Vancouver Island - Wald, Wald, Wald und ein Wal


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September 4th 2018
Published: September 4th 2018
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Nach der Übernahme des Campers schaffen wir es noch im Schnelldurchlauf einmal durch den Walmart am Fährterminal und dann gerade so auf das Boot, welches das Festland um 17 Uhr in Richtung Vancouver Island verlässt. Die vorgebuchte Fähre war der einzige geplante Baustein unserer Reise und wie es sich herausstellt tatsächlich eine sehr gute Idee, da sich auf Grund der letzten Ferienwoche der Kanadier und des bevorstehenden Labour-Day-Wochenendes außer uns heute noch ziemlich viele andere Reisende auf den Weg nach Vancouver Island machen. Ohne Reservierung hätten wir erst zwei Fähren später übersetzen können und dann nicht nur die wunderbare Aussicht verpasst, sondern wahrscheinlich auch ein heillos überreiztes und übermüdetes Baby 90 Minuten herumtragen müssen, da der Aufenthalt im Camper während der Überfahrt nicht gestattet ist. Die Fähre ist riesig und beherbergt auf insgesamt sieben Decks neben einem Restaurant auch mehrere kleine Kinderspielplätze und etliche Arbeitsplätze mit Internetzugang. Obwohl es draußen ziemlich windet, ist der schönste Platz auf dem Boot das Oberdeck, von dem man etliche kleine, bewaldete Inseln im Abendlicht vorbeiziehen sehen kann. Auf manchen sind kleine bunte Holzhäuser mit eigenem Bootssteg erkennbar, manche scheinen gänzlich unbewohnt. Als wir anlegen sind wir ziemlich platt von unserem Tag und vor Allem für Marlene hat sich die Anreise und die Übernahme des Campers ganz schön in die Länge gezogen. So nehmen wir den erstbesten Campingplatz, der sich ein paar Kilometer hinter dem Fährterminal in ein Waldstück schmiegt und fallen bald müde in unsere gemütliche Schlafkoje über der Fahrkabine des Trucks.Am nächsten Morgen starten wir nach Victoria. Die nach Königin Victoria von England benannte Hauptstadt von British Columbia im Süden der Insel soll noch immer ihr britisches Flair bewahrt haben, entpuppt sich für uns allerdings als relativ reizlose Stadt, die außer ein paar netten Gebäuden ziemlich zusammengewürfelt und unattraktiv erscheint. Wir bummeln trotzdem ein bisschen am Hafen entlang, machen ein paar Erledigungen und buchen uns für den nächsten Tag einen Rundflug im Wasserflugzeug. Zum Mittagessen spazieren wir zum Fishermans Wharf, einem kleinen Pier aus lauter bunten Hausbooten, in denen Shops, Galerien, Imbisse und Touristenattraktionen untergebracht sind. Hier essen wir bei strahlendem Sonnenschein unsere erste Poutine, das kanadische „Nationalgericht“ aus Pommes, Cheese Curd (einer Art festem, käsigen Quark) und Bratensoße, allerdings in der Edelversion mit frisch geschnittenen Rosmarinpommes und einem köstlichen Thunfischburger dazu. Es schmeckt gar nicht so übel wie es klingt, das wird bestimmt nicht unser letztes Mal. Danach fahren wir ein paar Kilometer aus der Stadt heraus und ergattern im schönen Goldstream Provincial Park vor den Toren Victorias den vorletzten freien Stellplatz. Bei immer noch strahlendem Sommerwetter wandern wir dann noch ein paar Kilometer durch wunderbar wilden Wald entlang des Goldstream River, er heißt so, weil im Fluss angeblich Goldspuren vorhanden sein sollen, zu den Goldstream Falls. Hier ergießt sich ein kleiner Wasserfall in ein perfektes, mit klarem Wasser gefülltes Schwimmbecken und wir ärgern uns, dass wir keine Badesachen dabei haben. Am nächsten Morgen starten wir schon früh zu unserem Rundflug. Leider ist das Wetter ein wenig durchwachsen aber wir sind trotzdem begeistert und ein bisschen aufgeregt, als wir die kleine Maschine mit nur 14 Sitzplätzen besteigen. Zum Glück ist es wenig windig und der Flug damit so geschmeidig, dass Marlene nach anfänglichem Rumgeturne auf meinem Schoß bald einschläft und wir die Aussicht auf Victoria, das Meer und die Insel genießen können. Ich hatte mir erhofft, dass wir noch ein bisschen weiter hinaus aufs Meer fliegen würden, wo hunderte