Von Calafate nach Chalten


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South America » Argentina » Santa Cruz » El Chaltén
December 14th 2005
Published: March 14th 2006
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Alle.... Nach einer etwas laengeren Pause also endlich mal wieder das Neueste aus dem Sueden Suedamerikas: Ich schreibe euch gerade aus unserem Hostel in Calafate, rechts von mir ein Kamin; wenn ich aus der grossen Fensterfront vor mir schaue, sehe ich den tuerkisfarbenen Lago Argentino und dahinter einen Andengipfel an den Naechsten gereiht. Wir sind gestern hier angekommen und geniessen seitdem die Vorzuege die eine Stadt, auch wenn es nur eine kleine Stadt ist, zu bieten hat: Supermaerkte in denen man von A-Z alles kaufen kann, Weihnachtsdekorationen in den Schaufenstern, Eiscafes, Coffeebars, ja sogar Taxis und einen Busbahnhof gibt es hier. Und natuerlich endlich wieder eine Internetverbindung die erschwinglich ist. Wie ihr euch wahrscheinlich mittlerweile denken koennt gab es all das in den letzten Wochen nicht. Dafuer gab es majestaetisch wirkende Berge, glasklare Gebirgsbaeche, tuerkisfarbene Lagunen, faszinierende Gletscher, Einsamkeit, Sonnenschein bei blauem Himmel, eiskalte Schneestuerme in denen man nichts mehr erkennen konnte (erst recht nicht die Lagune derentwegen wir einen anstrengenden Aufstieg auf uns genommen hatten) und eine Pflanzen-und Tierwelt die uns immer wieder zum Staunen und Laecheln gebracht hat (insbesondere die patagonischen Hasen mit ihren unglaublich langen Ohren haben es uns angetan und wir haben ihnen gespannt beim ihrer "merienda", dem kiloweisen Verputzen von Loewenzahn, zugeschaut und gelauscht). EL CHALTEN - so heisst der Ort an den es uns nach unserem Abstecher nach Los Antiguos verschlagen hatte. Seinen Namen verdankt er dem Berg zu dessen Fuessen er 1985 aus grenzpolitischen Gruenden (Streitigkeiten mit Chile) gegruendet wurde: bei uns besser als Fitz Roy bekannt, wurde "seine Majestaet" urspruenglich von den Einheimischen El Chalten genannt. Von unserer gemuetlichen Albergue Patagonia aus, wohin wir nach einigen Tagen umgezogen sind, haben wir uns ihm sowie dem mindest ebenso schoenen Granitobelisken;Cerro Torre, sowie den Gipfeln Poincenot, Rafael, Saint-Exupery, Mermoz und den Gletschern Torre und Grande, mit Wanderstoecken bewaffnet, auf Tagestouren immer wieder genaehert. Abends sind wir dann meistens fix und fertig ins Bett gefallen - manchmal hat es gerade noch so fuer ein Glaeschchen Wein und ein leckeres hausgemachtes Abendessen gereicht. Und auch das patagonische Wetter hat mal wieder bewiesen, dass zwischen hochsommerlichen Temperaturen und eisiger Kaelte nur Stunden liegen koennen und dass auch im Sommermonat Dezember Schnee nichts Aussergewoehnliches ist... Da wir morgens nie genau wussten was uns in den naechsten Stunden erwarten wird haben wir einfach immer das ganze Sortiment eingepackt: T-Shirt, Regenjacke, Windstopper, Handschuhe, Wollmuetze, Sonnenbrille Sonnencreme. Und das war auch gut so. Nachdem wir u.a. die Basislager von Fitz Roy (campamento Rio Blanco) Cerro Torre (campamento Agostini) erwandert hatten und einen Tag auf dem Ruecken der Pferde (die sonst die ganze Ausruestung fuer die Bergsteiger in die Basiscamps schleppen duerfen) verbracht haben (als Trainig fuer unsere Andenueberquerung....), hatten wir dann am vorletzten Tag nocheimal einen wunderschoenen blauen, wolkenfreien Himmel und haben unseren absoluten Lieblingsplatz entdeckt: Die Laguna Sucia, gespeist von dem Gletscher Rio Blanco. Nach ziemlich anstrengenden Stunden kamen wir dort an und durften als einzige "Gaeste" bewundern, wie immer wieder Teile des Gletschers abbrachen und unter anhaltendem, lautem Getoese in die Lagune stuerzten: wow, wirklich beeindruckend... Wir haben am naechsten Morgen noch immer gluecksselig vor uns hingegrinst und voller Euphorie beschlossen noch