Wochenende: Kinder- Schwimmen, Nashornbegegnungen, ein Buschbrand im Nacken und ein Elefantenritt


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Asia » Nepal » Chitwan
April 4th 2014
Published: April 4th 2014
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Samstag ist schulfrei und wird uns als Feiertag verkauft, im touristischen Sauraha hat aber trotzdem alles geöffnet. Schon die ganze Woche schwärmen die Kinder davon, dass wir Samstag alle zusammen zum Fluss zum Schwimmen gehen. Als wir uns gegen 11 Uhrendlich mit Sack und Pack auf den Weg dorthin begeben, merken wir, dass mit "everybody" tatsächlich das ganze Dorf gemeint war, zumindest die Kinder. Und so hängen nicht nur unsere 5 Kinder die ganze Zeit an uns, wollen auf unserem Rücken durchs Wasser gezogen werden und von uns hochgeworfen werden, sondern auch noch 20 andere Kinder. Sogar die Wasserbüffeln, die bei unserer Ankunft noch zahlreich im Wasser herum dösen, nehmen ziemlich schnell Reißaus als die Kinderherde kreischend ins Wasser stürmt und anfängt mit den herumschwimmenden Wasserpflanzen um sich zu werfen.

Es ist wieder wahnsinnig heiß und zum Glück sind auch die Kinder bei unserer Rückkehr ziemlich fertig von ihrem Vormittag und verziehen sich in ihre Zimmer.Erstaunlichereweise gibt es heute schon nachmittags Strom und so dösen sie alle zu nepalesischer Chillout-Musik in ihren Zimmern herum. Die Nepalesische Musik ist übrigens generell um einiges erträglicher als die Indische. Ich mache auch noch einen kleinen Mittagsschlaf und werde um drei von Sushila mit selbstgemachten Pommes geweckt. Alex fährt nach dem Essen mit Hira auf dem Motorrad nochmal nach Dandi. Wir wollen eine Schaukel fürs Waisenhaus kaufen und die lassen wir dort von einem Metallbauer anfertigen. In Dandi haben dann auch tatsächlich die Banken geschlossen, sodass der Schaukelbauer auf seine Anzahlung verzichten muss, denn wir haben nur noch Euro. Also doch so eine Art Feiertag...

Ich laufe nochmal zum Fotoladen im Dorf, der auch gleichzeitig Souvenir-, Musikinstrumente-, Videokassetten- und Alles-Andere-Laden ist, weil mir dort der nette Betreiber versprochen hat mal nach meinem Kamera-Ladeproblem zu sehen. Leider hat er schlechte Nachrichten. Vermutlich gab es im Ladegerät einen Kurzschluss. Sein Sohn fährt aber morgen nach Narangat ( das ist die richtige Großstadt, noch ein Stückchen weiter als Dandi) und wird schauen, ob er dort für mich ein neues Ladegerät auftreiben kann. Sind einfach patente Geschäftsleute die Nepalesen. Wieder drei Tage und etliche Bemühungen -seinerseits- später soll sich übrigens herausstellen, dass nicht dasLadegerät oder die Stromversorgung das Problem waren sondern schlicht der Akku kaputt war. Das ist allerdings das kleinste Problem, denn ich habe noch einen Ersatzakku. Dafür haben wir in dem Ladenbesitzer einen neuen Freund gewonnen, der uns jedes Mal beim Vorbeilaufen freudig mit Namen begrüsst und natürlich kaufen wir fortan alles was wir brauchen nur noch in seinem "Foto-und-alles-andere-Laden". Auf dem Rückweg komme ich mal wieder an dem völlig irrsinnig gesicherten Kasernengelände vorbei, bei dem Alex und ich uns jedes Mal fragen, was genau die armen Soldaten, die mit schwerer Bewaffnung tagein, tagaus in ihrem Bunker liegen oder Patrouille laufen, eigentlich genau hier beschützen. Das überschaubare Gelände liegt mitten im Dorf und besteht hauptsächlich aus wilder Vegetation und einigen schäbigen Baracken...ist dafür mit mehrfach Stacheldraht und riesen Schildern gekennzeichnet und wird wie gesagt scharf bewacht...aber gut, die werden schon wissen, warum. Diesmal ist alles anders: der ansonsten grimmige Soldat steht am Zaun und pflückt gerade irgendetwas aus einem Baum als ich vorbeikomme. Er grüßt freundlich und fragt mich, ob ich diese Frucht schon kenne und hält mir eine Art Minidrachenfrucht unter die Nase, die er aber irgendwie anders nennt. Als ich verneine drückt er mir die ganze Handvoll in die Hand und freut sich sehr , als ich ihm versichere, dass die Dinger großartig schmecken. Tun sie auch tatsächlich. Leider hab ich aber keine Ahnung, wie sich die Frucht nennt und werde es wahrscheinlich auch nicht mehr rausfinden. Sogar grimmige Soldaten sind hier also eigentlich sehr nett :-)

Zuhause reissen Alex, Hira und Sushilas Neffe Robin noch die letzten Balken unserer Lehmhütte ein, damit endlich Platz für unsere nagelneue Schaukel ist, die am Montag oder Dienstag fertig sein soll.

