Wüste und Wein - von der Karoo in die Winelands


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March 23rd 2017
Published: March 24th 2017
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Addo ist der Umkehrpunkt unserer Reise und so geht es von hier wieder zurück in Richtung Kapstadt. Allerdings nicht am Meer entlang sondern durch das heiße trockene Inland, die Karoo, eine Halbwüste deren Name aus der Khoi-Sprache übersetzt "Land des Durstes" bedeutet. Etwa vier Stunden durch teils dürre Einöde, teils spektakuläre Felsschluchten und immer wieder über abenteuerliche schnurgerade Schotterpisten geht es in Richtung Westen ohne dass uns regelmäßig andere Fahrzeuge begegnen. Teils geht es Allerdings auch durch Farmland und eine staubige Abfahrt mit einem Gatter oder ein Windrad irgendwo im Nirgendwo weist vage daraufhin, dass hier auch Menschen leben. Die in der Karte eingezeichneten "Orte" sind meist nur eine lose Ansammlung einiger weit verstreuter Häuser. In der Karoo, die insgesamt der Fläche von Deutschland entspricht leben etwa 1 Million Menschen und sieben Millionen Schafe, wobei ich mich andauernd frage, was die armen Viecher auf diesen zwar riesigen aber meist schattenlosen, kargen und steinigen "Weiden" eigentlich fressen sollen. Mitten in der Einöde kommen wir plötzlich in eine groß angelegte Polizeikontrolle mit mindestens 10 schwer bewaffneten Polizeibeamten und zwei Verfolgungsfahrzeugen. Der nette Officer möchte allerdings nur Dennis' Führerschein sehen und schon dürfen wir, vertrauenswürdig wie wir sind, weiter.

Mittagspause machen wir in einem völlig verschlafenen Nest, das wahrscheinlich die Provinzhauptstadt hier ist aber für mich so unbedeutend war, dass ich seinen Namen schon wieder vergessen habe. Hier gibt es aber ein super Deli mit echten Provinzpreisen und erstaunlich leckeren Smoothies und schönem tiefschwarzen Kaffee. Die Landschaft verändert sich auch in den nächsten zwei Stunden kaum, erst gegen Ende schlängelt sich die Straße durch eine spektakuläre Schlucht kurz bevor wir in Prince Albert, unserem nächsten Zwischenstopp ankommen. Prince Albert ist ein total herausgeputzter kleiner Ort, mit schönen Gärten, schicken kleinen Häusschen mit Reetdach und vielen Läden, Cafés und Gallerien. Hier, an der Grenze der kleinen Karoo zur großen Karoo scheinen viele Künstlertypen hängen geblieben zu sein, und dafür dass es eigentlich nicht sehr groß ist gibt es erstaunlich viel zu tun. Zum Beispiel gibt es ein kleines Art Decò Theater in dem heute Livemusik gespielt wird und teilweise andere Events und Filmvorführungen stattfinden. Außerdem eine Kochschule (ja natürlich wollte ich hier einen Kurs machen, aber sie waren bereits im Januar für den März ausgebucht), eine Ghost Walk Tour und etliche Kreativworkshops. Uns ist an diesem heißen Tag allerdings eigentlich nur nach süßem Nichtstun. Wir haben ein kleines Cottage am Ortsrand ganz für uns
Prince AlbertPrince AlbertPrince Albert

Theater und Kirche
alleine und wollen unbedingt nochmal ein Braai machen. Man hatte uns dafür eine kleine Käserei im Ort empfohlen, die auch selbst schlachtet und frischen Joghurt und anderes anbietet. Hier kaufen wir Lammspieße, eine hausgemachte Bauernwurst und ein wenig frischen Mozarella, mit dem wir uns Brot überbacken wollen.