kleine Inseln wie kleine bewaldete Hügel aus dem Meer ragen -hatte ich so mal im National Geographic gesehen;-) - aber leider beschränkt sich der zwanzigminütige Flug mehr auf die Stadt selbst und ihre nördliche Umgebung. Trotzdem ist es eine tolle Erfahrung und insbesondere die Landung im Hafen und die anschließende Fahrt zurück zum Terminal sind einmalig. Wir geben Victoria nochmal eine Chance uns zu überzeugen, bummeln noch ein bisschen und erledigen noch ein paar Einkäufe. Aber irgendwie springt der Funke nicht über. Allerdings sind wir ja auch wegen der Natur hier, nicht wegen der aufregenden Städte. Und so ziehen wir weiter Richtung Norden; durch endlosen Wald und vorbei an riesigen leuchtend blauen Seen fahren wir ins Inselinnere, in die Nähe von Port Alberni. Hier legen wir einen Zwischenstopp im wunderschönen Little Qualicum Falls Provincial Park ein, wo man einen kurzen Spaziergang zu den Oberen und Unteren Wasserfällen des Qualicum River machen kann, der sich sehr sehenswert durch einen kleinen Canyon schlängelt. Hier ist kaum etwas los und wir genießen den kurzen Wanderweg, der unter Anderem sehr viele Treppen für unsere begeisterte kleine Treppensteigerin bereit hält. Da uns der Campground hier im Park gefällt, buchen wir uns kurzerhand ein und bleiben für eine Nacht. Die meisten Campgrounds in den Provinzparks basieren auf dem Prinzip der Selbstregistrierung. Das bedeutet, dass man sich eine Campsite aussucht, deren Nummer zusammen mit seinem Namen und seinem Fahrzeugkennzeichen auf einem Umschlag notiert, das abgezählte Geld in den Umschlag steckt und diesen am Eingang des Campingplatzes einwirft. Einen Abriss von dem Umschlag behält man als Gegenstück und hängt diesen an den Pfahl, der die einzelnen Campsites markiert. Die Provinzpark-Campingplätze sind alle großzügig im Wald verteilt, wenn man Glück hat, gibt es keinen Sichtkontakt zu den Nachbarn und haben ausnahmslos eine Feuertonne und eine Sitzgarnitur. Ansonsten sind Preis und Ausstattung sehr unterschiedlich und reichen von einfachen Plumpsklos bis zu vollständigen Sanitäreinrichtungen und Dumping Station. Nach dem “Check-In“ bestaunen wir 10 km weiter noch die „Cathedral Grove“ im McMillan Provincial Park, das heimliche Highlight in der Gegend. Hier kann man zwischen bis zu 700 Jahre alten Douglasien am wunderschönen Cameron Lake entlang spazieren. Der Wald ist dabei weitgehend sich selbst überlassener „Urwald“; auf riesigen umgestürzten Bäumen wurzeln schon wieder neue Bäume, der Boden ist bedeckt von Pilzen, Farnen und Moos. Ein richtiger Märchenwald. Am nächsten Morgen fahren wir weiter Richtung Westen in den Pacific Rim National Park. Hier erwarten uns der nördlichste Regenwald der Erde, kilometerlange Strände und eine artenreiche Tierwelt. Aber schon die Anfahrt über einen kleinen Pass und entlang eines glasklaren Flusses durch endlosen Wald lohnt sich. Im kleinen Uclulet finden wir nur noch einen teuren privaten Campingplatz, da auf Grund des langen Feiertag-Wochenendes hier alles besetzt ist. Im Gegensatz zu den einfachen Campgrounds in den Provincial Parks auf denen wir bisher waren, auf denen es immer frisches Trinkwasser und jede Menge Platz gab, steht man hier relativ eng nebeneinander aber dafür mit schönem Blick auf den kleinen Hafen und es gibt heiße Duschen. Zum ersten Mal müssen wir hier auch „dumpen“, also unser Abwasser loswerden, was eine ziemlich eklige Angelegenheit ist. Uclulet hat nur knapp 2000 Einwohner und lebt vom Fischfang und dem Tourismus des nahen Pacific Rim Nationalpark. Dementsprechend ist der kleine Ortskern von Coffeshops, kleinen Läden und Whale-Watching-Anbietern besiedelt, aber dennoch sehr hübsch und gemütlich. Wir wandern einen kleinen Rundweg durch den Küstenwald zu einem Leuchtturm und entlang der steinigen Strände, die völlig naturbelassen sind. Hier sind Bären, Wölfe und Pumas zuhause aber wir haben ja zum Glück nicht nur eine echte Bärenglocke sondern auch noch eine menschliche, die permanent Begeisterungsschreie von sich gibt und