BELLA ITALIA


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Italy's flag
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October 15th 2009
Published: October 17th 2009EDIT THIS ENTRY

wo waren wir stehengeblieben? bei den Schuessen, genau. Wir fahren an diesem Morgen erstmal ein Supereinkaufszentrum an, weil ich dort ein Mc Donalds Schild gesehen hab, wo ich mir warmes Wasser und einen Spiegel erhoffe.
Den gibt es dort auch. Wir leisten uns einen kleinen Espresso aus der Plastiktasse und eine Rosinenschnecke dazu. Wir fahren weiter bis zum Po, und machen uns, es wird schon wieder spaet, auf die Suche nach einem passenden Schlafplatz, den wir in der Naehe von Mazzana finden. Direkt am Po, an einer Sandbank. Wir fragen an einem der Haeuser in der Naehe, die uns nach rechts weisen, weil links die Fischer ihren Standplatz haben. Ja, zuvor, in der Stadt, da hab ich dann noch einen Wein gekauft, einen aus der Region, wollts mal wieder besonders toll machen, hab auch ein bisschen mehr Geld dafuer ausgegeben und hab mich gefreut, auf den trockenen, schweren Geschmack des Rotweins. Michi hat ihn dann feierlich geoeffnet, und beim ersten Schluck schon leicht die Lippen nach oben gezogen und skeptisch auf die Prozentzahl geschaut. Es war ein, nennen wir ihn mal aeusserst fruchtiger Perlwein, den ich uns da mitgebracht hab. Wir haben ihn trotzdem getrunken, ja, und fuehlten uns total jung,
ein Wogi steht im Walde...ein Wogi steht im Walde...ein Wogi steht im Walde...

...ganz still und stumm
so als waer man 15 oder so, wo einem das Zeug noch wirklich schmeckt. Am naechsten Morgen dann ging ein erneutes Schiesskonzert los. Diesmal war das ganze noch naeher, und es vielen mehr Schuesse, einer sogar neben unserem Zelt, so das die Erde vom Einschuss gegen das Zelt schlug. Da bin ich schon ein wenig erschrocken muss ich sagen. Michi machte sich dann ein wenig bemerkbar, und bongiornierte in Richtung Jaeger. Es half, ein wenig, die Schuesse wurden zumindest nicht mehr in unsere direkte Richtung abgegeben. Vom ersten Schock ein wenig erholt, machte sich ein sehr lautes Geraeusch waehrend des Fruehstuecks, im Hintergrund breit, so als wuerde gleich eine Riesentruppe voller Harleys um die Ecke kommen. Wir sassen also da, beim Fruehstuecken und warteten auf die naechste Begebenheit. Quad-Fahrer, samt Braeuten hinten drauf, kamen an uns vorbei, winkten uns und schossen die Dreckhuegel hinauf, auf der anderen Seite wieder hinunter und so weiter. Die Gruppe wollte nicht aufhoeren, es waren viele solcher Teile, mitten vor uns am ach so idyllischen Po.
Wir bauten dann bald ab und erreichten an einem dieser Tage Allesandria, wo es sogar Radwege gab. Weiter gings hinein ins Don Camillo und Peppone Land. Es gibt fast
am Po...am Po...am Po...

da wo die Quadfahrer kommen
keine Waelder, nur so eine Art angelegter Baeume die in Reih und Glied stehen und irgendwie verloren aussehen. An einem Abend faellt unser Schlafplatz auf so einen Monokulturen- Hain. Es erinnert uns an einen Renaissancegarten, allerdings gingen wir von einem Garten aus, ohne das Getier, das kleine, das uns in dieser Nacht begleitete. Ich war selten so froh um das Zelt wie in dieser Nacht. Am Morgen waren ueberall Spinnennetzte, eingepupptes und huepfendes Getier um uns rum. Es juckte mich ueberall und ich konnte gar nicht mehr aufhoeren mich zu schuetteln. Es ist heiss in diesen Tagen, und die Landschaft geht in Weinberge ueber, die so weit das Auge sehen kann, reichen.
Italien ist das Land des Kreisverkehrs, uebrigens. Ich mag Kreisverkehr nicht so gerne, mich verwirrt das immer wieder, vor allem auf dem Fahrrad, wenn vor mir dann doch wieder ein Auto abbiegen will und nicht erkennt das ich doch noch gerade aus will. Die Italiener nehmen mich da relativ gelassen, hupen zwar noch kurz, oder zeigen mir vielleicht auch den Vogel, aber fahren dann halt noch eine Runde im Kreis, bis ich eben aus dem Verkehr bin. Der Michi schwitzte jedes Mal wenn ich so einen Kreis befahre, wie auch bei diesem Mal, als er mir anschliessend eine richtige Standpauke haelt, wie man sich im Kreisel zu verhalten hat, und das man da achtsamer sein muss, und genauer schauen muss...
Am Abend dann, gehts da weiter, mit dem genau schauen und achtsam sein.
Hier beginnt die Geschichte des Wogi Wahnsinn, wie Michi seit diesem Abend genannt wird.
Wir schlagen unsere Isomatten inmitten der Weinberge auf.

