Mission Coromandel


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March 28th 2019
Published: April 1st 2019
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Es ist mal wieder Zeit für einen Blogbeitrag und diesmal geht es mir gar nicht so leicht von der Hand wie sonst und ich stelle fest, wie ich das nun doch schon 2 Tage vor mir herschiebe. Teils der Umstände halber und teils auch weil ich selber nicht genau weiß was ich diesmal berichten möchte oder auch überhaupt kann.

Aber es hilft ja nichts und deshalb habe ich mich nun aufgerafft einfach mal anzufangen und zu schauen wohin die Reise geht. Zumindest was das titelgebende Kernthema angeht. Die Mission Coromandel.

Aber bevor ich dazu komme möchte ich nochmal kurz auf meine Aktivitäten hier in Paeroa eingehen.

Diese Malereien auf meinen Armen stammen von meiner lieben Freundin Mel und nicht nur, dass sie ganz wunderbar ausschauen es ist auch fantastisch, dass sie das kann und warum sie es so gerne macht. Immer wenn sie einen stressigen Tag hat oder mal eben schnell eine Auszeit braucht, um ein wenig herunter zu kommen oder zu entspannen malt sie gerne. Das hat sie mir am Children´s Day im Carehouse erzählt, als sie den Kindern mal eben so im 5 Minuten Takt die schönsten Gesichtsmalereien aufgepinselt hat. Ich habe eine Weile daneben gesessen und konnte dabei herrlich abschalten und entspannen. Das merke ich daran, dass ich ein wohliges Kribbeln am ganzen Körper spüre und irgendwie in mir selbst schwebe. Hört sich komisch an, ich weiß, ist aber so und ich liebe dieses Gefühl. Denn meine Denkmaschine rotiert mal nicht unentwegt und fragt sich, ob dieses richtig ist oder jenes zu tun ist, weil es vielleicht nötig ist oder jemandem Gefallen könnten.

Es ist mal ein Moment ausschließlich für mich. Und mit der Zeit habe ich gelernt, wann das am besten gelingt oder ich es bewusst hervorrufen kann.

Zum ersten Mal habe ich das festgestellt, als ich zum Friseur gegangen bin und ich dort auf dem Stuhl saß und die Friseurin anfing mir durch die Haare zu wuschteln und dann mit der Schere anfing zu schneiden und das ganze ohne groß dabei zu reden. Ich saß dort auf diesem Stuhl und war förmlich am vibrieren so wohlig entspannt war ich am ganzen Körper. Ich hatte Mühe nicht einzuschlafen und fand es sehr schade das nach knapp 20 Minuten nicht mehr Haare auf meinem Kopf waren, die etwas Pflege und Schnitt benötigten.

Aber ich war begeistert und hab mich fortan immer auf den Friseurbesuch gefreut und auch immer die gleiche Friseurin gebucht. Die Wissenschaft hat auch einen ganz tollen Namen für dieses Phänomen gefunden, die nennt das dann ganz hochtrabend ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response) und mittlerweile gibt es eine ganze Menge youtube Kanäle die sich diesem Thema widmen und deren Betreiber ins Mikrofon flüstern, Haare schneiden, Bilder malen und dabei das Kratzen mit dem Stift aufnehmen oder dieses grünen Blumengesteck-Halter mit einem scharfen Messer zerschneiden und dieses Geräusch dabei aufnehmen. Eigentlich ist für jeden etwas dabei, aber manche Kanäle driften auch ein bisschen mehr am Thema vorbei seid es so eine Art Trend geworden ist. Na ja, wer möchte kann ja mal schauen, ansonsten wieder zurück zu Neuseeland.

Hier habe ich die letzten 2 Wochen bei gutem Wetter damit verbracht im Dunkeln oftmals noch eine Stunde draußen umher zu spazieren. Es ist einfach wunderbar den klaren Sternenhimmel über sich zu haben und neben den tausenden unzähligen Sternen, die man hier sehr gut sehen kann auch die Umrisse von Hügeln und Bäumen zu beobachten und den Vögel- Geräuschen zu lauschen, die des Nachts sehr aktiv sind.

Es mag unglaublich langweilig klingen für manchen von Euch, aber das gehört für mich zu den schönsten Dingen überhaupt hier. Auch am Tage schaue ich sehr oft einfach mal 10 Minuten die Hügel hier an und kann mich einfach daran freuen, so als wären sie magisch oder etwas ganz Besonderes wäre darin zu sehen.

In Deutschland haben wir natürlich auch schöne Platze und herrliche Natur und dennoch habe ich festgestellt, dass es für mich einen Unterschied gibt, den ich nicht wirklich erklären kann. Vom Gefühl her einfach und von dem was es mit mir und meinem Wohlbefinden anstellt.

Leider ist meine Mobile-Kamera nicht so gut, dass ich den Sternenhimmel fotografieren kann oder besser Bilder vom Mond oder den Hügeln bei Nacht hinbekomme, aber immerhin ist es mir vielleicht Gelungen einen kleinen Eindruck davon zu vermitteln.

Auch füge ich dann und wann mal ein scheinbar total langweiliges oder unsinniges Bild in den Blog hier ein, wie zum Beispiel dieses Mal das Bild auf dem ich vor Sabinas Haustür meine Beine und Schuhe fotografiere. Das mache ich durchaus bewusst und vielleicht auch ein bisschen mehr für mich, denn das sind genau die Momente, in denen ich da sitze gerade meine Schuhe angezogen habe und dabei ein bisschen über meine Erlebnisse nachdenke oder mir bewusst mache, dass ich jetzt gerade an dem für mich schönsten Ort der Erde bin und mir das auch aktiv ins Bewusstsein rufe und wenn ich dann später mal wieder daran denke oder das Bild sehe, dann ist es ein bisschen wie eine Zeitreise für mich und viele der Emotionen und Eindrücke sind für einen Moment wieder da, es ist sozusagen ein starkes „Ankerbild“ für mich.

Nun ja, nachdem ich nun doch etwas ausführlicher über meine Befindlichkeiten gesprochen habe kommen wir doch zum vorletzten Ereignis bevor ich Euch ins Coromandel entführe.

Ich bin ja ein Baumkuschler der ersten Klasse und liebe jedwede Art von Bäumen und je größer sie sind, um so besser finde ich sie auch. Und ja ich umarme sie auch und finde es sind ganz tolle Lebewesen, die mich besonders faszinieren.

Auf Eriks Grundstück wachsen vom Nachbargrundstück her einige große Eichenäste herüber und die wollte er gerne entfernen, damit die Vielzahl an Eicheln sein Garagendach nicht wieder ganz so schnell verrotten lassen, die haben sich nämlich auf dem Flachdach nebst Blättern gesammelt und das Wasser hat sich dann dort gesammelt und ist nicht mehr abgeflossen und über die Jahre ging es dann durch Rostlöcher auch ins Holz und drum war diese Garage auch so unansehnlich und vergammelt.

