Wieder in Kapstadt


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Published: October 21st 2015
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Der heutige Tag war eigentlich genau so wie der letzte Tag der Reise von Nairobi nach Kapstadt. Denn alle wollen das Kap
Agulhas sehen (suedlichster Punkt Afrikas), dann muss man da uebernachten - diesmal in Ariston - und dann muss man ganz schnell nach Kapstadt sausen, weil noch so viel zu tun ist an diesem Tag.

Der Hauptunterschied zum letzten Mal war das Wetter. Es hat nicht geregnet (obwohl es am Morgen ganz danach ausgeschaut hat), die Sonne schien und es war sogar ziemlich heiss, alle Lueftungsklappen im Anzug waren offen.

An manchen Stellen traute ich meinen Augen nicht, so erstaunt war ich ueber die Gegend - man sah sie naemlich diesmal...

Allerdings fuhr ich nicht mit zum Kap der Guten Hoffnung - da sammelt man sich an einem grauenhaften Parkplatz, wartet rum, um dann gemeinsam zum eigentlichen Kap zu fahren. Dort draengelt sich alles, man kommt kaum zu Bildern ohne Fremde drauf und ueberhaupt ist das doch nur wieder eine Ansammlung von Felsen im Wasser.

Jedenfalls fuhr ich da nicht hin, sparte mir dadurch Zeit, troedelte an den Aussichtspunkten rum, fuhr sogar noch schnell zum Botanischen Garten, weil ich da noch was kaufen wollte, und dann zum Hotel. 14.00 da.

Schnell Sachen sortiert - was schleppe ich selber heim, was stopfe ich in die Seitenkoffer (und gehe das Risiko ein, dass es verschwindet)?



Heute habe ich viel ueber die Townships nachgedacht. Man findet sie im ganzen Land (dies ist woertlich zu nehmen), es sind Siedlungen, wo die Haeuser eng nebeneinander stehen, hier wohnen nur Schwarze. Mir wird immer wieder versichert, dass man da nicht hingeht, da wird man garantiert ermordet. Ich hab's ausnahmsweis nicht probiert, schreibe nicht aus dem Grab.

Es gibt verschiedene Modelle von Townships, aber alle haben eins gemeinsam: sie sind extrem abgelegen. Auf einer Passhoehe von 850 m - kein Problem, da haben sie wenigstens frische Luft. Und im Winter koennen die lieben Kleinen im Schnee spielen. Auf halber Strecke zwischen zwei weit auseinanderliegenden Doerfern? Gute Idee - da sind sie ganz unter sich. Oder an einem steilen Berghang - dankbar sein, wer hat schon so eine Aussicht. Heute kam ich an einer gigantischen Towhnship vorbei, die gleich hinter einer Duene, direkt neben der Klaeranlage und recht nah am Meer lag. (Irgendwas muss da mit dem Meer sein, sonst haetten sich die Weissen diesen Bauplatz laengst gekrallt. Aber egal - solche Gedanken lassen wir jetzt mal beiseite.) Ist das nicht eine wahnsinnige Wohnlage - so nahe an einem wunderbaren Naherholungsgebiet??

Alle Townships haben also eines gemeinsam: sie sind abgelegen. Aber hier sieht man nur die Fuersorge der Regierung: So sparen sich die Bewohner die Ausgaben fuers Fitness Studio. Denn Einkaeufe, Kinder und alles andere auch, muss da zu Fuss hingeschleppt werden. Kinderwaegen sind fast unbekannt, und ueberhaupt ein Luxus, den ein Townshipler nicht braucht. Und weit entfernt von jeglicher Arbeitsstelle ist das ja auch. Aber da macht nix, denn es hat ja eh keiner eine Arbeit. Ich hab irgendwie den Eindruck, dass es sich um Waehlervieh der Regierenden handelt: Rundumversorgung durch Sozialhilfe. Und dann will ich wieder gewaehlt werden!!

Nur kostet das Ganze natuerlich viel Geld, Alkoholismus, Gewalt, geringe Schulbildeung sind einige der Folgen - und das System sieht keinerlei Massnahmen vor, die die Menschen eingliedern.

Daneben gibt es zahlreiche Orte, in denen die tollsten Villen stehen. Oft sind es sogar nur die Ferienhaeuser, die dann schwer bewacht werden muessen, weil sie ja fast immer leer stehen. Und die eigentlichen Haeuser der Leute sind noch toller...

Da braucht es nur eine charismatische Person, die auf diese Unterschiede hinweise, die Townshipler aufhetzt und schon brennt das Land. Ich habe mit weissen Afrikanern gesprochen - auch sie finden, dass die Situation einem Pulverfass entsprichet, die Frage ist nur noch, wie weit die Lunte schon abgebrannt ist.

Ich persoenlich habe keine Zweifel, dass eine Explosion kommt, vielleicht nicht moregen. (Morgen waere unguenstig, da will ich noch in Kapstadt rum fahren, ab Samstag ist's dann ok, da bin ich daheim.)



Abgesehen von der Lage (wie gesagt, immer traumhaft) gibt es noch andere Unterscheidungsmerkmale.

a) wilde Siedlungen, ohne Strom und Wasser, Abwasser sowieso nicht. Es dauert immer eine Weile, bis jemand das Vorhandensein auffaellt, dann kokmmen die Buldozer, die Bewohner ziehen sich mitsamt ihrer Habe ins Gebuesch zurueck, wenn die Bulldozer weg sind beginnt der Wiederaufbau.

b) aeltere Siedlungen: Material wie bei a) - Pappe, Plastik, Holz, Blech, Wellblech und alles, was sich sonst noch zum hinnageln eignet.

Manchmal Haus an Haus, selten sogar Strassen dazwischen. Strommasten, Klohaeuser an irgendwelchen Sammelstellen, Wasser?? Wahrscheinlich schon, hab ich aber nicht gesehen.

c) neu erbaute Townships: Hier legt die Regierung erst mal ein Wegenetz fest, baut dann kleine Schachteln hin, Tuere in der Mitte, rechts und lionks ein Fenster. Spontan wuerde man von einem Haus mit zwei Zimmern sprechen, aber hier ist das Klo innen, es gibt sicher auch ein Waschbecken, also irgendeine Art von Badezimmer, dann muss man ja auch kochen - bleibt eigentlich nur ein Zimmer, oder?

Um das Ganze sehr froehlich zu gestalten werden die Haeuser knallgelb, oder orange oder gruen gestrichen. Und da stehen dann hunderte nebeneinander.

Soviel zu den Townships.....

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