Blog 18: Goood Moorniing Vietnaaam – kleines verrücktes Asien, du hast mich wieder!


Advertisement
Vietnam's flag
Asia » Vietnam » Red River Delta » Hanoi » Thuy An
February 10th 2013
Published: February 10th 2013EDIT THIS ENTRY

Nachdem ich zwei Wochen auf der netten, kleinen Insel Taiwan fast schon wieder resozialisiert wurde, fühle ich mich in Hanoi doch fast gleich wieder wie in meinem Wohnzimmer Peking. Der kleine aber feine Unterschied besteht nun darin, dass ich auf Reisen bin und die Dinge aus einer grundlegend anderen Perspektive betrachten kann. Denn ob man für längere Zeit an einem Ort lebt oder diesen nur für ein paar Tage bereist sind zwei komplett verschiedene Paar Schuhe. Man muss sich im letzten Fall längst nicht so mit den vorherrschenden Dingen auseinandersetzen, wie wenn man längere Zeit an einem Ort verbringt – was natürlich wieder Vor- und Nachteile aufwirft, keine Frage – aber simpel ausgedrückt sieht so eine Reiseerfahrung meiner Meinung nach so aus: man kommt an, ist total überwältigt von den unzähligen Eindrücken, die tagtäglich auf einen einwirken und bevor man überhaupt die Möglichkeit hat zu realisieren, was hier eigentlich abgeht ist man auch schon wieder weg.

Von dem her muss ich sagen, dass ich sehr froh um meine Entscheidung bin, meine 2 monatige Asienreise mit einem 4 monatigen Praktikum in Verbindung gebracht zu haben, um diese andere Art zu leben intensiver auf mich wirken zu lassen. Ein anderer Unterschied, der denke ich aber keiner weiteren Ausführung bedarf, ist das Reisen alleine oder zu zweit. Ich möchte diese Erfahrung alleine sicher nicht missen, weil es mich vor ganz andere Herausforderungen gestellt hat, als wenn man ständig jemanden an seiner Seite hat – aber trotzdem bin ich nach nun fast 5 Monaten froh, Martin für 3 Wochen bis Saigon an meiner Seite zu haben, um das Gesehene und Erlebte auch mal direkt mit jemandem teilen zu können.

Nach nun einiger Zeit auf dem gelben Kontinent habe ich mich doch langsam sehr an den verrückten Lifestyle meiner neuen Freunde gewöhnt, aber trotzdem bekomme ich mein ungläubiges Grinsen auch in Vietnam nicht aus meinem Gesicht. Ich dachte ja, dass Peking schon das non-plus-ultra des Verkehrschaos ist – na dann mal herzlich Willkommen in Vietnam! Ok – so unterschiedlich ist es gar nicht. Wenn man die Millionen Autos in Peking durch die Millionen Roller in Hanoi substituiert, kann man die Verkehrssituation hier ganz gut vergleichen – aber die Roller potenzieren das Chaos noch einmal – allen voran das „warnende“ Hupen. Das auffallendste ist jedoch, dass sich hier im Vergleich zur chinesischen Hauptstadt alles auf kleinerem Raum abspielt. Kleinere Straßen, kleinere Gassen – mit einer Fülle von Zweirädern.

Eigentlich hatte ich vor, mir gleich in den ersten Tagen einen Roller zu mieten, um Martin vom Flughafen abzuholen – haha – diese Idee hat sich innerhalb von sekundenbruchteilen verflüchtigt, als ich gesehen habe, wie das hier zugeht. Als ich ankam, muss ich wohl gleich ziemlich hilflos ausgesehen haben, als mir eine Westlerin grinsend über die Straße entgegen kam und meinte: „Einfach zulaufen“ – und es funktioniert, sofern man ein gleichmäßiges Tempo hält, Kurven alle anderen um einen herum – das kleine Risiko sollte und muss man definitiv auf sich nehmen, da man sonst keine Chance hat auf die andere Seite der Straße zu kommen. Jedoch bloß nicht mittendrin auf die Idee kommen und plötzlich stehen bleiben, sonst wird man dem Erdboden gleich gemacht.

Als Martin dann am 03. Februar zu mir gestoßen ist, begaben wir uns am ersten Tag auf das Abenteuer die Straßen von Hanoi im Old Quarter zu überqueren – das war ein Erlebnis sag ich euch. Nachdem wir jedoch erkannt hatten, dass es in der vietnamesischen Hauptstadt nicht allzu viel zu sehen gibt, entschieden wir uns am nächsten Tag 2 Stunden südwestlich von Hanoi eine Pagode zu besichtigen und die darauf folgenden drei Tage in der Halong Bay zu verbringen, um schließlich zum vietnamesischen Neujahr am 09. Februar wieder zurück in Hanoi zu sein.

