Aus Los Antiguos


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Argentina's flag
South America » Argentina » Chubut
December 4th 2005
Published: March 14th 2006
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Heute melden wir uns als Familie DEB zurueck. Jeden Tag ein neues Abenteuer, ganz besonders wenn man nicht in einem kleinen Dorf der Erholung nachgeht (aber auch dort kann man Spannendes erleben) sondern wenn man auf Reisen ist.
Heute will ich euch von einem Stuhl in einem Teehaus berichten auf den sich niemand setzen darf, einer Stadt die sich seit 20 Jahren nicht veraendert hat, Baeumen die sich seit ueber 60.000.000 Jahren nicht veraendert haben, einem Bus der bei Tempo 90 die Tuer verliert und natuerlich von Silke und von Raphael.
Um das alles zu erzaelen, muss ich das Rad der Geschichte ein bisschen zurueckdrehen. Alles faengt an einem windigen Samstagnachmittag im November an: Wir waren auf dem Weg in ein original walisisches Teehaus, die Sonne schien auf uns herab und wir freuten uns an den Rosenstraeuchern die auf gepflegtem Rasen in den Vorgaerten wuchsen. Der aufmerksame Leser mag sich daran erinner das wir uns nicht in England befinden sondern mitten in der argentinischen Pampa, aber man merkt es der Gegend sehr deutlich an von wem sie besiedelt wurde. Im Teehaus angekommen, wurden wir gleich an ein besonderes Ereignis in der Geschichte dieses Hauses erinnert. Lady Diana hat es im Jahr 1995 besucht. So stand es zumindest auf der Marmortafel neben der Eingangstuer. Dieser Besuch scheint etwas so besonderes gewesen zu sein, dass dieses Teehaus sogar grossflaechig damit wirbt. Ein Reisefuerer beschreibt den denkwurdigen Tag mit dem Satz:"Sie hat eine Tasse Tee getrunken, ein paar Torten als Souvenir geekauft und ist wieder gegangen." Aber zurueck zu dem Eingang des Teehauses. Nachdem wir den Eingang durchschritten hatten, standen wir vor einer Lady Diana Gedenkstaette. Ein grosses Bild an der Wand, darunter auf einem Bord ein Strauss frischer Blumen, neben der Vase noch mehr Bilder und neben dem Bord stand ein Stuhl der durch eine Kordel abgesperrt war und ueber dem ein Schild stand mit der Aufschrift "Bitte nicht setzen". Es handelte sich naemlich, wie uns eine Silbertafel verriet, um den Stuhl auf welchem sich die Prinzessin der Herzen niedergelassen hatte. Das waren warscheinlich jene 15 Minuten die Andy Warhol eigentlich dem Mensch der Zukunft zugedacht hatte. Im Inneren des Hauses angekommen fingen wir uns an zu fragen wie die Raeume wohl vor 1995 dekoriert waren. Von den Waenden schaute uns aus fast jedem Rahmen das Gesicht an das sicher jeder schon gesehen hat. Nachdem wir unsere Bestellung aufgegeben hatten (leider konnte der Wunsch nach Kaffe und Schwarzwaelder Kirsch nicht erfuellt werden) wurde unsere Aufmerksamkeit auf die Teller gerichtet die vor uns auf den Tisch gestellt wurden. Neun verschiedene Sorten Kuchen, Scones und Brot, zwei Sorten Marmelade, Sandwichs und natuerlich eine Teekanne. Um den Tee warm zu halten hatte sie einen gehaekelten Ueberzug. Wunderbar Mit vollen Tee und Kuchenbaeuchen haben wir uns dann auf den Heimweg gemacht. Am Sonntag, wir waren fertig mit Packen, haben wir noch bei Frau Yolanda (unsere Vermieterin) vorbeigeschaut um zu zahlen. Wir waren eine ganze Weile dort und haben den Nachmittag mit ihr genossen. Am Montag haben wir uns dann wieder auf den Weg gemacht. Zum Busbahnhof mit Frau Yolandas Auto. Wir sollten es einfach auf den Parkplatz am Busbahnhof stellen und den Schluessel unter die Fussmatte legen, sie wuerde es nach der Arbeit mit dem Zweitschluessel abholen. Gut geplant waren wir eine halbe Stunde vor Abfahrt am Busbahnhof. Wer nicht kam, war unser Bus. Eine Stunde nachdem er laut Plan abgefahren waere, kam er dann. Aber immer tranquilo. Nach vier Stunden Fahrt blieb der Bus stehen. Vor dem Zielort Comodoro Rivadavia stand alles still. Nachdem wir eine Stunde so auf der Strasse standen (wir haben uns