Sonntag geben wir uns das komplette Touristenprogramm. Morgens um 7 Uhr starten wir mit einer Kanutour und einem anschliessenden dreistündigen Dschungel-Walk zurück nach Sauraha. Die Kanutour auf dem morgendlichen friedlich vor sich hinplätschernden Rapti-River hätte sehr entspannt sein können, wenn wir das Boot nicht mit fünf hysterischen Chinesen teilen müssten, die vollkommen unfähig sind, die Balance in dem Einbaum zu halten. Andauernd dreht sich einer ruckartig nach links oder rechts, sodass das Boot gefährlich schaukelt um dann sofort seinen Fehler wieder ausbügeln zu wollen, indem er sein Gewicht mindestens so ruckartig wieder in die andere Richtung verlagert. Natürlich begleitet vom Gekreische seiner drei Begleiterinnen, die mit Ballarinas zum Dschungel-Walk antreten. Ihr Guide gibt es irgendwann auf sie zu ermahnen und darauf hinzuweisen, wie gerne die Krokodile chinesisch essen. Trotzdem ist es eine schöne Fahrt, wir sehen ein paar Gharial- Krokodile und eine Menge Vögel, unter anderem den seltenen Marabu, Kormorane, sowas wie Fischreiher und Eisvögel.Unser Guide weiß wirklich sehr gut Bescheid, über die einheimische Tierwelt und kann zu jedem Vogel ein paar Fakten erzählen. Nach einer Stunde Fahrt docken wir im Chitwan National Park an, der Fluss bildet die natürliche Grenze zum Park und man muss eine Permit kaufen, bevor man überhaupt ein Boot besteigen kann.

Zum Glück haben wir unsere eigenen beiden Guides dabei und die Chinesengruppe entfernt sich recht zügig. Zunächst bekommen wir einige Sicherheitshinweise, denn im Chitwan National Park gibt es neben den etwa 500 Panzernashörnern, für die er berühmt ist auch noch Bengal-Tiger, Lippenbären, Leoparden, wilde Elefanten und andere nicht ganz ungefährliche Tiere. Modan, unser Guide erklärt uns also folgende Verhaltenshinweise für mögliche Begegnungen mit den Wildtieren:

Rhino (Kopf oben heisst übrigens Rhino ist freundlich, Kopf nach unten gesenkt heisst Rhino greift an): RENNEN, einen Baum suchen, den man leicht besteigen kann oder einen großen Baum hinter dem man Schutz suchen kann; wenn kein Baum vorhanden, weil man im Grasland ist RENNEN, und zwar im Zickzack denn ein Rhino kann bis zu 40 km/h schnell werden aber auf Grund der Masse schlecht bremsen und die Richtung wechseln. Wenn es geht dann noch etwas werfen, dann wird das Rhino stehen bleiben und daran riechen, denn es sieht nicht sehr gut und verlässt sich grösstenteils auf sein Gehör und den Geruchssinn.

Bär: In der Gruppe zusammenbleiben, schreien/möglichst viel Lärm machen und sich darauf verlassen, dass die Guides mit ihren Stöcken den Bären verhauen; sollte er dennoch angreifen, auf keinen Fall auf einen Baum klettern, der Bär klettert besser, sondern Steine werfen.

Tiger ( laut Angaben von Modan eigentlich ein sehr scheues und sanftes Tier, im Gegensatz zum Bär, mit dem er schon öfter kämpfen musste): Blickkontakt suchen, langsam rückwärts zurückziehen, auf keinen Fall den Rücken zudrehen, dann greift die feige Sau an. Wenn er angreift hast du eh mehr oder weniger verloren, soll aber fast nie passieren.

