6 - Reiseunlust


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February 20th 2012
Published: February 25th 2012
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Ich sitze auf der Dachterrasse beim Tempel meines Guesthouses und versuche, eine volle Runde (108 Holzperlen, ein Mantra pro Perle) auf meiner frisch gesegneten Gebetskette zu singen. Ich komme mir ein bisschen bekloppt vor und das tolle Gefühl aus dem Tempel kommt auch nicht zurück. Nach etwa der halben Kette gebe ich auf, meine religiösen Bedürfnisse sind fürs erste überbefriedigt.

Ich schaue mir das Tempeldach, vor dem ich stehe etwas näher an und blicke über die Stadt. Ich habe hier viel gesehen, maximal noch ein Tag, dann geht es weiter. Aber wohin? Auf dem Programm stehen als nächstes Varanasi und Bodhgaya, danach die Sunderbans und Kalkutta. Darjeeling vielleicht, wenn noch Zeit ist.

Lust aufs Reisen habe ich keine mehr, hierbleiben ist auch keine Option. Viel lieber würde ich jetzt durch die sardische Berge ziehen und den Duft von blühenden Mandelbäumen atmen.

Gerade fange ich an, von zuhause zu träumen, da nähern sich Affen. Einer fühlt sich scheinbar richtig inspiriert, mich zu ärgern. Nicht nur Menschen, auch Tiere kennen hier keine Privatsphäre. Wer sich das wohl von wem abgeguckt hat... Furchtbar!

Langsam nehme ich meine Sachen und entferne mich, doch das Viech kommt mir natürlich hinterher. Ich halte alles fest, was ich bei mir habe. Er wartet offensichtlich nur auf den richtigen Moment, so ein gerissener Kerl.

Gerade, als ich fast an meinem Zimmer bin, springt das Tier mich an. Der Horror!!! Ich habe eine kleine Kiste mit süßem Gebäck aus dem Tempel dabei, das riecht er wohl. Ich schreie ihn an und wedele mit meinem Tuch, das hält ihn auf Abstand bis ich meine Tür aufgeschlossen habe und sicher im Zimmer bin.

Mir vergeht erneut die Lust am Urlaub, dauernd diese Störfelder, ich bin müde, mich ständig zu arrangieren und nicht einfach ich zu sein. Dabei war der Tag bis hierher richtig schön. Ich bin rastlos und unzufrieden.

Später gehe ich hinaus ins Internetcafe, um mir die Reiseroute für den Rest der Zeit zu organisieren, da ich keine Lust habe, noch irgendetwas "the indian way" zu regeln oder regeln zu lassen.

Mir macht das keinen Spaß und ich war doch so glücklich! Und soll Urlaub nicht auch schön sein?! Mir wird langsam klar, dass das in diesem Land zumindest für mich eine echte Herausforderung ist.

Mich schreckt der kleine dunkle Aufgang zum weltweiten Netz im ersten Stock eines verfallenen Hauses nicht ab. Oh oh, gefährliches Stadium - ich werde gleichgültig...

Die PCs sind genauso dreckig und spackig wie in Köln-Porz, es ist glaube ich das Wesen eines Internetcafés, verwutzt zu sein. Einziger Unterschied: hier gibts keinen Kaffee.

Ich will jetzt etwas "cocooniger" reisen, einen Wagen mit Fahrer mieten, und möglichst nahe Ziele ansteuern, wie Jaipur, Ranthambore, die nächsten Klassiker abrocken. Im Tourist Golden Triangle. Und das als neugieriges, durchs Unterholz streifendes schwarzes Schaf! Passt mir gar nicht.

Auch nach längerer Recherche finde ich den nächste online buchbare Mietwagen-Station erst in Neu Delhi Flughafen.

Schlagartig wird mir klar, dass, wenn ich da hinfahre, um in den Mietwagen zu steigen, ich eher direkt zum Qatar-Schalter renne, um mein Flugticket umzubuchen.

Ich muss aufpassen, dass ich nicht direkt losschluchze, aber ich will nach Hause. Ich fühle mich hier nicht wohl und bin nicht bei mir.

Eine Stunde später ist mein Ticket umgebucht. Puh... Felsen für Felsen rumpelt von meinem kleinen Herzen. Ich belohne mich mit einem tollen Abendessen. Ich bekomme fünf verschiedene indische Pfannekuchen, eins mit Käse, eins mit Gurkenraita, eins mit Spinat, eins mit dem besten Mangochutney der Welt und eins mit Chiligemüse.

Pfannkuchen und die Aussicht auf Zuhause machen mich glücklich!


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