Eine zweite Chance für Bali


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November 28th 2016
Published: November 29th 2016
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Nachdem es uns in Lombok so gut gefallen hat und wir in Bali an vielen Stellen etwas geschockt, sowohl vom Müll als auch vom Ausmaß und der Kommerzialisierung des Tourismus waren, wollen wir Bali noch eine zweite Chance geben. Die letzten sechs Tage unseres Urlaubs werden wir uns den mit Traumstränden gesegneten äußersten Südzipfel der Insel anschauen: die Bukit-Halbinsel. Dafür haben wir uns in Balangan ein kleines Hotel mit Pool als Ausgangspunkt ausgesucht, nur wenige Kilometer von Jimbaran, einem mit Edelresorts gespickten Ferienort an einer wunderschönen endlosen Sandbucht.

In leichter Hanglage etwa 5 Rollerminuten vom Balangan Beach sitzt unser Hotel auf einem grünen Hügel, hier weht eine leichte Brise und es ist angenehm unaufgeregt.

Wir mieten uns direkt am ersten Tag einen Roller und kurven durch kleine Ansiedlungen nach Jimbaran. Unsere Navigationsapp schickt uns durch verschlafene Nebenstraßen, wo wir ein bisschen echtes Bali sehen können: Kinder spielen auf der Straße, Hausfrauen unterhalten sich beim Wäsche aufhängen, irgendwo rennt immer ein Huhn oder ein Hund über die Straße, kreuzt eine Kuh, hupt ein Roller, wird Essen gebrutzelt und Müll verbrannt. Ich glaube das wird übrigens das sein, was wir am wenigsten vermissen werden: der beißende Geruch nach brennendem Plastik, der einem meist mehrfach am Tag von irgendwoher in die Nase steigt. Wenn man mit dem Roller durch solch eine Wolke fährt stinken danach den ganzen Tag Haare und Kleidung. Leider liegt hier aber auch wieder viel Müll in der Natur. Trotzdem ist es eine schöne Fahrt mit wenig Verkehr. Jimbaran bietet neben dem langen, menschenleeren Strand nicht viel und so verbringen wir den Tag hauptsächlich am Wasser. Hier gibt es günstige Sonnenschirme und günstige Kokosnüsse, kleine Warungs direkt am Strand, das Wasser ist glasklar und seicht und der Strand sehr sauber. Als es am späten Nachmittag ein bisschen zuzieht wollen wir eigentlich in ein Shoppingcenter, aber als wir es endlich gefunden haben stellt sich heraus dass es lediglich ein großes Gebäude mit einem Polo Ralph Lauren Laden und mehreren Restaurants ist. Und so landen wir bei Starbucks und treten dann den Heimweg an. Abends essen wir bei uns um die Ecke in einem wunderschönen Café mit Livemusik und Mexikanischem Essen, köstliche Tostadas mit frischem Tunfisch und Quesadillas. Wir haben beide inzwischen etwas den "Reiskoller" und nicht mehr so Lust auf das zwar stets leckere aber doch nicht sonderlich abwechslungsreiche indonesische Essen. Neben unserem geliebten Gado-Gado, dem berühmten Nasi Goreng (gebratener Reis mit Gemüse, Ei und Hühnchen, wahlweise auch in der Version Mie Goreng als gebratene Nudeln), Fleisch und Meeresgetier auf Spießen mit leckerer Marinade und dem einen oder anderen Curry (meistens sehr mild und recht unspektakulär gewürzt) haben wir auch ab und zu mal etwas ungewöhnlicheres probiert, aber meistens sind wir dann doch wieder zu den o.g. Standardgerichten zurückgekehrt. So langsam wäre es schön, mal wieder ein deutsches Brot oder Kartoffeln auf dem Teller zu haben.

