Go West - Reif für die Insel


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September 28th 2018
Published: September 28th 2018
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Unsere letzten Tage mit Donald vergehen wie im Flug. Zum Glück, denn irgendwie haben wir – wetterbedingt- ein bisschen den Camping-Koller und sehnen uns nach einem eigenen Bad, einem sauberen Bett und einer großen Küche. Leider sind wir immer noch nicht mit schönerem Wetter gesegnet. Wir besuchen auf unserem Weg zurück an die Westküste noch den Mount Revelstoke Nationalpark. Hier gibt es einen tollen Plankenweg durch einen alten Wald und natürlich den Mount Revelstoke auf dem man Wandern kann. Wir verbringen einen netten Nachmittag im kleinen Ort Revelstoke am Fuße des Berges. Hier gibt es eine richtige kleine „Altstadt“ mit hübschen Straßenzügen, kleinen Läden und Cafés. Wir haben einen wunderschönen Campingplatz an einem kleinen See und halbwegs trockenes Wetter, sodass Marlene auf dem Spielplatz etwas toben kann. Neben ihrer Liebe zu Rührei hat sie in diesem Urlaub auch ihre Liebe zum Rutschen entdeckt. Inzwischen klettert sie alleine die Treppe hoch, kriecht zur Rutsche herüber und rutscht diese selbstständig rückwärts auf dem Bauch herunter. Wir machen abends nochmal Feuer und sitzen mit Blick in die Berge am See, so hatten wir uns diesen Urlaub vorgestellt. Am nächsten Tag ist es leider wieder bedeckt und nieselt sodass wir unsere geplante Wandertour auf dem Mount Revelstoke ausfallen lassen und weiterfahren. Auf dem Weg besuchen wir noch die kleine Geisterstadt "Three Valley Gap", die jedoch nicht allzu spektakulär und vor Allem letztlich auch nicht ganz originalgetreu ist. Man läuft durch ein künstliches Dorf von historischen Gebäuden aus der Zeit um die Jahrhundertwende, die teilweise aus dem ganzen Land hierher versetzt wurden um sie zu retten. Dennoch ist es schön gemacht und die alte Einrichtung wurde weitestgehend erhalten. Neben einem alten Schulgebäude, einem Salon, einigen Kaufläden sowie Wohngebäuden mit originaler Einrichtung sind auch richtig schöne alte Autos und Züge ausgestellt. So kann man zum Beispiel den schicken Privatzug von Premierminister Pierre Trudeau besichtigen, in dem es in den 1980er Jahren zu dem legendären „Salmon Arm Salute“ kam. Der Premierminister, der mit seiner Familie den kleinen Ort Salmon Arm passierte, wurde bei der Durchfahrt von wütenden protestierenden Arbeitern begrüßt. Als Reaktion soll der Premierminister aufgestanden sein, den erhobenen Mittelfinger aus dem Fenster gestreckt haben und dann den Vorhang zugezogen haben. Sein ältester Sohn ist übrigens derzeit Premierminister dieses Landes, also scheint man der Familie diese Geste nicht übel genommen zu haben. Uns zieht es weiter in Richtung Süden in das „Schönwettertal“ Okanagan Valley, eine der wärmsten Gegenden Kanadas. Hier soll man im September noch Baden können und es gibt diverse Weingüter, die das warme Klima nutzen um hier inzwischen recht erfolgreich Wein anzubauen. Außerdem haben wir es tatsächlich geschafft während der Reise drei von vier vorhandenen Trinkgläsern und zu guter Letzt unsere Kaffekanne zu zerbrechen, was der größte denkbare Verlust war. Seit ein paar Tagen schon versuchen wir in den diversen Kleinstadt-Supermärkten und -Baumärkten neue günstige Gläser und vor Allem eine stinknormale Kaffeekaraffe zu bekommen. Im Okanagan Valley erhoffen wir uns mal eine größere Mall oder einen Supermarkt wo wir beides ersetzen können. Und tatsächlich werden wir in Vernon endlich fündig. Außerdem finden wir noch einen Campingplatz mit Strand am See, kurz nach unserem Eintreffen beginnt es jedoch wieder zu regnen. Sehr schade, denn der idyllisch in einer kleinen Bucht gelegene Provinzpark ist mit feinstem Karibiksand gesegnet und so ein Strandtag hätte uns sicher gut getan. Der Okanagan Lake ist wirklich schön, wir campen hoch oben auf einer Klippe im Wald und da der See riesig ist, sieht es fast aus, als würden wir aufs Meer blicken. Am Abend ist es nochmal trocken genug für ein Feuer und ein netter Nachbar bringt uns eine selbstgefangene Lachsforelle vorbei, einfach nur so, weil wir sein Land besuchen als Geschenk, wie er sagt. Als uns dann noch der Ranger sein Feuerzeug schenkt (unseres hat die vielen erfolglosen Versuche nasses Holz zu entzünden