In Antigua sind wir etwas laenger belieben als geplant, insgesamt vier naechte. richtig gut waren die tage dort auch nicht; wir hatten quasi ein kleines reisetief mit all den dingen die man nicht braucht, krankheit, gestohlenes geld etc... was von antigua bleibt, ist, dass es die absolute touristen hochburg hier in guatemala ist, es hat absolut nichts mit dem typischen leben der leute hier zu tun. klar, die stadt ist recht huebsch und sauber und wird von drei grossen vulkanen umgeben, aber wir waren dann doch froh, als wir nach viereinhalb tagen wieder abreisen konnten. interessant war auf jeden fall die internet cafes, die interessante angebote machen. da gab es zum beispiel die aktion "kauf ein bier und bekomme 15 minuten gratis". alternativ kann man dort auch einfach eine liste abgeben mit musik, die man gerne auf CD gebrannt haette. einige stunden spaeter befinden sich die mp3s dann raetselhafterweise auf einer CD - hier alles voellig legal ;-)
adios guatemala, arriba honduras! wir mussten wieder mal (und hoffentlich zum letzten mal) ein teures touristen shuttle zur naechsten stadt nehmen. Copán Ruinas war unser ziel, ein kleiner grenzort direkt hinter der grenze in honduras. die fahrt dauerte ca. 6 stunden und wir
kamen morgens frueh gegen zehn uhr an. nach den vielen anderen touristen in antigua und flores wollten wir nun das komplette gegenteil: dorfleben in honduras, je abgelegener desto besser! in copán ruinas gibt es recht grosse ruinen der maya. wir hatten aber nach den ruinen in tikal nicht mehr so grosse lust auf noch mehr ruinen und haben stattdessen zu fuss die umgebung erkundet. auf einem kleinen berg erreichten wir die hacienda san juan, von wo man eine tolle aussicht ueber den ort hatte. gegen spaetnachmittag begann es heftig zu regnen, sodass wir abends schnell wieder im zimmer unserer unterkunft waren. unser zimmer war ein raum ohne fenster, wie eine garage, nur ohne auto. klo und dusche funktionierten, allerdings waren die mauern drumherum nur einmeterachtzig hoch; ich haette also locker beim duschen zuschauen koennen wie nebenan jemand auf der schuessel sitzt ;-)
die naechsten tage wollten wir im hochland von honduras verbringem, in kleinen orten,
la vida de honduras erleben. am naechsten tag ging es also zunaechst mit einem bus (einem "normalen" reisebus) nach la entrada, einer haesslichen stadt, an der grossen nord-sued verbindung in honduras gelegen. wir stiegen um in einen bus nach santa rosa de copán. von nun
an wurden die busse immer weniger touristisch, weniger komfortabel, die beinfreiheit wurde geringer, die musik grausamer. im bus nach santa rosa de copán lief in den fernsehern zunaechst ein unglaublich schlechter film, B-, vielleicht auch C-movie. ein film fuer jedermann: kitschigste dialoge, schmierigste romantik (SIE knetet einen kuchenteig, ER kommt hinzu und hilft zaghaft mit. die haende beruehren sich...man ahnt wie es weitergeht!), kuriose action-szenen und jede menge explosionen. am ende selbstverstaendlich ein "happy end", der held ueberlebt und rettet sie grandios vor den banditen - herrlich. selbst ohne ein wort spanisch wusste jeder worum es ging. leider war der film nach der haelfte der fahrt vorbei und der fahrer legte eine DVD mit den "30 besten raeggaton videos" ein... zum glueck reichte die batterie im ipod fuer den rest der fahrt. in santa rosa de copán wurden wir nach dem aussteigen direkt von den naechsten busfahrern in empfang genommen die uns sicher zu ihrem gefaehr geleiteten. die bus terminals sind auch die einzigen orte hier, an denen die leute wirklich einmal schnell und auf zack sind! ansonsten, egal in welches lokal oder geschaeft man geht, ueberall sind die leute unglaublich langsam! hoeren langsam zu, reden langsam, gehen langsam. alles