eine weitere Tour zu machen: Dabei haben wir uns dann doch etwas ueberschaetzt: Wir haben tapfer gegen den Wind gekaempft aber letztlich verlief unser ohnehin schon schmaler Trampelpfad irgendwo im Wald - und da standen wir nun: muede und erschoepft mitten im Nationalpark Los Glaciares. Toll, dachte ich mir da nur: Muss es den unbedingt der "wildeste urspruenglichste" Nationalpark Argentiniens (so wird er oft bezeichnet) sein in dem wir uns verlaufen..... Letztlich haben wir uns dann querfeldein durch den Wald zum Flussbett durchgeschlagen...wobei ich betonen muss, dass der Wald hier dann doch tatsaechlich urspruenglicher war als der Wald den ich sonst so gewohnt bin.... PUH - aber wir habens geschafft und nach 2 Stunden am Fluss entlangwandern und ueber Steine klettern sind wir gluecklich im campamento Rio Blanco angekommen. Das war eine Freude endlich wieder Menschen zu sehen.....In diesem ganzen Schlamassel zuvor haben wir dann noch eine Franzoesin gerettet, die uns nachdem uns stundenlang niemand mehr begegnet ist und wir keine Ahnung hatten wie weit wir noch vom Camp entfernt sind, einfach so froehlich entgegengelaufen kam. Wir waren natuerlich voellig begeistert endlich ein menschliches Wesen anzutreffen und haben sie gleich gefragt wie weit es denn noch zum campamento sei und wo bitteschoen sie am spaeten Nachmittag denn noch hin wolle. Als sie dann antwortete sie sei auf dem Rueckweg nach Chalten, haben wir sie ganz schnell aufgeklaert, dass dies ganz bestimmt nicht der Weg nach Chalten ist, sondern hinein ins Nirgendwo - aus dem wir gerade herkommen wuerden und dass sie sich uns gerne anschliessen kann da wir ebenfalls nach Chalten wollen. Kurz hab ich gedacht sie glaubt uns nicht und wird einfach weiterlaufen hab mir schon ueberlegt wie wir sie davon abhalten koennen, aber sie hat sich dann durch unsere Wanderkarte und unsere ueberzeugend vorgetragenen Geschehnisse des Tages ueberzeugen lassen und ist mit uns mitgegangen. Es stellte sich dann heraus, dass sie an einer Kreuzung den falschen Weg genommen hatte und eine Bruecke uebersehen hat. Wie sie das hingekriegt hat weiss ich allerdings nicht, denn ich habe die Bruecke schon von Weitem gesehen und einen Freudenruf ausgestossen, da sie das Ende unseres Irrweges bedeutete (Bruecken stehen schliessliche nicht einfach so inmitten des NP, sondern fuehren in erschlossene Gefilde). Die Franzoesin hat sich dann hunterttausendfach bedankt und wir waren froh dass wir unser kleines Abenteuer letztlich so gut ueberstanden haben und dabei noch Jemand helfen konnten :-) Der sich anschliessende Abstieg hatte es dann aber in sich und hat unseren geschundenen Fuessen den Rest gegeben (dummerweise bin ich auch noch in ein verstecktes Sumpfloch im Wald geplumpst und hatte nasse Fuesse). Jajaja, und jetzt sitz ich also hier, 300 km weiter suedlich in Calafate, schau immer noch aus dem Fenster und bemitleide mich selbst wegen meiner armen, armen Fuesse mit all den gemeinen Blasen :-( Durch diese Zwangspause habe ich jetzt aber endlich Zeit zu lesen, unsere weitere Route zu planen und euch diesen Artikel zu schreiben. Wir werden nachher versuchen auch ein paar Fotos online zu stellen - hoffe es klappt. Wir werden hier bis zum 19.12. bleiben und haben vor nun den suedlichen Teil des Nationalparks mit seinen Gletschern Perito Moreno, Upsala und wie sie alle heissen zu erkunden. Leider wird es von diesem Teil der Reise keine Fotos online geben, da unsere Kamera der patagonischen Kombination Wind und Staub erlegen ist und erst in Ushuaia Aussicht auf Hilfe besteht. Drueckt uns die Daumen Wir werden uebrigens bereits am 19.12. dort ankommen und zwei Wochen Winterurlaub geniessen *freu*. Ich druecke euch Alle und wuensche Euch eine schoene, freudige Vorweihnachtszeit - was immer das fuer den Einzelnen von Euch bedeuten mag.
Tengan suerte,
Silke

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