leider nicht überlebt) sind wir mit dem Tag trotz verlorenem Strandtag wieder versöhnt. Am nächsten Morgen machen wir vor der Abreise doch noch schnell den kurzen Abstieg zum Strand und plantschen zumindest mit den Füßen ein bisschen im Wasser bevor wir weiter Richtung Süden fahren. Orte mit den schönen Namen Summerland und Peachland suggerieren uns hier besseres Wetter. Und wenigstens bleibt es trocken als wir hoch oben über dem See in den Weinbergen zur Weinprobe auf dem Grey Monk Weingut halten. Zwei Österreicher haben hier in den 1970ern den Grauburgunder etabliert und sich inzwischen auch mit ihren anderen Weinen über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Ein wunderschöner Balkon überblickt den Okanagan Lake und man kann für sehr vernünftige fünf Dollar fünf Weine probieren. Die fünf Dollar werden dann auch noch mit dem Kauf einer Flasche Wein verrechnet und so findet unser Favorit, der Cabernet Merlot aus 2014, seinen Weg in unseren Koffer. Danach fahren wir nur noch ein paar Kilometer weiter in den Okanagan Lake Provincial Park wo wir wieder einen tollen Stellplatz am See ergattern und den restlichen Tag gemütlich auf dem Campground verbringen. Es ist einer der wenigen Tage der letzten Wochen, an denen wir mittags draußen essen können, aber schon abends am Feuer beginnt es wieder zu regnen. Irgendwie haben wir so langsam wirklich den Campingkoller. Es ist schwierig alles sauber zu halten bei diesem Mistwetter, die Duschhandtücher werden kaum noch trocken, die frische Wäsche aus den Kleiderschränken ist feucht und kalt und wir sind heilfroh, dass wir nachts wenigstens nicht durch den Regen stapfen müssen wenn wir zur Toilette müssen. Marlene hat sich die letzte Zeit viel zu wenig draußen austoben können und ist abends nicht müde genug um in den Schlaf zu finden. Wir dagegen sind in unseren Abendaktivitäten stark eingeschränkt, wenn sie schläft und wir auf Grund des Wetters nicht draußen sitzen können. Es wird also langsam Zeit, dass wir uns von Donald trennen. Im Okanagan Valley hatten wir uns noch Badetemperaturen und ein paar erholsame Tage am See erhofft aber irgendwie ist im Moment wettertechnisch einfach der Wurm drin. Und so zieht es uns weiter nach Westen, ironischerweise geht es an den Orten Sunshine Valley und Hope vorbei aber unsere letzte Hoffnung auf ein bisschen Sommer wird auch hier nicht erfüllt. Dafür gibt es nahe Hope noch ein kleines Highlight, dass uns in einer Regenpause etwas Bewegung verschafft. Auf einer alten Bahntrasse geht es am tosenden Coquihalla River durch den gleichnamigen Canyon und durch fünf in den blanken Granit gehauene ehemalige Eisenbahntunnel. Auf Grund ständiger Probleme mit Gesteins- und Schneelawinen wurde dieser Abschnitt der Kettle Valley Railway 1961 stillgelegt. Heute ist der Weg, über schmale hölzerne Brücken, die die Tunnel verbinden, für Fußgänger und Biker ausgebaut und wirklich lohnenswert. Als es dann wieder beginnt Bindfäden zu regnen, flüchten wir in eine gesichtslose Mall, wo wir gemeinsam mit den Obdachlosen der Stadt einfach froh sind im Trockenen zu sein. Ein kleiner schäbiger Indoorspielplatz beglückt wenigstens unsere Tochter eine Weile, während wir ziemlich gefrustet von unserem derzeitigen Camperdasein, ein bisschen Zeit totschlagen. Überflüssig zu erwähnen, dass wir zwar abends auch wieder einen sehr schönen Campground an einem See erreichen, es aber sowohl den gesamten Abend als auch die Nacht in Strömen regnet. Am nächsten Morgen sind wir mit Asia, einer Freundin unserer Freunde Lena und Tobi, zum Brunch verabredet. Sie hatten uns vor dem Urlaub den Kontakt hergestellt, da Asia und ihr Mann im Großraum Vancouver leben. Wir hatten uns dann relativ spontan verabredet, da ihr Wohnort Maple Ridge, ein Vorort von Vancouver, auf der Strecke zu unserer Camper-Rückgabestation liegt. Wir wollten gerne mal so richtig kanadisch frühstücken und Asia hatte ein kleines Hippster-Café empfohlen, in dem wir dann sogar todesmutig draußen auf der Terrasse frühstücken. Es schmeckt super lecker auch wenn keiner von uns sich letztlich für das eigentlich angepeilte „klassische kanadische Frühstück“ Pancakes mit Ahornsirup entscheidet. Wir vertrödeln ein paar Stunden mit Asia, es ist wirklich witzig, wie schnell man oft einen Draht zu eigentlich wildfremden Leuten hat, aber die