Nun also zur Kurzfassung der Geschichte...

BENZIN BRENNT, UND DAS ZIEMLICH HEISS UND SCHNELL.

und...

an diesem Abend assen wir KALT, da wir das Benzin unseres Kochers fuer ein ordentliches Feuerspektakel mit Rauchssignal misbrauchten. Michis rechte Hand uebernahm hierbei eine der Hauptrollen. Die Belohnung hierfuer war ein etwas angekohlter Handruecken. Die Schuhe allderdings (aussgenommen der Schnuersenkel) blieben ganz. Die Socken wurden ein Teil des Spektakels, aber Wogi Wahnsinn, so wie er seither genannt wird, wollte den rechten Socken am naechsten Tag eh wechseln.

Die Hand macht dem Michi die kommenden Tage zu schaffen. Brennt, pulsiert, und ist offen. Wir cremen viel, aber sobald Wogi Wahnsinn die Hand nach unten haelt schmerzt sie. Deswegen hebt er die Hand, wie zum Gruss, nach oben. Die Italiener freuts, und sie gruessen immer freundlich zurueck. Alba, eine schoene Stadt, in der wir uns richtig in die Haare kriegen. Michi, vom "Gruessen" gezeichnet, ist kaputt, braucht eigentlich eine Pause, und ich erkenne das nicht als Solches. Sondern sehe seine Gereiztheit als Angriff, und nehme es als Anlass selber verletzt davon zu sein. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf... Als wir uns wieder ein wenig beruhigt haben nehmen wir den gemeinsamen Weg wieder in Anlauf und machen uns auf zum Tanaro, einem schoenen Fluss an dem wir unser Zelt aufschlagen. Am Ufer sitzen Fischer die uns freundlich erlauben hier zu naechtigen. Am naechsten Tag fahren wir weiter. Ein Vergess- Tag. Ich hab mich eh schon gewundert das ich noch alle sieben Sachen beisammen hab. Heute ist es also soweit. Am Ufer lass ich meine Radlhandschuhe liegen, und auf dem Fahrrad verlier ich dann auch noch meinen Waschhandschuh aus Korea. Ich aerger mich ein wenig, aber was soll ich machen. Hilft nix. Es geht bis nach Cuneo eine Stadt schon ziemlich nah an der franzoesischen Grenze, kurz vor dem Cole della Maddalena, dem Pass, der uns ein zweites Mal ueber die Alpen fuehren wird. Wir kommen im Dunkeln dort an, sind auf der Suche nach dem Campingplatz, finden ihn aber nicht. Auch bei den Passanten die wir fragen bekommen wir keine bessere Antwort. Wir ueberlegen uns aus der Stadt rauszufahren, und ueberqueren eine sehr sehr lange Bruecke. Auf der anderen Seite halten wir kurz zwecks Lagebesprechung an. Ein Auto stoppt der Halter fragt uns ob wir Hilfe brauchen. Ich stehe da, mit meinem Fahrrad in der Hand, und tue mir aeusserst schwer auf den Autofahrer zuzugehen. So bleib ich weiter weg stehen, und wir schreien eher hin und her, bis der Michi sagt ich solle doch mal naeher ran gehen. Ich waer gar nicht auf die Idee gekommen. Gut das der Michi da so aufmerksam ist und so gehe ich also zum Auto hin. Der nette Herr weist uns den Weg zum Campingplatz den wir nach einer knappen weiteren Stunde dann um kurz vor 9 abends erreichen. Schnell bauen wir das Zelt auf, und ich gehe duschen. Also das duschen, das ist wirklich eins der Highlights beim unterwegs sein. Ich koennte tanzen und springen vor Freude unter dem warmen Nass das mir soviel Gluecksgefuehle beschert. Ich habe ja schon nach einem Tag nicht mehr ganz so schoenes Haar, also, es glaenzt auf seine ganz
im Renaissance Wald...im Renaissance Wald...im Renaissance Wald...