Im Übrigen wachsen hier die Eichen rund 5-mal so schnell wie bei uns und sind von der Holzqualität auch lange nicht so gut wie unsere deutsche Eiche. Dadurch, dass es hier in Neuseeland so warm und nass ist…wachsen die Eichen eben besonders schnell und dadurch ist das Holz sagen wir mal weicher. Und wenn man daraus zum Beispiel Bretter macht, dann verbiegen die sich ruck zuck und sind nicht wirklich zum verbauen geeignet. Drum ist hier eine Eiche, die aussieht als wäre sie wie bei uns 500 Jahre alt allenfalls 100 Jahre. Anfangs war ich erstaunt wie viele alte tolle Eichene s hier gibt, aber die tun im Prinzip nur so 😉

Na ja also wegen der Garagendach Situation habe ich dann Erik trotz meiner Baumliebe angeboten im zu helfen, dieser überstehenden Äste abzuschneiden. Ich habe es zwar lange nicht mehr gemacht, aber ich hatte durchaus mal wieder Lust in Bäumen herum zu klettern.

Von unten sah das ja auch alles ganz einfach aus und Erik hat mich auch mit einem Kletterharnisch aus seiner kurzen Karriere als Schornsteinfeger versorgt, aber als ich dann die Leiter an den Baum gestellt habe und am Ende angelangt war, dachte ich dann doch im ersten Moment: „Alter Falter, kannst Du nicht mal Deine Klappe halten und musst immer gleich hier schreien, Chris“ Nach einem Blick nach unten wackelte dann auch ein bisschen mein linkes Bein, so als verwandeln sich meine Muskeln mal spontan in Waldmeister Götterspeise. Ich schaue also nach oben und sehe da nicht wirklich viel zum Festhalten in meiner Nähe und der nächste Ast ist auch noch ein gutes Stück von mir entfernt, so dass ich die Leiter doch weiter emporsteigen muss und mich derweil mit den Händen am Stamm weiterhangeln muss. Das war der Moment, wo ich mein Herz hinter der Stirn hab pochen hören…in etwa so wie bei einem Tom & Jerry Cartoon in dem die Zeichner das Herz aus der Brust rauszeichnen und wild schlagen lassen. Einen Augenblick habe ich auch aufgeben wollen und Erik schon mit einem angefangen, aber nicht beendeten Satz ein: „Erik, ich bin mir doch nicht sicher, ob…“ und dann hab ich einfach mal 2 Minuten in der Position verharrt und mir einfach den Boden angeschaut…jaja es heißt ja so oft bloß nicht nach unten schauen, aber genau das hat mir geholfen, denn ich habe ein Gefühl für die Höhe entwickelt und das es ja gar nicht sooo hoch ist, wie mein Geist mir erstmal angesagt hat. Das war mit 14 beim Hausbau bei meiner Cousine Tina im Hunsrück genauso. Als wir das Dach aufgeschlagen haben, hab ich am ersten Tag auch am Dach geklebt wie kein schöner Morgen und immer eine Hand an einem starken Balken oder an einer großen Latte gehabt und mich Zentimeterweise fast kriechend auf dem Dach fortbewegt, bis ich dann am zweiten Tag schon etwas mutiger und fixer unterwegs gewesen bin und am dritten Tag war es so als wäre ich auf dem Dach geboren und bin darum gestiefelt als würde ich einen Spaziergang machen.

Nur eins kann ich selbst mit festem Boden unter den Füssen heute noch nicht, bei Regen oder Schnee in den Himmel schauen, wenn da die Regenfäden oder Schneeflocken dicht an dicht vom Himmel auf mein Sichtfeld prasseln, dann kippe ich ganz schnell um und mir wird sogar schwummrig dabei. Und habe ich auch immer gerne zumindest eine Hand frei, um im Fall der Fälle wenigstens probieren zu können mich irgendwo festzuhalten.

Nun ja, ich habe mich nach diesen 2 Minuten also entschlossen, weiterzumachen und bin in den Baum geklettert, zwar weiterhin mit sichtlich klopfendem Herzen, aber Schritt für Schritt immer ein bisschen weiter und so habe ich dann auch ein sicheres Plätzchen, neben dem Ast gefunden der nun abgesägt werden sollte. Am Seil habe ich den elektrischen Fuchsschwanz hochgezogen (Motorsägen mag ich einfach nicht so gerne) und dann ging es auch gleich ans Werk. Zwar schlackerte mein rechtes Bein etwas, ob der komischen Haltung und ungewohnten Haltung, aber ich bin drangeblieben, zwischendurch hab ich zwar ein, zweimal tief durchgeatmet und auch meinem Arm mal eine Pause gegönnt, aber nach etwa 10 Minuten hatte ich den dicken Ast durch und Erik hatte ein Dach auf dem zukünftig keine Blätter und Eicheln mehr zu finden sind.

Tja und als ich dann wieder vom Baum heruntergestiegen bin, war ich dann doch so stolz auf mich, diese Furcht aktiv überwunden zu haben, dass ich in diesem Moment zu jeder Herausforderung angetreten wäre.

Und da das also so gut geklappt hat, hat Erik mich dann auch gleich gefragt, ob ich nicht hinter dem Wohnhaus alle vom Nachbarn überhängenden Äste von den Eichen wegschneiden könnte und da bin ich dann natürlich auch gleich ans Werk gegangen. Auch hier hatte ich zwar wieder ein, zwei Momente, wo ich dachte: “Wie soll das nur gehen“.

Aber immer, wenn der Ast dann zu Boden ging, war alles ein Klacks. Nur bei 2 dicken Ästen habe ich gesagt, nein das mache ich nicht, das fühlt sich zu unsicher für mich an und ich sehe keine Möglichkeit wie ich da, ohne leuchtsinnig zu werden, den Ast abschneiden kann.

Da ist dann Erik hochgeklettert und hat mir gezeigt, dass es doch Möglich ist, auch ohne Leichtsinnig zu werden. Und so war die ganze Aktion dann ein wunderbares Beispiel für gelungene Teamarbeit und zum anderen, wie verschieden die Menschen gleiche Dingen und Gegebenheiten betrachten und Möglichkeiten darin entdecken. Nachdem Erik da oben stand und den Ast absägte, war mir völlig klar, wie auch ich das hätte anstellen können. Und Erik wiederum, wollte anfangs gar nicht wirklich auf die Bäume raufsteigen und an Ihnen rumschneiden, weil er es für unmöglich hielt mit einem Akku betriebenen Elektro-Fuchsschwanz dicke Eichenäste bzw. fast Stämme durchzuschneiden.



Aber nachdem er gesehen hat wie es doch in relativ guter Zeit zu machen war…da ging es dann halt los…hier den Ast noch und da ist der noch im Weg.

Ich bin nun beileibe nicht der beste Teamarbeiter, weil ich doch recht lange brauche mit neuen Menschen klar zu kommen, aber da Erik und ich uns eh ganz ähnlich sind hat das eben hervorragend geklappt und wir haben uns bei dieser Aufgabe eben auch hervorragend ergänzt.

