Java und alles fängt von Vorn an


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March 24th 2012
Published: March 24th 2012
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Von Borneo über Jakarta nach Yogya


Ich hatte mit etwas großem, etwas einmaligem gerechnet. Mit einem eigenartigen Gefühl im Magen oder zumindest im Enddarm. Hatte mich auf Blumenketten und singende Kinder eingestellt. Oder aber zumindest mit einem freundlichen Händedruck eines Offiziellen in Uniform. Doch Fakt ist, nicht einmal der Kapitän des Flugzeuges erwähnt mit einer Silbe, das wir nun auf der südlichen Erdhälfte sind. Nun wenigstens haben wir für uns still und heimlich mit dem in Plastikbechern servierten Mineralwasser angestoßen. „Auf eine tolle Zeit im Süden der Welt“, oder „Herzlichen Glückwunsch zum Äquatorübertritt!“. Es mag unspektakulär sein und auch überhaupt nicht aufregend, doch was wäre die Welt ohne Höhepunkte? Sind diese auch noch so nichtig. Für uns beginnt eine neue Zeitrechnung, ein neues Kapitel, die andere Seite der Welt öffnet auch eine neue Seite auf unserer Reise. Noch einen Monat bis Australien. Drei Monate und elf Tage liegen hinter uns. Einhundertunddrei Tage sind wir nun auf Reisen.

In Borneo sind wir Reisemüde geworden, vielleicht sogar Reisekrank. Kraft- und Energielos. Die Hitze, die Menschen, das Fremde. Wir sehnten uns nach Gleichmäßigkeit, nach dem Vertrauten. Unfähig noch mehr in uns auf zu nehmen. Unfähig noch mehr Eindrücke zu verarbeiten. Ein Klos der sich im Hals festgesetzt hat, der die Luft abschnürt und für schlechten Atem sorgt. Das Gefühl nicht Atmen zu können, daran zu ersticken. Die einzige Hilfe, das allmorgendliche Ausrotzen, nach dem lautstarken hochwürgen. Wir passen uns an. Wir müssen weiter. So schnell wie möglich. Nur nicht stehen bleiben. Nur nicht zurück schauen. Reisende soll man nicht aufhalten. Warum? Weil sie sonst bleiben und nicht mehr weg kommen von da wo sie sind.



22.11.2011 bis 23.11.2011 Jakarta, Java, Indonesien



Auf den ersten Blick ist alles wie immer. Internationaler Flughafen, sauber, hochglanzpoliert. Bei der Einreiße, erst einmal Cash, 25$ pro Person für ein 30 Tage Visa. In Indonesien ist Geld alles. Das merken wir schon hier. Wir suchen und finden den Bus in das Zentrum der neun Millionen Stadt, der Hauptstadt Indonesiens, im Norden der Insel Java. Auf der einstündigen Fahrt durch die Dunkelheit, die sich wie ein Schleier über das „wahre“ Gesicht der Stadt legt und uns nur hoffen lässt, das es doch nicht so schlimm ist, wie wir schon so oft von anderen Reisenden gehört haben. Je mehr wir ins Zentrum kommen, um so mehr fallen die glitzernden Hochhäuser auf. Aufwendig beleuchtete Inseln einer modernen Metropole inmitten von Dreck und Gewürg. Nicht ohne Grund wird die Stadt auch „Big Durian“ (Durian= eine große stachelige Frucht die einen unangenehmen Geruch hat) genannt. Am zentralen Bahnhof endet die Fahrt und gleich nach dem Aussteigen sind sie wieder da, die Schmeißfliegen von Taxi- und TuckTuck Fahrern. Erste Reaktion, nur schnell weg. Mit vollem Gepäck laufen wir los in das nicht weit entfernte Budget Viertel von Jakarta, der Jalan Jaksa. Es ist in zwischen gegen halb elf Nachts und auf den breiten Straßen treiben sich nur vereinzelt Leute umher. Nach etwa einer halben Stunde schnellen Marsches und einiger Umwege erreichen wir die schmale Gasse, welche von günstigen Unterkünften gesäumt ist. Irgendwie hatten wir gehofft so etwas wie die Kao San Road in Bangkok vor zu finden, doch die Jaksa ist mehr eine dunkle Nebenstraße. Vereinzelte Bar´s und Restaurants bemühen sich so etwas wie Nachtleben zu erzeugen. Auf der Suche nach einem Schlafplatz entdecken wir Hinterhöfe in denen sich Ratten und Katzen zu einer friedlichen Kommune zusammen gefunden haben. Wir bleiben kurz an einem Schutthaufen aus Müll und Steinen stehen und bemerken fasziniert, das der gesamte stinkende Haufen zu leben scheint. Irgendwo in einer Seitenstraße finden wir ein Guesthaus was ganz passabel scheint. Das Zimmer ist muffig und winzig und das Bad ohne Dusche, nur mit einer Kelle mit der man sich das Wasser über den Körper schüttet, das nennt sich dann „indonesian Style“. Wir haben jedoch nicht vor länger zu bleiben. Bereits am nächsten Morgen soll es mit dem Zug, der das schnellste und bequemste Verkehrsmittel auf Java darstellt, weiter gehen, nach Yogyakarta, in zentral Java.