Wir fühlen uns in Anwesenheit unserer beiden Guides mit ihren Holzlatten ziemlich sicher und starten zu viert durch den Dschungel. Ständig hört man irgendwo Geräusche und Modan lauscht eifrig, riecht an frischen Urinspuren (Rhino!!) und deutet Fussabdrücke im Sand. Dann springt nach wenigen Metern schon aus dem Dickicht ein Wildschwein über den Trampelpfad und aus der Richtung von der es kam kommen grunzende Geräusche zusammen mit dem Geräusch umgegrabener Erde. Noch mehr Wildschweine denken wir langweiligen Touristen, aber Modan hatte den richtigen Riecher; wir schlagen uns ins Dickicht und da sind drei schwarze Bären, die an einem Termitenhügel herumgraben, vielleicht 6 m von uns entfernt im Gebüsch. Wir sehen sie kaum, weil das Unterholz so dicht ist, aber ab und zu blitzt ein Gesicht oder einen Tatze auf und irgendwann klettert einer der Bären sogar in einen der Bäume hoch, in dem hoch oben ein Bienenstock hängt. Wir gehen vorsichtig in Rückzugsstellung aber können die Bären eine ganze Weile beobachten.Im weiteren Verlauf der Tour sehen wir noch eine Menge Antilopen, viele wilde Hühner, Vögel, riesige bunte Libellen und Schmetterlinge. Irgendwann geht es aus dem Wald hinaus in eine offene Grassteppe mit mannshohem Elefantengras. Das sieht schon eher aus wie die Gegend, in der dir ein Nashorn begegnen könnte. Inzwischen ist es zehn Uhr und wieder brütend heiß aber die Tour macht riesig Spaß weil die Landschaft so toll ist und natürlich, wegen dem Thrill, dass ständig ein Nashorn vor dir stehen könnte.Irgendwann erreichen wir eine Art Hochstand mitten in der Ebene, von der man kilometerweit sehen kann. der Blick ist atemberaubend und wir stehen eine ganze Weile oben und saugen die Aussicht aus, bevor ich den Satz " jetzt fehlt nur noch ein Nashorn" sage und in genau dem Augenblick schiebt sich ein riesiger grauer Koloss aus dem Grasland auf den Trampelpfad, den wir zuvor gekommen waren. In etwa 100 Metern Entfernung kommt das Rhino gemächlich auf uns zugetrottet und wir haben die beste Sicht von oben auf das zweitgrösste Landsäugetier der Erde.Leider bleibt es bei dieser Begegnung auf Distanz, weil das Rhino sich kurz darauf wieder ins Gebüsch schlägt und in anderer Richtung davonläuft.Aber kurz darauf überraschen wir, auf einer Böschung stehend, zwei weitere Nashörner beim Bad in einem Schlammloch nur etwa 10 Meter entfernt von uns. Eines der beiden trollt sich sofort, das Andere bleibt stehen und sieht uns direkt an (Kopf noch oben allerdings!!).Die beiden Guides geben sofort zischende Laute von sich und schlagen ihre Stöcke aneinander und so trottet dann irgendwann auch dieses Exemplar davon. Dennoch eine beeindruckende Begegnung und bei mehr als 900.000 qkm Parkfläche und einer Population von etwa 500 Panzernashörnern ( Tendenz wohl wieder leicht steigend) auch eine glückliche.

Nach etwa 3 1/2 h Walk kommen wir wieder in Sauraha an und haben für nach dem Mittagessen noch eine Jeepsafari gebucht.Wir fahren vier Stunden durch den Nationalpark und geniessen die tolle abwechslungsreiche Landschaft und den Fahrtwind auf dem Verdeck, jedoch ohne, dass wir außer einem
Gharial- KrokodilGharial- KrokodilGharial- Krokodil

Im Aufzuchtzentrum
kleinen Bär, der uns fast vors Auto rennt nennenswerte Tierbegegnungen hätten. Insbesondere der ersehnte Tiger bleibt aus, aber bei dem Lärm den so ein Jeep macht (im Gegensatz zu einer Walking Tour) ist das auch kein Wunder. Trotzdem ist die Fahrt wirklich schön.Allerdings geraten wir in ein Buschfeuer, bei dem die Flammen plötzlich vom Wind getrieben meterhoch auf unser Fahrzeug zukommen. Der Jeepfahrer, der selbst ja im Führerhaus von der Hitzeentwicklung und dem Ascheregen nichts mitbekommt, fährt zunächst trotz hysterischen Geschreis unserer holländischen Sitznachbarin weiter, da Drehen auf dem schmalen Weg auch nicht ohne Weiteres möglich ist. Dann plötzlich versperren die Flammen jedoch tatsächlich den kompletten Weg und wir müssen umdrehen und nochmal zurück durch das Feuer, was uns Gottseidank noch nicht den Weg abgeschnitten hat. Es fühlt sich an, als würde jemand einen riesigen voll aufgedrehten Fön über dich halten und Augen und Nasen tränen als hätte man in einem Sack voll frisch geschnittener Zwiebeln übernachtet. So hatten wir dann doch wenigstens ein kleines Abenteuer wie der Begleiter der völlig fertigen Holländerin trocken bemerkt. Wir kehren aber unbeschadet zurück und halten nochmal kurz an einer vom WWF unterstützten Krokodilaufzuchtstation für den bedrohten Gharial( Ein Fisch fressendes, hier heimisches Süßwasserkrokodil).Hier
ElefantenrittElefantenrittElefantenritt