Tja, und danach habe ich dann 2 Tage damit verbracht, Äste und Stämme kleinzuschneiden und aufzustapeln oder auf den Hänger zu laden, also das ganze wieder aufzuräumen und ansehnlich zu machen. Und ich hätte es nicht gedacht, dass die paar Äste so viele Blätter und Gezweigs ergeben und sogar eine ordentliche Menge an Brennholz abwerfen.

Ich habe mich zwar bei den Bäumen entschuldigt, dass ich Ihnen einfach mal eben ein paar gesunde Äste abschneide, aber trotzdem habe ich gerade bei dieser Arbeit mit Holz und bereinigen sehr viel Spaß gehabt. Es ist auch unglaublich wie anstrengend das ist, denn Freitag mittags hab ich mir dann doch einen kleinen Hitzschlag eingefangen und ich musste um 4 die Arbeit einstellen und hab mich um 7 Abends gleich ins Bett gelegt, weil mir ein bisschen übel und flau war und mein Kreislauf nicht so ganz wollte und das einen Tag bevor es zu meiner großen Coromandel Mission bzw. Expedition gehen sollte.

Sabina, Erik und ich sind dann einfach so verblieben, dass ich am nächsten Morgen kurz Bescheid gebe, ob ich einsatzfähig bin oder, ob wir es um eine Woche verschieben müssen.

Und am nächsten Morgen fühlte ich mich dann auch, um ein Vielfaches besser, zwar noch nicht wieder auf 100% Prozent, aber so, dass ich der Meinung war es in die Coromandel wagen zu können.

Und so haben wir Eriks Gelände-Toyota ruckzuck mit Zelt, Campingkoche rund ein paar Klamotten vollgepackt und sind dann samstags morgens ins Coromandel aufgebrochen.

Es ist schon erstaunlich wie wenig die beiden für ein Wochenendtrip mit Übernachtung brauchen.

Ich habe schon schmunzeln müssen, wenn ich an einige meiner Freunde in Deutschland gedacht habe und was die gleich so alles mitschleppen, wenn es auch bloß für einen Nacht ist. Aber dazu lasse ich mich nun nicht weiter aus, denn jeder braucht das eben genauso, wie er das auch macht.

Und da ich auch zu denen gehöre, die mit sehr wenig auskommen, war ich einfach positiv überrascht.

Aber bevor wir nun auf meinen persönlichen Wunsch ins Coromandel aufbrechen, noch ein paar Zeilen zu dem Warum.

Und ich habe auch lange überlegt, ob ich das überhaupt schreiben möchte oder ob es notwendig ist. Nein, notwendig ist es bestimmt nicht, aber da dies hier ja doch ein sehr persönlicher Blog über mich ist gehört es für mich einfach auch hierhin.

Schließlich ist das ja neben dem Wiedersehen mit Freunden, schönen Orten und dem Meer hier der eigentliche Hauptgrund warum ich nun nach 10 Jahren wieder hierher zurückgekehrt bin. Es galt etwas zu erledigen oder zumindest einen Versuch zu machen etwas abzuschließen, was schon sehr lange offen sozusagen mit einem losen Ende mit mir einher gegangen ist.

Und dazu müssen wir mal eben einen kurzen Exkurs in die Zeit von vor 10 Jahren machen, als ich hier mein work & travel Jahr verbracht habe und durch Zufall das erste Mal in dieses Stück Coromandel geraten bin.

Und das kam so….

Vor 10 Jahre führte ein Deutscher Studienkollege hier in Paeroa ein IT-Unternehmen und Erik war damals ein Kunde von Ihm, der etwas Unterstützung in seinem Office brauchte, um nach den Computern zu sehen und die Technik seiner Strassenvermessungswagen auf dem Stand und Einsatzfähig zu halten. Und diese Unterstützung war zu jener Zeit eben ich - so haben Erik und ich uns überhaupt erst kennengelernt.

Ich habe damals mit meinem Studienkollegen Dennis hier in Paeroa zusammengewohnt und immer, wenn ich frei hatte oder am Wochenende nichts Besonderes zu tun war, hat Dennis sich auch darum bemüht mir ein bisschen Neuseeland näher zu bringen und mir schöne Orte zu zeigen.

Und so hat er dann an einem Freitag vorgeschlagen zusammen mit Regan einem weiteren Mitbewohner unserer WG, einen 2 tägigen Coromandel Trip zu machen und die Buchten von Kennedy Bay bis zur Flechter Bay abzufahren und eben die Landschaft zu genießen. Ein ordentlicher Roadtrip also mit wild campen und Bohnen in Dosen essen und damals auch noch die ein oder andere Sportzigarette im grünen zu rauchen und dabei ein kaltes Bier zu trinken. So wie das jeder ordentliche Student oder Lehrling meistens mal in jungen Jahren erlebt oder gelernt hat.

Wir sind also damals mit Dennis Offroader einem Jeep losgefahren und schon sehr bald war mir klar, wie schön das Coromandel eigentlich ist. Das liegt quasi bei Paeroa vor der Haustür und Flechter Bay ist, wenn man stetig durchfährt auch nur 3 ½ Stunden von hier entfernt. Aber mit anhalten, genießen rasten und chillen kann man da eben auch ein ganzes Wochenende draus machen.

Wir sind also von einem Ort zum anderen gefahren und haben immer ein wenig oder ein wenig länger Zeit dort verbracht und sind dann wieder ein Stück weiter.

Und als wir dann Stony Bay erreicht hatten, schlug Dennis vor, dass sie mich hier rauswerfen und ich den Coromandel Walkway 10 Kilometer entlanglaufe, bis ich sie dann in der nächsten Bucht, der Fletcher Bay auf dem Campingplatz wiedertreffen sollte. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen, schließlich liebe ich es abenteuerliche und verschlungene Pfade entlang zu laufen und dabei interessante Fotos zu schießen und mich ein bisschen wie Dr. Jones zu fühlen.

Die beiden sind da doch eher bequemer unterwegs gewesen und haben, sich die Landschaft lieber beim Fahren durchs Fenster angeschaut. Selber Schuld kann ich da nur sagen, denn die beiden haben sehr viele wunderschöne Ausblicke verpasst.

Es war zwar damals leider ein etwas regnerischer Tag, aber der Busch, der Ausblick aufs Meer und die Buchten vereint mit Wolkenformationen…einfach gigantisch und für mich unbezahlbar. Ich habe mich auch gleich irgendwie recht heimisch und verbunden gefühlt, als wäre ich hier schon immer zu Hause. Und das gesetzte Zeitfenster von 3 Stunden bis zu unserem Treffen in der Fletcher Bay schien mir viel zu kurz gesetzt, um alles ausreichend genießen zu können. Und so ging es teils sehr schnellen Schrittes voran, aber ich war überglücklich überhaupt diese Möglichkeit zu haben und all dies sehen zu dürfen.

Da es ja nun ein überraschendes und spontanes Abenteuer war, hatte ich auch gar keine Ahnung was es hier so alles zu finden gab und so bin ich mehrmals um eine Ecke gebogen und mir ist auch die Kinnlade gefallen, so überwältigend war der Anblick. Und trotz der knappen Zeit habe ich doch einige Fotos geschossen.

