Schwitzen und Schwatzen


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Published: May 18th 2017
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13.5.

Die Fähre bringt uns nach Belize City, dort besteigen wir den Bus nach Belmopan, der Hauptstadt. Von der Landschaft sieht man nicht viel, da wiederum der Strasse entlang dichte Hecken wachsen. Ein gesprächiger Taxifahrer bringt uns zu unserer Unterkunft 10km ausserhalb des Ortes. Er erzählt uns, dass letzten August ein Hurrikan Stufe 1 (geringste Stärke) grosse Schäden angerichtet habe - geknickte Bäume und zerstörte Häuser zeugen noch davon. Im Jahr 1961 habe einer der Stufe 5 das Land derart zerstört, dass rund die Hälfte der Einwohner in die USA geflüchtet sei.

Bei unserer Ankunft auf der Banana Bank Lodge herrscht dort Hochbetrieb: wir haben ausgerechnet den Tag der Feierlichkeiten zum 40-Jahr-Jubiläum erwischt. Diese beinhalten eine Western-Horse-Show durch die Angestellten – echte Cowboys! - und musikalische Unterhaltung durch einen Marimbaspieler (der auch Bach spielt, es ist umwerfend) einerseits und Gesangsdarbietungen unterschiedlicher Qualität andererseits. Es tummeln sich schätzungsweise 200 Personen auf dem Gelände, wir werden immer wieder freundlich angesprochen. Die Familie Carr aus Montana, USA, hat wie gesagt hier vor 40 Jahren eine unrentable Bananen- und Orangenplantage gekauft, Quarterhorses und Rinder importiert, Teak, Mais, Bohnen und Reis angebaut und ein paar Gästezimmer eingerichtet. Die solid gemauerten und hübsch gestrichenen Gebäude sind alle durch Mosaik-belegte Pfade miteinander verbunden und liegen gemeinsam mit einer riesigen Voliere mit Papageien und Pfauen, einem Gehege für einen geretteten Jaguar und einem einladenden Pool in einem Park mit uralten Bäumen und liebevoll angelegten Blumen-Rabatten entlang dem Belize-River. Pferde und Fasane laufen überall frei herum und grasen. Die Carrs - beide Mitte siebzig und quietschfidel, er reitet immer noch täglich und sie kümmert sich um die Gäste - wie auch ihre Töchter, Gross- und Urgrosskinder sind freundliche, interessierte Leute, mit denen man sich gerne unterhält. Hier bleiben wir, sagt Eva.

14.5.

Die Ventilatoren reichten nicht aus, um das Zimmer unter dem Blechdach zu kühlen, wir fühlen uns am Morgen halb durchgebacken. Es gibt aber bald Erlösung, wir machen eine Tubing-Tour durch eine Höhle. Das geht so: auf einem alten Pneu paddelt man flussaufwärts durch den Dschungel, und eineinhalb Kilometer in eine Höhle hinein. Dort steigen wir aus und machen eine Wanderung. Unser Führer erklärt uns die verschiedenartig geformten Stalagtiten und zeigt uns die Stellen, wo man Maya-Artifakte gefunden hat. Die Höhle (es sind erst 7km erforscht, man vermutet ein weitverzweigtes Höhlensystem) galt als heiliger Ort und es wurden hier religiöse Zeremonien durchgeführt. So wurde zum Beispiel durch Opfergaben wie Blut aus Zunge und Genitalien dem Regengott gehuldigt, und für unfruchtbare Frauen sollte ein Besuch einer in den Fels gehauenen Statue des Fruchtbarkeitsgottes eine Schwangerschaft zur Folge haben. Als Dank musste dann jedoch das Erstgeborene gleich nach der Geburt in die Höhle zurückgebracht werden… Auch Menschenopfer von Erwachsenen wurden dargebracht, jedoch nur von Freiwilligen. Solche gab es immer genügend, denn durch das geopfert-werden ersparte man sich die neun Gewölbe der Unterwelt, durch die sich die Seele vor dem Eintritt ins Paradies quälen musste. Wir jedoch essen bloss unseren Lunch und lassen uns dann auf unseren Pneus gemütlich wieder retour treiben.

