Der Steinmetz und der Mandarin


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Vietnam's flag
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August 27th 2006
Published: August 27th 2006
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on the road to the southon the road to the southon the road to the south

Kuestenstrasse von Hoi An nach Quy Nhon
Unsere Reise nach Kon Tum verlaeuft etwas anders als erwartet. Zuerst muessen wir von Hoi An morgens um 8 Uhr zurueck nach Da Nang und nehmen von dort den Bus nach Quy Nhon, noerdlich von Nha Trang, dem Badeort Vietnams. Den "Highway" 14 direkt nach Kon Tum koennen wir nicht nehmen, da der Bus ueber diese Strecke keine Touristen mitnimmt. Warum, das wollen/koennen sie uns an der Busstation nicht sagen. Wie immer, unhaltbar schlechtes Englisch bei allen Anwesenden. Da muss sich noch einiges dran aendern, wenn Vietnam mal wirklich touristisch erschlossen werden soll.
Die Strasse verlaeuft in der Kuestenebene und einmal mehr sehen wir unbeschreiblich schoene Landschaften. Reisfelder, Palmen, alles in saftigem gruen, kleine Oertchen und eine Gott sei dank sehr gute Strasse. Nach vier recht angenehmen Stunden im Bus - trotz sehr gewagter Ueberholmanoever - haben wir vier Stunden Aufenthalt in Quy Nhon, den wir nutzten um das schlechteste Essen seit dreieinhalb Wochen einzuwerfen und im Internet zu surfen. Waehrend Sam mailt nehme ich noch ein kurzes letztes Bad im Meer, inmitten von sieben Kids. Als einer der wenigen Touris in dem Ort war ich natuerlich einmal mehr die grosse Attraktion.
Weiter gehts im Minibus nach Pleiku und nach fuenf Stunden Fahrt nach Kon Tum. Der Ort wirkt nachts im Monsunregen wie eine Geisterstadt. Riesen Strassen und kein Mensch weit und breit. Wir checken im Dakbla-Hotel ein, das direkt neben dem neugebauten Indochina-Hotel klein und verloren wirkt. Beide haben praktisch keine Gaeste. Im riesengrossen - aber leeren - Speisesaal treffen wir fuenf lustige Vietnamesen, die erstaunlich gut Englisch sprechen und fuer ein Entwicklungsprojekt im Regenwald rund um Kon Tum arbeiten. Sie bieten uns an, eine kurze Nacht-Sight-Seeing-Tour in ihrem Minibus zu unternehmen, was irgendwie unglaublich witzig ist. Kon Tum selbst hat ueberhaupt nichts und ist ziemlich reizlos. Wir sind wahrscheinlich die einzigen Touris in dem Ort mit 100.000 Einwohnern.

Nach einem Fruehstueck entschliessen wir uns, den Vormittag mit einer kleinen Tour zu einem entlegenen Minderheiten-Dort zu fuellen, unser Bus geht um halb zwei weiter nach Buon Ma Thout. Wir buchen in der Travel Agency im Hotel zwei Motorroller mit Guides fuer 15 Dollar und fahren um neun Uhr los durch Kon Tum. Alle winken uns zu, wir sind nun endgueltig sicher, die einzigen Touris weit und breit zu sein. Nach dem Ort geht es ca. 10 km durch das Hinterland zum Dorfzentrum, das in allen Doerfern hier in den
Mr Vinh und SamMr Vinh und SamMr Vinh und Sam

Eine sehr beeindruckende Persoenlichkeit
Highlands aus einem Thatched-Roof-House besteht. Dieses stellt eine grosse Axt dar, um Daemonen fern zu halten und dient als Versammlungsort fuer die Dorfgemeinschaft. Freudig werden wir dort in Empfang genommen. Unser sehr netter Guide - zur Abwechslung spricht er mal gut Englisch - fuehrt uns herum und beantwortet geduldig Fragen. Die Regierung ist momentan dabei, die Zwei-Kind-Politik durchzusetzen, das Problem ist nur, wenn die Regierung zwei sagt, dann haben haben die meisten Familien trotzdem vier Kinder. In dem Dorf spendet ein Brunnen Trinkwasser und es gibt eine Schule. Steuern muessen keine bezahlt werden, nur Strom und ein kleines Entgelt fuer die Schule. Man ist drauf bewusst, die Kultur zu wahren und deswegen duerfen Touris den Ort nur mit einem Guide besuchen.
Wir verteilen fleissig Stifte und Luftballons und sind binnen kurzem von zwanzig Kinder und Muetter umringt. Wir freuen uns wahnsinnig und sind um eine schoene Erfahrung reicher.
Zurueck in Kon Tum trinken wir zusammen mit unseren beiden Fahrern noch einen Kaffee in einem einzigartigen Cafe, das mit viel Holzfiguren und alten Bomben aus dem Krieg ein beeindruckendes Ambiente entwickelt. Vietnamesische Liebeslieder und Klaviermusik tun ihr uebriges zur leicht melancholischen Stimmung.
Der Guide erzaehlt uns seine unglaubliche Geschichte. Kon Tum
ein Rong Hausein Rong Hausein Rong Haus