Der nächste Morgen. Gegen sieben Uhr verlassen wir das modrige Zimmer. Leider hat unsere Kleidung bereits den „Duft“ dieses Raumes angenommen, welcher uns nun in der Nase liegt. Als wir aus der Gasse Jalan Jaksa an die Hauptstraße kommen, ist bereits Rush Hour und eine diesige Wand aus Abgasen empfängt uns. Der Verkehr ist dicht und schnell. Keine Fußgängerampeln oder Zebrastreifen. Also laufen wir einfach los. Schnur gerade über die dreispurige Fahrbahn. Die ankommenden Mopeds machen einen kleinen Bogen um uns. Wir sind wie kleine Ablagerungen in der Blutbahn, wo der Blutstrom kurz stockt und sich dann einen weg herum bahnt. Es ist erstaunlich einfach, wenn man nur erst einmal den Mut hat einfach in den dichten Verkehr hinein zu laufen. Diesmal nehmen wir eine Abkürzung zum Bahnhof und finden diesen Prompt. Leider bekommen wir dort die Auskunft das unser zweite Klasse Zug von einem anderen Bahnhof abfährt. Von diesem hier nur erste Klasse und die ist uns zu teuer. Also wieder raus aus der Bahnhofhalle und rein in die Kloake aus Taxifahrern, Verkehr und Smog. Wir sind bereits durchgeschwitzt und entnervt. Die überzogenen Preise der Taxifahrer für das kleine Stück welches wir fahren wollen heben unsere Stimmung nicht im geringsten. Carmen findet dann doch noch ein TuckTuck welches uns für eine faire Summe zu dem anderen Bahnhof bringt. Dort geht der Spaß erst so richtig los. Der komplette Platz um den etwas kleineren Bahnhof herum ist voller Menschen und kleinerer Läden. Und alle wollen Aufmerksamkeit von uns. Wir sind mal wieder die Attraktion des Tages. Am Ende bekommen wir jedoch unser Ticket für den Nachtzug und machen uns schleunigst vom Acker, um uns ein nettes Plätzchen zu suchen wo wir unsere Sachen abstellen und den Tag in Ruhe verbringen können. Auf zur voll klimatisierten Shoppingmall! Der Weg wird zum Spießrutenlauf, mal wieder. Und das mit knappen zwanzig Kilo auf dem Rücken, dreißig Grad und Smog wie wir es noch nicht erlebt haben. Man möchte glauben das in einer Millionenstadt wie Yakarta, die gerade eben noch Herberge für Tausende Sportler aus aller Welt bei den „Seagames“ war, es nichts besonderes ist wenn „Weiße“ herum laufen. Doch weit gefehlt. Es ist uns nicht einmal möglich ein normales Reisgericht, welches wir in Landessprache bestellen, zu bekommen. Denn scheinbar verstehen einige Indonesier beim Anblick von Europäern ihre eigene Sprache nicht mehr. Wir dachten eigentlich das wir keinen erneuten Kulturshock wie damals in Bangkok erleben würden, dachten wir hätten das hinter uns, seien darauf vorbereitet, doch Jakarta beweist uns das Gegenteil.

Am frühen Abend brechen wir auf, erneut zum Bahnhof, erneut in die Höhle des Löwen, nachdem wir uns den gesamten Tag in einem gemütlichen Café versteckt hielten. Auf dem Weg überrascht uns ein sintflutartiger Regenschauer der in kürzester Zeit die Straßen unter Wasser und den Verkehr außer Kraft setzt. Ganze Bäche stürzen von den Plastikplanen der Verkaufsstände herab, aus den engen Gassen schießt das Wasser wie aus einem geborstenen Rohr heraus. Wer keinen Regenschutz besitzt ist in wenigen Sekunden komplett durchnässt. Es hilft nichts, wir müssen weiter. Mit dem Regencape über uns und den Rucksäcken kämpfen wir uns voran durch ein wirklich gewordenes Endzeitszenario. Überall rennen Menschen umher, schreiende Kinder, durchnässt, verwirrt. Von allen Seiten hubt und pfeift es. Überall wo es möglich ist sammeln sich die Menschen um Schutz vor dem Wasser zu finden. Es scheint chaotisch doch irgendwie kommen wir voran. Nach etwa fünfzehn Minuten ist der ganze Spuk vorbei. Und alles läuft weiter als wäre nichts gewesen. Nur die immer noch unter Wasser stehenden Straßen zeugen vom großen Regen.