... bei den wilden Tieren
eigene Art und Weise von Tag zu Tag mehr, wenn ich sie nicht gewaschen habe, und da ist nach knapp einer Woche des Nichtwaschens wirklich die Schmerzgrenze erreicht. Aber an einem Tag wie diesem, in Cuneo, am Campingplatz, da bereitet es dann umso mehr Freude wenn nach dem zweiten Waschgang das Shampoo wieder zu schaeumen beginnt.
Cuneo. Da bleiben wir zwei Tage.
Wie geht es uns? Es ist schwierig. Wir streiten immer wieder. All die lieben Emails und Mutmacher von Zuhause, das tut gut.
Wie kann man das beschreiben. Vielleicht fuehlen wir uns beide vom anderen zu wenig gesehen, und dann vergisst man den anderen zu sehen. Ich verstehe Michi manchmal nicht, verstehe nicht was er sagen will, und bin dann genervt weil ich es nicht verstehe. Werde ungeduldig und fuehle mich angegriffen durch seine Worte. Das Kennenlernen findet auf eine Art und Weise statt, die uns beide intensiv und haeufig ueberrascht. Wir nehmen es nicht immer als einfach wahr, aber wir erkennen beide das wir sehr wichtig fuereinander sind, und das wir in des anderen Augen letztendlich nur uns selbst sehen. Das ist manchmal nicht so einfach, vor allem wenn einem das nicht so gefaellt was man da sieht, wer man ist.
Deswegen haben wir beschlossen, ein wenig anders mit der Situation umzugehen um das ganze wieder mit anderen Augen zu sehen, vielleicht auch, um uns nicht als selbstverstaendlich anzusehen. Wir haben uns ein Ziel gesetzt, bis wohin wir, komme was wolle, gemeinsam reisen werden. Dann werden wir weitersehen. Barcelona. Das ist das Ziel.
Bis Barcelona radeln wir definitiv weiter gemeinsam. Dann schauen wir mal was kommt.
Dieser Gedanke befreit uns beide, und wir fahren viel entspannter wieder los. Wir nehmen uns ein wenig anders wahr, und sind nicht mehr so gereizt. Das tut gut, weil die letzten Wochen doch so viel mit dieser Anspannung immer wieder behaftet waren.
Wir fahren weiter, Richtung Pass. Ein Auto haelt neben uns, der Fahrer fragt ob wir Hunger haetten, er wuerde gerne fuer uns etwas kochen. Ich bin baff von dieser Einladung, und frage mich ob ich auch so offen waere, wenn mir bei uns zuhause zwei bepackte Radler entgegenkommen wuerden. Ich glaub ich wuerd mich nicht trauen zu fragen. Dankend lehnen wir aber ab, weil wir kurz zuvor gegessen haben. Es geht bergauf, stetig bergauf, 60 km lang. Also nicht total steil, aber immer weiter nach oben. Wir muessen auf gut 1900 m hinauf, und 1200 m davon liegen noch vor uns. Die Landschaft ist wunderschoen. Inzwischen sind wir im Nationalparkgebiet, alles ist gruen, Hirten mit ihren Schafherden sieht man ueberall. Alte Bulldogs mit Bauern ohne Zaehnen, die Frauen dazu sitzen auf der Seitenflaeche, mit Koerben in der Hand, wo sie Walnuesse und Pilze gesammelt haben. Der Stura di Demonte, begleitet uns den Pass hinauf. An seinen Flussbetten schlafen wir, waschen uns, trinken davon. Wir finden wunderschoene Plaetze zum Uebernachten, machen uns Lagerfeuer, kochen darauf, unterhalten uns herrlich, lachen viel miteinander und geniessen das Zusammensein. Wir frischen unseren Nussvorrat auf, der fuer fast eine Woche ausreicht. Es gibt so reichlich Walnuesse unter den Baeumen das wir uns gar nicht satt essen koennen davon. Kurz vor Agentera schlafen wir zum letzten Mal in Italien. Wir muessen ein Flussbett ueberqueren, nicht tief das Wasser, aber kalt und nass. Wogi Wahnsinn gibt mir Anweisungen wie ich am besten ohne nass zu werden das Flussbett ueberfahren soll. "erst haeltst du dich rechts, und dann, schnell schnell schnell, weiter links, rueber rueber, komm, ja, nicht da, nein, nicht da... PLATSCH. ich steh drin. muss auch noch aufs Klo und kann nicht aufhoeren zu lachen, so das zu dem Nass des Flusses fast noch ein Nass in der Hose dazu gekommen waere. Ich bin dann abgestiegen, im Fluss, und nach draussen gewatschelt. Die Nacht ist klar, es hat nicht mehr als 5 Grad draussen, aber gut, das wir ein Lagerfeuer machen wo ich die Schuhe rasch wieder trocken kriege. Wir hoeren Murmeltiere,Schafe und Hirsche und die Milchstrasse leuchtet ueber uns in der Nacht. Es ist schoen. Wir sind gluecklich. Am naechsten Morgen dann der letzte Anstieg. Wir treffen einen Wandersmann, der seit 9 Jahren mit seinem Hund unterwegs ist und schon 26 Paar Schuhe verlaufen hat. Er ist sehr herzlich, wir unterhalten uns ein wenig, stossen mit unseren Trinkflaschen an und schiessen ein paar Fotos. Und dann gehts hinauf. Die letzten Hoehenmeter Richtung Frankreich. 18 Kurven zum Schluss, in der 9ten gruesst uns noch ein Murmeltier, ein See ganz oben, und der Wind blaesst uns hinueber, ins franzoesische Alpenland um 15 Uhr 03.
Italien, hinter uns und Erinnerungen an Polizisten mit coolen Sonnenbrillen, gutes Eis, keine Pizza, Sonne und Palmen, nach oben gehaltene Daumen, wunderbares Italienisch, was fuer eine Sprache!!!!, Walnusswaeldern, Murmeltieren, Schafherden, ...