Da es am nächsten Tag bereits morgens am Pool etwas tröpfelt beschließen wir einen Einkaufstag einzulegen und fahren mit unserem Roller ins 20 km entfernte Seminyak, wo es die besten Läden geben soll. Seminyak gehört zu Kuta und ist dementsprechend rummelig und fühlt sich an wie ein Ort der überall auf der Welt sein könnte. Hier ist alles auf den Tourismus ausgelegt und auf den Straßen sieht man kaum Indonesier. Im Zentrum reihen sich Läden an Läden, Bars, Restaurants, Massagesalons und Coffee Shops. Es fühlt sich ganz gut an, mal wieder so ein bisschen "Stadtluft" zu schnuppern, einen guten Kaffee zu trinken, gepflegte Toiletten aufsuchen zu können und in einer Mall dem Regen entfliehen zu können. Wir kaufen ein bisschen ein und vertrödeln den Tag in Cafés und Läden. Abends essen wir noch Sushi und fahren dann im Dunkeln zurück nach Hause. Was tagsüber allerdings schon verrückt war, wird Abends noch schlimmer: der Verkehr um die Touristenzentren Kuta/Seminyak und die Inselhauptstadt Denpasar ist enorm. Auf augenscheinlich zweispurigen Straßen fahren meistens zwei Fahrzeuge und drei Roller nebeneinander, mit ein bisschen Glück sind alle Beteiligten beleuchtet und man rollt irgendwie mit dem Verkehr mit. Allerdings sieht die Realität meist etwas anders aus und während Dennis sich links und rechts durch die Autokolonnen schlängelt beschränke ich mich auf darauf ab und zu hysterisch zu quieken wenn es mal wieder sehr eng wurde. Irgendwie schaffen wir es nach Hause aber wie Dennis so schön sagt, "nur unter Strom". Wenn man diese Art Verkehr nicht gewöhnt ist und nicht das natürliche Vertrauen hat, dass die Fahrzeuge im Rückspiegel schon auf einen achten werden, ist es wirklich eine Herausforderung, hier in den Ballungszentren Roller zu fahren.

Die letzten Tage verbringen wir an verschiedenen kleinem Stränden auf der Bukit-Halbinsel und am Pool, wo wir Johanna und Nick aus Bremen kennenlernen.

Die Strände hier unten sind meist klein und nicht direkt mit Fahrzeugen zugänglich, sie schmiegen sich an die raue Küste und sind teilweise nur über Treppen erreichbar. Das macht sie natürlich ein wenig exklusiver und es sind meist nur 30-40 Leute da, hauptsächlich Surfer, die die starke Brandung rund um die Bukit-Halbinsel lieben. Wir besuchen ausserdem noch den Uluwatu-Tempel an der äußersten Südspitze Balis, der spektakulär auf einer Steilklippe thront, an sich jedoch wie die meisten Tempel hier ein recht unspektakuläres Bauwerk ist. Unterhaltsam sind auch hier wieder hauptsächlich die Selfieschiessenden aufgedonnerten Chinesinnen, die als Reisebusladung hier abgeliefert werden, und ein paar Flipflop-klauende Affen.

Am Adventssonntag gönnen wir uns ein Frühstück "auswärts" und frühstücken wie die Könige in einem kleinen Café, wo wir auch unseren Mini-Adventskranz anzünden (Brennzeit von Kerze Nummer eins leider nur etwa 30 Sekunden). Das Frühstück in unserem Hotel ist diesmal leider eher spärlich...

Am letzten Tag fahren wir Mittags nochmal nach Jimbaran. Jenseits der großen Resorts ist Jimbaran noch recht ursprünglich und es gibt am Ende des Strandes einen kleinen Hafen mit einem einheimischen Markt. Hier wollen wir noch ein bisschen nach Souvenirs stöbern, stellen aber fest, dass der Markt tatsächlich nur auf Lebensmittel und Gegenstände des täglichen Gebrauchs für die Indonesier ausgelegt ist. Hier ist auch der Fischmarkt von Jimbaran, ein kleiner stickiger Haufen aneinandergereihter Wellblechhütten unter dem die Vielfalt des Meeres in Styropor-Kisten darauf wartet, den Besitzer zu wechseln. Es ist schön anzusehen, wie hier die Shrimps und Hummer, die vielen bunten Fische und die kleinen Calamari angeboten werden. Allerdings, und das überrascht uns beide sehr, denn wir haben schon in anderen Ländern solche Märkte besucht, stinkt es unfassbar nach Fisch. Es mag vielleicht daran liegen, dass es bereits später Nachmittag ist als wir hier her kommen oder es liegt an den Fischabfällen die hier in unmittelbarer Nähe entsorgt werden. Selbst wenn man einiges gewöhnt ist, der Geruch hier ist wirklich kaum zu ertragen und man denkt lieber nicht über die Unterbrechungen der Kühlkette nach, die sein Abendessen bereits hinter sich hat bevor es auf dem Teller landet. Wir erkunden noch ein bisschen das herrlich unprätentiöse Jimbaran, entdecken tatsächlich einen (!!) Souvenirladen, gehen noch ein letztes Mal zur Massage und letztlich gegen 18 Uhr an den "Queen Beach". Hier stellen wenn es dämmert alle Restaurants ihre Tische in an den Strand und man speist den Fang des Tages mit den Füßen im Sand und der Aussicht auf die Bucht und das Meer. Nach und nach gehen überall die Lichter an, eine wirklich ziemlich gute kleine Band klappert die Tische ab (wir bekommen ein Ronan-Keating-Ständchen) und kurz bevor es dunkel wird bekommen wir zwei riesige Platten mit frisch gegrilltem Fisch, Scampi, Muscheln und Calamari aufgetischt. Dazu gibt es Reis, Gemüse und verschiedene Soßen und es schmeckt einfach köstlich. Am Ende bezahlen wir gerade so 20 Euro, obwohl wir noch vier Getränke und Früchte zum Nachtisch hatten...Spätestens an diesem Abend hat Bali seine zweite Chance verdient!