Den Rest des Tages verbringen wir auf der Banana Bank Lodge, wo wir durch eine Jass-Runde für allgemeine Heiterkeit sorgen und mit Gästen und Angestellten plaudern. Ich telefoniere mehrmals nach San Pedro und versuche zu organisieren, dass das Hotel dort unseren liegengebliebenen Adapter auf die Fähre bringt und das Busunternehmen ihn dort abholt und auf den Bus bringt, den wir morgen besteigen werden. Alle sind sehr freundlich, aber ich bin nicht sicher, ob sie begreifen, was ich von ihnen möchte.

15.5.

Banana Bank Lodge züchtet nicht nur Pferde für den Ranch-Betrieb, sie bieten auch Ausritte an. Das müssen wir natürlich ausprobieren! In Einerkolonne reiten wir durch schmale Pfade, die mit der Machete in das Dickicht gehauen wurden, durch Teakplantagen und über abgeerntete Felder, lassen die Pferde im Fluss die Beine kühlen und den Durst stillen und erfahren nebenbei von unserem Guide viel Interessantes über Land und Leute.

Nachmittags besteigen wir den Bus nach Tikal – und der Fahrer überreicht uns tatsächlich sogleich unseren Adapter! Weitere Blog-Einträge sind also gesichert ;-)

Der Grenzübertritt nach Guatemala erfolgt erstaunlich speditiv und unkompliziert, danach senkt sich allerdings das Fahrtempo der Strassenzustände entsprechend drastisch. Das ergibt dafür mehr Zeit zum Bestaunen der Wälder, Felder und Dörfer im warmen Abendlicht. Mangos hangen wie Christbaumkugeln von den Bäumen, halbnackte Kinder versuchen sie mit langen Stecken herunterzuhaken. Frauen sitzen in ihren kleinen Ständen am Strassenrand und halten Früchte und Gemüse feil. Hühner und Hunde stieben vor dem Bus ab der Strasse. Wir erreichen Tikal, grösste Maya-Stätte Guatemalas, nach Einbruch der Dunkelheit und kriegen noch gerade unser Abendessen, bevor der Strom für die Nacht ausgeht. Das heisst es gibt nicht mal einen Ventilator – das wird wieder eine warme Nacht…

16.5.

Im Kerzenschein stehen wir um halb vier auf, denn wir machen die Sonnenaufgangstour zum höchsten Tempel. Wir tappen durch den noch stockdunklen aber langsam erwachenden Dschungel, die Geräusche um uns herum alleine sind die Strapazen wert. Aber es kommt noch besser: nach einem stündigen Marsch und dem Erklimmen von zahllosen Treppen stehen wir auf dem 70 Meter hohen Tempel, der seinerseits auf einem Hügel liegt und so den Blick freigibt über das Blätterdach des Dschungels. Ein Meer aus Bäumen soweit das Auge reicht, und am Horizont geht soeben die Sonne auf – ein magischer Moment.

Das Gelände mit Ruinen ist weitläufig, es ist erst ein kleiner Teil der Gebäude restauriert, überall stehen noch bewachsene Hügel, unter denen auch noch irgend ein Tempel liegt. So marschieren wir rund 10km, erklimmen unzählige Stufen und erkunden unterirdische Gänge bis uns der Schweiss in Bächen hinunterrinnt. Am Mittag nehmen wir den Bus nach Flores, einem pittoresken Örtchen auf einer kleinen Insel im Lago Peten Itza. Dort suchen wir uns eine Unterkunft mit AirCon und Pool.

17.5.

Heute feiern wir Evas Geburtstag. Der ist zwar eigentlich erst am 20., aber dann werden wir irgendwo im Busch sein. Hier in Flores - touristische Hochburg und deshalb gut bestückt mit Souvenir-Läden und Restaurants, die auch westliches Essen anbieten – lässt sich ein gemütlicher «Chill-Tag» verbringen, wie sich Eva das wünscht. Wir baden im Pool. essen Eis, erstehen diverse Täschli in buntgemusterten Stoffen und essen Pasta zum Znacht - sie ist zufrieden.


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