Gegen 20 Uhr sitzen wir dann endlich im Zug und sind überglücklich von hier weg zu kommen. Zwar soll es auch wirklich schöne Gegenden in und um Jakarta geben und auch die kulturelle Seite mit den kolonialen Bauten der Holländer ist nicht zu verachten. Somit werden wir dieser Stadt, ist sie auch noch so fremd und unheimlich, eine zweite Chance geben, irgendwann.



Mit dem Zug durch Java



Der zweite Klasse Nachtzug hat zwar nicht die schönste Aussicht, doch fehlt es trotzdem nicht an Entertainment. Die gesamte Fahrtzeit von immerhin zehn Stunden wird begleitet von dem monotonen Singsang der Händler die im Zug auf und ab gehen. Nicht zu vergleichen mit dem Getränkewagen der in europäischen Zügen hin und wieder an einem vorbei kommt. Die Zughändler hier haben vom frisch zubereitetem Nasi Goreng bis hin zu jeder erdenklichen Caféspezialität alles was das Herz begehrt. An den zahlreichen Stopps steigen noch weitere Verkäufer zu die dann in einem fast schon meditativen Geleiere frisches Obst, kleine Kuchen oder Kekse und allerlei Unidentifizierbares anbieten. Dann tanzen und singen an die zwanzig Händler durch den schmalen Gang auf und ab. Am besten gefällt uns eine erbärmlich angezogene, krumm gehende alte Frau mit wirrem Haar und einer schrill ächzenden Stimme. Immer wieder kommt sie lächelnd durch den Gang mit schlurfenden Schritten. In den Händen einen Korb voller in Bananenblätter eingerollter, übel riechender Dinge. Leider reicht unser Mut nicht aus um einmal etwas bei ihr zu probieren. So verstreichen die Stunden, und als es langsam wieder Hell zu werden scheint kommt auch schon das Wecksignal. Ein sanfter, melodischer, sich wiederholender Ton gibt uns das Zeichen uns aus unserer äußerst unangenehmen Schlafposition zu entwirren und bereit zu machen für die Ankunft in Yogya.



24.11.2011 bis 28.11.2011 in Yogyakarta



Im südlichen Herzen der Insel Java gelegen, ist Yoyakarta, kurz Yogya das intellektuelle und kulturelle Zentrum des Landes. Im Mittelpunkt stehen hier vor allem die Kunst der Batiktechnik, sowie einzigartige Bauwerke und Tempelanlagen. Die knapp siebenhundert tausend Einwohner der Stadt leben hier zwischen einem der aktivsten Vulkane der Erde, dem Gunung Merapi, auf der einen und den Ruinen der monumentalen Tempelanlage von Borobodur auf der anderen Seite, sowie den Wellen des Indischen Ozeans, der die südliche Grenze darstellt. Um noch einen drauf zu setzen liegt das gemütliche Budgetviertel mit dutzenden an Unterkünften und Restaurants in schmalen Gassen verstreut direkt Gegenüber vom Hauptbahnhof. Das verspricht keine langen Wanderungen.

Als wir gegen halb fünf Uhr Morgens ankommen und die Stadt noch schläft, nutzen wir den ruhigen Moment für eine Tasse Kaffee in der Bahnhofhalle, bevor wir uns Müde und mit dicken Augenringen auf die Suche nach einer Herberge machen. Etwa eine Stunde später liegen wir auch schon im Bett in einem ganz ordentlichen und sauberen Homestay. Überhaupt werden die meisten Unterkünfte in dieser Gegend als Homestay bezeichnet. Meist sind das dann etwa vier bis sechs Gästezimmer im Haus der Familie, welche selbst auch dort lebt.

Erst am Nachmittag starten wir die Stadterkundung. Es ist furchtbar heiß und lässt sich am besten in den engen kühlen Gassen des Viertels aushalten. Auf der Hauptstraße, der „Malioboro“, reiht sich ein Shop an den Anderen, Verkaufsstände, Obststände, Garküchen, mit Mopeds und Autos verstopft und dazwischen Pferdekutschen und Fahrradrikschas und Menschen, Menschen, Menschen.

