In Kapstadt I 20. und 21.10.


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Published: October 21st 2015
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Gestern und heute hatte ich ein Busticket für so einen Stadtrundfahrt Bus - Hop on, Hop off. Man kann mit einem Fahrschein den ganzen Tag mit den 4 Buslinien rumfahren, steigt aus, wo man lustig ist, steigt wieder ein, fährt ein Haus weiter etc. Ich benützte dieses Ticket einfach teilweise für den Transport von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Machte eine Stadtführung, ging in Museen, saß in einem schönen Park, fuhr hinauf zur Seilbahnstation vom Tafelberg und machte mehrmals eine Rundfahrt der Küste entlang (weil ich nur so zum Hotel zurück kam).

Unter der Apartheid Gesetzgebung gab es 11 Rassengruppen. Der wichtigste Test war der Kugelschreiber Test. konnte man einen Kugelschreiber ins Haar der Testperson stecken und der blieb drin (Kraushaar!!), dann war das Pech. Andernfalls war man eben fein raus. Die unterste Gruppe waren die Bantu - gaaaanz schlecht. Europäer: hervorragend.

Schwierig war es mit ausländischen Staatsoberhäuptern, die eventuell trotz des Embargos eine Handelsbeziehung mit SA eingehen wollten (Handelsverbindung: sehr gut, Nicht-Europäer: sehr schlecht.) In solchen Fällen wurde die entsprechende Person zum Europäer ehrenhalber (honorary white) ernannt. Zum Beispiel den Premierminister von Japan konnte man beim besten Willen nicht als Europäer bezeichnen, Handel mit Japan war aber prima. Deshalb wurde er zum Weißen ehrenhalber und alles war gut.

Die Apartheit ist ja aufgehoben - jedenfalls in allen wichtigen Bereichen. So darf sich jeder auf jede Bank setzen, Bänke für Weiße gibt es nur noch eine - als Erinnerungsstück. Es darf auch jeder auf jedes Klo gehen, jeden Strand besuchen, jeden McDonald besuchen. Also all die wichtigen Dinge halt. Nur einige Kleinigkeiten sind noch etwas getrennt - es gibt einfach keine Weißen, die die Straße kehren, den Müll wegfahren oder die Toiletten putzen. Oder Polizisten sind. Oder sonst eine der schlecht bezahlten Arbeiten ausführen, die nötig sind, damit alles gut läuft.

Die Trennung ist jetzt nach Geld - und das haben die Weißen (und einige Schwarzen, die deshalb unter Apartheit Regeln zu Weißen ehrenhalber ernannt worden wären).

National Museum of SA: Ungefähr so groß, wie in München die halbe Hype Kunsthalle, also überschaubar. Moderne afrikanische Kunst sucht man vergebens, aber immerhin waren "afrikanische" Maler ausgestellt - die bei näherem Hinsehen deutsche Eltern hatten und in Deutschland Kunst studierten oder in England geboren waren und irgendwann nach SA auswanderten und freundlicherweise dort starben.

Das nächste Museum, das ich besuchte, war das Sklavenhaus (Slave Lodge). Dort wurden je 600 Männer und Frauen gefangen gehalten. Über die Lebensbedingungen dort hängt man am besten den Mantel des Schweigens....

Interessanterweise (und mir völlig unbekannt) kamen die Sklaven aus ganz verschiedenen Teilen der Erde: Ost und Westafrika natürlich, Sansibar, Indien, Indonesien, sogar aus China. Die holländische Ostindiengesellschaft musste unbedingt den Kapbereich ausbauen und dort Landwirtschaft betreiben, um die Schiffe, die den einträglichen Gewürzhandel betrieben, zu versorgen. Vorher waren die Ausfälle durch Skorbut und andere Krankheiten enorm. Um den Anbau zu betreiben und andere anfallende Arbeiten zu verrichten wurden also diese Sklaven importiert. Die indigene einheimische Bevölkerung wurde zunächst friedlich behandelt - man wollte sich da keine weiteren Konflikte einhandeln, außerdem waren es nicht genug, um den Arbeitskräftebedarf zu decken.

Im 18. Jh. lebten im heutigen Kapstadt mehr Sklaven als Europäer...

Diese Sklaven gehörten der NL Ostindiengesellschaft, wurden von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang in diesem Sklavenhaus eingesperrt und dann zur Arbeit gebracht. Gleich nebenan sind die "Company's Gardens", sie waren durch einen Wasserlauf vom Tafelberg runter bewässert und in ihnen wurde Gemüse angebaut zur Versorgung der Segelschiffe. Am Sonntag hatten die Männer frei, die Frauen standen den männlichen Europäern zur freien Verfügung. Wurden die Sklavinnen schwanger - umso besser, so stieg die Zahl der Sklaven.

Das Thema Sklaven in Südafrika scheint mir sehr interessant zu sein, trotz Museumsbesuch weiß ich noch viel zu wenig.

Allerdings war ich wirklich sehr lange in diesem Museum. Die ganze Zeit schon drang aus der Ferne Gebrüll her, nur hatte ich keine Ahnung, was da los sei. Außerdem war das Gebrüll ja noch etwas entfernt... Aber als ich dann gehen wollte, stellte ich fest, dass sich das Gebrüll verlagert hatte und jetzt direkt vor dem Museum erklang. In die dunklen, fast fensterlosen Räume war der Lärm nicht so richtig gedrungen und ich war daher schon etwas überrascht. Als ich die Türe öffnete, zeigte sich, dass da draußen ein Hexenkessel tobte, sofort drängten Leute ins Haus. Ich schloss die Tür schleunigst. Und dann blieb mir nichts anderes über, als zwei Sudokus lang (Schwierigkeitsstufe "extrem") zu warten, bis sich die tobenden Massen wieder entfernt hatten. Es waren Studenten, die gegen das hohe Schulgeld protestierten.

Angesichts der dicken Mauern des Hauses, fühlte ich mich recht sicher - auch als heftiges Knallen ertönte (ich dachte eigentlich an Schüsse, aber es waren wohl doch keine). Am nächsten Tag las ich im Internet, dass die Polizei Tränengas eingesetzt hat gegen die Studenten.

Heute tobt ein grandioser Föhnsturm über Kapstadt. Über den Tafelberg fallen pausenlos dicke Wolken, die sich brav ans Lehrbuch halten und sich in tieferen Lagen auflösen. Allerdings ist der Wind saukalt, kein laues Lüftchen, wie bei uns, und sehr stark. Offenbar kann er so stark werden, dass die Menschen nicht nur ihre Kleidung festhalten, sondern auch sich selbst an Laternenpfählen oder Bäumen...


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