Gelb mit roten Punkten - die Wüste von oben, wir mittendrin


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Middle East » Israel » South District » Mitzpe Ramon
September 15th 2012
Published: September 16th 2012
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Mit jeder neuen Mail, jedem neuen Eintrag hier fällt es schwerer den Schalter von Englisch zurück auf Deutsch zu drücken. Viele meiner Freunde hier fragen mich, wieso ich nicht in Englisch schreibe. Ich antworte dann immer: "Wegen der Familie. Die sprechen kein Englisch." Tatsächlich ist es wohl aber auch für mich, zum Selbstschutz, damit ich zwischen all den Englisch- und Baby-Hebräisch-Erlebnissen, meine eigene Muttersprache nicht verliere.

Nach meinem ersten Abstecher zurück in den Norden, ging es ein paar Tage darauf ans andere Ende des Landes - in die Negev. Vor etwas mehr als einer Woche sind Lior und Amit in den gelbbraunen Süden gezogen. Ihr neues Heim heißt Mizpe Ramon und hat einen 8 mal 40 Kilometer langen Krater (Gottgeküsst!) vor der Haustüre.

Zu dritt in Tel Aviv gestartet, saßen wir ab Be´er Sheva (die umgangssprachliche Hauptstadt der Wüste) zu viert im Wagen. In Vorbereitung auf ein gesittetes Familienleben, haben Lior und Amit einen Hundewelpen adoptiert. Einen Namen hat sie noch nicht. Meine Versuche, sie mit wiederholten "Caro! Caro!"-Rufen an meinen eigenen zu gewöhnen, sind an den kritischen Blicken meiner zwei Israelis gescheitert. Nagut. Wenn dann aber auch der menschliche Nachwuchs irgendwann einmal die Sohle meiner Schuhe zerkauen sollte, spätestens dann, sind sie mir diese Nahmensehrung schuldig.

Mizpe gilt allgemein als eher ausgestorben. Die Anzahl junger Menschen ist begrenzt. Es gibt kein Kino, kein Einkaufszentrum, keine Clubs oder Bars. Nur wenn man abseits des Weges geht, sieht man dann und wann große rundliche Steine auf dem staubtrockenen Boden liegen. Wer diese behutsam anhebt, findet darunter dann...auch nichts.

Ungelogen: Mizpe ist tot - aber wundervoll. Und genau wie man in der Wüste das ein oder andere überraschende Blümchen findet, trifft man auch in der "Stadt" auf ein paar interessante Gestalten.

Fünf Gehminuten von Liors und Amits neuem Heim entfernt befindet sich das ehemalige Industriegebiet. Die alten Hallen sind heute Existenzbasis für Künstler, Lebemenschen, modernes Hippievolk. Viele der Läden servieren Kaffee und Kuchen im Hinterhof, es gibt ein Tanzstudio, Yoga-Unterricht und spirituelle Möchtegern-Gurus im Baumwollzelt am Straßenrand.

Und dann ist da noch das große Weite. Gelb, Braun, Rot, Schwarz. Es ist erstaunlich wie viele unterschiedliche Farben zu erkennen sind, wenn man im Abendlicht am Rand dieses unglaublichen Kraters sitzt. Und dann hinein zu laufen...

Am zweiten Tag machen Lior und ich eine Wanderung. Vom circa 30 Minuten entfernt liegenden Sde Boker, Grabstätte von Israels erstem Premierminister Ben Gurion, zum Wasserloch, Ein Akev. Der Rund-Trekk ist mit 5 Stunden angegeben und, entgegen unserer Gewohnheit (loslaufen, ausschwitzen, Staub husten, austrocknen), haben wir diesmal sogar ausreichend Wasser, 4-5 Liter pro Person, im Rucksack schwappen. Was wir nicht haben, bemerkt nach circa 300 Höhenmetern in brütender Hitze - Sonnencreme! (Ups!) Innerhalb der nächsten vier Stunden durchläuft unser Erscheinungsbild eine Metamorphose von Mandelnougat über leichtes Fuchsia hin zu einem tiefen Rostrot. Die letzte halbe Stunde ist ein qualvoller Marsch im brennenden Höllenfeuer unserer geschändeten Haut. Hinter jeder Biegung eine Fata Morgana, ein neuer Scherbenhaufen zerstörter Hoffnungen, bis sie schließlich tatsächlich im gleißenden Sonnenlicht flimmert - Maggie, unsere Retterin, Liors und Amits Renault Megane.

Was folgt sind zwei Tage im Aloe-Vera-Bad und die Angst vor pellenden Hautfetzen im hochzeitlichen Fest-Outfit. Trotz allem, es war atemberaubend. In der Wüste sieht alles gleich aus und gleichzeitig gleicht kein Bild dem anderen. Es ist eine schüchterne Schönheit, die mit Einfachheit besticht und der man sich, wurde erst einmal Blut geleckt, nur schwer wieder entziehen kann. Ohne Zweifel, wir würden es wieder tun - beim nächsten Mal dann mit Lichtschutzfaktor...40!!!


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16th September 2012

Grüße
Hallo Caro, freu mich zu hören, daß es dir und deinen Freunden gut geht. Man hört raus, daß du dich wohlfühlst, das ist für uns das Wichtigste. Viel Spaß bei der Hochzeit und Glückwünsche ans Brautpaar. Noch viele tolle Erlebnisse wünscht Bridge

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