Un paseo al las Nubes


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South America » Argentina » Jujuy » Purmamarca
April 20th 2006
Published: April 21st 2006
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Hallo ihr Lieben in der grossen weiten Welt,

Eigentlich wollten wir in die Wolken fahren und nach einer Fahrt durch die Puna durch die Quebrade de Humahuaca zurueck nach Salta fahren. Aber schon nach 36 Km mussten wir unsere Plaene aendern.

Auf einer schmalen Schotterpiste die sich an den Haengen einer Schlucht in Richtung Wolken windet stand ein LKW quer auf der Piste. Er war gegen den Berg geprallt und an Ort und Stelle stehen geblieben. Waehrend wir noch warteten und hofften, dass er irgendwie zur Seite bewegt werden wuerde, kam aus den Wolken ein Bus und blieb auf der anderen Seite der Unfallstelle stehen. Die Insassen waren nicht so geduldig/hoffnungsvoll wie wir und zwaengten sich zu Fuss an dem LKW vorbei und machten sich auf den Weg in den naechsten Ort. Nachdem klar war, dass sich der LKW nicht aus eigener Kraft von dort fortbewegen wuerde und uns gesagt wurde dass es 3 - 4 Stunden dauern wuerde bis Pannenhelfer vor Ort seien, haben wir beschlossen zu wenden und zuruck nach Salta und von dort in die Quebrada de Humahuaca zu fahren.

Ein paar Kilometer hinter der Unfallstelle fuhren wir an zwei Bussinsassen vorbei die dann auch promt den Daumen in die Hoehe reckten. Wir haben angehalten, sie sind eingestiegen und weiter gings. Auf der Strecke in den naechsten Ort kammen wir noch ein paar mal an Grueppchen von Wanderern vorbei die wir alle schon gesehen hatten als sie sich zwischen Abgrund und LKW durchzwaengten. Da unser Auto aber schon voll war, mussten wir immer wieder abwinken und hoffen, dass die anderen Autofahrer die umdrehen mussten auch ein paar Reisende mitnehmen wuerden.

Wieder in Salta angekommen, mussten wir uns durch die Innenstadt wuehlen und sind dann der Verkehrsfuehrung in Richtung San Salvador del Jujuy gefolgt. Dumm nur, dass hier zuerst die Schilder aufgestellt werden und dann die Strasse fertig gestellt wird. Da Umleitungsschilder nicht vorhanden waren, mussten wir nach Gefuehl in Richtung Norden und nach Auskunft von Passanten zur Strasse fahren. Auch diese Aufgabe haben wir bestanden und so ging es nach fast einer Stunde Stadtverkehr wieder auf die Fernstrasse nach Norden.

Die Strasse besteht eigentlich nur aus Kurven, ist selten breiter als 4 Meter und windet sich bergauf und bergab an den Berkflanken entlang. Nicht ohne Grund stehen immer wieder Schilder am Strassenrand die die Autofahrer dazu auffordern vor Kurven zu hupen. Ich habe mich auf ein Hupkonzert eingerichtet, aber da die Strasse sehr wenig befahren ist, waren wir meistens die einzigen Huper.

Einige Kilometer vor Jujuy war die Strasse dann wieder besser ausgebaut und nicht mehr so kurvig, so dass wir recht schnell an der Stadt vorbei waren und in die Quebrada hineinfuhren. Die Quebrada ist eine Schlucht die in San Salvador de Jujuy (1259 m ueber NN), beginnt und über etwa 150 km bis zur Stadt Humahuaca (2950m ueber NN) ansteigt. Da die Berge an beiden Seiten der Schlucht kaum bewachsen sind, kann man an vielen Orten die vielfarbigen Gesteinschichten bewundern. Die Vielfarbigkeit der Berge entstand durch Anreicherung von verschiedenen Mineralien in den verschiedenen Schichten. Durch diese Vielfarbigkeit und die Urspruenglichkeit vieler der Orte in der Quebrada wurde sie 2003 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklaert.