Den ersten Tag in der Halong Bay verbrachten wir auf einem Schiff, welches eigentlich für 16 Personen ausgestattet war – wir jedoch mit nur 5 anderen jungen Leuten aus der Schweiz, Australien und Kanada das Boot für uns alleine hatten. Nach einer halben Stunde Bootstour stand der erste Programmpunkt des Tages auf dem Plan: Kayaken durch die Bucht. In einem zweier Kayak ging es um die Karstberge der Halong Bay, wo auf den kleinsten Felsen Fischer saßen, die uns auch gerne die ein oder andere Droge verkauft hätten. Im Anschluss ging es wieder zurück an Deck, um entweder die etwas hinter den Wolken versteckte Sonne zu genießen oder noch eine Runde Schwimmen zu gehen. Voller Tatendrang sprangen die ersten von Deck aus ins Wasser – auch ich zog, für ein paar Sekunden vergessend, dass ich unter einer geringen Höhenangst leide, meine Klamotten aus und freute mich schon auf das kühle Nass – bis ich über das Geländer des obersten Decks kletterte und gesehen habe, wie weit die Entfernung zum Wasser eigentlich war. Meiner Meinung nach ging es dort MINDESTENS 25m tief in einem 5minütigen freien Fall nach unten. Nun gut – was machst jetzt Kerle? Mit schlotternden Knien und den Blicken der zwei Schweizer Mädels im Rücken wollte ich nur ungern meine Eier verlieren und sammelte mich schließlich für ein bis zwei weitere Minuten, bis ich schließlich den entscheidenden Schritt für den 50m Sprung und den 2 stündigen freien Fall nach vorne trat – mit einem stolzen Grinsen im Gesicht kletterte ich schließlich wieder aufs Boot, um von den anderen dann zu hören, dass die Distanz zum Wasser höchstens 4 Meter seien – naja – trotzdem war es sicherlich der bis dahin höchste Sprung meiner gerade erst beginnenden Turmspringer Karriere.

Nach einem geselligen Abend an Deck und einer gemütlich Nacht in unserer Koje ging es am nächsten Tag auf eine kleine Privatinsel mit Bungalows – wäre nicht vor ein paar Tagen ein starker Sturm durchgefegt, der das kleine Resort etwas verwüstet hat, hätte ich es glatt als Paradies bezeichnet. Aber nichts desto trotz hatten wir 7 einen relaxten Tag am Strand und eine spaßige Partie Beachvolleyball auf Monkey Island. Dieser Name war auch Programm, denn auf unsere Insel-Entdeckungstour sind uns tatsächlich ein paar wilde Affen entgegengekommen.

Freitags ging es dann in einer 4 stündigen Busfahrt von Halong City wieder zurück nach Hanoi, um am Samstag das vietnamesische Neujahr zu feiern. Glücklicherweise ist eine Freundin von Martin (Anh) gerade aus Deutschland zu Besuch bei ihrer Familie in Hanoi, bei der wir die Ehre hatten, am höchsten Feiertag des Jahres eingeladen worden zu sein, um mit ihnen gemeinsam den Abend zu feiern – zum Vergleich: Das vietnamesische Neujahr ist wie Weihnachten und Silvester bei uns. Auf dem Weg zur Familie ging es schließlich durch die kleinen Gassen von Hanoi, in denen uns schließlich wieder die typisch asiatischen Schlachstände begegneten, auf denen gerade ein Hahn enthauptet, in heißes Wasser und zu guter Letzt gefedert wurde.

Anh, die übrigens ab Montag zu unserer kleinen Reisegruppe dazu stoßen und uns auf unserer weiteren Vietnamreise noch begleiten wird, stellte uns ihre Familie vor. Ihre Eltern, die vor 20 Jahren nach Deutschland ausgewandert sind und ein bisschen Deutsch sprachen, lernten wir als erstes kennen. Als wir dann schließlich kurz davor waren, zum großen Abendessen der ganzen Familie zu gehen, wurden wir noch kurz gebrieft, wie wir denn die Verwandschaft zu begrüßen hatten. Für alles gab es unterschiedliche Bezeichnungen; große Schwester, kleine Schwester, großer Buder, kleiner Bruder, langer Onkel, kurzer Onkel usw. . Die Spitze der mehrköpfigen Familie stellte jedoch die 90 jährige und 1,45m große Oma dar, die wir als erstes begrüßten und ihr ein kleines Geschenk überreichten, bis der Rest der Familie dran kam – mit Sicherheit haben wir den älteren Onkel als kleine Schwester oder sonst was begrüßt, aber offensichtlich haben sie es uns schnell verziehen. Nach einem unglaublich leckeren Essen bat uns der kleine Bruder des Vaters an, noch ein bisschen Tabak auf vietnamesische Art zu rauchen – in Deutschland auch gut und gerne als Bong bekannt – aber schlussendlich wirklich nur mit Tabak. Nach ein paar tiefen und kräftigen Zügen ging es dann gegen halb 11 noch mit allen in den Neujahrsgottesdienst, um schließlich um 24 Uhr das Feuerwerk auf dem Hoan Kiem See von einem Dach aus zu bestaunen und ins neue Jahr reinzufeiern. Diese Familie gehört zu den wenigen Prozent in Vietnam, die wie wir auch christlich sind. Der Hauptteil der Bevölkerung ist, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, buddhistisch. An diesem Punkt gab es zwei besondere Ereignisse für mich. Ich weiß nicht genau, wann ich das letzte Mal eine richtige Messe besucht habe – ich nehme an das war vor 12 Jahren an meiner Firmung (jetzt weiß ich auch wieder warum). Zum anderen habe ich noch nie zwei Mal in einem Jahr allen anderen um mich herum ein gutes neues Jahr gewünscht.

Mit einem kleinen Spaziergang um den Hoan Kiem See verabschiedeten wir uns schließlich von der Familie und gingen zurück ins Hotel. Wir beide waren sehr froh, diesen Abend miterleben und für einen Moment auch mal in das wirkliche Leben in Vietnam eintauchen zu dürfen - und das an diesem besonderen Tag.

Morgen früh geht es dann schließlich in Richtung Süden. Die nächsten Städte heißen Hue, Hoi An, Nha Trang und natürlich zu guter Letzt: Saigon.

Herzliche Freude und weiterhin eine glückseelige Fasnachtszeit!

Euer Philipp

Advertisement



Tot: 0.164s; Tpl: 0.011s; cc: 12; qc: 53; dbt: 0.03s; 53; m:apollo w:www (50.28.60.10); sld: 3; ; mem: 6.5mb