Ansonsten springen wir nur noch kurz in den Pool, trinken noch eine Kleinigkeit an der urigen Bar im Swartberg Hotel und verbummeln den Nachmittag auf unserer Terrasse. Leider ist es unfassbar windig und obwohl der Grill von drei Seiten ummauert ist bläst es die Asche einfach hinaus und das Grillen wird für Dennis zur großen Herausforderung. Trotzdem schmeckt das Ergebnis am Ende sehr gut.

Am nächsten Morgen gehen wir noch auf einen kleinen Bauernmarkt im Ort, auf dem wir frisches Olivenbrot und Tomaten und einen köstlichen Eiskaffee kaufen und ein bisschen in der Sonne sitzen. Irgendwie ist auch dieser Markt wieder ein rein weißes "Event", was ich sehr schade finde. Unsere Fahrt führt uns jetzt über den berühmten 1585 m hohen Swartbergpass, eine teils unbefestigte Schotterpiste mit spektakulärer Aussicht, die uns nach ca 50 km in das kleine Städtchen Oudtshoorn auf der anderen Seite des Swartbergs bringt. Oudtshoorn ist bekannt geworden als Stadt der Straußenbaronen. In den Boomjahren 1880-1920 verdienten sich die hier ansässigen Straußenfarmer ein Vermögen mit dem Verkauf der Federn und bauten sich in der Stadt regelrechte Paläste. Auch heute sind rings um die Stadt noch viele Straußenfarmen, auch wenn das große Geld heute nicht mehr mit Federn sondern mit dem teueren Leder und dem Straußenfleisch gemacht wird. Auf einigen Farmen kann man eine kleine Führung machen und wir halten deshalb auf der Cango Ostrich Farm vor den Toren der Stadt. Das Ganze ist recht touristisch aber dennoch interessant und wir erfahren zum Beispiel warum Straußenmännchen und -weibchen unterschiedliche Farben haben: Sie teilen sich das Brüten und während das grau-braune Weibchen tagsüber gut getarnt auf dem Nest sitzt wird das schwarze Männchen nachts nicht gesehen. Ein Straußenei kann übrigens ein Gewicht von bis zu 180 kg aushalten, zum Beweis kann man sich auf ein (unbefruchtetes) Ei draufstellen und fotografieren lassen. Wir besichtigen die Gehege, die leider nicht so groß und teilweise recht ungepflegt erscheinen, sehen Babys und Strauße in den verschiedenen Wachstumsphasen. Nach 12-14 Monaten haben sie übrigens ihr "Endgewicht" erreicht und werden im Regelfall geschlachtet. Das Highlight der Tour ist für mich, dass man die Tiere in bestimmten
Umarmung für Fräulein StraussUmarmung für Fräulein StraussUmarmung für Fräulein Strauss