Dorfzentrum und Versammlungshalle. Nur mit Hilfe von Bambus und Rattanschnueren gebaut.
gehoerte im Vietnamkrieg zu Suedvietnam. Als sich die Front aus dem Norden naehrte wurde der Ort evakuiert und er musste mit 14 Jahren zusammen mit seiner Familie fliehen. Als sie mit ihrem Auto von der Strasse abbogen um auf Anweisung auf einem Dschungelpfad weiterzufahren, hatten sie eine Panne und liefen. Ihr Hab und Gut mussten sie im Auto zurueck lassen. Sie waren allein und fuer Stunden unterwegs als ein Panzer der Suedvietnamesen vorbei fuhr. Dieser kehrte nach fuenf Minuten aus Mitleid mit den ausgemergelten Gestalten zurueck und sie fuhren auf dem Panzer mit. Dieser feuerte mit der drehbaren Kanone blind in den Urwald und der 14 jaehrige Ving duckte sich jedes Mal, wenn der Lauf in seine Richtung drehte. Irgendwann erschien auf der Strasse vor ihnen ein Nordvietnamesischer Soldat, feuerte eine Bazooka auf den Panzer, Ving springt ab. Er kommt wieder zu Bewusstsein und sieht in den Gewehrlauf eines Vietcong. "Bist du ein Soldat?", "Nein, ich bin nur ein Bewohner der Stadt". Der Soldat zo ihm seine Schuhe aus und da sie nicht komplett bleich waren, sondern der Abdruck von Sandalen zu sehen waren laesst er sein Gewehr sinken und zieht sein Bajonett. Er zieht Reis heraus und teilt ihn
Sam und vier lustige EntwicklungshelferSam und vier lustige EntwicklungshelferSam und vier lustige Entwicklungshelfer

die uns am Abend in Kon Tum zum Essen eingeladen haben
mit Ving und seiner Mutter. "The south Vietnamese helped me and the north Vietnamese helped me, so what's this war for? Why war?".
Eine weitere. "Ein Steinmetz sah einst einen Mandarin vorbeigehen. Er wuenschte sich, einmal so maechtig zu sein, wie der Mandarin. Sein Wunsch ging in Erfuellung und er verwandelte sich in einen Mandarin. Doch die Sonne brannte herab und er sah, dass die Sonne noch maechtiger war als der Mandarin. Er wuenschte sich, die Sonne zu sein. Er wurde die Sonne, doch er sah, dass Wolken vor die Sonne zogen und sie verdeckten. Er wuenschte sich, eine Wolke zu sein und sein Wunsch ging in Erfulleung. Doch ein Wind kam auf und trieb die Wolken vor sich her und er sah, dass der Wind noch maechtiger war und wurde der Wind. Von hoch oben sah er einen Felsen. Doch der Felsen strotzte dem Wind und bewegte sich nicht. Er war maechtiger als der Wind, so wuenschte er sich ein Fels zu werden. Ein Steinmetz kam auf ihn zu und setzte seine Hacke an. Und er begriff und sah, dass der Steinmetz maechtiger war als der Fels und wuenschte sich, wieder ein Steinmetz zu sein. Von nun an war
ein typisches Haus der gehobenen Klasseein typisches Haus der gehobenen Klasseein typisches Haus der gehobenen Klasse

immerhin ist es gemauert! :) Auf Stelzen wegen der Feuchtigkeit, Ungeziefer und groesseren Tieren
er zufrieden."
Ein weiser Mann. Ich bin sehr beeindruckt und denke lange ueber ihn und seine Geschichten nach.
Wir nehmen den Bus nach Buon Ma Thuot, das fuer seinen Kaffee beruehmt ist. Wir unterhalten uns im Bus vier Stunden und langsam werde ich familiar in English speaking. Fuenf Stunden im Bus mit angezogenen Fuessen zu sitzen macht mir inzwischen nicht mehr viel aus, man entwickelt eine gewisse Gelassenheit.
Wir suchen eine Travel Agency, doch muessen morgen wieder kommen und gehen erst mal essen. Wir sehen weit und breit keinen Menschen, der nach Europa aussieht.
Morgen gehts Richtung Yuk Don Nationalpark, Elephant riding. Hoffentlich :-).

Ich denke, ich brauche nach diesen sechs Wochen erst mal Urlaub. Langsam werden es zu viele Eindruecke, die jeden Tag auf einen einstroemen und das alles zu begreifen und zu verdauen wird lange dauern.


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Das Hinterland von Kon TumDas Hinterland von Kon Tum
Das Hinterland von Kon Tum

kein Tourist weit und breit
Dieser nette Mensch flechtet Tragkoerbe fuer KinderDieser nette Mensch flechtet Tragkoerbe fuer Kinder
Dieser nette Mensch flechtet Tragkoerbe fuer Kinder

die dann im Tauschhandel verauessert werden
Ein paar Stifte und Ballons fuer die KidsEin paar Stifte und Ballons fuer die Kids
Ein paar Stifte und Ballons fuer die Kids

Damit waren wir endgueltig die groesste Attraktion seit Wochen in diesem Dorf :).
GeschwisterliebeGeschwisterliebe
Geschwisterliebe

Schon in jungen Jahren passen die Kinder auf ihre kleinen Geschwister auf


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