Von Borneo, Katzen und Reisekranken


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March 24th 2012
Published: March 24th 2012
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Von Singapore nach Kuching und Kota Kinabalu


Mal wieder erschlägt uns die schwüle Hitze um die Mittagszeit, als wir aus dem voll Klimatisierten Flughafen von Kuching auf Borneo an die „frische Luft“ kommen. Wir waren vorher noch schnell in einem Touristenbüro um Karten und Auskünfte zu erhalten und haben dabei erfahren was wir eigentlich schon wussten, aber nicht glauben konnten, es fährt kein Bus vom Flughafen in die 20Km entfernte Stadt. Warum auch, es gibt ja genug Taxis. Doch die sind teuer. Wir überlegen und entscheiden uns erst einmal los zu laufen. Mittlerweile wissen wir, das wir mit vollem Gepäck in der Mittagshitze etwa 15 Minuten in gutem Tempo gehen können ohne dabei übermäßig viel Schweiß zu produzieren. Darüber hinaus wird der Rucksack etwa alle 10 Minuten gefühlte 5Kg schwerer. Jede auch noch so kleine Pore am Körper öffnet sich. Schultern und Rücken verstärken ihre Spannung. Der Gang wird frontbetont. Jedes Stehenbleiben und das damit verbundene wieder- los- gehen, also jede Änderung der Masse, wirkt sich erheblich auf die Entfernung der zurück gelegten Strecke aus. Also versuchen wir möglichst im selben Tempo ohne Stopp voran zu kommen. Schweigend, gleichmäßig atmend, laufen wir neben einander her. Entlang der breiten, stark befahrenen Straße vom Flughafen in Richtung Innenstadt. Immer auf der Suche nach einer Bushaltestelle, oder einer freundlichen Mitfahrgelegenheit. Nach einer knappen Stunde finden wir zumindest ersteres. Das freundliche Hupen der vielen vorbei fahrenden hören wir schon gar nicht mehr. Die Bushaltestelle erweist sich nach einer weiteren dreiviertel Stunde leider auch als Niete. Denn wie ich in einem nahen Café erfahre, ist hier noch nie ein Bus gefahren. Aber vielleicht ein Stück weiter die Straße herunter. Weiter geht’s. Jetzt zumindest unter Bäumen. Etwas planlos und fast am verzweifeln irren wir umher. Spielen sogar mit dem Gedanken doch noch ein Taxi zu nehmen. Der Schweiß rinnt uns jetzt übers Gesicht, die Schultern schmerzen und keine Ahnung wo es lang geht. Kurz bevor wir eine weiter Bushaltestelle erreichen, hält neben uns ein schäbiger, weißer Kleinbus mit einem freundlichen älteren Herren am Steuer. „Nach Kuching?“ fragt er, „5Ringit pro Person“! Freudig stimme ich zu und wir werfen unsere Rucksäcke in den herunter gekommenen Van. Endlich mal wieder Glück gehabt. 10 RM für beide ist kein Geld für die Strecke und er bietet uns sogar an uns direkt zu einer Unterkunft zu fahren. Entspannt legen wir uns zurück, genießen den kühlen Fahrtwind durch die offenen Fenster und schauen uns die vorbei ziehenden Vororte von Kuching an.

Im Anflug auf Borneo haben wir bereits gesehen wie viel grüner und wilder die Insel im Gegensatz zur Halbinsel Malaysia ist. Bis auf einen schmalen Streifen an der Küste entlang, wo die großen Städte liegen, ist Borneo überwiegend geprägt von tropischem Regenwald und schwer zugänglichen Bergregionen. Hier gibt es noch große Wildtiere in freier Wildbahn und sogar Orang Utahs, für die Borneo so berühmt ist. Die Insel ist gespickt mit Nationalparks, einige die man nur per Flugzeug erreichen kann, riesigen Höhlensystemen, dem höchsten Berg Südostasiens mit über 4000 Metern, Inselatollen und sehr, sehr viel Wald. Das alles macht Borneo nicht nur zu einem begehrten Reiseziel bei Ausländern, sondern auch bei einheimischen Touristen und das wiederum schlägt sich erheblich in den Preisen nieder. Für uns bedeutet das, „nur Gucken, nicht Anfassen“. Deshalb haben wir uns hier auch nur 10 Tage gegeben, um einen Eindruck zu bekommen und weiter zu Reisen.



