Toronto: Reiselust und Lebensfreude verpackt in einer Stadt


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July 2nd 2018
Published: July 5th 2018
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„...I got your smile, that‘s all that matters“

Kanada: Das lang erwartete Grande Finale dieser Reise. Nach Sommer, Sonne, Strand und Lebenslust wartete Toronto darauf entdeckt zu werden. In meinem Kopf spielte sich einiges ab, zwischen Wolkenkratzern, hektischem Stadtleben, Fastfood-Großketten, Straßenmärkten und Kultur-Events. Doch wie schon so oft wurde ich überrascht; es folgten sehr entspannte, glühend heiße Sommertage - am Strand! - quasi eine Fortsetzung meines Kapitels in Mexico. Nur diesmal auf Englisch.Gute kanadische Musik zu diesem Blog: Xavier Rudd und Hey Rosetta!

Zum Einstieg ein kleiner Schwank aus Downtown Toronto:

Ich war in einem kleinen Vintage Shop auf der Queen Street und habe eine Box mit alten schwarz-weiß Fotos durchstöbert. Aus unerfindlichen Gründen hatten diese Fotos von kanadischen Familien in den letzten Tagen eine besondere Anziehungskraft auf mich die mich immer wieder nach diesen Boxen Aussicht halten ließ. Der Inhaber, der an der Theke neben mir saß, erklärte mir, dass er diese Fotos von Familien aus der Nachbarschaft einsammelt. Ein buntes Sammelsurium kanadischer Geschichte. „You are beautiful! How about you take one of these home with you? It‘s a gift. I got your smile, that‘s all that matters“, sagte er schließlich mit einem herzerwärmenden Lächeln im Gesicht.

Angekommen in Toronto vor zwei Wochen hat Mary mich von Flughafen abgeholt. Strahlend hat sie mich empfangen - und ich sie. Ein Wiedersehen wie wir es uns in Kolumbien nicht besser erträumen hätten können. Mary hat mir in Kolumbien erzählt, dass sie plant ihren Job zu verlassen und auf Reisen zu gehen. Ich hab ihr von meinem Leben erzählt und ihr etwas Einblick in das Leben “on-the-road” gegeben. Heute, drei Monate später, ist für sie schon alles vorbereitet und sie ist am Sprung in ihr nächstes Domizil: Ecuador ab Oktober. Das sind tolle Neuigkeiten, aber bis dahin hat sie noch einiges vorzubereiten hier in Toronto. Mary hat ein kleines Haus am Stadtrand, gute 30 Minuten entfernt von Downtown. Als wir uns in Kolumbien getroffen haben, hat sie mich zu sich ins Haus eingeladen, dass wir das wenige Monate später tatsächlich realisieren würden hätten wir damals noch nicht geglaubt.

Mary hat mich von Anfang an aufgenommen wie eine Schwester: Nach unserer 20-Stunden-Romanze in Cartagena hatten wir in Toronto das erste Mal Zeit uns so richtig kennenzulernen - gemeinsam in ihrer Welt in Kanada, in ihrem Zuhause. Schon nach dem ersten Abend haben wir gescherzt, dass wir uns fühlen wie Schwestern, die zwar in verschiedenen Welten aufgewachsen sind, und doch auf eine Weise verbunden sind und ihren Weg zueinander gefunden haben. Charakterlich sind wir uns sehr ähnlich und auch einige Erfahrungen die uns geprägt haben verlaufen parallel in unseren Leben. Im Guten wie im Schlechten. Und somit verbrachten wir die erste Zeit mit viel Yoga, Tee, Spaziergängen, Gesprächen und unserer Leidenschaft für Superfoods. Dass ich eine lästige Grippe aus Mexiko mitgenommen habe und Mary Krankenschwester ist war ein überaus glücklicher Zufall, also war ich definitiv in den besten Händen.

Meine letzten Tage in Mexiko verbrachte ich übrigens (nach der Regenwoche in Valladolid) noch einmal auf der Insel Isla de Mujeres. Ein traumhafter Badeort mit Sonnenschein von früh bis spät. Ein paar letzte Tage am weißen Strand und türkisfarbenen Meer. Wie ich mir dort eine Grippe eingefangen habe ist mir schleierhaft, allerdings meinte der Arzt, dass sich die Viren bei dem feucht-heißen Wetter schnell verbreiten - und dazu kommen dann noch die Klimaanlagen....

