Bloqueo


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Bolivia's flag
South America » Bolivia » La Paz Department » Coroico
September 26th 2012
Published: September 28th 2012EDIT THIS ENTRY

Am nächsten Morgen weckt die Sonne meinen gesundeten Körper. Nach einem Frühstück auf der Yunga-Tal-Terasse wandere ich noch ziemlich geschafft hinunter ins Dorf und suche mir eine schöne Bleibe für die nächsten Tage. Es gibt entweder Ranz oder gleich mit Pool und Wifi, der Luxusbackpacker setzt sich durch. Am Abend speise ich mexikanisch in amerikanisch-italienisch-österreichischer Begleitung zu französischer Jazzmusik. Wir laden den Amerikaner am Nebentisch zu uns ein, er will aber nicht, da wir spanisch reden.

Fünf Minuten später. Der Nebentisch-Amerikaner unterhält sich mit unserem Amerikaner quer durchs Restaurant auf Englisch, wir sitzen stumm daneben: Sprachimperialismus. Schließlich schließt er sich aber doch an und wir fahren in Spanglish fort und verabreden uns für den Wasserfall-Trek am nächsten Tag.

Der fällt für mich dann prompt ins Wasser, ein Tag Ruhe war ja auch genug: Meine Kreditkarte ist weg. Also erstmal das deutsche Base-Camp kontaktieren, sperren lassen und Geld zählen. Gut, dass ich eine Backup-Kreditkarte habe. Diese funktioniert allerdings beim Skype-Guthaben-Aufladen nicht. Ich werde misstrauisch: Online weißt mein französisches Konto denn auch über 300 Euro Soll aus. Warum? Nun, sagen wir: Ich danke der französischen Bürokratie. So ganz ohne Karte wird es für die letzten 9 Tage dann doch haarig. Also Emergency-Card anfordern, wobei mir gleich klar ist, dass diese niemals im kleinen bolivianischen Dschungeldorf ankommen wird: Ich muss zurück in die Höhe. Aber erstmal möglichst günstig was essen. Ich bekomme es umsonst: Zwei Argentinier laden mich und die Italienerin von gestern, die zufällig auch dabei sitzt, ein – ich nehme ganz non-chalant an.

Am nächsten Tag will ich widerstrebig nach La Paz aufbrechen – doch die einzige Straße, die Coroico mit der Außenwelt verbindet, wird bestreikt. Wie lange, weiß man nicht. Eigentlich ja eine gute Sache, grade wäre mir aber ein Sarkozy, der die Leute von der Straße kärchert ganz recht. Ich telefoniere mit der Bank. Dort zeigt man Unverständnis, ich bitte um Geduld. Vermutlich ist dies alles einfach ein Test meiner Gelassenheit, initiiert von höherer Stelle um meine Belastbarkeit zu testen. Da müssten dann allerdings noch ein paar Levels kommen. Schließlich habe ich bereits die mir so unbekannte körperliche Schwäche besiegt.

Ich nehme mir vor, am nächsten Tag einfach Richtung La Paz loszufahren und zu schauen, wie weit ich komme. Des Abends speise ich in einem kleinen Restaurant, dass gar nicht so touristisch anmutet. Lediglich die Kundschaft zeigt mal wieder fröhlich flagge: Tschibo-Trekking-Hosen tragende Deutsche mit Deuter-Daypacks, Franzosen in Decathlon-Komplettaustattung, Schweizer Kletterer mit Mammut-Softshell-Jacke. Während ich mein bolivianisches Kartoffelgericht esse läuft Dave Brubeck, plötzlich unterbrochen von einer Live-Version von „Griechischer Wein“. Wer auch immer hier Regie führt, der Humor gefällt.

Am nächsten Tag schaffe ich es tatsächlich nach La Paz: Die Straßensperre ist geräumt. Die eigentliche Gefahr geht allerdings vom Fahrer aus. Es hat die Nacht durchgeregnet, unsere Reifen kennen Profil vielleicht noch von ihren Großeltern. Dies hindert jedoch nicht daran, bei 10 Meter Sichtweite im Nebel zu überholen. Da kann gar nichts passieren. Die entgegenkommenden Autos werden ja Licht an haben und ausweichen.

Im Hostel telefoniere ich erneut mit der Bank, nun soll wohl alles innerhalb von 72 Stunden glatt gehen. Ich passe mich sanft an die Höhe an, schlafe und trinke und wage mich gegen Abend auf einen kleinen Erkundungsspaziergang, auf dem ich prompt die Italienerin aus Coroico treffe. Der Spaziergang wird zu einer größeren Runde, La Paz fasziniert durch seine Lebhaftigkeit, ohne hektisch zu sein. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl, das Curry im vegetarischen Restaurant ist gut und mein Körper tut so, als hätte er nie unter 3500 Metern existiert.

Zurück im Hostel straft Gott mich dann erneut: Die beiden Mädels auf meinem Zimmer sind Deutsche. Aus Düsseldorf.


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