11.10.2011 bis 15.11.2011 in der „Katzenstadt“ Kuching



„Wir hatten uns das doch etwas anders vorgestellt“, höre ich mich sagen, denn anstelle von Bambushütten am Ufer, fast nackten Wilden und ungepflasterten Feldwegen finden wir uns in einer modernen Infrastruktur wieder. Vierspurige Highways ziehen sich durch die typische Ein- Familien- Haus Idylle der Vororte. Rechtwinklig angeordnete Geschäfts und Wohnviertel. Dazwischen Palmen und gepflegte Grünanlagen. Die Straßen sind breit und neu, so wie alles um uns herum neu zu sein scheint. Die gewaltigen Ressourcen haben die Provinz Kuching reich gemacht. Wir fahren an der Waterfront entlang, die sich an einem Fluss durch die malerische und mit liebe restaurierte Altstadt zieht. Bis der schäbige weiße Van vor einem Guesthouse stoppt. Wir sind die einzigen Gäste und bekommen daher das schönste und größte Zimmer. Urlaubsstimmung macht sich breit. Nach den turbulenten Tagen im gestressten Singapore ist das jetzt genau das richtige. Am Abend erkunden wir die Altstadt und die Promenade. Überall gibt es schöne Restaurants und Bars, Lichter scheinen über den Fluss, kleine Gassen werden zu einem einzigen quirligen Foodcourt umgestaltet. Wir entdecken einen riesigen Seafood Foodcourt auf dem obersten Parkdeck eines Parkhauses. Und immer wieder sehen wir Katzenstatuen, aufwendig inszeniert mit Springbrunnen und Blumenarrangements. Nur eines fehlt, das Authentische.

Für 25Cent lassen wir uns mit einem kleinen selbstgebauten Boot über den Fluss bringen. Dort stolpern wir mehr oder weniger in das typisch malayische Dorfleben. Denn jenseits der großen Hotels auf der anderen Flussseite, gibt es auch noch das typische, das authentische Kuching. Hier stehen sie noch, die Bambushütten am Ufer. In einem Hinterhof des großen Foudcourts der Einheimischen entdecken wir das „My Barock Restaurant und Homestay“ von Sofian. In einem typischen Haus der Gründungszeit. Man sitzt auf dem Boden und isst mit den Händen im Bambusrohr über offenem Feuer gekochtes Hühnchen. Wir sind begeistert. Und da es nicht so oft vorkommt das Weiße sich hierher verirren, lädt uns der Hausherr ein ein paar Tage mit ihm und seiner Familie zu verbringen. Wir sagen sofort zu und ziehen gleich am nächsten Tag in das gemütliche Zimmer direkt neben dem Restaurant ein.

In den nächsten 3 Tagen erleben wir eine Gastfreundschaft die besser nicht sein könnte. Wir begleiten Sofian bei seinen Einkäufen auf dem Markt. Ein buntes durcheinander von Menschen, Tieren und jeglichen Obst und Gemüsesorten. Überall dürfen wir kosten und probieren. Wir lernen das typische Bamboo- Chicken zu kochen und wie man einen Teh Tarek kredenzt. Jeden Abend bekommen wir ein Festmahl serviert, bestehend aus frischen Krabben, Schrimps mit Reis und Chilli und frischem, heimischem Gemüße. Wir essen Hühnerfußsuppe und 1000jährige Eier. Morgens um 5 weckt uns der Muezzin und wir gehen mit Sofian auf ausgedehnte Radtouren durch seine Heimat. Borneo ist im Wandel, das ist es was uns am meisten auffällt und auch beeindruckt. Ganze Villensiedlungen entstehen, ein komplett neues Handelszentrum mit breiten Straßen und Hochhäusern wird künstlich aus dem Uhrwaldboden gestampft. Einstige Fischerdörfer werden von der Küste weg ins Landesinnere verlegt, wo jeder Familie ein Reihenhaus mit Garten zusteht, um die Küstengebiete an große Konzerne teuer zu verkaufen. „In den nächsten Jahre werden hier große Hotels und Resorts stehen“, meint Sofian mit einem etwas wehmütigen Unterton. Wir besuchen seine Eltern die immer noch in einem kleinen Haus am Ufer vom Fischfang leben. Das ganze Haus ist umringt von Müll. An diesem Tag haben sie nur eine kleine Krabbe gefangen und selbst diese wollen sie uns schenken. Dankend nehmen wir an und bezahlen dafür entgegen ihrem willen.

Die Eindrücke die wir in diesen Tagen sammeln sind unbeschreiblich faszinierend. Die Herzlichkeit und Offenheit die uns entgegengebracht wird einmalig. Am letzten Tag lädt uns Sofian noch zu einem Essen bei sich daheim ein. Seine Frau kocht und brät den ganzen Vormittag. Auf dem Tisch stehen dann Huhn und Lammfleisch in verschiedensten Soßen, Gemüse und Reis soviel man will. Wir wissen gar nicht wie wir uns für das Alles bedanken sollen. Am Abend verabschieden wir uns bei dem gesamten Team im Restaurant. Alle kommen zusammen um noch ein Foto von uns zu machen, bevor wir am nächsten Morgen weiter ziehen werden, müssen, wollen. Per Flugzeug geht es direkt nach Kota Kinabalu, kurz KK, der zweiten großen Stadt im Osten von Borneo.

