Lake O'Hara


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Published: September 6th 2015
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Um kurz nach fünf ging unser Wecker und wir machten uns auf den Weg zum Yoho-NP. Da wir leider keine Bestätigungsmail aus dem Visitor-Center erhalten hatten, waren wir etwas verunsichert, ob wir heute wirklich zum Lake O'Hara kommen würden. Um 8:30 fuhren die Busse, die uns zum Lake O'Hara brachten. Wir waren pünktlich da und konnten vorab alles klären. Es war alles gut, der Mann vor Ort hatte bereits unsere Daten und alles war geregelt.

So ging es dann mit dem gelben Schoolbus zu unserem Ziel. Man könnte eigentlich auch zum See laufen, aber die Strecke ist sehr langweilig und dauert zu Fuß drei Stunden. Auf ca. 2.115 Meter Höhe angekommen, suchten wir uns einen schönen Platz für unser neues Zelt aus. Der Campingplatz war super schön, es gab ein Lagerfeuer und eine Feuerhütte mit einem Holzofen. Christoph baute das Zelt auf und ich schaute mich etwas auf dem Platz um. Wir hatten Glück und konnten das Zelt noch im trockenen beziehen. Es sah aber schon sehr nach Regen aus. Nicht umsonst hatten einige, die hierher wollten, abgesagt. Es dauerte auch nicht lange, da plätscherte der Regen auf den Campingplatz.

Wir setzten uns in die Feuerhütte an den Holzofen. Außer uns waren noch einige andere dort, die sich aufwärmten. Aus allen Teilen der Erde konnte man hier Leute treffen. Eine Familie, aus Deutschland, war dabei, die sich mit ihren beiden Kindern, 10 und 13 Jahre alt, ein halbes Jahr frei genommen hatten und zusammen reisten. Die Mutter ist Lehrerin und darf ihre Kinder in dieser Zeit selbst unterrichten. Es gibt keine offiziellen Prüfungen im Anschluss und die Kinder können in ihre alte Klasse zurück. Das fand ich sehr beeindruckend.

Nach einiger Zeit wurde der Regen etwas weniger und wir starteten unsere Wandertour vom Lake O'Hara zum Lake Oesa (2.355 Meter). Die Tour war trotz des immer wieder kehrenden Regens wunderschön. Immer wieder tauchten kleine türkisblaue Seen auf und wir wanderten durch Wälder, Geröll, Steinfelsen, Wiesen, ... Die Kulisse veränderte sich von Minute zu Minute und wir hatten den Eindruck wir stünden vor einem Gemälde. Die Farben waren so vielfältig und intensiv, einfach sehr beeindruckend. Auf unserer Wanderung, begegneten wir auch einer Rangerin, die sich in der Gegend sehr gut auskannte, und fragten sie, nachdem es bereits zu hageln angefangen hatte, ob wir weiter gehen könnten, oder besser umkehren sollten. Sie meinte, dass es in zehn Minuten wieder gut sein würde. Wir waren froh das zu hören und stiegen weiter nach oben. Dann kam tatsächlich für ca. 30 Sekunden die Sonne durch und wir dachten, super, gut dass wir weiter gegangen sind. Leider fing es sehr schnell wieder an zu regnen, aber wenigstens hagelte es nicht mehr. Wir hatten es geschafft, wir waren am Lake Oesa angekommen. Kaum hatten wir zwei, drei Bilder geschossen, zogen dunkle Wolken direkt auf uns zu. Die Wolken waren auf unserer Augenhöhe, also nicht zu übersehen. Mit einer rasanten Geschwindigkeit veränderte sich das Wetter. Es donnerte und blitze und Schnee fiel auf uns nieder. Während Christoph ganz ruhig noch ein paar Bilder mit seinem wasserdichten Handy machte, gingen mir bereits die wildesten Fantasien durch den Kopf - wir werden sterben!!! Nein, ganz so schlimm war es nicht, aber ganz wohl habe ich mich tatsächlich nicht gefühlt und ich wollte so schnell wie möglich wieder absteigen. Die Schneeflocken wurden immer größer, ich habe noch nie in meinem Leben solche Flocken gesehen. Schnee sammelte sich auf meinem Rucksack und es wurde etwas ungemütlich, da wir für so eine Situation nicht gerüstet waren. Wir versuchten schnell wieder nach unten zu kommen. "Es war Winter in Kanada, weiß war das Land" - deutsches Schlagerlied! ;-) Unten angekommen, trockneten wir unsere komplette Kleidung, Rucksäcke, Fototasche, alles war komplett nass, in der Feuerhütte am Holzofen. Es gab wieder viele interessante Leute dort. Alle waren perfekt ausgestattet und hatten Gaskocher dabei und bereiteten sich damit ein leckeres warmes Essen zu. Wir hatten zumindest ein paar Brote dabei. ;-) In der Nähe gab es auch noch eine kleine Hütte, die Kaffee und Tee anbot, dort haben wir uns dann auch noch etwas aufgewärmt. Am Abend saßen wir wieder gemütlich in der Hütte mit dem Ofen und trafen auf zwei Kanadier. Mit den beiden saßen wir noch ziemlich lange und hatten eine sehr lustige Zeit zusammen. Wir erzählten, was wir bereits gesehen und erlebt hatten in Kanada, und sie erzählten uns, was wir auf jeden Fall noch sehen sollten. Wir haben ein paar tolle Tipps bekommen. Und dann ging es in unser Zelt! Wir hatten jeder zwei Isomatten und einen Schlafsack, um uns herum ein 45 Euro Zelt. Wir zogen alles an, was wir mitgebracht hatten. Wir konnten sogar unsere Schlafsäcke aneinander zippen, aber alles half nichts, die Nacht war einfach zu kalt. Christoph hat sogar noch sein Regencape und sein Handtuch geholt um es auf mich zu legen, aber wir haben beide soooooooo gefroren. Aber wir haben es überlebt! ;-) Am nächsten Morgen beobachteten wir wieder die "professionellen" Camper, mit ihren tollen Campingkochern, wie sie sich ein warmes Frühstück zubereiteten. Wir marschierten wieder zu der kleinen Hütte, in der es Kaffee und Tee gab und freuten uns sehr über etwas Warmes. Eigentlich hatten wir vor, noch eine weitere Wanderung am Lake O'Hara zu unernehmen, aber nachdem alles nass war und wir so gefroren hatten und müde waren, nahmen wir realtiv früh wieder einen Bus nach unten, zu unserem Auto. Trotz der Kälte und der nicht ganz optimalen Bedingungen, fanden wir den Ausflug absolut lohnenswert und waren froh, dass wir die Möglichkeit hatten, dieses besondere Fleckchen Erde einmal gesehen zu haben. Zuhause, in unserer Unterkunft, haben wir erst mal ein warmes Bad genommen.


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