Oder "Liebe geht durch den Magen"
Gehegen füttern darf. Mit ihrem stumpfen Schnabel fischen sie dir dabei die kleinen Pellets aus der Hand und es kitzelt ziemlich. Zu einer ältere Straußendame , sozusagen das Maskottchen der Farm, darf man zudem ins Gehege und ihr eine Umarmung geben, während der Führer sie hintenrum mit ein paar Pellets besticht damit sie ruhig hält. Der Hals und das Federkleid von Fräulein Strauß fühlt sich entgegen meiner Erwartung total weich an und es ist eine echt tolle Erfahrung. Einige aus der Gruppe lassen sich sogar von ausgewählten Straußen ein "Küsschen geben" indem sie sich ein Pellet in den Mund stecken, das der Strauß dann rausfischt, aber das ist mir dann doch ein bisschen zu bunt und unappetitlich. Dennis findet die Strauße sowieso ein bisschen eklig und hat den ganzen Touristenkram ausgelassen. Auf jeden Fall war die Tour eine sehr angenehme und interessante Fahrtunterbrechung bevor wir nochmal zweieinhalb Stunden bis nach Barrydale, unserem Tagesziel unterwegs sind. Wir fahren wieder durch abwechslungsreiche Landschaft, kantige Felsformationen wechseln sich ab mit weiter Einöde und riesigen Farmflächen. Und immer geht es geradeaus. Barrydale ist genauso hübsch und herausgeputzt wie Prince Albert und wir haben ein zauberhaftes Bed & Breakfast, in dem wir heute die einzigen Gäste sind und von Betreiberin Nicola wie von unserer eigenen Oma behandelt werden. Sie hat uns auch vorsichtshalber schon im "Mez", DEM Restaurant am Platz, serviert, da es dort samstags recht voll werden kann. Und nach einem faulen Nachmittag am Pool und im Garten des Hauses gehen wir recht früh essen. Das klitzekleine Restaurant mit Blick in die offene chaotische Küche, in der zwei rundliche farbige Mamas wild mit den Töpfen klappern (ein dicker Koch ist sowieso immer ein gutes Zeichen finde ich, man merkt dann dass er/sie gutes Essen schätzt!!) entpuppt sich als echtes Juwel und wir essen hier so gut wie noch nie auf der ganzen Reise. Die Küche ist marokkanisch inspiriert und ein Feuerwerk an Geschmack. Dennis isst ein saftiges mit Orange-Chili mariniertes "Pulled Pork" mit Tomatensalsa-Reis und Gemüse und ich eine fünf Stunden in Portwein gekochte butterzarte Lammschulter mit Schmorgemüse und dem besten Kartoffelbrei den ich je gegessen habe (irgendwie mit viel Olivenöl angereichert und oben überbacken, sodass er krustig geworden ist). Dazu gibt es auf beiden Tellern ein süßes Kürbispürree, dass ein wenig nach Kardamom und Zimt schmeckt und einfach nur köstlich ist. Von den Nachspeisen fange ich erst garnicht an...

Unschwer zu erraten, dass wir an diesem Abend völlig beglückt ins Bett fallen.

Nachdem wir bei Nicola am nächsten Morgen noch mit einem köstlichen hausgemachtem Frühstück verwöhnt werden, (Ich sage nur "wann wollt ihr morgen frühstücken? Ich frage bloß, weil ich etwa eine Stunde Vorlaufzeit in der Küche brauche"!!!) sind wir überzeugt, auf dem kulinarischen Höhepunkt unserer Reise angekommen zu sein. Und dennoch geht es heute nochmal weiter. Wir verlassen die Route 62, die uns durch die Karoo begleitet und uns ein tolles Stück "echtes Afrika" gezeigt hat und fahren in Richtung der "Winelands". Die Gegend um Stellenbosch und Franschhoek, etwa eine Stunde nördlich von Kapstadt ist als die Weingegend Südafrikas bekannt, und bietet niedliche kleine Orte, schicke Weingüter und Gourmetstaurants. Hier verbringt die Kapstädter Upper Class ihre Wochenenden " auf dem Land". Aber der Preise wegen zieht es uns noch ein bisschen weiter nördlich ins verschlafene Tulbagh und dort auf die "Bergsicht"- Farm. Wir haben ein absolut dekadentes zweistöckiges Cottage mit zwei Bädern, freistehender Badewanne, Sonnenterrasse und Kamin gemietet. Außerdem natürlich den obligatorischen gemauerten Braai-Grill und als absolutes Highlight einen privaten ca. 2x2 qm großen "Sitzpool", den wir mit Feuerholz über einen eigenen eingebauten Ofen für abends beheizen können. Hier wollen
Bei TulbaghBei TulbaghBei Tulbagh