immer ganz tranquillo! der letzte bus des tages brachte uns nach Gracias. Die Region im Suedwesten von Honduras gilt als die aermste. Und hier wird einem schnell ein krasser gegensatz vor augen gefuehrt: honduras hat eine unglaubliche natur, alles ist gruen, verhaeltnismaessig wenige menschen wohnen auf einer relativ grossen flaeche. was bei uns brennnesseln, sind hier bananenpalmen. aber die menschen hier scheinen den schatz vor ihrer haustuer gar nicht wertzuschaetzen, denn ueberall liegt unglaublich viel muell herum! die einheimischen schmeissen alles aus den fenstern waehrend der busfahrten, colaflaschen, plastiktueten, einfach alles! entlang der strassen sieht man ueberall muell und in Gracias selbst war es noch schlimmer. es gibt keine muelleimer am strassenrand, alles liegt auf dem boden. man kann wirklich nur hoffen, dass die menschen hier irgendwann einsehen, dass sie ihr verhalten aendern wollen, wenn sie die wunderbare natur um sie herum erhalten wollen. in Gracias waren wir bis auf eine hand voll franzosen tatsaechlich die einzigen touristen. wir quartierten uns im hotel erick ein, nahmen ein mototaxi zu den nahegelegenen heissen quellen. der fahrer fragte ob er uns spaeter wieder abholen sollte, aber wir winkten ab in der annahme, das hier laufend mototaxis vorbeifahren wuerden. allerdings waren wir bis
auf eine einheimische familie die einzigen leute in den heissen quellen. was schoen war, da wir die ganzen becken fuer uns hatten. das aus dem vulkanischen gestein kommende wasser floss von einem becken zu anderen, tiefergelegeneren, sodass man je nach lust und laune sich die passende wassertemperatur aussuchen konnte. das wasser war herrlich heiss, jede bewegung brachte einen ins schwitzen. als wir dann gegen abend wieder zurueck nach Gracias wollten, gab es natuerlich kein taxi mehr das uns haette mitnehmen koennen. zum glueck hat uns die einheimische familie auf der ladeflaeche ihres pickups bis zur hauptstrasse zurueck mitgenommen. ohne die haetten wir das echt nich geschafft, es wurde schon dunkel und wir hatten ausser unseren handtuechern und etwas kleingeld auch nichts weiter mit. an der kreuzung parkte dann zufaellig ein mototaxi; wir machten uns bemerkbar und der besitzer war sofort bereit zu helfen und fuhr uns zurueck zum hotel erick. meine uhr (gekauft letztes jahr in ecuador, aufdruck: water resistance 10m) hat die heissen quellen leider nicht ueberlebt. da weder marie noch sylvia eine uhr hatten, ging ich los eine neue zu besorgen. in der erstbesten apotheke (!) wurde ich fuendig. auf meinen wunsch hin "tu tienes reloj con alarma
muy barrato?" (z.dt.: "du hast uhr mit alarm sehr billig?") zeigte der apotheker mir ein schwarzes erxemplar, typ digitaluhr. nichts aussergewoehnliches, aber solide, made in china, marke: CASIQ! verblueffend, diese aehnlichkeit mit der marke CASIO... ;-)
geweckt von der neuen uhr genehmigten wir uns am naechsten morgen noch ein einheimisches fruehstueck. es gab ruehrei, zermatschte rote bohnen, trockenen kaese, frittierte bananen und einen pott frischkaese; fett und zucker en masse! anschliessend gingen wir hoch zum "castillo", einer kleinen festung in der einer der ex-praesidenten von honduras begraben liegt. nachmittags ging es weiter mit dem bus richtung marcala. um dorthin zu kommen fuhren wir zunaechst nach san juan und warteten dort am strassenrand auf irgendein pickup oder anderes auto, dass uns nach la esperanze mitnehmen koennte. bald kam auch ein pickup, ein heruntergekommener toyota. ich sass vorne beim fahrer, hinten auf der ladeflaeche waren marie, sylvia, ein honduraner auf dem weg zur arbeit, ein paaerchen und eine alte frau, die nicht sprechen konnte. der fahrer begruesste mich sehr freundlich. selbst nach dreimaligem nachfragen verstand ich seinen namen jedoch nicht. es war irgendwas genuscheltes mit den lauten "A" und "O". ich blieb daher einfach beim du. waehrend der fahrt erzaehlte er viel