Von den heißen Sommertemperaturen auf der Insel ging es dann (unerwarteterweise) direkt weiter in den nächsten Hitzekessel: Kanada kann auf jeden Fall mithalten. Mit über 30 Grad und Sonnenschein fühlt sich die Stadt jeden Tag aufs neue glühend heiß an.

Einige der großartigsten Erlebnisse in Toronto waren für mich wie zuvor an Menschen gebunden - andere vor allem an die vielen Organic Farmers Markets, Superfood Stores, Health Food Bars, Smoothie Shops und Raw Food Chains... an einem Ort wo so viele Kulturen aufeinandertreffen, wo Korean BBQs neben Ethiopian Kitchens und Bavarian Breweries zu finden sind, steht Toleranz und Offenheit an der Tagesordnung - und das scheint auch das Angebot an nachhaltigen, gesunden, internationalen Nahrungsmitteln zu reflektieren. Es ist schier unendlich. Dieser moderne (Konsum-)Gedanke ist holistisch und stoppt nicht bei der Foodindustrie: auch Kosmetik, Haushalts- und Reinigungsartikel sind überwiegend „grün“... es scheint für alles ein wohldurchdachtes, nachhaltiges Konzept zu geben. Und das ist extrem faszinierend für mich und gibt mir Zuversicht, dass es ein paar gleichgesinnte Menschen da draußen gibt, die ein ähnliches Wertempfinden haben wie ich. Ich habe Stunden in diesen Läden verbracht und über die Vielfalt und Qualität der Produkte gestaunt.

Die berechtigte Frage ob das auch leistbar ist, kann ich nur zögerlich beantworten: Toronto ist definitiv ein sehr teures Pflaster. Und anscheinend ist auch - wie in so vielen großen trendigen Städten - der Wohnungsmarkt komplett überlastet. Als Europäer haben wir immerhin das Glück, dass der Wechselkurs EUR - CAD grad relativ gut ist, dadurch ist das Preisniveau vergleichbar mit Österreich. Aber günstig ist auf jeden Fall anders.

Zum Thema Essen und Wohnen noch ein kurzer Exkurs: An einem schönen Nachmittag war ich bei Freunden zum Essen eingeladen - Tom und Sogol, ein kanadisch-iranisches Ehepaar, das ich auf meiner Safari in Tansania kennengelernt habe. Sie wohnen in einem Apartment im 18. Stock direkt im Hafen Torontos - mit Ausblick auf den Lake Ontario, die Toronto Islands und den kleinen Flughafen "Billy Bishop". Permanenter Flugverkehr vor den Panoramafenstern inklusive. Das war schon eine Sehenswürdigkeit mit nettem privatem Touch. Da ich die Woche zuvor schon gemeinsam mit Mary über die Toronto Islands spaziert bin, hat mir das Erlebnis eine gute neue Perspektive (von oben) geboten. Die Inseln sind nur 15 Minuten vom Toronto Harbour entfernt, fühlen sich aber ganz stark nach Urlaubsparadies an. Die Idylle, kleine Häuschen, tolle Gärten, Vögel, Boote, Strände… die Wellen auf dem See rauschen in entspannten Rhythmen, eine Brise weht entlang des Boardwalks. Es herrscht eine lauschige Stimmung wie am Meer. Fun Fact: Die Häuser und Grundstücke sind nicht frei erwerblich. Wer hier wohnen möchte, muss sich auf eine Warteliste eintragen und bieten. Das Wohnrecht gilt prinzipiell nur für 100 Jahre, dann wird das Haus an einen der Bieter verkauft. Das Ganze erfolgt nach dem Glücksprinzip: Es wird gelost. Kein Witz. Die Gemeinschaft auf der Insel ist eng, man kennt sich unter den Nachbarn und es herrscht eine familiäre Stimmung.