Unseren ersten Stop in der Quebrada hatten wir in Purmamarca (2100m ueber NN) wo wir uns ein Zimmer fuer die Nacht gesucht haben. Der Ort ist bekannt da sich direkt dahinter der Cerro de los 7 colores erhebt (der Berg der 7 Farben). Ausserdem liegt er an der Kreuzung der Fernstrassen nach Chile und Bolivien.
Nachdem das Zimmer gefunden und der Ort besichtigt war, sind wir die Quebrada weiter nach Norden (in Richtung Bolivien) gefahren. Die Strasse stieg langsam immer weiter an und wir kamen an vielen kleinen Orten vorbei, hinter denen die bunten Waende der Schlucht aufragten. In allen Doerfern gibt es kleine alte Kirchen und in vielen haengen Bilder aus der Schule von Cusco.

Bei der Schule von Cusco handelt es sich um eine von den Spaniern eingerichtete Malschule in der Kirchenbilder europaeischer Meister kopiert wurden, da fuer die vielen Kirchen in der neuen Welt nicht genuegend Bilder importiert werden konnten. In der Malschule malten vor allem Indianer, aber vereinzelt auch Kreolen. Im Laufe der Zeit wurden die Maler immer selbstbewusster und kopierten die Bilder nicht mehr nur, sondern hinterliessen ihre eigene Handschrift. So gibt es zum Beispiel eine Reproduktion des bekannten Letzten Abendmahls bei dem Jesus und die Juenger um einen Tisch sitzen auf dem ein gebratenes Meerschwein und ein Krug mit Maisbier stehen. Auch kann man beim betrachten der Bilder vermuten, dass sich die Geschichten aus der Bibel nicht in Israel sondern im Andenhochland abgespielt haben.

Wir haben in Huacalera und Urquia angehalten um die Kirchen zu besichtigen. In Huacalera findet man vor allem Bilder die das Leben der Maria darstellen und die stark an europaeische Vorbilder angelehnt sind, in Urquia hingegen haengen Bilder von Engeln, die gekleidet und bewafnet sind wie spanische Soldaten, an den Waenden.

Nach der Weiterfahrt nach Humahuaca und einer kurzem Rundgang durch die Stadt sind wir wieder nach Sueden gefahren. Dabei ueberquerten wir wieder den Wendekreis des Steinbocks, aber von Kreis und Steinbock war nichts zu sehen. Nur ein behauener Stein stand am Strassenrand und unser Reisefuehrer sagte uns, dass an diesem Ort die Sonne am 21. Dezember genau senkrecht am Himmel steht.
In Tilcara haben wir gehalten um die rekonstruierte Festung der Omaguaca-Indianer, das Pucara, zu besichtigen. Leider hatten wir nur 20 Minuten Zeit da die Besuchszeit begrenzt ist, aber es hat sich gelohnt. Durch die Rekonstruktion bekommt man einen guten Eindruck von dem Aufbau der Siedlung und der Blick von dort in die Schlucht ist sehr schoen.

Von dort ging es dann zurueck nach Purmamarca wo wir auf dem Kunsthandwerksmarkt herumgestoebert haben und nach Dusche und Abendessen sehr muede ins Bett gefallen sind. Nach einer erholsamen Nacht und Fruehstueck sind wir auf einen Aussichtshuegel gestapft um den Cerro de los 7 colores im Licht der Morgensonne zu bewundern. Von allen Seiten hatten wir gehoert, dass er im Morgenlicht am schoensten ist, aber uns hat er im Abendrot deutlich besser gefallen. Nach einem letzten Blick auf das bunte Treiben der Kunsthandwerker an der Plaza sind wir nach Westen (in Richtung Chile) weitergefahren.

Die Strasse stieg in unzaehligen Schleifen den Hang der Schlucht hinauf und so erreichten wir nach 20 km den hoechsten Punkt unserer Rundreise, einen Pass auf 4170m ueber NN. Dort erreichten wir zum ersten Mal die Puna, den argentinischen Teil des Altiplanos. Irgendwie hat diese Hoehe etwas Unwirkliches an sich. Das Licht scheint anders, Vegetation ist kaum noch vorhanden und der Himmel scheint in greifbare Naehe zu ruecken.
Kurz hinter dem Pass konnte man dann auch schon die Salina grande (den grossen Salzsee) sehen. Zwischen den braunen Huegeln strahlte das Salz weiss und und schien in seiner Reinheit mit dem strahlend blauen Himmel wettzueifern.