Tja, und so kam es dann auch, dass ich nach 2 Dritteln der Strecke recht von mir hinter einem Busch einen Pfad entdeckt habe. Damals stand da noch kein Schild und wusste nicht so wirklich, ob das etwas Offizielles ist oder bloß einer der vielen Pfade an dem das Department of Conservation seine Ratten- und Possum-Fallen aufgestellt hat. Aber wie das so ist mit dem Bauchgefühl, der Neugier oder einfach der inneren Stimme, die manchmal einfach sagt: „Ja geh da mal hin, schau was es damit auf sich hat“!

Und so bin ich damals diesen Pfad entlang getippelt um nach etwa 150 Metern plötzlich auf einer Klippe zu landen hoch über dem Meer mit einem herrlichen Ausblick. Das Wetter war damals wie gesagt regnerisch und windig, aber ich erinnere mich noch genau also ich da auf der Klippe ankam und sah wohin mich dieser Pfad gebracht hatte, wie aufgeregt und überwältig ich gewesen bin.

Und da ist immer alles ohne Geländer, somit war ich dann doch auch etwas vorsichtig, denn da geht es schon sehr tief runter.

Aber es war herrlich und noch herrlicher, dass ich diesen Platz in diesem Augenblick für mich allein hatte. Komischerweise habe ich damals keine Bilder da oben gemacht, völlig ungewöhnlich und unüblich für mich und ich kann auch gar nicht sagen warum. Mir aus heutiger Sich völlig unverständlich, aber so ist es nun mal.

Ich erinnere mich dann an einen Augenblick als ich recht nah am Rande der Klippe stand und dann so in den Horizont des Meeres blicke. In dem Moment fühlte ich mich irgendwie wie ein König der mit wehendem Umhang und mit seinem Schwert in der Hand vor sich auf den Boden gestützt in die Ferne blickt. Und just in diesem Moment durchzuckte mich etwas – für mich fühlte es sich in diesem Moment so an, als werde ich von einem unsichtbaren Energieblitz getroffen und bildlich gesprochen entfalteten sich in diesem Moment zwei unsichtbare Flügel auf meinem Rücken und flatterten zwei, dreimal ausgebreitet, so als wollten sie nach ur-langer Zeit des „Schlafens“ sich mal wieder Strecken und daran erinnern, dass es sie ja auch noch gibt. Das war für mich ein sehr magischer und zugleich unwirklicher Moment und ich bin aus dieser Gedankenversunkenheit auch erst wiederaufgetaucht, als plötzlich ein Pärchen auf der Klippe auftauchte und auch mal die Aussicht genießen wollte. Nach einem kurzen und knappen „hi“ bin ich dann auch wieder auf den Hauptweg zurückgekehrt, um zum einen meinen Weg fortzusetzen und zum anderen, um nicht einen Smalltalk mit den beiden Personen führen zu müssen. Aber irgendetwas fühlte sich in mir seit dieser Zeit irgendwie anders an. Ich konnte es nie erklären und auch heute kann ich das nur sehr wenig. Ich weiß nur es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde die sind unerklärlich und für jemanden der es selber nicht erlebt hat, ist es nur zu gerne esoterischer Quark oder ein Werk der Fantasie desjenigen der es (meint) erlebt (zu) hat / (haben).

Ich war mir dessen auch lange nicht bewusst und eher ein Skeptiker, aber seitdem ich 2012 in Berlin mal fast von einer S-Bahn überfahren wurde sehe ich die Dinge mit völlig anderen Augen und bin vielen Dingen auch aufgeschlossener gegenüber. Damals bin ich nachts um 12 von Kreuzberg zurück in mein damaliges Zimmer im Prenzlauer Berg gegangen. Tief in Gedanken versunken und mit meiner Musik auf den Ohren, still in mich hineindiskutierend, weil ich eine kleine Meinungsverschiedenheit mit meiner angehenden Freundin hatte und deshalb dann eben doch zu dieser Zeit wieder nach Hause gestiefelt bin. Schnellen Schrittes und den Blick zu Boden gesenkt und munter mit meinem inneren Dialog diskutierend.

Und am Alexanderplatz bei der Weltzeituhr an der auch die Gleise der S-Bahnen vorbeiführen blieb ich auf einmal mitten im schnellen Schritt wie von einem Eisstrahler getroffen wie angewurzelt stehen und wurde aus meinen Gedanken herausgerissen und gerade als ich dachte: „Was zum Geier ist denn nun los...“? und ich meinen Blick aufrichtete um mich umzuschauen...zuerst nach links…als just in diesem Moment in Zeitlupe keine 10 Zentimeter vor meinen Augen der S-Bahnwagen an mir vorbeifuhr.

Ich sehe heute noch den S-Bahnführer vor mir, wie er mich mit großen Augen und offenen Mund anschaut und mir - immer noch alles in Zeitlupe – zunickt und ich dann völlig perplex zurücknicke und als dann der halbe erste Wagen an mir vorbei ist plötzlich alles wieder in Normalgeschwindigkeit weiterläuft nur ich eben noch wie angewurzelt da stehe und denke: „Ach Du lieber Himmel wo kommt die S-Bahn denn her“ und den offenen Mund immer noch nicht zukriege.

Und dann als sie vorbei ist gehorcht mir mein Körper auch so nach und nach wieder und ich überlege noch, wieso der Schaffner mich gegrüßt hat und nicht wie üblich wie wild gebimmelt hat und anfing zu schimpfen, wie das sonst eher so üblich ist, wenn man hier in Berlin nicht aufpasst oder meint noch schnell vor der S-Bahn über die Gleise laufen zu müssen, weil man ja sonst eventuell etwas warten muss.

Dann dämmert es mir so langsam was hier überhaupt gerade abgegangen ist und das irgendetwas zwischen Himmel und Erde mich gerade davor bewahrt hat von einer Berliner S-Bahn in drei Teile zerlegt zu werden. Und eins weiß ich sicher, es war nicht mein peripheres Sehen oder eine unbewusste Wahrnehmung und dann bin ich selber halt stehengeblieben…nein, das kann ich sicher ausschließen und ich habe lange nach logischen und wissenschaftlichen Erklärungen für dieses Ereignis gesucht und letztendlich bin ich einfach zu dem Schluss gekommen, das es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die einfach geschehen und für die es keine Erklärung gibt und auch irgendwie keine Erklärung braucht, aber sie sind wunderhaft, wunderlich und wunderbar zugleich. Und es hat mich darin bestärkt mehr auf meine innere Stimme oder mein Gefühl zu hören. Auf die Sinne, die einfach da sind und mich leiten ohne, dass ich es erklären kann. Das fällt nämlich für mich zumindest in die gleiche Kategorie.

Und ich bin so oder so ein übersensibler Mensch und ich habe oft Zweifel, ob denn ich nun spinne oder der Rest der Welt, wenn ein Erlebnis nicht so recht in das Bild passt, was mir vertraut ist oder als gegeben so beigebracht wurde.