Ein kleines Fazit zu Bali und Lombok:

Wir haben unsere vier Wochen hier sehr genossen, sowohl Bali als auch Lombok sind super einfach zu bereisende Inseln und mit ganz wenigen Ausnahmen ist man uns immer super freundlich und hilfsbereit entgegen getreten. Auf Lombok hat es uns etwas besser gefallen, hier war einfach alles noch unverbrauchter, nicht so rummelig, nicht so zugebaut, irgendwie lockerer und ursprünglicher. Lombok würden wir uneingeschränkt empfehlen. Bali lebt von seinem Ruf und ist glaube ich ein Sehnsuchtsziel für viele Menschen auf der ganzen Welt. Keine Frage, es hat wunderschöne Landschaften (insbesondere rund um Ubud, aber auch der Westen soll sehr schön sein) und auch tolle Strände aber wir haben es so empfunden, dass Bali schon jetzt ein bisschen die falschen Konsequenzen aus seinem Potential gezogen hat. Überall werden riesige Resorts gebaut, an vielen schönen Orten werden die Pauschalchinesen in Busladungen vorgekarrt, ganz offensichtlich ist man jetzt schon völlig überfordert mit den Hinterlassenschaften der Millionen Touristen und vorallem büßt die Insel viel von ihrem Charme ein. Wir können uns auch garnicht vorstellen, wie die Insel von der Infrastruktur her noch mehr Urlauber aushalten kann und hoffen, dass all die kleinen Leute, die jetzt in den Tourismus investieren und ihren ursprünglichen Job dafür an den Nagel hängen, damit nicht böse auf die Nase fallen. Irgendwann ist auf dem Markt einfach kein Platz mehr für noch einen Homestay oder Warung, Bootsanbieter, Taxifahrer, Sarongverkäufer oder Tourenvermittler.

Würden wir Bali für Individualreisende empfehlen? Für Surfer definitiv. Es gibt gerade hier im Süden tolle Strände mit tollen Wellen und ganz viel Infrastruktur für die, die nur das Meer und die Wellen, ein sauberes Bett und ein gutes Essen brauchen. Für alle Anderen bietet Bali leider nicht ganz so viel Abwechslung, wie ich mir erhofft hatte. Zum Baden sind viele Strände, insbesondere wegen des Mülls, der steinigen Zugänge zum Meer und der Bebauung nicht ganz so schön. Von den Tempeln war ich eher enttäuscht, es gibt sie zwar zu tausenden, aber etwas richtig spektakuläres war nicht dabei. Die meisten kleinen Community-Tempel sind für Aussenstehende nicht zugänglich und an den großen öffentlichen Tempeln stapeln sich dann die Besucher und die Souvenirshops. Einblicke in die balinesische Kultur haben wir leider eher wenig dosiert bekommen, das was angeboten wird (Tanzvorstellungen, Besuch von "Temperzeremonien") scheint bereits sehr kommerzialisiert und mit den Menschen kommt man -auch auf Grund der Sprachbarriere- eher selten in ein Gespräch das über den üblichen Smalltalk hinausgeht. Ich würde also sagen, grundsätzlich kann man her kommen und auf jedem Fall eine schöne Zeit hier verbringen, man muss aber nicht unbedingt dagewesen sein. Und man sollte sich vielleicht beeilen wenn man noch ein bisschen unverfälschtes Bali kennen lernen will...

Was wir am meisten vermissen werden: die köstlichen frischen Milchshakes und Fruchtsäfte die es an jeder Ecke gibt (mein Favorit: Avocado - Klingt vielleicht im ersten Moment abartig, schmeckt aber köstlich erfrischend) und die netten Menschen.

Woran wir uns ein Beispiel nehmen wollen: an der Gelassenheit im Straßenverkehr

Worauf wir uns jetzt freuen: Vorweihnachtszeit zuhause, deutsches Brot - und unser eigenes Bett :-)


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