Winelands
wir nach der ganzen Fahrerei in den letzten Tagen und der ereignisreichen Zeit an der Küste einfach ein bisschen entspannen, lesen, Schach spielen, sonnenbaden, Nichtstun. Tagsüber dient unser kleiner Pool als willkommene Abkühlung, denn hier ist es wahnsinnig warm und die Gegend ist von Sonne verwöhnt. Am Ersten Abend machen wir nochmal ein köstliches Braai mit Kudu-Würsten, Lamm-Chops und orientalisch gewürzten Frikadellen und heizen den Pool an. Als wir mit Essen fertig sind und mit unseren Getränken in die "Hot Tub" umziehen wollen stellen wir allerdings fest, dass wir es ein wenig übertrieben haben und das Wasser so heiß ist, dass man nicht mal den Fuß reinsetzen kann. Wir müssen uns heute also mit der Terrasse begnügen, aber auch hier sieht man den funkelnden Sternenhimmel ganz toll. Wir schlafen viel und sind auch am nächsten Tag eher faul. Wir fahren für einen kleinen Bummel durch Tulbagh in den Ort, hier macht Dennis aber erstmal seinen obligatorischen Friseurbesuch. Diesmal im Chicago Hairsalon, dem heruntergekommensten Friseurladen, den ich je gesehen habe und den wahrscheinlich außer uns selten ein Weißer betritt. Aber für umgerechnet 2,13 Euro bekommt er von dem netten farbigen Chef in Badelatschen und Trainingshosen einen ziemlich passablen Haarschnitt verpasst während ich auf den abgewetzten Sofas zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter ein bisschen Fernsehe.

Danach laufen wir ein wenig durch die historische Church Street mit ihren kleinen kapholländsichen Häuschen und herausgeputzten Vorgärten und trinken hier einen Kaffee. Auf Empfehlung unserer Gastgeber fahren wir dann auf die Oakhurst Olive Farm wo es ein kostenloses Olivenöl-Tasting gibt. Mit ein bisschen Brot und ein paar Erklärungen dürfen wir zwei der bestverkauftesten Öle und die klassischen Kalamata-Oliven der beeindruckenden Farm versuchen, deren Probierraum an einen Ballsaal erinnert. Die nette junge Dame erklärt uns ein bisschen was zu Geruch und Geschmack der verschiedenen Öle und wie man sie zu sich nehmen soll. Und tatsächlich kann man, wenn man das reine Öl ohne Brot probiert, die Aromen von Zitrus und Pfeffer herausschmecken. Wir kaufen natürlich auch ein Öl, aber dennoch ist es nett, dass man erstmal ein bisschen etwas erklärt bekommt und probieren darf.

Danach steht noch die obligatorische Weinprobe an und natürlich kaufen wir auch hier zwei Flaschen für zuhause.

Dann essen wir hervorragend im Tulbagh Hotel und als wir uns auf den Weg nach Hause machen, ziehen plötzlich Gewitterwolken auf. Für die Farmer hier, die eine schlimme Dürre hinter sich
die "Hot Tub"die "Hot Tub"die "Hot Tub"

... Da raucht der Kamin noch gemütlich vor sich hin und wir ahnen nichts Böses...
haben und einen der regenärmsten Sommer seit Langem, wäre ein wenig Regen ein Segen, aber für uns, die ja eigentlich noch in die Hot Tub wollen eher nicht. Es kommt wie es kommt und bis ein Uhr nachts tobt ein unfassbares Gewitter mit minutenlangem Donnern über uns, das uns kaum schlafen lässt. Wir versuchen also einfach, uns ein bisschen mitzufreuen für unsere Gastgeber und all die netten Leute, die wir hier in Südafrika kennengelernt haben.


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Unser CottageUnser Cottage
Unser Cottage

Prince Albert
Prince AlbertPrince Albert
Prince Albert

Heruasgeputztes altes Häuschen
autsch ;-)autsch ;-)
autsch ;-)

Straußenfüttern auf der Cango Ostrich Farm
prächtiges Federkleid prächtiges Federkleid
prächtiges Federkleid

Cango Ostrich Farm
Herr StraußHerr Strauß
Herr Strauß

Cango Osteich Farm
Die Kirche AmaliensteinDie Kirche Amalienstein
Die Kirche Amalienstein

Wurde einst mitten in der Karoo von deutschen Missionaren gegründet
TulbaghTulbagh
Tulbagh

Church Street Idylle
TulbaghTulbagh
Tulbagh

Coffee Shop


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