Jeder scheint hier irgendetwas verkaufen zu wollen. Die Straße, wie ein Basar, überlastet die Sinne. Jedes zweite Geschäft scheint eine Schneiderei zu sein. Stoffe aus verschiedensten Materialien, mit allen nur erdenklichen Mustern werden hier feil geboten. Falsche Markenware, Schmuck, Souvenirs und natürlich Bilder im Batik Stil. Es dauert nicht lang bis uns ein sympathischer Schlepper in eines der zahlreichen Ateliers gebracht hat, wo rein zufällig auch noch deutsch gesprochen wird. Wir bekommen eine kurze Einführung in die Welt der Batikmalerei. Begutachten den aufwendigen Herstellungsprozess und dürfen dann ganz in Ruhe herumstöbern. Nach langem hin und her kaufe ich auch ein Bild. Sicher zu teuer, doch ich hoffe es gefällt den Lieben daheim. Uns fällt schnell auf das hier Jeder mit Jedem zusammen arbeitet, mit dem erklärten Ziel, den Touristen so viel wie möglich Geld zu entlocken. Die Organisation von Schlepper und Geschäften ist perfekt aufeinander abgestimmt. Wir werden immer Misstrauischer. Denn hinter der allgemeinen Freundlichkeit der Einheimischen verbirgt sich meist ein Geschäft. Und sollte man sich dann doch entschließen etwas zu kaufen, so läuft das nur übers Handeln. Das Herunterhandeln von Preisen ist in Indonesien ein Sport. Fast nirgendwo sind Preise angeschrieben und somit wird buchstäblich um jeden Apfel und um jedes Glas Wasser gefeilscht. Macht man das nicht, zahlt man stets das drei bis vierfache und verdirbt so die Preise für alle anderen Reisenden. Selbst der Gang auf eine öffentliche Toilette kostet für „Weiße“ das Doppelte. Auf Carmens Frage warum sie denn mehr bezahlen solle, kommt die Antwort, das Frauen immer mehr als Männer zahlen. Besonders unverschämt ist es wenn die Verkäufer erst kurz Rücksprache mit Anderen Einheimischen halten, bevor sie einem dann lächelnd den völlig überzogenen Preis nennen. Das kann einem schon die Lust auf dieses Land verderben. Wir brauchen einige Zeit um uns daran zu gewöhnen und um die Preise zu kennen.

Erst jetzt merken wir wie uns Malaysia verwöhnt hat. In Indonesien weht ein anderer Wind. Hier braucht man ein dickes Fell. Lächeln und Nicken funktioniert hier nicht. Selbst netten Leuten muss man skeptisch gegenüber treten, Preise und Qualität vergleichen und darf nicht scheu sein ein bestimmendes „Nein“, zu sagen. Andernfalls wird der Aufenthalt in diesem Land zum Luxus.



Auf dem roten Teppich von Borobodur



Auch wir wollen uns den Touristenmagneten nicht entgehen lassen und besuchen die hinduistische Tempelanlage von Borobodur. Neben Bagan und Angkor Wat in Cambodia eine der größten in Südostasien. Umgeben mit einer weitläufigen Parkanlage und eingerahmt in das malerische Gebirge ist Borobodur absolut einen Ausflug wert. Im 9.Jhd. n.Chr. erbaut, wurde die Anlage 1006 nach einer Vulkaneruption komplett in Asche gehüllt und erst 1814 von Sir Raffles wiederentdeckt.

Heute ist es ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen und vor allem für Horden von Studenten und Schülern, die nicht Müde werden uns um ein Foto mit ihnen zu bitten. Hatten wir in den letzten Wochen und Monaten schon öfter das „Vergnügen“ uns als beliebte Fotoobjekte zur Verfügung zu stellen, so erreicht dieses Kapitel unserer Reise in Borobodur seinen astronomischen Höhepunkt. Schwärme von Jugendlichen reihen sich um uns, ganze Schulklassen inklusiver der Lehrer. Wir werden gleichzeitig aus dutzenden Apparaten fotografiert und gefilmt. Sobald wir auch nur einen Moment stehen bleiben um selbst ein Bild von dem Tempel, dem eigentlichen Anziehungspunkt, machen zu wollen, kommt auch schon ein Mutiger aus der uns verfolgenden Gruppe und fragt höflich nach einem Foto von uns. Kurz darauf finden wir uns im Mittelpunkt einer Menge von kichernden Schülern wieder und es wird hemmungslos geknippst. Wir versuchen unseren Nutzen daraus zu schlagen und verlangen Geld, leider mit keinem großen Erfolg. Also lächeln wir weiterhin in die Kameras und hoffen ein gutes Beispiel eines „Weißen“ ab zu geben.

