Nach Bulgaristan


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May 29th 2014
Published: May 30th 2014
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Abfahrt von Istanbul: Ich reise jetzt mit zwei Männern. Sie sind von Singapur nach Istanbul gefahren und wollen am 9.6. in Kopenhagen sein. Es sind zwei Chirurgen, die in Asien die
von Brustkrebs steigern wollen. Sie sprechen unterwegs mit Betroffenen, interviewen sie, sammeln auch Geld durch ihre Fahrt.
Jetzt waren sie jedenfalls in Istanbul. Ich kam in die Garage vom Armada, da stand schon ein MR. Komisches Nummernschild - schwarze Buchstaben auf schwarzem Grund. Als gleich darauf Michael, der Besitzer kam, fragte ich ihn, wo er denn her sei - Singapur. Und dann sprachen wir kurz über seine/meine Weiterreise, stellten fest, dass wir beide nach Bulgarien und Rumänien wollen, er schlug vor, dass wir uns zum Abendessen träfen - dort traf ich den zweiten Mitfahrer, Philip, ein Chinese.
Er ist in Exeter aufgewachsen - solche Zufälle!
Jedenfalls fanden die Männer, dass es zu gefährlich sei, für mich allein durch Bulgarien zu fahren, wir verabredeten uns zur gemeinsamen Abfahrt am nächsten Morgen.
8.00 Abfahrt vom Armada, dann zuerst eine kleine Stadtrundfahrt zu Philips Hotel. Da kamen wir schon etwas verspätet an. Dann Abschiedsszenen - Philips Frau und Tochter waren nach Istanbul geflogen und verabschiedeten sich jetzt. Und ganz gemächlich fuhren wir irgendwann nach 9.00 wirklich ab.
Das sind ganz andere Sitte, als ich sie kenne - was ich nicht am Vormittag schaffe, das ist nicht wichtig. Aber bei denen gehen die Uhren halt anders. Sie sind beide sehr nett und - das Unglaublichste!!!- Philip fährt noch viel langsamer als ich. Er zockelt so mit 80 kmh über die Autobahn und noch langsamer über die Landstraßen. Ich fühle mich wie Schumacher (nicht der eine, sondern der andere).
Der Westen der Türkei ist landwirtschaftlich gut genutzt - Getreidefelder so weit das Auge reicht. Dazu Getreidespeicher und natürlich Steinbrüche und Betonwerke.
Die Bauwurt in der Türkei hat ja auch den Hausbau erfasst - überall sprießen 5-6 geschossige Wohnhäuser aus der grünen Wiese. Natürlich besonders im Einzugsbereich von Istanbul, aber auch sonst überall. TOKI, die staatliche Wohnungsbaugesellschaft ist überall vertreten.
Wir näherten uns irgendwann der Grenze nach Bulgaristan, die Straße, eine Nicht-Autobahn wie üblich, war leer (wie üblich).
Die Grenze war wie immer: zuerst Ausreise ich, dann Ausreise MR. Nur: vor dem Fahrzeugschalter war eine lange Schlage. Keiner da. Nachdem es 13.00 war, dachten wir, dass der Beamte halt beim Mittagessen sei. Aber er kam und kam nicht. Und dann eine Erklärung: Das Computersystem ist “down” - nicht nur hier, sondern in der ganzen Umgebung (vielleicht sogar im ganzen Land??? - so genau weiß ich das nicht). Wir sollten doch einfach gehen und einen Tee oder Kaffee trinken oder eine Schläfchen machen oder so.
Wir setzten uns auf eine Bank. Warteten. Warteten noch etwas. Und noch etwas.
Und irgendwann sausten alle wieder in das Gebäude - Computer war wieder da. Und jetzt ging es recht schnell: Sie gaben die Fahrzeugdaten ein, Stempel im Pass, fertig.
Dann fehlte nur noch die Gepäckkontrolle. Sein Zimmer war leer. Also gingen wir ihn suchen. Er war einfach zu lokalisieren - inmitten einer Menschentraube. Er stempelte einfach die Pässe, die ihm hingestreckt wurden, machte einen Kringel dazu und das war’s dann schon. Nach knappen vier Stunden waren wir durch.
Dann rollten wir in die EU - Bulgarien wartete auf uns mit seinen vielfältigen Gefahren. Die Einreise war erst mal nicht so gefährlich, nur die beiden Pässe aus Singapur sorgten immer für einige Probleme. Das musste man einfach aussitzen.
Bulgarien zeigte sich bewaldet, kurvig und sehr grün.
Eine fette Schildkröte wanderte über die Straße und war sehr böse, als ich sie aufhob und an den Straßenrand setzte. Wäre sie etwas kleiner gewesen, hätte ich sie dem Donald mitbringen können, der sich sehnlichst eine wünscht. Aber da oben in Northumberland hätte sie es wirklich nicht gut, da wäre es ihr einfach zu kalt und nass. Es ist besser so.

Im ersten Ort gab’s dann ein Essen - man konnte es kaum mehr Mittagessen nennen, so am Nachmittag. Die Kneipe hatte zwar eine ausgedehnte Speisekarte, aber es gab nur Omelett. War auch gut. Aber als Philip dann noch Ketchup wollte, wurde das sofort neu berechnet - wie’s halt so war im Sozialismus.
Wir fuhren dann eine EU Straße entlang bis wir an die Küste kamen. Dort machten schon seit Jahrzehnten die Werktätigen der Sowjetunion Urlaub - auch dieser Strand wird Riviera genannt. Heute kommen Menschen aus Slowenien, Tschechien, Deutschland, auch Frankreich. Es ist mir völlig unklar, warum sie kommen - es ist einfach scheußlich. Das Schwarze Meer stinkt meist, die Hotels sind große Anlagen, das Hinterland ist landwirtschaftlich genutzt, oder sumpfig. Mann kann nichts tun, als in der Sonne liegen und (falls man Glück hat und es einen kleinen, miserablen Ort gibt) - irgend ein Zeugs kaufen.
Jetzt zeigte sich auch die Tageseinteilung der Mitfahrer - er wurde schon dunkel (vor allem wegen tiefschwarzer Wolken, aber auch weil es wirklich recht spät war) - und erst sehr allmählich dachte man daran, ein Zimmer zu suchen. Dabei waren zu diesem Zeitpunkt die Orte recht spärlich.
Jedenfalls fanden wir schließlich
* einen Ort * eine Tankstelle * und drei Betten.
Der Besitzer sprach fließend Bulgarisch - fließend und viel. Dann war da noch ein jüngerer Mann (Sohn?) - der sprach auch Englisch, hatte aber keine Lust, viel zu reden. Die Lage war schwierig.
Mein Zimmer hatte drei Betten, einen Tisch mit Fernseher drauf, Kühlschrank drunter und dann noch 3 Hocker. 20,00 € die Nacht, kein Frühstück (das ist hier so üblich in Privatquartieren).
Gerade als ich mein MR auf die überdachte Veranda fuhr, fielen die ersten dicken Tropfen. Und den Rest des Abends und lange in die Nacht hinein tobte dann ein ungeheures Gewitter.


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