Am Flughafen verabschieden wir uns von Sofian und seiner Frau, die darauf bestanden uns dorthin zu fahren. Und es fällt nicht nur uns schwer diesen seltsam wunderbaren Platz zu verlassen. Noch im Flieger können wir die letzten Tage nicht so richtig begreifen. So viele neue Eindrücke wollen verdaut werden. Doch es bleibt kaum eine Stunde Zeit dafür, denn schon setzen wir zum Landeanflug an.



15.11.2011 bis 22.11.2011 Kota Kinabalu



Es soll der Abschluss einer fast zwei Monate andauernden Reise durch dieses faszinierende Land werden. Es soll noch einmal Alles vereinheitlichen was wir gesehen und erlebt haben und es soll vor Allem ein gelungener Abschluss werden. Das haben wir uns für KK vorgenommen. Am Ende kommt es aber doch anders. Wir werden Krank, Reisekrank. Niemals hätte ich gedacht das so etwas möglich ist. Das Gefühl zu ersticken. Sich wie im Traum zu bewegen und nicht von der Stelle zu kommen. Dieses beklemmende Gefühl der Hilflosigkeit. Wir wachen Morgens auf und allein das ist schon zu viel Bewegung. Eigentlich hatten wir vor noch den ein oder anderen Touristischen Höhepunkt mit zu nehmen, doch alles was wir zu Stande bringen sind Spaziergänge durch die öde Innenstadt. KK hat keine Altstadt mehr. Alles um uns herum ist einheitlich und langweilig. Große Shoppingcenter säumen die breiten, stark befahrenen Straßen. Durch einen Tipp entdecken wir ein gemütliches Hostel am Rand der Innenstadt. Zwar müssen wir hier in einem vier- Bett- Zimmer schlafen, doch die ersten Tage sind wir Allein in dem geräumigen Zimmer. Es gibt Frühstück inklusive und frisches Obst den ganzen Tag. Mit uns ist noch ein alter Chinese einquartiert, der den ganzen Tag in Anzughose und mit nacktem Oberkörper im Gemeinschaftsraum herum sitzt, raucht und Fern schaut. Er sei auf „Stand-By“ sagt er, wartet auf einen Anruf für ein Meeting. Das kann heute oder in einem Monat sein. So bewegt er sich relativ wenig. Ähnlich wie wir. Er raucht sicher drei Schachteln am Tag und auf meine Frage hin, ob er denn weiß das so ein Lebensstil ungesund ist meint er nur, „Rauchen ist nicht schädlich, solange man Morgens vor der ersten Zigarette ein Glas Wasser trinkt.“ (Alte chinesische Weisheit)

Selbst wenn wir uns aufraffen und nach draußen gehen, werden wir schnell wieder müde, in KK ist es heiß, richtig heiß. Schwül Heiß. Hatten wir auch geglaubt uns nach 3 Monaten endlich an das Klima gewöhnt zu haben, so erkennen wir nun das es nicht so ist. Die Hitze in dieser Stadt nimmt uns den Atem. Das einzige zu was wir uns aufraffen ist ein Indoor Fitnessstudio. Wir können es kaum glauben, aber selbst auf Borneo kennt man Less Milles. Wir trainieren jeden Tag zwei bis drei Stunden in dem Studio. Die Trainer haben sichtlich Spaß daran zwei Weiße zu motivieren. Und siehe da, mit dem Training kommt auch wieder die Lust aufs Reisen. Zwar beschert uns Bodypump und Co einen ordentlichen Muskelkater, doch wir fühlen uns nun ausgeglichener und zufriedener und können positiv nach vorn schauen, denn einen Monat haben wir noch vor uns. Ganze vier Wochen in Indonesien. Und von all dem was wir schon über dieses Land gehört haben, wird das Reisen dort nicht einfacher.

Am Abend des 22.11.2011 warten wir in der kleinen Abflughalle von KK auf die Maschine nach Jakarta auf Java, Indonesien. Wir reflektieren und beschließen, das wir wieder kommen werden, wiederkommen müssen. Das wir dieses Borneo nicht so einfach links liegen lassen können. Zu viel gibt es hier zu sehen. Nur die Zeit rennt dem Land davon. Öl und Bodenschätze bringen nicht nur Reichtum, sondern auch gravierende Veränderungen mit sich.

Es ist schon dunkel als wir Starten. Die Lichter der Stadt verschwimmen schnell im tiefen Dunkel der Urwälder. Ein dunkler Fleck, diese Insel. Halb Malaysia, halb Indonesien. Voll mit Abenteuer, Geschichten, Mythen. Menschen die man lieb gewinnt und seltsamen, kette rauchenden Chinesen. Wir haben wieder Kraft und sind frohen Mutes. Denn die größte Herausforderung steht uns noch bevor.

by Patrick Bauer



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