Nachdem wir das Schaulaufen auf und um den Tempel beendet und den im Eintrittspreis inkludierten Kaffee genossen haben, das alles zum halben Preis Dank unserer für solcher Fälle mitgenommenen Studentenausweise, treten wir die Heimreise an. Da wir uns gegen eine gebuchte Tour entschieden haben, sind wir selbst mit dem Moped die 42 Km von Yogya nach Borobodur gefahren. Um fünf Uhr Früh gestartet um dem Verkehr zuvor zu kommen und die etwas angenehmere Morgenluft zu nutzen, ist es nun gegen elf Uhr Mittags und dementsprechend heiß und stickig und auch der Verkehr ist nun hell erwacht. Moped fahren in Indonesien ist ein bisschen wie ein Rennspiel auf der Playstation. Alles außer langweiliges dahinfahren. Ständig springt man in Lücken zwischen Autos und LKW´s hin und her. Drängelt sich an der Ampel bis nach vorn durch, manchmal nur um Haaresbreite an den wartenden Auto´s vorbei. Das Fahren erfordert vollste Konzentration und Aufmerksamkeit. Der Verkehr scheint ein Eigenleben zu haben. Wie ein eigener Organismus. Nur nicht bremsen, einfach immer mit dem Fluss schwimmen und im Rhythmus bleiben. Dann kann eine Fahrt zu einem äußerst interessanten Erlebnis werden und bietet viele skurrile Motive. Je näher wir der Stadt kommen, um so dichter wird der Verkehr. Um so mehr Luftverschmutzung macht sich bemerkbar und wir sind bald nicht mehr die Einzigen die mit einem Tuch vor dem Mund fahren, um überhaupt noch Atmen zu können. Als wir am Ende der Fahrt heil in unserer Unterkunft ankommen, bemerken wir erst, das alle nicht bedeckten Körperteile mit einer dicken Staub, Ruß und Dreckschicht überzogen sind. Gesund ist das nicht, aber macht auf jeden Fall Spaß.



Mit dem Moped unterwegs zu sein macht aber nicht nur Spaß und schadet der Gesundheit, sondern gibt einem auch Einblicke in entlegene Gegenden, wenn man einmal kurz von der Hauptstraße abbiegt. Denn gleich hinter den dicht bevölkerten Städten erstreckt sich ein bezauberndes Landleben mit kleinen Bauerndörfern inmitten leuchtend grüner Reisfelder. Anders als in Malaysia, wo der größte Teil des Landes kultiviert und industrialisiert wurde, gibt es in Indonesien noch die kleinen Bambushütten wo Reisbauern, mit Körben auf den Köpfen und alten klapprigen Fahrrädern über unbefestigte Wege holpern. Hier wird die Wäsche noch im Fluss gewaschen und das liebe Vieh läuft frei herum, ganz ohne Zäune und Schranken.

Indonesien lebt von seinen Gegensätzen. Anders als Thailand und Malaysia ist Budgetreisen in dem Inselstaat ein wahres Erlebnis. Alles ist eine Spur einfacher, simpler, ursprünglicher. Die Kultur der Menschen, die selten die Möglichkeit haben das Land oder gar ihre Heimatinsel zu verlassen, ist fremdartig und eigensinniger als in den nördlichen Nachbarländern. Touristen sind in erster Linie zum bezahlen da und nicht um Freundschaften zu schließen. Das macht es schwer engere Kontakte auf zu bauen. Entschädigt wird man mit einem ungetrübten Blick auf Land und Leute und einer einzigartigen Natur geschaffen von den mächtigsten Kräften der Naturgewalten.

Und ist es nicht letzten Endes das, warum man reist? Um das nur möglichst Fremdartigste und Ungewöhnlichste zu entdecken und sich darin zu bewegen? Um dann selbst auch das möglichst Ungewöhnlichste und Fremdartigste zu sein?



„Nicht durchs Voran kommen Reist man, sonder durchs Reisen kommt man voran “



by Patrick Bauer



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23rd July 2012

Super Bericht :D
Hallo Carmen und Patrick, der Bericht über die Reise durch Java ist einfach super geschrieben, vorallem der Schreibstil ist sehr ansprechend :-) Vielen Dank für das Teilen eurer Informationen. Ich fliege im August nach Indonesien und konnte einiges aus eurem Bericht mitnehmen. MfG, Erdal

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