von sich, "A-O" lebte eine zeit lang in den USA, liebte gluecksspiele am automaten und hat so auch schon einmal 4000 $ gewonnen. seine damalige frau gewann kurz darauf 26.000 dollar, und verliess ihn dann. er ging also zurueck nach honduras und machte seitdem in obst und gemuese. er war ein typischer honduraner, ein uebelster macho, hielt manchmal an wegen einer frau am wegesrand und leckte sich haemisch grinsend die zaehne, wenn wir an jungen honduranerinnen vorbeifuhren. dass leute auf der ladeflaeche von autos mitfahren ist hier in honduras absolut nichts ungewoehnliches. allerdings gibt es auch hier grenzen; so war "A-O" eine zeitlang am lamentieren, dass er 100 Lempira (=3,30 Euro) berappen muss, wenn uns nun eine polizeistreife anhalten wuerde. er fuhr die strecke nach la esperanze wohl oefter, gekonnt umkurvte er die erste polizeistreife durch einen umweg durch ein kleines dorf. die zweite polizeistreife an der wir vorbeifuhren war dagegen schon mit einem anderen ueberladenen pickup beschaeftigt, so dass wir bald schon gegen nachmittag in la esperanza ankamen. leider fuhren um diese uhrzeit keine busse mehr nach marcala, daher uebernachteten wir im nahe dem bus terminal gelegenen hostal gomez. am naechsten morgen brachen wir gegen 6 uhr auf um
den ersten bus zu erwischen. am busbahnhof sagte man uns dann, dass es natuerlich busse nach marcala gibt, diese aber leider leider nicht vom bus terminal abfahren. mit dem ganzen gepaeck auf dem ruecken beeiltenm wir uns also ins zentrum zu gelangen, von wo der bus dann abfahren sollte. wir schafften es noch rechtzeitig und es konnte losgehen. nur noch 37 km lagen vor uns. 37 kilometer in einem gelben, ausgemusterten amerikanischen schulbus. es ist wirklich immer so: je abgelegener die orte, desto aufregender die busfahrten!
der fahrer sah aus wie ein vampir, hatte oben nur noch seine beiden eckzaehne, die von seinem fein gestutzten baertchen herrlich eingerahmt wurden. der hintere lautsprecher im bus war kaputt, dafuer schepperte der vordere umso lauter, honduranische volksmusik auf voller lautstaerke! fuer die strecke von 37 kilometern sollten wir knapp zwei stunden brauchen. zunaechst ging es durch dichte kieferwaelder bergauf. die strasse war nichts weiter als planierte erde. matschige erde dank der taeglichen regenschauer. es ging langsam voran und schaukelte so sehr, dass man unmoeglich lesen konnte. nach einiger zeit begegneten wir einem minibus, der in tiefem schlamm festsass. kurzerhand wurde ein seil zwischen unserem gelben schulbus und den minibus gespannt und die karre
aus dem dreck gezogen. dazu weiter honduranische klaenge auf voller lautstaerke. ein paar wenige kilometer weiter mussten wir dann eine zwangspause einlegen: reifenpanne! mit vereinten kraeften wurde zunaechst die ganze ladung im hinteren teil des busses bei seite geschafft. nach einigen rucksaecken und jeder menge reissaecken und blumenerde kam dann das ersatzrad zum vorschein. viel kraft war von noeten um es aus der engen tuer hinten im bus rauszuquetschen. der vampir-fahrer schien das reifenwechseln schon des oefteren gemacht zu haben, jedenfalls ging es kurz darauf schon weiter. hinab nach marcala waren die ausblicke in die taeler wieder grossartig! unberuehrte waelder, freilaufende pferde und ab und zu eine einfache behausung die ganze zeit. und wieder wurde das bild der schoenen natur kurz vor marcala uebel getruebt; die muellkippe des ortes bestand in einem steilen abhang am berg. hier wird der ganze muell einfach hinabgekippt, keine begrenzung zum wald hin, ganz unten ein truebes rinnsal dreckiger pampe.
