Lernen vom Leben in Chitwan : Strom gibt's wenn grad Strom gibt, Mittwoch ist Waschtag, ein Lehmhüttendach reisst man ein indem man drauf sitzt und im Fluss badet man besser oberhalb der Wasserbüffel


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Asia » Nepal » Chitwan
March 30th 2014
Published: March 30th 2014
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Unsere nächsten Tage in Sauraha vergehen wie im Flug.Unser erstes Projekt heisst: Lehmhütte abreissen. Die einzige verbliebene Lehmhütte auf dem Gelände soll versetzt werden, damit die Kinder mehr Platz zum Spielen haben. Aus diesem Grund fangen Hira, Alex und ich an, die Lehmwände durch Aufklopfen einzureissen und das darunter verborgene Holzgerüst inklusive Bambusmatten abzubauen denn das wird sorgfältig zusammengetragen und wieder benutzt. Auch das Dach, welches aus einer Holzlattenkonstruktion besteht, die mit Elefantengras bedeckt ist, wird wiederverwertbar abgebaut, und zwar indem man auf dem Dach sitzt und es langsam unter sich abbaut, bis man am Ende auf dem blanken Dachbalken sitzt. Am Anfang binden wir das Gras noch mit nassem Stroh zu ordentlichen Bündeln zusammen, am Ende schmeissen wir es nur noch runter, weil es oben auf dem Dach einfach zu heiss wird. Die einzigen Hilfsmittel, die wir zum Häuserabriss nutzen sind eine Axt, ein Messer, eine Sense, eine Zange und ein paar Stöcke.Baubetrieb auf nepalesisch. Aber in drei Tagen sind wir soweit fertig, dass nur noch ein Gerippe aus einigen Eckpfählen steht.

Ansonsten verbringen wir die Tage damit, die Kinder zu beschäftigen oder sie uns. Der absolute Renner unter unseren Mitbringseln aus Deutschland ist die Knete, um die sich
Dachabbau auf nepalesischDachabbau auf nepalesischDachabbau auf nepalesisch

Mama, relax!! :-)
die Kinder regelrecht streiten. Aber auch die Klamotten und Käppies kommen gut an. Die meisten Spielsachen heben wir für die nächsten beiden Wochen auf, damit es nicht zu viel auf einmal wird. Wir gehen täglich im Fluss schwimmen, wenn die Kinder in der Schule sind, zumal es ausser der Wasserpumpe im Hof keinerlei Duschmöglichkeit gibt. Am Rande des Nationalparks inmitten von Grasland liegt der schönste Badeplatz, den man sich vorstellen kann und teilen muss man ihn sich nur mit ein paar Wasserbüffeln und manchmal mit ein paar einheimischen Frauen, die dort Wäsche waschen. Dabei ist schnell klar, dass man besser oberhalb der Wasserbüffel badet, denn ab und zu steht einer auf und kackt genüsslich ins Wasser bevor er sich wieder in die "Fluten" legt.

Meistens gönnen wir uns nach dem Bad einen Drink im Ort in einem der vielen Cafés am Flussufer, wo man die heiße Mittagszeit auf Liegestühlen unter einem Pavillon verbringen kann. Unser Lieblingsdrink wird frisches Lemon Soda, das hier mit Salz getrunken wird. Warum auch immer, am Anfang dachten wir, dass der Kellner Zucker und Salz verwechselt hat, aber als uns im zweiten Café wieder Salz serviert wird, testen wir es mal. Kann ja nicht schaden bei dem ganzen Schweißverlust beim Lehmhüttenabbau.

An den Abenden lerne ich von Sushila Chapati backen und wir helfen beim Kochen. Alex kocht ein Mal sogar das ganze Abendessen (zur Feier des Tages gibt es mal Hühnchen) für uns. Und im nahegelegenen Hotel ist alle paar Tage eine Tanzvorstellung mit nepalesischem Volkstanz, zu der uns die Kleinen "einschleusen". Es ist eine Art Stocktanz und erinnert mich sonst von den Bewegungen etwas an Capoeira. Ansonsten sind wir meist gegen 8 im Bett, einfach weil es dann dunkel ist, die Kinder auch um acht ins Bett gehen und wir ganz froh sind, mal die Füße hochzulegen und falls wir nicht sowieso direkt einschlafen, noch zu lesen oder Musik zu hören.

Auch nach unserem Lehmhüttenprojekt wird uns nicht langweilig.Wir ernten und dreschen zum Beispiel 150 kg Linsen. Wir buddeln eine große Schüssel Kurkuma-Wurzeln aus, nur um sie an anderer Stelle wieder einzubuddeln, wo sie sich weiter vermehren sollen. Natürlich nicht bevor wir alles umgeharkt haben. Es ist eine ganze Menge körperliche Arbeit und manchmal fragen wir uns nach dem Sinn dahinter, denn es drängt sich doch ab und zu der Gedanke auf, warum es sich die Leute hier manchmal noch schwerer machen, als sie es sowieso schon haben. Aber wir erledigen alles brav auf dem "Nepali Way".