Vieles ist für mich schwieriger im persönlichen und zwischenmenschlichen Bereich und im Umgang mit anderen, aber auf der anderen Seite ist es auch ein unglaubliches Talent, diese Eigenschaft oder Einsicht zu haben. Es ist manchmal ein bisschen Fluch und Segen zugleich, aber es ist auch spannend zu ergründen und mehr darüber herauszufinden und darauf zu vertrauen.

Auch weiß ich noch nicht wirklich wie und wofür ich das bewusst einsetzen könnte, aber das ist auch wurscht oder gar nicht Sinn der Sache, denn vielleicht ist es eben einfach ein für mich gedachter persönlicher „Begleiter“ der mich zum gegebenen Zeitpunkt schon Wissen lässt wofür es gut oder da ist.

Und das Universum passt ja auch auf mich auf, damit ich meine Bestimmung erfüllen kann, wie mich dieses Ereignis gelehrt hat.

Für manche Leser mag das vollkommener Quark sein und das ist auch völlig in Ordnung, denn die Landkarte eines Menschen ist nicht das Territorium und wir sind zudem alle völlig verschieden.

Vielleicht haben wir auch einfach Alle verschiedene Sender/Empfänger eingestellt und sehen und erleben, die vielen Ebenen und Facetten dieser Welt eben einfach anders bzw. nehmen einfach unterschiedliche Gegebenheiten und Energien wahr. Da gibt es kein richtig oder falsch.

Und vielleicht gibt es ja auch etwas in Eurem Leben, das für Euch unerklärlich ist. Das Ihr für Euch behalten habt, weil Ihr dachtet…da lacht mich doch jeder aus. Oder es als absolut unmöglich in die gedankliche „Gibt’s ja gar nicht Ecke“ geschoben habt.

Wie auch immer so ist es mir ergangen und so hat auch im Nachhinein das Erlebnis auf der Klippe im Coromandel eine ganz andere Bedeutung für mich bekommen. Dort ist etwas mit mir passiert. Ich habe bis heute keine Ahnung was genau, aber seit 10 Jahren hat eine Stimme quasi immer wieder meine Aufmerksamkeit auf „meine“ Insel gelenkt.

Da ein völlig normales Leben in Deutschland nicht funktioniert hat und ich mich nie auf ein „normales“ Leben in Deutschland einlassen konnte, weil irgendwo tief in mir drin die Stimme gesagt hat: „Hey, Du musst zurück nach Neuseeland…“, ohne mir wirklich mitzuteilen wieso überhaupt.

Und so hing ich die letzten 10 Jahre zwischen den Welten und in jeder gibt es etwas unglaublich Wichtiges für mich, dass mir die Welt bedeutet, aber es ist nicht Möglich zwei Welten gleichzeitig gebührlich und ausreichend würdigend in seinem Leben zu haben. Zumindest nicht so, wie ich es lange probiert habe. Das hat vor allem mich und meine Umwelt an die Grenzen bis zum Zusammenbruch gebracht.

Wie viele Menschen, die es gut mit mir meinten wollten mich zum Psycho Doc schicken, damit ich „happy pills“ bekomme und ins Leben zurückfinde und ich habe lange wiederstanden, weil ich innerlich ganz genau wusste; „Nein, so ist es nicht“.

Aber auf der anderen Seite hatte ich auch keinen Beleg dafür und so bin ich dann irgendwann mal zu meiner spanischen Hausärztin in Berlin, die ein Vorbild für viele unserer Deutschen Ärzte ist, weil sei Ihren Beruf wirklich lebt und als Berufung sieht. Auch zu Ihr bin ich eher durch einen Zufall gekommen und sie schert es überhaupt nicht wie viele Patienten draußen warten und nimmst sich Zeit für den Menschen und was Ihn beschäftig und bewegt und als ich dann mal wegen einer Erkältung bei Ihr war, hab ich gedacht…die ist gut, die hat etwas, dass ich nicht beschreiben kann und hab mir ein Herz gefasst und mal gefragt, was sie denn über Depressionen denkt. So ganz unschuldig, als würde ich bloß für den berühmten „Freunde“ fragen und da hat sie sich hingesetzt und mal etwas nachgehakt und am Ende habe ich 90 Minuten bei Ihr im Behandlungszimmer verbracht und Ihr all das erzählt was im Groben auch hier so steht.

Und sie hat mir gesagt: „Chris Du brauchst keine Tabletten, Du bist nicht krank Du bist bloß ein Fisch im falschen Wasser“ und hat mir quasi die Rückkehr zu dieser Insel verordnet. Alleine um schon u schauen, wie sie sich nun verändert hat und wie ich nach dieser langen Zeit dazu stehe.

Und um eben in der Coromandel herauszufinden, was mit mir da passiert ist bzw. einen wie auch immer gearteten Abschluss oder Frieden dort zu machen zu finden oder oder…

Für mich hat es sich über die Jahre immer so angefühlt als habe ich einen Teil von mir, da „ausversehen“ vergessen oder zurückgelassen. Für mich war es immer meine Neugier, die Freude oder Fröhlichkeit.

Und die wollte ich natürlich zurückhaben, aber wie dazu hatte ich keinerlei Vorstellungen oder Ideen. Schließlich hatte ich ja auch nicht auf der Klippe danach gefragt, dass es „blitzdingselt“ und ich mich dann irgendwie anders fühle und lange gedacht ich spinne bloß.

Aber als dann auch immer mehr in meinem Leben schief ging, so sehr ich auch Energie darauf verwandte alles zusammenzuhalten und gut zu machen…was aber nicht funktionierte und eher ins Gegenteil umschlug. Da war es dann eben soweit mich dieser Mission Coromandel zu widmen.

Keine Ausfluchten mehr, kein Pardon – schau Dir das an und stelle Dich dem.

Und das war eine große Herausforderung, nach all den Jahren fürchtete ich schon den langen Flug, dann wie haben sich meine Bekannten verändert. Freuen die sich überhaupt und und und…also so typische Fragen, um vielleicht auch Gründe zu finden die Angst zu füttern und eben aus der gewohnten Komfortzone auszubrechen.

Und ich möchte an dieser Stelle nochmals all jenen Danken, die mich immer darin bestärkt haben es zu tun und meine Zweifel über Bord zu werfen. Ihr habt einen grundlegenden Anteil, daran, dass ich den Mut gefunden habe es herauszufinden. DANKS!

Nun ja, und als ich dann hier in Neuseeland nach dem ankommen so richtig angekommen bin, habe ich mir natürlich die Frage gestellt. Na wie probiere ich denn nun in der Coromandel, da auf der Klippe das wieder zu bekommen, was ich meine verloren zu haben.

Und so habe ich eine liebe Freundin in Berlin gefragt, die sich im schamanischen Bereich sehr gut auskennt. Ja, ich weiß für viele wieder so ein komisches Zeugs, aber meine 7 Sinne haben mir gesagt. Frag doch da einfach mal nach und so habe ich das auch gemacht. Ich habe Ihr auf Facebook diese Geschichte erzählt und nach einer kurzen Rückmeldung, wo ich schon dachte.