in der Stunde weniger als 100 Meter in Richtung Stadt bewegt, kam ein Kleinbus unserer Busgesellschaft angeflitzt. Da der Kleine den Grossen in die Stadt leiten wollte, fuhr der Grosse so schnell es eben ging dem Kleinen hinterher. Er hat zwar bedenklich geschaukelt und gewackelt aber hat uns zu guter letzt mit fast drei Stunden Verspaetung zum Busbahnhof gebracht. Der Bus den wir uns fuer unsere Weiterfahrt ausgesucht hatten war natuerlich schon weit weit weg, so dass wir den naechsten Bus nehemen mussten. Das bedeutet natuerlich auch, in der Unterkunft die man reserviert hat anrufen und sich fuer 21:30 ankuendigen. Diese Zeit konnten wir dann auch tatsaechlich einhalten. Unser "Hotel" in dem wir untergekommen sind steht so da wie es vor 20 Jahren dastand, nur dass damals die Farbe noch frisch war und sie heute mitsamt eines Teils des Verputzes von der Decke rieselt. Wie uns eine Eingeborene berichtete passt sich das Hotel damit sehr gut der Stadt an. Dort wurde in den letzten 20 Jahren eine Strasse geteert und ein Kiosk gebaut. Ansonsten ist in den letzten 20 Jahren alles beim Alten geblieben. Da das Hotel nicht so sehr zum Verweilen einlud (wir wurden mit den Worten "erst das Geld, dann zeig ich Euch das Zimmer" begruesst, beschlossen wir in der nahen Bar noch ein Bier zu trinken. Als wir die Bar betraten, wurden wir von vier Augen gemustert. Ein Paar gehoerten dem Barmann, ein anderes einem Stammgast. Wir bestellten ein Bier und bekamen prompt das Gewuenschte. Die Flasche wurde sogar abgetrocknet bevor sie auf den Tresen gestellt wurde. Der Andere Lappen der vor dem Barman lag, war dazu da den Tresen zu wischen. Der Barman selbst schien einem Western entsprungen zu sein. Alt, schlecht rasiert, grosser Schnurbart und eine fleckige Jacke. Schweigend sassen wir in der Stille der Bar unter den Neonroehren die uns in ihr grelles Licht tauchten bis die Tuer aufging und noch ein Gast kam. Das war scheinbar das Signal um das Radio anzuschalten. Aber geredet wurde immer noch nicht. Unser Bier konnten wir auch nicht austrinken da ein Teil davon als Eisberg in der Flasche zurueck bleiben musste. Am naechsten Morgen im Hotel einen Kaffee getrunken (natuerlich im Preis nicht inbegriffen). Danach die Stadt erkundet. Damit waren wir schnell fertig und sind dann in das Infobuero gegangen und haben uns erkundigt wie wir zu den versteinerten Waeldern kommen koennten. Die einzigste Moeglichkeit ist die, dass man sich von einem Taxi dort hin fahren laesst. Im Normalfall wartet das Taxi dann ca. 1 Stunde und faehrt dann mit dem Besucher zurueck in die Stadt. Wir haben die Moeglichkeit mit dem Parkwaechter nach Dienstschluss (um 21:00) zurueck in die Stadt zu fahren dankend angenommen. Als wir gegen 15:00 im Park ankamen, wurden wir vom Parkwaechter begruesst und er hat uns mit seinem Pickup mitten in dem Park gefahren und uns manches erklaert. Als wir ausgestiegen waren und er zurueck zum Eingang gefahren war, stellte sich zurest einmal ein etwas sonderbares Gefuehl ein. Eine oede Landschaft in der kaum etwas waechst und um uns herumm steile Haenge aus Sedimentgestein die in verschiedenen Farbschichten aufgebaut waren. Vor uns Baeume die einmal riesig gewesen sein mussten und jetzt als Stein von den extremen Temperaturschwankungen in immer kleinere Teile zerlegt werden. Eine sehr unwirkliche Landschaft. Ausser uns kein Besucher im Park, und auch von Tieren hat man die meiste Zeit nichts gehoert und gesehen. Nur vereinzelt sahen wir einen Vogel oder eine Eidechse. Der Ort an dem wir von dem Parkwaechter abgesetzt wurden, war auf halber Hoehe am Hang. Unter uns im Tal gab es noch weniger als dort wo wir waren. Der Parkwaechter hat das Tal als sein Mondtal bezeichnent und es damit sehr treffend benannt. Er hat uns auch gesagt dass es eine grossartige Erfahrung ist dort hinab zu steigen. Wir sollten uns aber auf jeden Fall einen markanten Punkt ausserhalb des Tales suchen da es dort keinerlei