Nach Livingstone 475 km 17° - 34 °


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September 16th 2015
Published: September 16th 2015
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15.9. Lusaka nach Livingstone, 475 km 18° - 34 °

Die Ausfahrt aus der Stadt war wieder leicht, weil gegen den Strom. Außerdem (wie immer) früh aufgebrochen (7.00).
Es fiel wieder auf, dass viele chinesische Firmen hier sind, auch ein chinesisches Hotel (zur roten Laterne - was auch immer das bedeuten soll). Ich sah sogar einen Wegweiser, der nur in Chinesisch war.
Lusaka liegt auf einer leicht gewellten Hochfläche, so etwa 1200 m hoch.
Zuerst: Ackerbau, riesige Schläge, die künstlich bewässert wurden mit den fahrbaren Gestellen, die sich über ein ganzes Feld bewegen und dabei die Pflanzen besprühen.
Dann Viehzucht, offensichtlich riesige Farmen mit einem imposanten Tor an der Straße, vom Rest der Anlage war nichts zu sehen, weil weit weg von der Straße. Erinnert an die Betriebe in der Pampa Argentiniens.
Dann Zuckerrohranbau, ebenfalls bewässert, allerdings mit kleinen Kanälen.
Dann kleinere Farmen, und schließlich wurden auch die immer weniger.
Offenbar wird stellenweise sogar Milchwirtschaft betrieben, denn ich sah die Bauern ihre Milchkanne auf dem Fahrradgepäckträger zum Sammelplatz bringen. Ob dann im Sammelzentrum nur noch Sauermilch ankommt? Von Kühlkette kann da ja keine Rede mehr sein.
Dieser ganze Bereich ist Tsetse Fliegen frei, denn entweder Rinder oder Tsetsefliege. Gestern hielt ich an einer der zahlreichen Kontrollpunkte, es sauste in blaues Männlein herbei, das einen merkwürdigen Gegenstand trug. Nachdem den Anforderungen der Konversation genüge getan war (woher, wohin, wie lange, wieviele etc), dachte ich, dass nun ich an der Reihe sei mit Fragen stellen. Ich wollte nämlich wissen, was der komische Gegenstand war: ein Tennisschläger, unbespannt, an dem ein Stück Store befestigt war.
Die Antwort war bezaubernd: Er kontrolliert die Fahrzeuge auf Tsetse Fliegen, denn im O gibt es die und die Ausbreitung Richtung Lusaka im W soll verhindert werden. Ich durfte bald weiterfahren, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ich irgendwo diese Tiere mitschleppe, ist doch gering.
Aber ich blieb doch mit einigen ungeklärten Fragen zurück: Was machen die Tsetse Fliegen, die nicht im Auto oder Bus reisen? Wissen sie, dass sie die Straße entlang fliegen müssen, an der Schranke Halt machen müssen und sich dann fangen lassen?
Wie wird diese Vorschrift der Fliegenpopulation bekannt gemacht? Durch Aushang?
Und was ist, wenn so ein Vieh, in Unkenntnis der Vorschrift, einfach über Wald und Wiesen Richtung Lusaska fliegt?

Immer wieder gibt es Dörfer, in denen Märkte sind, Banken, Verwaltungseinheiten und in denen vor allem Dünger und Saatgut und ähnliche Dinge gekauft werden können. Da geht’s dann richtig zu. Aber die ganze Daseinsberechtigung dieser Orte ist die Landwirtschaft - auch das wie in der argentinischen Pampa.

Hier in Sambia wird wieder fleißig abgebrannt - die Straße entlang waren die Waldstück kilometerlang schwarz. Dagegen wurde in Malawi der ganze Rest der Ernte auf die Felder gebracht als Mulchschicht, in die die Frauen dann einzeln die Samenkörner für die nächste Saison legten, es wirkte fast wie eine religiöse Handlung.
Das Abbrennen hat ja mehrere Nachteile. Zum einen leiden die Bäume, denn wenn jahrelang ein Feuerchen am Stamm nagt, die rinde verletzt, die Äste abbrennt, dann schmeißt auch der zäheste Baum bald hin und gibt das letzte Blatt ab. Außerdem hat zwar der Boden die Nährstoffe, die in der Asche enthalten sind, aber die ganze Biomasse, die kompostieren könnte, die fehlt.
Schon wieder was, was ich ändern würde, wenn ich König von Afrika wäre.
Außerdem habe ich mich entschlossen, dass nur noch sinnvolle Entwicklungshilfe angenommen würde. Zum Beispiel: Dachrinnen. Alle Häuser, die Wellblechdächer haben, werden mit Dachrinnen ausgestattet. Denn dann kann das Regenwasser mindestens in der Regenzeit in einen Kübel geleitet werden und muss nicht von weit her geholt werden. Der nächste Schritt ist natürlich ein Wassertank (oben geschlossen), in den das Wasser eingeleitet wird. Bei einen 3000 Liter Tank kann man 300 Tage lang jeden Tag einen 10 Liter Eimer entnehmen - das ist schon mal eine gewaltige Erleichterung. Und bei steigendem Wohlstand kann man ja dann die Tankgröße auf 5000 Liter erhöhen.
Was dann noch notwendig ist, ist Wassermanagement. Denn es geht natürlich nicht, dass dann in den ersten 6 Wochen alles Wasser aufgebraucht wird und dann ist wieder nichts da. Also muss es irgendwie so eingerichtet werden, dass z.B.: das Wasser ganz langsam heraus fließt, jeden Tag nur 10 Liter. Oder sonst eine geniale Idee muss her. Da bin ich noch am Nachdenken. aber der nächste lange Fahrtag kommt übermorgen, da habe ich dann sicher eine Lösung.
Es ist unfassbar - keines der Wellblechdächer hat eine Regenrinne. Es ist ja schon angenehm, wenn nicht überall ums Haus herum das Wasser hinunter plätschert. Aber der Aspekt des Wassersammelns ist noch viel wichtiger.
Livingstone ist wieder etwas touristisch, wegen des Viktoria Falls. Da geht’s morgen hin.

Die Männer sitzen am Pool und diskutieren einzeln jedes Schlagloch, dem sie heute ausgewichen sind, oder in das sie hineingefahren sind und mit welcher Geschwindigkeit. Kommt mir sehr komisch vor. Keiner spricht über Afrika.


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