Tatsache dass man gemeinsame Freunde hat, ist ja meistens schon eine optimistische Basis dafür. Den letzten Nachmittag vor der morgen anstehenden Rückgabe von Donald verbringen wir- der Wettergott hätte uns nicht weniger verhöhnen können, bei strahlendem Sonnenschein und 20 Grad- mit dem Putzen und Aufräumen unseres Campmobils. Als wir abends noch unser letztes Feuerholz verbrennen wollen, öffnet der Himmel dann nochmal alle Schleusen und wir sind in jeder Hinsicht Fertig mit Campen. Am nächsten Morgen schwitzen wir nochmal ein bisschen ob es Probleme bei der Abgabe geben wird. Bei Canadream, unserem Campingverleiher, haben wir schon bei der Übernahme gemerkt, dass man alles sehr genau nimmt und nicht sehr kulant ist. Wir haben drei Gläser die nicht zum vierten passen, eine andere (wenn auch hochwertige) Kaffeekanne und eine kaputte Jalousie, die zwar nicht unsere Schuld ist, die wir bei der Übernahme aber auch nicht überprüft haben und somit der Schaden auch nicht dokumentiert wurde. Wir sind genau 10 km über unsere im Voraus gebuchten 4.200 km gefahren und vor Allem, was am schlimmsten ist, wir haben Feuchtigkeit im Trailer. Gestern haben wir bemerkt, dass sowohl die Matratze oben links als auch ein Kissen, was wir ungenutzt in die linke oberen Ecke des Bettes „gestopft“ hatten klatschnass sind. Das Kissen hat schon Stockflecken und war auch nicht mehr trocken zu bekommen. Das erklärt auch, warum wir die Hälfte der Urlaubszeit, feuchte, leicht modrig riechende Kleidung im Schrank hatten, irgendwo dringt hier Feuchtigkeit ein. Natürlich können wir hierfür nichts aber wir haben das Gefühl, dass Canadream das gegen uns drehen könnte, uns vielleicht beschuldigt, wir hätten bei Regen das Dachfenster offen gehabt oder Ähnliches. Von der Art, wie man bei der Übergabe mit dem Kunden umging, können wir uns das leider vorstellen. Doch am Ende geht alles gut. Für unsere 10 zu viel gefahrenen Kilometer werden uns selbstverständlich 39 Cent pro Kilometer abgezogen, Ordnung muss sein, aber alles andere bleibt unbeachtet. Natürlich auch unsere „Beschwerde“ über die Feuchtigkeit im Camper, mit der wir direkt vorbeugen wollten, dass jemand uns verdächtigt, Schuld an der Misere zu haben. Eine Entschuldigung für diesen eigentlich untragbaren Zustand kommt keinem der Mitarbeiter über die Lippen, aber zu einem mitfühlenden „that’s not cool“ kann sich dann doch einer hinreißen lassen. Wir sind reif für die Insel und unser Abschied von Donald ist relativ emotionslos. Nur noch eine zwanzigminütige Busfahrt, eine halbstündige S-Bahnfahrt, nochmal eine halbstündige Busfahrt und dann eine zwanzigminütige Fährüberfahrt trennen uns noch von Bowen Island, einer kleinen Insel vor den Toren von Vancouver, wo wir nochmal eine Woche relaxen und uns mit dem kanadischen Spätsommerwetter versöhnen wollen. Denn, sollte auf die Wetter-App Verlass sein (war eigentlich während der gesamten Reise nie der Fall), dann soll die ganze Woche die Sonne bei Temperaturen um die 20 Grad scheinen. Wir sind gespannt, denn das passt ja so gar nicht zu:







Kanada-Fakt Nummer 5: Die Kanadier mögen‘s kalt. Gut, man könnte argumentieren, dass man auch kaum eine Wahl hat wenn man in einem Land wohnt, in dem in vielen Landesteilen bis in den Juni hinein und dann ab September wieder Schnee fallen kann? Dann muss man das Bester draus machen und zum Beispiel solche Sportarten wie Eishockey mögen. Und Wintercampen: erstaunlich viele, trotz Minusgraden erstaunlich gelassene Kanadier campten in den Rockys mal eben übers Wochenende, und das obwohl die sich doch jedes andere schöne und vor Allem warme Wochenende des Jahres raussuchen könnten. Gut vielleicht haben sie alle einen Kamin in ihren omnibusgroßen Motorhomes aber trotzdem. Sowas würde mir nie einfallen. Dann die Supermärkte. Die sind so stark klimatisiert, dass ich ernsthaft überlegt habe, Marlene eine Decke überzulegen, bevor wir einen betreten. An Sommertagen wohlgemerkt. Und die Kühlschränke…die sind auch immer eher eine Art Gefriertruhe. Sowohl in Vancouver als auch in unserem Camper mussten wir die Temperatur runter schalten, weil uns die Milch im Kühlschrank gefroren ist. Und das wo wir den Kühlschrank schon nur auf Stufe 4 von 5 hatten. Also man mag es hier auch von Innen eher frostig.


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