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Colle della MaddalenaColle della Maddalena
Colle della Maddalena

ach Bogi, da musst mal mit deim Rennrad her!!!
alles im Blick:alles im Blick:
alles im Blick:

WOGI WAHNSINN sein Name


29th October 2009

Hut ab Ihr beiden!!!
Liebste Katja, lieber Wogi Wahnsinn, als ich Deine Karte las mußte ich weinen. Das war eine sehr wertvolle Überraschung! nachdem ich nach 3 Wochen Gomera wieder zu Hause ankam. Danke Katja! Auch ich denke sehr oft an Euch und fragte mich oft wie es Euch wohl ergeht. Wo Ihr seid und was Euch alles widerfahren wird. Dein Wortwitz brachte mich oftmals zum schmunzeln. Es ist schön zu lesen, dass es Euch gut geht. . Gut geht es Euch, das sieht man und das kann man lesen! Das Ihr Euch mal angiftet sollte normal sein unter diesen Umständen. Die Balance zweier Menschen unter Anstrengung zu halten, ohne Ablenkungen und Trennungen durch den Alltag, ohne Freunde und all den Erwartungen des Einzelnen an den anderen, ist eine Kunst. Ihr habt beschlossen Euch dieser Kunst zu stellen. Geht durch und lasst die Widrigkeiten an Euch vorbeiziehen.....Gedanke kommt...Gedanke geht, weiter auf den Atem konzentrieren...Gutes Durchatmen, ATMEN an sich!, und Eure geübte Gelassenheit wird Euch durch diese Zeit des intensiven Kennenlernens tragen. Mit loslassen und wieder zueinander finden mit reden, lachen und kopfschütteln über Euch selbst werdet Ihr wachsen....über Euch hinauswachsen. Ich wünsche Euch das Beste....weitere schöne Flussbetten und viel Sonne und Liebe in Euren Herzen..... und wünsche Euch einen guten Weg, hinauf und hinuner, wie im wahren Leben.....über Barcelona hinaus! Ich sende Euch viel Kraft, Sylvia
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