in marcala angekommen besorgten wir uns eine unterkunft und gingen dann direkt zur "Cooperativ RAOS". deshalb waren wir hier. in marcala gibt es die allererste cooperative fuer organisch-angebauten, fair gehandelten kaffee in honduras. die leute waren sehr freundlich, in den regalen lag mandarinen-wein, honig, kerzen
aus bienenwachs, muesli und natuerlich jede menge kaffee. und das alles ohne kuenstliche duengemittel, ohne insektizide oder konservierungsstoffe, und alles fair gehandelt. die cooperative verwaltet sich quasi selbst, wie eine genossenschaft, und organisiert alles von der ernte ueber das roesten der kaffeebohnen bis hin zum verpacken & verkaufen. in einem hinterzimmer wurden gerade neue sorten getestet; auf dem tisch standen ein knappes dutzend numerierte tassen mit unterschiedlichen kaffeesorten drin. akribisch nahmen die experten ein paar schlucke, gurgelten und spuckten den kaffee dann wieder aus.
wir konnten schnell eine nachmittags-tour zu einer der beteiligten fincas organisieren. zunaechst fruehstueckten wir jedoch in einer konditorei. ein einheimischer sprach uns an, einen zettel in der hand. wir sollten ihm doch bitte schnell einen satz vom spanische ins deutsche uebersetzen: "tengo otra novia!!" - "ich habe eine andere freundin!!". wir uebersetzten wahrheitsgemaess und hatten somit also auch einen kleinen anteil an der email, in der mit seiner jetzigen flamme schlussmachen wollte.
mittags verdunkelte sich der himmel schlagartig, es zog ein heftiges gewitter auf, mit jeder menge regen. am nachmittag nieselte es jedoch nur noch leicht, und so machten wir uns mit einem pickup von der cooperative auf zur finca. am ende der befahrbaren strasse wartete
schon linda auf uns. linda bearbeitete mit ihrem mann die finca und eine gute viertelstunde fussmarsch durch matschiges gras und ueber drei baeche spaeter kamen wir am haus an. linda war eine seele von mensch, ein herzliches laecheln begleitete jeden ihrer saetze! nach einem heissen kaffee aus eigenem anbau zeigte sie uns also, wie der hase hier so laeuft. der kaffee (sorte arabica) waechst hier im schatten hoher baeume, geerntet wird jedoch erst im oktober/november, am ende der regenzeit. als natuerlichen duenger verwenden die leute hier abfallprodukte, die waehrend der kaffeebohnenverarbeitung anfallen. zum schutz vor blattlaeusen und anderem ungeziefer benutzen sie natuerliche wirkstoffe aus bodenorganismen, alles also ohne chemie! nach der ernte werden die bohnen auf grossen feldern genau drei tage lang zum trocknen in die pralle sonne gelegt, danach gehts zum roesten und zum mahlen. jetzt waehrend der regenzeit bauen linda und ihr mann auch anderes an: mais, salat, pfeffer, bananen, mangos, orangen, limetten, papayas und und und! das alles waechst hier neben ueber 40 verschiedenen orchideen. sie haben neben dem haus eine kaninchen- und huehnerzucht und auch einen fischteich - essen kaufen brauchen sie nicht. wir durften uns einige orangen und mangos selbst frisch pfluecken, suuuperlecker! :-)
linda
verabschiedete uns sehr herzlich und wir versprachen ihr, ein paar entwickelte fotos von diesem tag zuzuschicken. zurueck in marcala machten wir uns leicht durchnaesst einen ruhigen abend und brachen am naechsten tag auf nach tegucigalpa, der hauptstadt.