erfolgreich alle potentiellen Wildtiere von uns fern hält. Am nächsten Morgen haben wir früh eine Waltour gebucht. Mit einem kleinen Boot soll es drei Stunden durch die wunderschöne Inselwelt des Barkley Sound und tief in den Nationalpark gehen. Allerdings haben wir ein Problem, als wir um acht Uhr mit unserer Kraxe im Büro der Agentur stehen: anscheinend ist die Kraxe zu groß, ein Kinderwagen kann nicht an Bord und da es für Babys in Marlenes Größe keine Rettungswesten gibt, müssen die Kleinen fest am Körper von Mutter oder Vater geschnallt sein. Sehr ärgerlich zumal wir gestern extra noch gefragt hatten, wie die Babys an Bord gesichert werden und man uns da sagte, dass unsere Trage kein Problem sein sollte. Ändern können wir es aber nicht und somit verbringen Marlene und Dennis den Vormittag in Uclulet während ich zunächst alleine auf die Waltour gehe. Bei wunderschönem Wetter vergeht die schlechte Laune allerdings schnell und während wir durch die wunderschöne Inselwelt schippern sehen wir Seeotter, Seelöwen, Fischadler und Seehunde. Und dann ist plötzlich der erste Wal da und wir stehen in der ersten Reihe während nach und nach alle anderen Boote eintrudeln, die über Funk von der Sichtung erfahren haben. Eine halbe Stunde können wir den majestätischen Buckelwal beobachten, wie er Fontänen in die Luft pustet, sich aus dem Wasser hebt und seine Schwanzflosse auftauchen lässt. Mehrfach wechselt er die Richtung und während wir jedes Mal gespannt warten, wo er wieder auftauchen wird, vergeht die Zeit wie im Fluge. Es ist echt schön, dass wir nur ein kleines Boot haben und nur zu neunt sind, denn so kann jeder vorne an der Reling stehen und die Sicht auf dieses beeindruckende Tier genießen. Unser Guide erzählt währenddessen über den Außenlautsprecher ein paar Fakten über Buckelwale, die hier vor Allem im Frühling und Herbst zahlreich im Nationalpark vorkommen, da sie dann von Alaska in die wärmeren Gewässer vor Costa Rica (und zurück) ziehen, wo sie ihre Kälber gebären. Für diese Reise brauchen sie einen Monat da sie lediglich mit einer Geschwindigkeit von 16 km/h schwimmen. Ansonsten kann ich mir nur noch merken, dass die Muttermilch von Buckelwalen einen Fettgehalt von 45 Prozent hat und die Walbabys deshalb sehr schnell wachsen und nach einem Jahr selbstständig sind. Irgendwann müssen wir uns dann leider doch verabschieden und fahren zurück in den Hafen, wo Dennis und Marlene solange den Spielplatz erkundet und eine kleine Wanderung gemacht haben. Den Nachmittag verbringen wir dann am Long Beach, dem Herzstück des Pacific Rim Nationalparks. Ein Kilometerlanger, schier endlos breiter Sandstrand zieht sich hier von einem Gürtel aus Regenwald geschützt eine halbmondförmige Bucht entlang. Das Wasser des Pazifik ist hier zu kalt zum Baden und normalerweise liegt hier auch den Großteil des Jahres der für die Region typische Küstennebel über der Bucht, aber an diesem Samstag strahlt die Sonne vom Himmel und so sitzen wir eine gefühlte Ewigkeit an dem schönen, naturbelassenen Strandstück, an dem sich die Touristen, die wir zuvor noch auf dem Weg getroffen hatten, schnell verteilen. Überall liegen Treibholz, Muscheln, Seegras und die Überreste etlicher Schalentiere jedoch kaum Müll. Die Kanadier haben ein sehr hohes Umweltbewusstsein haben wir das Gefühl. An fast jedem Strand und Parkplatz wird auf die hohen Strafen hingewiesen, die das Wegwerfen von Müll sanktionieren, und auch sonst wird überall darauf hingewiesen, wie gefährlich das Füttern von Vögeln und Wildtieren ist und welche Gefahren anderes regelwidriges Verhalten wie zum Beispiel das Verlassen von ausgeschilderten Wegen für die Natur mit sich bringt. Marlene genießt es sehr, wie eine Wilde durch den warmen weichen Sand zu krabbeln und sieht danach aus wie ein paniertes Schnitzel - und wir genießen einfach die Ruhe und die Natur. Hier in Uclulet ist zum ersten Mal kein Lagerfeuer-Verbot auf dem Campingplatz ausgewiesen und so brennen am Abend überall kleine duftende Zedernholzfeuer in den Grillstellen.