Orientierungsspunkte gibt. So haben wir es dann auch gemacht. Den Hang hinunter und unten zwischen grauen Erdhuegeln herumgelaufen. Vor uns graue Erdhuegeel, hinter uns graue Erdhuegel, links von uns...... Im Windschatten dieser Huegel haben wir dann auch, geschuetzt vor dem gewaltig blasenden Wind, unseren Rucksack ausgepackt und gevespert. Danch haben wir uns auf den Weg aus dem Tal gemacht, der Wind bliess uns mit viel Gewalt entgegen so dass wir um alles froh waren was uns vor dem Wind schuetzte. Auf der Hoehe auf der die Baume lagen war der Wind noch staerker als in dem Tal, so dass wir uns in eine Senke kauerten und dort darauf warteten dass die Abendsonne die Landschaft in ihr rotes Licht tauchen wuerde. Nach langer Zeit, uns wurde immer kaelter, war es dann soweit. Die Sonne stand noch ein Stueck ueber dem Horizont, der Himmer im Osten war schon dunkler als der ueber uns und wir nutzten das Licht, das die Huegel und Baeume verzauberte um zu fotographieren. Die Zeit bis zum Sonnenuntergang verbrachten wir bei dem Parkwaechter in seiner Schutzhuette und tranken mit ihm Mate. Ein netter alter Man. Er ist dort Parkwaechter seit das Gebiet 1979 zu einem Park erklaert wurde. Er lebt mit und fuer den Park und es war schoen ein bisschen Zeit mit ihm zu verbringen. Kurz vor Sonnenuntergang, so gegen 20:40 sind wir dan wieder raus in die Kaelte. Aber es hat sich gelont, so wie sich der ganze Ausflug in den Park trotz aller Unannehmlichkeiten gelohnt hat. Auf der Fahrt in die Stadt zurueck sassen wir auf der Ladeflaeche des Pickups und konnten von dort sehen wie das letzte bisschen Licht den Tag verliess. Am naechsten Morgen mussten wir das Zimmer recht frueh verlassen (wer nicht bis 10:00 das Zimmer verlassen hat, zahlt einen vollen Tag extra) sassen wir in der "Lobby" und warteten auf 13:00. Fuer diese Uhrzeit war die Abfahrt unseres Buses nach Comodora Rivadavia angekuendigt. Diese Fahr traten wir als Herr und Frau DEB an. Eigentlich wollten wir einen Wettbewerb starten und den Gewinner hier zu frischem Lachs einladen (der See an dem wir gerade sind ist voll davon) die Preisfrage warere: Wie kommen wir zu dem Name DEB Aber die Antwort ist so schwer zu finden, dass wir es Euch gleich verraten werden. Die Frau am Schalter wollte unsere Namen auf den Tickets eintragen. Ich fing an zu buchstabieren O S I W. W verstand sie nicht und nach zwei weiteren Versuchen gab ich ihr einen unserer Reisepaesse. Sie schlug ihn auf, schaute ihn sich an, ich sah dass es der von Silke war. Sie blieb an der Zeile GEB. Finger haengen, loeschte OSI aus der Zeile in der Vorlage un schrieb DEB hinein. Auf der Suche nach einer Passnummer wurde sie auch fuendig und schreibt 16.021977 auf das Ticket. Ich hatte keine Lust mehr auf weitere Erklaerungen, sagte zu der Frau dass wir den gleichen Nachnamen haben und gab meine Passnummer mit 24101979 an. So kam es also dazu dass wir als Fam. DEB unterwegs waren. Kaum in Comodoro angekommen haben wir unrere Bustickets nach Los+nbsp; Antiguos gekauft. Viel mehr kann man in Comodoro auch nicht machen. Da der Bus erst gegen 23:15 ankommen sollte, habe ich in unserer Unterkunft angerufen und uns fuer diese Uhrzeit angemeldet. Seit wir Comodoro mit dem Bus Richtung Sueden verlassen haben, sind wir in der Provinz Santa Cruz. Diese ist die am duennsten besiedeltste Provinz Argentiniens. Ich werde einmal versuchen das fuer Euch+nbsp; nachvollziehbar zu machen. Patagonien umfasst die vier Provinzen Neuquen, Rio Negro, Chubut und Santa Cruz. Das Telefonbuch fuer Patagonien und die Provinz Tierra del Fuego (Feuerland) passt mitsamt den Gelben Seiten auf 396 Seiten. Das Telefonbuch fuer alles was in Argentienien suedlich des 40. Breitengrades ist, passt in ein Telefonbuch das halb so dick ist wie das von Stuttgart. Santa Cruz ist 243.943 km2 gross, das entspricht etwar der Groesse der Gesamtheit der alten Bundeslaender. Hier leben aber gerade einmal 200.000 Menschen. Das sind ungefaer