Von Island über Prestwick (EGPK) in Schottland bis nach St.Gallen (LSZR) und dann auch noch via Kassel (EDVK) bis nach Uelzen (EDVU). Das Finale!


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June 22nd 2019
Published: June 22nd 2019
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Wie geplant geht es auch heute früh raus. Die innere Uhr scheint inzwischen sowieso schon total zu spinnen. Obwohl wir "gegen die Zeit" fliegen und täglich einige Stunden verlieren, kommen wir mit erstaunlich wenig Schlaf aus und so sind wir schon zur Öffnung des "Natura"-Restaurants um 6:30 Uhr zum Frühstück angetreten, dann wieder die knapp 30m rüber zum FBO (fix based operator = Flughafenbüro) und wenige Augenblicke später sitzen wir wieder im Flieger.

Übrigens saßen beim Frühstück am Nachbartisch einige US-Amerikaner, die sich laut vernehmlich über Dinge wie Flugwetter usw. unterhielten. Jetzt sehen wir diese Kerle auf eine DC-3 zulaufen. Die waren offensichtlich auch bei der "70-Jahre Lüftbrücke Berlin" Aktion dabei. Der Tankwart hatte gestern erzählt, dass eine ganze Gruppe von DC-3 dafür in Reykjavik Zwischenstation gemacht hatte.

Als Tankstopp in England haben wir uns dieses Mal nicht für das ansonsten bei Ferrypiloten so beliebte Wick (EGPC), sondern für Prestwick (EGPK), ebenfalls in Schottland, entschieden, da es heute einen ganz kräftigen Nordwind gibt und die Ost-West-Landerichtung in Wick jetzt ziemlich ungünstig wäre. Dieser Nordwind schiebt uns mit teilweise über 40 kts. Rückenwindkomponente in Richtung Heimat und so kommt uns in den Sinn, ob wir es heute nicht nur bis in die Schweiz, sondern vielleicht sogar noch bis nach Hause in die Lüneburger Heide schaffen könnten. Wir haben bei etwa 240 kts. TAS (true airspeed) eine GS (groundspeed) von 285 kts und mehr. Das sieht doch sehr gut aus. Nach nur etwa 3 1/2 Stunden landen wir in Prestwick in der Nähe von Glasgow. Hier geben sich auch die US-Airforce mit dicken Transportern und Tankflugzeugen die Ehre. Wir können einige Flugbewegungen dieser dicken Brummer bewundern. Es gelingt uns, mit der Flugsicherung eine Vorverlegung unserer Abflugzeit auszuhandeln und gleich geht es auch schon wieder weiter. Wir werden von den Radarlotsen über Manchester und Birmingham geführt und dann geht es mitten über London, dann via Dover und Calais, weiter über Belgien bis in den Raum Straßburg.

Bisher hatten wir auf der gesamten Reise eigentlich nie ernsthaft Wetterprobleme, aber heute türmen sich über dem Schwarzwald einige Gewitterwolken, die sich bedrohlich in unseren Weg zu schieben scheinen. Aber mithilfe des bordeigenen Wetterradars finden wir schnell eine Möglichkeit, auch diese Klippe noch zu umschiffen und so landen wir um 17:30 Ortszeit in Altenrhein / St. Gallen, Schweiz, dem Heimatflughafen der Cheyenne N520CS.

Es ist eine kurze Zollprozedur zu erledigen und dann ist es vollbracht. Die Cheyenne und ihre Crew sind nach Durchquerung der beiden flächengrößten Länder der Erde und Umrundung des gesamten Erdballs mit allen 360 Längengraden wieder wohlbehalten am Ausgangspunkt angekommen. Etwa 12.000 Nm (nautische Meilen) bzw. ca. 20.000 km Flugweg liegen hinter uns. Insgesamt 58 Stunden und 19 Minuten waren wir mit der Cheyenne in der Luft. Was haben wir in diesen 21 Tagen nicht alles gesehen! Kaum zu fassen. Dank an Bozi, der uns für diese ganz besondere Reise und dieses Flugabenteuer die entsprechende "hardware" zur Verfügung gestellt hat.

Aber der Tag ist ja noch nicht zu Ende. Natürlich drängt es Uta und mich jetzt auch nach Hause und so beeilen wir uns, unser Gepäck zugig in die Columbia umzuladen. Nach nur etwas mehr als einer Stunde Aufenthalt in der Schweiz heben wir mit der N666AS in Altenrhein in Richtung Norddeutschland ab. Es ist noch eine Zwischenlandung in Kassel (EDVK) zu machen, um die notwendige Zollabfertigung zu erledigen. Um 21:30 kommen Uta und ich dann endlich an unserem Heimatflughafen Uelzen (EDVU) an und diese ganz besondere Reise ist damit vollendet.

Der Schwerpunkt der Reise lag eindeutig in der Durchquerung und damit dem näheren Kennenlernen von Russland, einer Weltenregion, die uns bisher ziemlich unbekannt gewesen war. Es gab gewisse Erwartungen an dieses Land mit seiner bewegten Geschichte und auch seiner besonderen Beziehung zu Deutschland. Kurz zusammen gefasst können wir sagen, dass wir auf dieser Reise von Russland und den Menschen, denen wir dort begegnet sind, in nahezu allen Belangen positiv überrascht worden sind. Natürlich gibt es die Sprachbarriere und so manches blieb rätselhaft und unverständlich. Aber das Interesse ist beiderseitig offensichtlich sehr groß und es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit diesem riesigen und vielschichtigen Land, das ja quasi einen eigenen Kontinent bildet, und seinem Vielvölkergemisch näher zu beschäftigen. Uns sind die Menschen dort jederzeit sehr freundlich, interessiert und hilfsbereit gegenübergetreten. Das wissen wir jetzt sehr dankbar zu schätzen.

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