Nach vielen Kurven waren wir dann auf 3300m ueber NN an dem Salzsee angekommen. Aufgehalten wurden wir durch Vikuñas die auf der Strasse standen aber sie machten bald den Weg frei, so dass wir weiterfahren konnten. Auf dem Salz angekommen gab es dann kein Halten mehr. Wilde Spruenge und und akrobatische Einlagen auf dieser bis an den Horizont reichenden Ebene. Leider konnten wir nicht lange bleiben da uns gesagt wurde, dass die vor uns liegende Schotterpiste nach San Antonio de los Cobres in einem schlechten Zustand sei und man genuegend Zeit einplanen muesse.

Die Strasse erwies sich als besser wie vermutet und so kamen wir recht gut voran. Angehalten haben wir immer wieder um Esel, Vikuñas und Lamas zu fotographieren, die am Strassenrand weideten und immer wieder die Strasse ueberquerten. So erreichten wir nach ca. 2,5 Stunden (veranschlagt waren 3,5) San Antonio de los Cobres. In diesem staubigen Bergarbeiterstaedtchen haben wir uns nicht aufhalten lassen sondern sind bis zum Viadukt La Polvorilla gefahren. Dieses Viadukt, in 4200 m ueber NN Höhe gebaut, ist 224 m lang und überspannt eine Höhe von 70 m - dabei beschreibt es eine Kurve. Es wiegt ca. 1600 Tonnen und es gibt keine Seitenbefestigungen oder Sicherheitsplanken. Das Viadukt ist der technische Hoehepunkt der Bahnstrecke von Salta nach Antofagasta im äußersten Norden Chiles. Die Strecke wurde vom nordamerikanischen Ingenieur Ricardo Fontaine Maury konstruiert und wird immer wieder mit den Pioniertaten großer Konstrukteure, wie dem Panama-Kanal, dem Sueskanal und dem Eifelturm in Paris verglichen. Besonders das Viadukt erinnert auch von seinem Aussehen an den Eifelturm.
Auf der Strecke von Salta bis zu dem Viadukt fuhr bis vor ca. einem Jahr der Tren a las Nubes, sonst gibt es auf dieser, zum Salpetertransport gebauten Strecke, keinen Personenverkehr. Wann der Tren de las Nubes wieder fahren wird, ist noch nicht klar.

Von dem Viadukt aus sind wir dann wieder zurueck nach San Antonio gefahren und von dort weiter nach Salta. Die Strecke fuehrt zuerst durch die Puna und wird immer wieder von den Bahngleisen gekreuzt, dann geht es in Serpentinen zurueck ins Tal. Die Strecke ist zum groessten Teil asphaltiert und so ging es zuegig voran. In dem letzten Teilstueck haben wir an dem Ort, wo uns am Vortag der Weg versperrt wurde kurz angehalten und sind dann weiter nach Salta gefahren.

Morgen geht es dann wieder in die Quebrada de Humahuaca und nach ein paar Aklimatisationsnaechten weiter nach Bolivien. Bis dahin wuensche ich Euch eine schoene Zeit und einen schoenen Fruehling.

Liebe Gruesse von mir und Silke,

Raphael







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27th April 2006

Wie immer........toll.........
Hallo Raphael, Nachdem wir nun schon so viel Reiseberichte von Euch gelesen haben, kennen wir Euren Stil so genau daß wir schon nach wenigen Sätzen wissen wer an der Tastaur saß. Auch heute haben wir wieder viel wissenswertes durch dich erfahren, und zusammen mit den tollen Fotos hatten wir wieder mal das Gefühl dabei zu sein. Danke das Ihr Euch immer wieder so viel Mühe macht. Wir senden Dir und Silke verregnete Frühlingsgrüsse aus Stuttgart Peter

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