Karachi!


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May 23rd 2014
Published: May 23rd 2014
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Seit mittlerweile über neun Monaten lebe ich nun hier in Karachi, der mit vorsichtig geschätzten 13 Millionen Einwohnern größten Stadt Pakistans. Ich kam hier im letzten August an und hatte keine Vorstellung von dieser Stadt und dem, was mich hier erwarten würde. Ich hatte mich vorher bewusst nicht sehr intensiv informiert, weil ich einfach alles selbst frisch und von Vorurteilen unbelastet wahrnehmen wollte. Den üblichen hysterischen Klischees - Bomben!!! Attentate!!! Tod!!! - konnte ich dennoch nicht aus dem Weg gehen, dachte mir jedoch, so schlimm könne es schon nicht sein.

Jetzt nach einem dreiviertel Jahr kann ich eine positive, erste Bilanz ziehen: Es lässt sich hier mit einigen Einschränkungen durchaus gut leben. Und langweilig wird es auch nicht. Keinesfalls. Von daher habe ich meine Entscheidung für diese Stadt bisher keine Sekunde bereut. Es dauert eine Weile, bis man sich an die begrenzten Bewegungsmöglichkeiten gewöhnt hat, sprich, sich das Fußgängertum abgewöhnt hat. Der Hauptgrund hierfür sind übrigens mitnichten die der Vorstellung vieler nach ständig und überall explodierenden Bomben, sondern schlicht und ergreifend der völlig ohne Regeln auskommende Straßenverkehr. Für die ersten drei Monate war ich somit mehr oder weniger an meine Wohnung sowie mein Büro gefesselt, da mein Auto noch mitsamt Container im Hafen festhing und die Zollformalitäten sich nur sehr zäh dahinschleppten. Seitdem bin ich nun "on the road", habe meine ersten eintausend unfallfreien Kilometer abgespult und muss sagen: Es macht riesigen Spaß! Man erzählt sich über den Verkehr hier: "If you can drive here, you can drive anywhere!". Nun, das werde ich noch herausfinden, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben; aber wie auch immer, hier zu fahren ist einfach ein Abenteuer für sich. Im Straßenverkehr gibt es nur eine einzige Regel: Der Stärkere gewinnt! Verkehrszeichen, Ampeln, Fahrbahnmarkierungen werden größtenteils überhaupt nicht wahrgenommen und wenn, dann bestenfalls als unverbindliche Empfehlungen interpretiert. Das Schlechte daran ist: Man muss immer hundertprozentig konzentriert sein und kann nicht wie in Deutschland die Strecke halbautomatisch herunterspulen. Das Gute daran ist: Wenn es keine Regeln gibt, muss man sich auch an keine halten. Ich versuche zwar, meistens typisch deutsch zumindest die Grundregeln einzuhalten, aber wenn man dann merkt, dass man damit auf weiter Flur der einzige ist, passt man sich schnell an. Nach einer Weile akzeptiert man dann, dass Hupe und Lichthupe eben doch das Bremspedal ersetzen können.

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