„Ah ja, ok war wohl doch nicht so der richtige Ansatz, kam dann einen Tag später nochmal eine etwas längere Nachricht mit dem Hinweis, dass ich vor 10 Jahren vielleicht gar nicht verloren habe, sondern etwas dazu bekommen habe. Und zwar etwas was gar nicht mir oder zu mir gehört.

Sozusagen einen Seelenanteil, der da rumgeschwirrt ist und vielleicht jemandem gehört hat, der da heruntergesprungen ist.

Auf diese Idee war ich noch gar nicht gekommen, aber immerhin auch mal ein Ansatz, um überhaupt etwas zu probieren und weiter zu kommen.

Also habe ich gefragt, was ich denn da machen kann und bekam im Folgenden auch dazu von Ihr eine Antwort über das was und wie bekommen.

Nur war das selbst für mich etwas zu kompliziert in dem Moment, denn ich bin nun nicht der Beste, wenn es darum geht zur Ruhe zu kommen und zu meditieren.

Aber sie hat mir angeboten Ihr zu schreiben, wenn es soweit ist und ich da hinreise und sofern es möglich ist, würde sie mich von Deutschland aus dabei unterstützen.

Und alleine das hat mir geholfen, damit einfacher und leichter umzugehen als wenn ich so völlig ohne Ahnung wieder zu diesem Ort gehe und am Ende vielleicht gefühlt noch etwas vermisse oder was auch sonst immer noch da hätte passieren können.

Über das ganz genaue Prozedere möchte ich mich hier gar nicht auslassen, denn das gehört hier einfach nicht hin meinem Gefühl nach und ist etwas Besonderes oder gar Heiliges ohne es auf eine religiöse Stufe zu heben.

Wichtig war für mich aber seit ich hier hergeflogen bin, dass ich diesen Schutzengel an der Kette mitnehme der noch kurz vor dem Beginn meiner Reise zu mir gekommen ist und, dass ich meinen Indiana Jones Hut wie damals dabeihaben muss, sowie meine graue, schon fast auseinanderfallende Abenteurerjacke.

Und ja da oben habe ich sie auch getragen, obwohl es diesmal sehr warm war und ich in den 90 Minuten, die ich dieses Mal da oben verbracht habe ziemlich geschwitzt habe und nicht nur wegen dieser Mission.

Aber gut gehen wir zurück zum Anfang dieser neuerlichen Reise, aber solange wird es dann auch wirklich nicht mehr werden, denn nachdem wir das Auto gepackt haben sind wir also um 10 Uhr morgens losgefahren ins Coromandel, haben bei dem ein oder anderen Aussichtspunkt angehalten und ich natürlich fleißig Bilder geschossen, um dann in der kleinen und letzten Stadt Colville fürs Mittagessen und einen Kaffee anzuhalten. Colville ist nach „Coromandel Town“ wirklich sozusagen die letzte Bastion, bevor es dann in die Wildnis geht, wo man weder etwas kaufen noch bestellen kann und sei es bloß die vergessene Angelschnur oder die Rolle Klopapier.

Tja, und nach diesem kurzen aber schönen Aufenthalt ging es für mich dann auch gleich zur Stony Bay wo Erik mich dann abgesetzt hat und ich quasi meinen kleinen „Schicksalsweg“ begonnen habe.

Zuerst war ich mir nicht sicher, ob ich richtig bin, weil ich wenig Erinnerung an den Start hatte und so tippelte ich doch ein wenig verunsichert, die ersten 20 Minuten den Pfad entlang. Aber so nach und nach bröckelte der Erinnerungsstaub von den Hirnwindungen und ich wusste ich bin auf dem richtigen Weg.

Ich hatte nur keinen blassen Schimmer mehr, wann denn nun die Stelle kommt an der er es nach rechts auf die Klippe geht. Und es ging mir mindestens dreimal so, dass mein Herz höher Schlug und ich dachte: „Nun ist es also soweit“!

Und dann war es doch wieder nur ein Pfad für die Wildhüter um Fallen auszulegen. Trotz des recht sonnigen Wetters sind mir auf der ganzen Strecke höchsten 5 Paare oder 4er Gruppen an Menschen begegnet, was ich natürlich schonmal gut fand, weil so meine Chancen recht gut standen, da oben meine Mission zu erledigen.

Ich rechnete damit, wie in meiner Erinnerung irgendwann hinter einem Busch einen Pfad zu finden, den ich wiedererkenne und eben weiß da kommt die Klippe.

Aber weit gefehlt heute stehen da zwei Hinweisschilder mit „Lookout“ und ein wesentlich längerer Pfad als in meiner Erinnerung führt auf die Klippe hinauf. Und dennoch war es die richtige. Dort angekommen machte auch just ein Pärchen mit Kleinkind vor diesem Pfad rast und ich dachte schon: „Na prima, das kann länger dauern ich bin wohl nicht alleine“.

Aber die sind wohl schon da oben gewesen und haben einfach nochmal durchgeamtet bevor sie weitergingen und so bin ich also dort oben angekommen und war völlig für mich alleine.

Etwas anders hatte ich das zwar schon in Erinnerung, aber als ich vorsichtig Richtung Klippenrand geschlichen bin, habe ich unten im Wasser die Felsebene sofort wiedererkannt und wusste hier bin ich richtig.

Tja, und da stand ich dann und dachte:“ Ja, nun hier biste also und jetzt…?!!!“

Und hab mich erstmal entschlossen ein paar Fotos zu schießen und irgendwie anzukommen. Mich so wie bei den Astbeschneidungen mal in den Ort einzufühlen. Und so bin ich dann erstmal 15 Minuten hin und her…ein Bild hier, eine Panoramaaufnahme dort. Ein Video wie ich den Ort erreich etc.

Und dann dachte ich, so nun ist es also soweit: „Hier bin ich und hab immer noch keine Ahnung was ich nun am besten anstelle“

Drum habe ich mich hingesetzt und mir noch einmal die Nachrichten von meiner Berliner Freundin angeschaut und wie ich am besten vorgehe.

Ich habe mich also da oben hingesetzt und die nächsten 50 Minuten damit verbracht mich wieder ins sagen wir mal rechte Bild zu rücken. Und zwischendurch war ich mir auch nicht sicher, ob das alles so richtig ist und hab nach einem Versuch noch einen gemacht, aber immer fühlte ich hinterher keine Veränderung und ich zweifelte wieder, ob ich das alles richtig mache oder ob ich mir das alles überhaupt nur eingebildet habe und nach 10 Jahre einfach auf den Spuren meiner persönlichen Spinnereien wandle. Und trotzdem ich habe mein Bestes gegeben und auch wenn ich hier kein erneutes „blitzgedingsel“ hatte.