UcluletUcluletUclulet

Lighthouse Loop Wanderung
Auch wir haben uns Holz besorgt und sitzen noch eine Weile draußen. Dieser Teil von Vancouver Island ist einer der regenreichsten und feuchtesten Orte in ganz Kanada und der feuchte nächtliche Nebel, der langsam in die Kleider kriecht, ist wirklich nur mit einem Feuer, naja und mit einer Flasche Rotwein, so richtig zu bekämpfen. Am nächsten Morgen ist es klirrend kalt obwohl wir erst den zweiten September schreiben und als Dennis sich für „seine“ Waltour fertig macht, zieht er alle Jacken an, die er dabei hat. Marlene und ich gehen einen Kaffee im Ort trinken und sitzen dann auf dem Spielplatz bis zum Glück auch heute wieder die wärmende Sonne auftaucht, während Dennis auch eine grandiose Waltour erleben darf und sogar einen springenden Buckelwal sehen kann. Alles in Allem sind wir also versöhnt mit unseren Walbeobachtungen auch wenn es natürlich schöner gewesen wäre, wenn wir die Tour zusammen hätten machen können. In „Ukee“ ist heute ein kleiner Künstlermarkt am Hafen und nachdem wir dort noch ein paar Stände abgeklappert und eine Kleinigkeit gegessen haben machen wir uns auf die Fahrt zurück an die sonnenverwöhnte Ostküste von Vancouver Island. Hier wollen wir noch in der Nähe des Fährterminals eine Nacht im Rathrevor Provincial Park verbringen, der dortige Campground am gleichnamigen Strand ist aber so schön, dass wir direkt zwei Nächte daraus machen und zwei gemütliche faule Tage am Strand und auf den riesigen tollen Spielplätzen im Park verbringen. Die Kanadier genießen hier ganz offensichtlich auch noch die letzten warmen Ferientage, denn der Campingplatz ist bei unserer Ankunft rappelvoll aber zum Glück auch sehr großzügig in einem Waldstück verteilt. Am Labour Day, dem dritten September, leert sich dann schlagartig der ganze Platz und wir sind froh, dass wir nicht heute mit all den Einheimischen zurück auf die Fähre müssen, zumal wir diesmal keine Reservierung haben. Auch hier ist der Strand sehr naturbelassen, endlos lang und bis fast an die Küstenlinie von dichtem, wunderbar duftendem Wald bewachsen. Wenn sie eines können, diese Kanadier, dann ist es Natur. Und wenn ich Vancouver Island mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es „WALD“. Ach, Moment: Steaks. Die können sie auch. 1 kg feinstes Sirloin Steak für umgerechnet ca. 7 Euro landete zum Abschluss unserer Woche noch in unserer Pfanne (da auch leider hier wieder Feuerverbot). Fast noch besser als der Wald… Dafür, sagt man mir, zum Davonlaufen: das Bier!





"Der Buckelwal""Der Buckelwal""Der Buckelwal"

bestes Bild ;-)


Kanada Fakt Nummer eins: Unsere bisherigen (ungeplanten) Tierbegegnungen in der Wildnis beschränken sich auf ein Streifenhörnchen und mehrere wilde Kaninchen am Strand von Rathrevor sowie eine fiese Stechmücke.


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