir schliesslich Bonampak, eine kleine Stätte mit einer breiten Treppe auf einen Hügel hinauf und einigen kleinen Tempeln rund herum. Das Spezielle hier sind die Wandmalereien, die teilweise noch sehr gut erhalten sind.

Es folgen noch drei Stunden Rückfahrt, danach ist dieser Monstertag geschafft. Gelohnt hat es sich alleweil.


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