Fünf Minuten, nachdem ich den zweiten Versuch gestartet hatte und mit mir übereinkam, dass das nun alles ist was ich aus mir heraus zu tun vermag, da kam kurz ein Vogel herbei geflogen und zwitscherte mich vergnügt an umflatterte zweimal mein Sichtfeld und verschwand dann auf nimmer wiedersehen.

Und in den ganzen 90 Minuten da oben, habe ich nur stetige Begleitung von Ameisen und dann und wann ein paar Wespen gehabt. Ok den Schmetterling nicht zu vergessen. Aber sonst hat sich da oben auf die Klippe niemand verirrt und schon gar nicht ein Vogel, die unten im Busch den Pfad hinab in vielerlei Form und Farbe vorkommen.

Und das war für mich zumindest das Zeichen, das irgendwas „angekommen“ sein musste und wenn es auch nur die Anerkennung für meine Mühen sein sollte.

Ich weiß es nicht, ich kann also bis heute nicht sagen, ob ich die Mission Coromandel erfolgreich abgeschlossen habe, geschweige denn ob ich etwas wiedererlangt habe was mir fehlte oder etwas losgeworden bin was nicht zu mir gehörte.

Das wird wahrscheinlich wieder mal die Zeit zeigen und was mit mir im Leben anderswo so geschieht in der Zukunft.

Ich habe dann noch eine gute halbe Stunde diese Klippe genossen und einfach diesen Ort und das ich wieder hier sein darf genossen und mich dann etwas schweren Herzen doch losgerissen, weil ich noch etwas Wegstrecke vor mir hatte und noch weiter schöne Bilder machen wollte.

Eine weiter Stunde später bin ich dann auch an einem weiteren Lieblingsort, der Poley Bay angekommen und da fing es dann schon an ein wenig Richtung Dämmerung zu gehen und das Licht für gute Bilder schwand. Das war dann auch der Moment für mich zu sagen. Ich genieße nun in Ruhe die Poley Bay mache zwar weiter hier und da auf meinem Weg zur Fletcher Bay meine Bilder.

Aber morgen früh stehe ich einfach zeitig auf und laufe noch einmal zur Poley Bay und mache in Ruhe nochmal, die Bilder für die ich es jetzt zu dunkel hielt.

Und so habe ich für den 10 Kilometer Coromandel Walkway dann statt der üblichen 3 Stunden mit allem Drum und Dran etwa 7 ½ Stunden gebraucht, bevor ich dann an unserem Zeltplatz direkt am Strand angekommen bin.

Kurz vor dem Ziel wäre ich auch fast noch im Gras „ertrunken“ – ja kein Witz, weil ich noch ein Foto von einem kleinen Baumüberhang übers Meer machen wollte, bin ich etwas vom Pfad abgewichen – wie so oft bei mir und dachte danach nicht daran zurückzulaufen, sondern durch die Wildnis abzukürzen, um dann gleich bei unserem Zeltplatz am Strand anzukommen und „Überraschung“ zu rufen.

Erik und Sabina waren gerade dabei Ihr Zelt aufzustellen. Vor mir war eigentlich nur grüne Wiese, aber als ich den ersten Schritt vom Überhang mit den Bäumen dahin macht e bin ich Hüfttief in einem Grasteppich eingesunken…nichts Sumpfiges oder Nasses, nein einfach ein Grasteppich mit viel Gras und Luft darunter. Das war sehr gemütlich und ich habe erstmal Lachen müssen, dass ich das als „Wildnis-Profi“ nicht gleich erkannt habe. Und so bin ich die nächsten 200 Meter durch dieses Gras gestapft als wäre es Tiefschnee in den Alpen. So war es dann auch nix mit der Überraschung, denn Erik und Sabina haben dann doch ziemlich fix jemanden mit rotem Puma Shirt ausgemacht der halb stapfen und halb rollen einen Grashügel hinab stolperte.

Und just in diesem Augenblick meiner Ankunft fing es auch zu regnen an und aus dem gemütlichen am Strand sitzen und dabei Pasta kochen wurde nichts. Das heißt Sabina hat sich ins Auto verzogen und da die nächsten 2 Stunden verbracht während Erik und ich uns einen Whisky gegönnt haben, den er extra für diese Mission eingepackt hatte und wir dabei versucht haben mit einem Mini Gaskocher 5 Liter Wasser zum kochen zu bringen, was aber nicht wirklich gelang, weil einerseits der Regen und Wind die Flamme immer wieder unbemerkt ausgepustet hat bzw. die Hitze dieses kleinen Gaskochers nicht optimal war um einen großen Schnellkochtopf mit Wasser zum Kochen zu bringen.

Sabina hat dann irgendwann auf die Nudeln verzichtet und einfach die halbe Soße so aufgegessen, während Erik und ich dann irgendwann die Nudeln in lauwarmes Wasser geschüttet haben und sie dann solange warm gehalten weich und irgendwas zwischen Gummi und teigig waren…zerkocht wäre hier wirklich das falsche Wort.

Wir haben dann einfach die restliche Soße dazu gekippt und der Hunger hats dann reingetrieben.

Das muss ich an dieser Stelle ganz klar festhalten, ein Date zu diesem Essen…das wäre definitiv schief gegangen hrhr.

Zwischenzeitlich schlug ich ja vor die zahme Ente zu erlegen und als Ersatz zuzubereiten, aber wenn schon keine Wasser auf dieser Flamme kocht, dann brät da erst recht keine Ente.

Die beiden sind dann auch recht schnell ins Zelt verschwunden und ich habe noch Stunden am Meer gestanden vom Mond 2 Tage nach dem er voll gewesen ist begleitet und die Aussicht und einfach das Meer genossen.

Ich bin dann ins Auto auf die Rückbank, aber um 2 Uhr nachts dann doch wieder aufgewacht und hab nochmal 1 ½ Stunden am Meer gestanden und einfach zugeschaut gelauscht und genossen.

Ein toller Platz dort in Fletcher Bay und an diesem Tage nur insgesamt 5 Camper da und wir fast die Einzigen an der Strand Camping Site.

Um & Uhr war ich dann wieder wach und ich habe gedacht – steh ich doch mal auf und laufe zurück zur Poley Bay und einen Sonnenaufgang krieg ich dann auch noch mit.

Und so habe ich mich dann nach einer für mich sehr kurzen Nacht doch gleich wieder aufgerafft und bin nochmal den einstündigen Weg zurückgelaufen.

Der hat sich auch voll gelohnt – einzig die Schafe haben mich irritiert, denn als die mich so früh da haben laufen sehen, dachten die wohl der Farmer kommt mit Leckerlies. Jedenfalls sind die plötzlich wirklich allesamt vor mir wie auf eine Schafautobahn den Wanderweg vor mir hergelaufen und ich habe nicht mal gebellt oder Anstalten gemacht das ich in irgendeiner Weise ein Hütehund sein könnte oder so.

Verstanden habe ich auch das bis heute nicht, aber lustig war es irgendwie schon.

Und so bin ich dann also nochmal zu meiner geliebten Poley Bay gekommen und habe auch hier gute 40 Minuten verbracht, um einfach den Ort, das Meer und die Felsen zu genießen.