bereit zum Aufsitzen?
werden die Kleinen bis zu einer gewissen Grösse aufgepäppelt und dann ausgewildert, denn in der freien Natur überleben nur etwa 1%!d(MISSING)er geschlüpften Ghariale, die man leicht an ihren schlanken Mäulern erkennen kann.

Am nächsten Tag klingelt unser Wecker namens Sushila schon um 05:22 Uhr, denn wir haben einen frühmorgendlichen Elefantenritt in den Nationalpark gebucht. Der Ritt ist super toll, auch wenn wir ausser ein paar Antilopen keine Tiere sehen. Aber so früh Morgens durch den Regenwald zu Reiten ist wahnsinnig schön und obwohl wir mit bestimmt 30 Elefanten losreiten, verläuft sich alles in dem weitläufigen Gebiet sehr schnell und wir sehen und hören die anderen kaum. Am Nachmittag werden wir dann noch einmal abgeholt und fahren mit einer Rikscha zum Elefantenaufzuchtzentrum, einige Kilometer ausserhalb der Stadt. Hier werden die Arbeits- und Reitelefanten gezüchtet, die dann von klein auf an den Menschen gewöhnt sind. Ziel ist es unter anderem auch, mehr über die Fortpflanzung der Elefanten zu erfahren, die Art zu erhalten und keine wilden Elefanten mehr domestizieren zu müssen und trotzdem die Anzahl an Arbeitstieren zu erhalten. Auf Grund der wachsenden landwirtschaftlichen Nutzung von Lebensräumen der Wild lebenden Elefanten und der dadurch verbundenen Probleme für beide Seiten, Mensch und Tier, sinkt die Zahl der asiatischen Elefanten, die in Nepal wild leben seit 1975 ständig. Insgesamt leben weltweit etwa 33% dieser Spezies inzwischen in Gefangenschaft; davon jedoch die meisten in ihren Heimatländern Indien, Nepal,China, Bhutan, Bangladesch, Myanmar, Thailand, Indonesien, Vietnam, Kambodscha, Laos und Sri Lanka und nur die wenigsten in westlichen Zoos.Das Elephant Breeding Center wurde 1986 eröffnet und begann mit 20 Tieren, seitdem sind 39 Kälber geboren worden, von denen jedoch vier verstorben sind. Im letzten Jahr wurden drei Kälber geboren und während ihre Mütter angekettet sind, springen die kleinsten Kälber in den Ställen frei herum und kommen sogar aus diesen heraus. Wir sitzen auf einer kleinen Böschung gegenüber der offenen Stallungen und eine kleine Elefantendame kommt herausgetrabt, untersucht erst mit dem Rüssel unsere Füße und schmeisst sich dann völlig unvorbereitet vor uns in den Dreck, sodass wir gerade noch die Beine wegziehen können. Sie nimmt ein kleines Staubbad und wir können sie anfassen und ein wenig massieren was sie sichtlich geniesst. Sie frisst uns etwas Gras aus der Hand und springt eine ganze Weile um uns herum, frisst hier ein paar Grashalme und dort ein paar Blätter und lässt sich fotografieren. Wir sind völlig begeistert und können uns erst losreissen, nachdem immer mehr Leute kommen und die Kleine irgendwann auch wieder zu ihrer Mutter in den Stall zurückläuft. Unsere Projekte im Waisenhaus an diesem Wochenende heissen Karotten und Knoblauch ernten (davon hat Sushila Unmengen angepflanzt, ich glaube so viel Knoblauch würde in Deutschland einem Haushalt für 10 Jahre reichen), Bohnen säen und den Gemüsegarten umpflanzen, denn hierauf soll die vorher abgerissene Lehmhütte neu entstehen. Langsam werden wir noch zu richtigen Farmern !


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