so viele wie in Ludwigshafen. Die meisten der Menschen leben an der Kueste, einige in den touristischen Zentren am Fuss der Anden und ein verschwindend geringer Teil im Landesinneren. Wir haben kurz nachdem wir Comodoro verlassen hatten dem Strand den Ruecken gekehrt und uns auf eine Fahrt an die andere Seite des Kontinents begeben (hier sind wir an der chilenischen Grenze und wie jeder weiss: Chile ist ein sehr schmales Land). Es war also eine Fahrt mitten durch das Nichts, nur unterbrochen von zwei sehr kleinen und sehr verschlafen wirkenden Orten. Besonders der Zweite wirkte mehr wie ein Lager fuer Material und Arbeiter der umliegenden Oelfelder. Wir sassen im Bus in der ersten Reihe und hatte von dort eine gute Sicht auf die Strasse und die vorbeiziehende Landschaft. Nachdem wir das Lagerstaedtchen verlassen hatten, dachte ich es waere angenehm einen Platz weiter hinten im Bus zu finden da es von vorne sehr kalt in den Fahrgastraum zog. Ich hatte nach hinten geschaut (leider alles voll) und mich gerade nach vorne gedreht, da tat es einen Schlag und der kalte Wind von vorne wurde zu einem Orkan. Das lag daran dass der Bus bei Tempo 90 seine Tuer verloren hat Nachdem der Busfahrer sich dessen bewusste geworden war, stoppte er den Buss und fur im Rueckwaertsgang bis zu der Tuer zurueck. Mit der Hilfe einiger Fahrgaeste wurde sie in den Gepaeckraum gepackt und der Bus fuhr wieder los. Keiner wusste wie es jetzt weitergehen wuerde, da keiner der beiden Busfahrer es fuer noetig gehalten hatte die Passagiere zu informieren. Es kam nicht einmal die Ansage:"Meine Damen und Herren, wir haben soeben unsere Tuer verloren." Die Fahrt ging aber nur bis zur naechsten Wendemoeglichkeit weiter und von dort ging es zurueck in das kleine Las Heras. Dort telefonierten die beiden Fahrer sehr, sehr viel und nach ca. 1,5 Stunden kamen zwei Kleinbusse. Erst nachdem diese abgefahren waren und noch immer Fahrgaeste am Busbahnhof standen merkten sie dass der Inhalt eines Reisebusses nicht in zwei Kleinbusse passt. Also wurden fuer 8 Erwachsene, zwei Kinder und einen Berg Gepaeck noch zwei Taxis gerufen. Alle zwaengten sich hinein und das Taxi rollte los. Das ging so lange gut, bis nach wenigen Minuten die Frage aufkam wer den die Fahrt bezahlen wuerde. Da wir Fahrgaeste nicht dazu bereit waren, fuhren die Taxis zurück zum Busbahnhof, aber der Bus ohne Tuer und die beiden Fahrer waren verschwunden. Auch die Sekretaerin war nicht mehr in ihrem Buero. Kein Wunder, es war auch schon nach 23:00. Von dem Buero aus hatte ich davor noch in der Unterkunft angerufen und uns fuer noch spaeter angemeldet... Wir sind dann alle zur Wohnung der Sekretaerin gefahren und die hat es den Taxifahren schriftlich gegeben: Die Busgesellschaft kommt fuer den Transport auf. 23:30 Na dann los, 223 Km durch die Nacht. Wir in einem Polo, auf der Rueckbank Silke, eine Frau mit einem Baby auf dem Schoss, drei Taschen und ich. Vorne sah es kaum besser aus und so richteten wir uns zwischen den Taschen fuer die naechsten 2,5 Stunden ein. Todmuede, erschoepft und ziemlich durchgefroren kamen wir endlich in Los Antiguos an. Los Antiguos ist eigentlich fuer sein mildes Wetter bekannt, hier wachsen Erdbeeren und Aepfel und die Kirschen die hier angebaut werden, werden bis nach Deutschland verschickt. Schon die Indianer kannten die Vorzuege dieses Ortes und deshalb liessen sich dort die Alten nieder. Daher kommt auch der Name. Wir hatten eigentlich gedacht hier am Ufer des Lago Buenos Aires zu zelten, aber der Kaelteeinbruch der ganz Patagonien heimgesucht hat und den umliegenden Gipfeln eine Schneehaube aufgesetzt hat sowie der immer vorhandene eisige Wind haben uns unsere Plaene aendern lassen. Wir sind jetzt immer noch in der Alberge in der wir nach der langen Reise angekommen sind und werden hier auch noch die naechsten Tage bleiben.
Liebe Gruesse aus Patagonien,
Silke & Raphael

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