Das einzige was wir uns nicht angewöhnen ist, die Mahlzeiten mit den Händen zu essen. Egal was es ist, Fleisch, Reis mit Linsen, Joghurt, alles wird mit den Fingern vermischt und dann, tja man kann es nicht anders sagen, in den Mund gestopft. Wir bekommen aber netterweise immer einen Löffel und lernen Sushilas Kochkünste sehr schnell lieben. Es gibt jeden Tag etwas anderes (fast immer vegetarisches) zu Essen und davon meistens massig. Und während Alex und ich selbst nach einem Tag mit harter körperlicher Arbeit oft mit unserer großen Portion kämpfen, sorgt sich Sushila immer noch darum, ob wir genug haben. Die Grundlage von mindestens zwei der vier Mahlzeiten (Mittagessen- bevor die Kinder in die Schule gehen, gegen 11- und Dinner) sind eigentlich immer Reis und Linsen ("Dhal Bat") und dann kommt noch eine Art Curry mit Gewürzen und Chili dazu, und Blumenkohl, Spinat, Tomaten, Kartoffeln oder was auch sonst immer der Garten oder der Geldbeutel gerade hergibt. Zum Frühstück bekommen wir üblicherweise angebratene Hefebrötchen oder Toast und ein gekochtes Ei oder Rührei. Nachmittags wenn die Kinder aus der Schule kommen gibt es meistens diese viel zu trockenen Reiscracker, die wir uns fast immer sparen, einmal macht Sushila aber auch pancakes.

Eine noch größere Herausforderung, als das nicht zu viel essen, wird allerdings das Laden meiner Kamera-Akkus. Strom kommt und geht in Sauraha sowieso wann er will. Tagsüber gibt es fast nie welchen -den braucht man da aber auch nicht- morgens meistens kurz und Abends gefühlt je nach Lust und Laune des Stromgottes manchmal minutenweise und manchmal stundenweise. Zum Glück gibt es aber ja die Solarlichtdosen! Leider gibt es aber auch irgendein, bisher noch nicht ergründetes Problem, warum die 3 Akkus meiner Kamera, die die Kinder nach zwei Tagen leer geknipst haben, nicht laden. Wir probieren alle Steckdosen im Haus (das sind vier) und zusätzlich noch im nahegelegenen Hotel mindestens Zehn. Der nette Rezeptionsboy versucht es sogar mit seinem eigenen Ladegerät. Und auch im "Fotoladen" klappt es nicht. Wir lassen das Gerät mal da, der 'mechanic' wird es sich am Samstag mal anschauen...

Nicht jedes Kind muss jetzt in der Prüfungszeit jeden Tag zu Schule, sodass wir in dieser Woche ab und an in den Genuss kommen, mit einem der Kinder alleine etwas zu unternehmen. Sostika zeigt uns überhaupt erst den schönen Badeplatz
Som knetet...Som knetet...Som knetet...

...einen Elefanten
am Fluss und mit Rahul gehen wir mittags einmal ins örtliche Animal Museum (wo lauter Schlangen, Krokodile und sogar Nashornkälber in Formaldehyd eingelegt in Aquarien rumschwimmen...nicht so mein Fall) und eine Cola trinken. Für uns ist das viel entspannter und ich glaube auch die Kinder haben mehr davon, als wenn sie nonstop mit den anderen vier um unsere Aufmerksamkeit buhlen.

Da wir am Freitag von Hira "hitzefrei" bekommen haben, widmen wir uns zum Ende unserer ersten ereignisreichen Woche mal dem Touristenprogramm. Wir schlafen etwas aus und gehen um 10 Uhr an den Rapti River, wo nahe des Ortskerns das Elefantenbaden stattfindet. Die Elefanten, die früh morgens für die ersten Patroullien- und Touristenritte in den Dschungel unterwegs sind, kommen hier in den Genuss eines Bades und einer hingebungsvollen Steinmassage, bevor sie ihre Mittagspause haben und am frühen Abend nochmal in den Dschungel gehen. Wahrscheinlich fänden sie es noch cooler, wenn dabei nicht teils hysterische Touristen um sie herum stehen würden und jedes Mal kreischen wenn sie ein bisschen nass werden. Ich kann aber natürlich nicht widerstehen und helfe einem der Führer dabei, seinem Elefant den Rücken zu schrubben und gegen ein kleines Trinkgeld darf ich mich dann auch einmal auf den Elefanten setzen und von ihm duschen lassen. Ziemlich erfrischend, denn schon um 10 Uhr morgens ist es inzwischen so warm, dass man es in der Sonne kaum aushält.

Nachmittags fahren wir mit Sushila dann mit dem vollgestopften local bus in die nahegelegene Stadt namens Dandi und kaufen dort ordentlich von unserem Spendengeld ein. Die ersten hundert Euro werden investiert in Schulrucksäcke, neue Sandalen für alle Kinder, Stoff für neue Schuluniformen, neue Bettbezüge und Moskitonetze und die von den Kindern so heiß ersehnte Stereoanlage. Und wir nötigen Sushila auch noch für sich selbst ein bisschen Stoff für ein neues Kleid zu kaufen. Bevor wir uns wieder mit unseren Einkäufen in den Bus quetschen lädt sie uns dafür zu einer Runde Momos in einem Straßenrestaurant ein. am Busstop in Sauraha warten schon die Jungs und bekommen leuchtende Augen als sie uns mit den riesigen Tüten aussteigen sehen. Alle freuen sich wahnsinnig über die Stereoanlage, aber auch über die neuen Schuhe und Rucksäcke und da es ausnahmsweise gerade auch mal Strom gibt, können wir die Anlage direkt anschließen und zumindest das Radio ein bisschen abspielen lassen. Es wird sofort wild getanzt bis der Strom halt wieder mal ausfällt. Nach dem Abendessen dackeln wir dann mit unserer Solarleuchte durch das inzwischen wieder stockdunkle Sauraha noch auf einen "Cocktail" an die Riverfront, um unsere erste Woche in Nepal ausklingen zu lassen.


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