Einen weiteren Nachmittag haben Mary und ich im Park verbracht, als eine Freundin von ihr zum Geburtstag zum Picknick eingeladen hat. Ich wusste nicht genau, was mich erwartet, war aber gespannt darauf neue Leute kennenzulernen. Wir spazierten also zum Park, schlenderten durch einen kleinen Organic Food Market der dort einmal die Woche zu Gast ist, und trafen die Feier-Runde auf Picknickdecken im Gras. Kanadier, Franzosen, Brasilianer, Belgier... alle gemütlich zusammen, mit mitgebrachten Snacks und Speisen. Fernab von Pizza, Pasta und Chips fand ich hier allerlei Salate, Sprossen, Nüsse, Saaten, Selbstgebackenes, Eingelegtes Gemüse, getrocknetes Obst, Superfood Cracker, Hummus Dips und Quinoa Bowls. Eine Community gleichgesinnter Weltenwanderer, freier Tänzer und Lebenskünstler in allen Lebensphasen. Gesprächspartner musste ich nicht lange suchen, das Interesse war groß. Kurze Zeit später lag Olia, eine der Tänzerinnen, (völlig selbstverständlich) in meinem Schoß, während Joe und Catharine mir Contact-Dance vorführten. Eine freie Tanzform bei der alles erlaubt ist, was die Berührung zweier Menschen zulässt - ganz im Gegensatz zur modernen „MeToo“-Bewegung. Zum Abschluss wanderten wir alle gemeinsam entlang einer Installation im Park die durch verschiedene Untergründe und Naturböden die Nervenenden in den Fußsohlen stimulieren soll. Stillschweigend zu zwanzigst in langsamen Schritten barfuß zu spazieren und dabei zu meditieren war eine spannende Erfahrung - der eine oder andere Lacher war da vorprogrammiert.

Das Canada-Day-Wochenende verbrachten Mary und ich bei ihrer Mutter am Land. Der Canada Day ist mit der größte Feiertag und die ganze Stadt ist dekoriert in Rot und Weiß, es gibt Festivals, Konzerte, Feuerwerke und Gatherings. Traditionell fahren die meisten Torontonians jedoch scheinbar an den See zu ihren Wochenendhäusern um Zeit mit der Familie zu verbringen. So auch Mary... Lake Erie liegt in etwa vier Autostunden entfernt von Toronto. Die Fahrt dort hin erinnerte mich an einen Ausflug durchs Burgenland, gezeichnet durch grasgrüne Felder, Windräder und kleine Gemeinden. Der Baustil ist natürlich ganz anders, das Gefühl der Weite und die Landschaft sind für mein Empfinden allerdins sehr ähnlich. Angekommen in Chatham war ich überrascht wie anders ich die Lage eingeschätzt hatte: In meinem Kopf war das „Cottage“ ein Landhäuschen, vergleichbar mit einer kleinen Alm oder einem Wochenendapartment bei uns. Allerdings erwartete mich ein großes Anwesen am See mit Haupt- und Gästehaus, Doppelgarage, privatem Badesteg und Strandzugang. Und der Strand am Lake Erie ist wider Erwarten ohne Witz feiner Sandstrand! Der See rauscht mit lebhaften Wellen, das andere Ufer ist außer Sichtweite - kein Wunder bei einer Küstenlänge von rund 800km. Daher auch die „Great Lakes“.

Gemeinsam mit Mary‘s Mutter Martha lebt dort außerdem noch die kleine Hazel, ein Pudelmischling mit schwerwiegendem ADS. Die Tage am Land waren entspannt, das Wetter traumhaft zum Baden und Entspannen... und doch waren sie gesäumt von kleinen Reibereien - das kommt ja in den besten Familien vor. Wir haben jeden Abend gegrillt - drei Frauen und ein BBQ - Spaziergänge durch die Gärten der Nachbarn genossen (das ist hier so üblich und wird toleriert) und haben den Sonntagabend bei großem Feuerwerk und Kindern mit Sternderlspritzern am Strand verbracht.

Toronto hat mein Herz erwärmt. Hier haben mir gute Menschen aus aller Welt die Tage versüßt, ihre Einstellung und Kultur prägt das Stadtbild. Eine bunte vibrierende Oase mit genug Grünflächen zum Atmen und Bewegen, die mir bestimmt in Erinnerung bleiben wird.



>> Fotos zu Stadt, Land und Menschen findet ihr weiter unten


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Canada Day

Der Strand war voll mit Familien, die mit Bier, BBQ, Wunderkerzen und Neon-Lichtern feierten. Das Grande Finale war das Feuerwerk über dem Hafen.


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