Manchmal glaube ich irgendwann war ich vielleicht in der Coromandel Leuchtturmwärter oder bin auf einem der Cook Schiffe mitgefahren und dort angelandet.

Die Fernsehserie „Wind und Sterne“ und das Buch dazu über Captain Cook ist mir übrigens schon mit 12 Jahren in meinem Leben begegnet und alles hängt ja doch irgendwie miteinander zusammen.

Für mich jedenfalls irgendwie. Ich habe also nochmal 5 Stunden auf diesem Stück walkway verbracht und bin dann gegen 11 Uhr wieder am Zeltplatz gewesen, wo die beiden dann schon am Zusammenpacken waren.

Ich habe mich noch schnell unter die Dusche am Zeltplatz gehauen, weil ich schon wieder 2 Shirts durchgeschwitzt hatte und auch wenn es eiskalt war – es war die beste Dusche hier in Neuseeland. Einfach toll und unbeschreiblich.

Tja, und dann haben wir uns ganz gemütlich auf den Heimweg gemacht und ich hatte Erik gefragt, ob er über Kennedy Bay und eine bestimmte Straße zurückfahren kann.

Da steht nämlich dieses grüne Haus in der schwedisch anmuteten Landschaft, in das ich mich damals schon ganz spontan verliebt habe als ich mit Dennis und Regan dort langgefahren bin.

Ich musste einfach sehen, was daraus geworden ist oder ob es vielleicht jetzt zu kaufen ist.

Ich liebe dieses Haus – keine Ahnung warum. Aber ich mag ja auch Schweden und Norwegen sehr gerne und vielleicht komme ich ja mal dorthin und über meine Bücher darüber hinaus.

Diesmal haben wir dann in der Stadt „Coromandel Town“ gehalten, weil Erik gerne einen Kaffee trinken wollte und ich habe die Zeit genutzt mal ein paar Bilder von dem eher touristisch angehauchten Ort zu machen. Und der tolle Baum beim Café steht auch noch.

Es gibt immer wieder Dinge die trotz vieler Veränderungen noch so sind, wie sie waren und darüber freue ich mich dann doppelt…das verbindet mich dann irgendwie besonders.

Und so bin ich dann sonntags am frühen Abend wieder in Paeroa bzw. Mackaytown angekommen-

Ein bisschen Verwirrt, ein bisschen sehr müde und vor allem in mich gekehrt und das hat die letzte Woche auch so angehalten und genau deshalb war es auch stiller um mich. Aber es geht mir gut ich bin sehr dankbar das ich hier sein darf und teile es auch gerne mit Euch, selbst wenn ich diesmal nicht wirklich weiß, ob Ihr etwas damit anfangen könnt oder wollt.

Aber wenn nicht sind vielleicht wenigstens ein paar schöne Bilder dabei und dann ist es eben das was für Euch bestimmt war. Wer weiß das schon.

Ansonsten bin ich viel bei Mel und John und habe eine gute Zeit mit Ihnen. John habe ich zum Beispiel letzte Woche geholfen eine Motelwand wieder instand zu setzten und zwei Löcher zu verspachteln, die ein geistig gehandicapter 12jähriger in die Wände gehauen hat, als er einen seiner Anfälle hatte, in denen er wütend wird und die Aggression an sich oder mit Vorliebe an Autoscheiben und Wänden auslässt.

Mel und John schauen nach diesem Jungen, bis sich eine dauerhafte und gute Lösung für Ihn gefunden hat. Ich kenne den Jungen auch und er ist echt ein lieber Kerl, hat aber viel Schlechtes erlebt und ist eben dazu noch geistig sehr eingeschränkt. Jemand mit „special needs“ halt und Mel und John sind gerade auf solche Fälle spezialisiert und es ist faszinierend wie sie damit umgehen, wenn der Junge eben in diesen Modus kommt an dem er mit sich selber und seinen Gefühlen nicht mehr umgehen kann.

Es ist also kein böser Wille und rum ist es auch Ok, wenn man mal wieder hie rein Loch verspachteln muss oder ein Leihwagen getauscht werden muss, weil die Frontscheibe raus ist oder Mels Seitenfenster mit Tape vorrübergehend am Platz gehalten werden muss, bis es wieder richtig eingesetzt wird. Ich lerne da gerade sehr viel und so kommen auch die Fotos in Thames und er Mining School zustande.

Ich hatte beim Nachtbaden meine Schwimmshorts und das Handtuch auf dem Autodach vergessen und prompt vermisste ich das dann auch, allerdings das Handtuch erst am nächsten Morgen und das hat mir mein Bruder geliehen…ein outdoor extra schnelltrocknendes Mikrofaser Handtuch.

Und so habe ich dann am nächsten Morgen Mel gefragt, ob sie mich zur Wire Road bringen kann, nach dem Handtuch schauen und da war natürlich auch der Junge dabei. Das Handtuch und die Shorts haben wir glücklicher weise gefunden und dann hat Mel gemeint, dass wir nach Thames fahren und uns Edelstein anschauen. Darauf steht der Junge nämlich und wenn er etwas mag, dann ist er zufrieden und auch ruhig und ich war natürlich mit dabei…Edelsteine für jemand aus Idar-Oberstein.

Und ich konnte zwar nur ein bisschen sehen und unsere Tour war auch extrem verkürzt, weil die Aufmerksamkeitsspanne und Geduld bei dem Kerl auch recht kurz sind, aber dafür das ich eigentlich nur meine Shorts und das Handtuch wieder wollte und dann unverhofft da gelandet bin…einfach genial.

Und ich habe wenigstens ein paar Bilder gemacht – alleine schon deshalb, weil ich es so toll fand in so einem alten Museum zu sein, in dem alle Artefakte mit handgeschrieben Kärtchen versehen sind.

Vielleicht schaffe ich es nochmal dahin, die Menschen waren so lieb und haben sich auch alle Zeit und Verständnis für uns genommen, aber ich persönlich wäre gerne länger geblieben.

Ich weiß nur der eine Mitarbeiter hat leuchtende Augen bekommen, als er gehört hat, dass ich aus Idar – Oberstein bin. Das hat er auch schon besucht und natürlich kannte er das Edelsteinmuseum dort.

Ja und mit diesen einfachen und doch wertvollen Eindrücken und der Rückkehr in die alltägliche Welt möchte ich diesen doch ungewöhnlicheren Bericht für heute abschließen und hoffe ich habe Euch nicht zu sehr mit Befindlichkeiten gelangweilt.

Vielen Dank das Ihr da seid und passt gut auf Euch auf und wer mag darf gerne mal ein Bild von sich vorbeischicken, dann vermisse ich Euch weniger.

Bis bald meine Lieben und lasst ordentlich rocken…seid neugierig und genießt das Leben.

Für Routine ist es zu wertvoll und leider muss ich sagen gibt es dafür für meinen persönlichen Geschmack viel zu viel in meinem Heimatland.



Liebe Grüße nach Hause

Dein Chris


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