Abenteuer in den Rocky Mountains oder Welcome to Wintercamping


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North America » Canada » Alberta » Jasper National Park
September 18th 2018
Published: September 19th 2018
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In Jasper scheint bei unserer Ankunft die Sonne und der kleine Ort mitten in den Bergen zeigt sich von seiner besten Seite. Den gleichnamigen Nationalpark, der einige der schönsten Naturphänomene der Rocky Mountains beherbergt, besuchen jährlich 2,1 Millionen Touristen. Dementsprechend rummelig ist Jasper mit seinen Souvenirshops, Kneipen und Kaffeshops aber wir genießen es mal wieder ein bisschen Infrastruktur zu haben, machen ein paar Erledigungen und gehen abends essen. Wir übernachten auf dem legendären Whistler Campground, der trotz seiner Größe von über 800 Stellplätzen, erstaunlich ruhig und privat ist. In einem riesigen Waldstück gelegen verteilen sich die großzügigen Stellplätze so weit, dass wir locker 15 Minuten brauchen um von unserer Campsite zum Ausgang zu gelangen. Es sind dann noch circa vier Kilometer in die Stadt und übermütig wie wir sind laufen wir direkt mal in den Ort was wir Abends nach dem Essen natürlich prompt bereuen. Die Strecke ist wunderschön, am Athabasca River entlang geht es über sandige Waldwege und immer mit einer Bergspitze im Blick. Allerdings ist gerade der Rückweg mit Buggy über die unbefestigten Wege eher beschwerlich. Am ersten vollen Tag haben wir uns eine kleine Wanderung durch den Maligne Canyon unweit von Jasper vorgenommen. Der Maligne River schlängelt sich hier tiefblau durch einen engen Canyon und wird sehr touristenfreundlich alle paar Kilometer von einer Brücke überspannt. So quert man den Fluss mehrfach (natürlich nur wenn man weit genug geht, was zum Glück nicht alle tun) und es eröffnen sich immer wieder tolle Blicke in die Schlucht, die mal enger, mal breiter und mal tief und kurvig, mal schnurgerade und recht seicht ist. Es ist eine wunderschöne Wanderung auch wenn es hier in den Bergen um einiges kühler ist als noch an unseren letzten Stationen. Weil das Wetter so schön ist fahren wir danach noch an den etwa 40 km entfernten Maligne Lake, einen der berühmten glasklaren Bergseen. Auf dem Weg dorthin fahren wir mal wieder fast auf ein Stauende auf, das hinter einer Kurve plötzlich die ohnehin enge Straße blockiert. Das kann doch eigentlich nur ein Bär sein? Der Grizzly fehlt uns ja noch auf unserer Liste und wir sind hier definitiv im Grizzly-Land. Aber leider Fehlanzeige. Man steht hier wegen eines Elchs, der hunderte Meter entfernt in einem See steht und selbst mit dem Zoomobjektiv meiner Kamera kaum zu fassen ist. Wir sind wenig beeindruckt, so einer steht auf unserem Campingplatz an jeder Ecke. Als wir am Maligne Lake ankommen ist das Wetter leider umgeschlagen und da es recht kühl und windig ist und der See unter dem bewölkten Himmel auch nicht so schön türkis schimmert, wie man ihn von Bildern kennt, halten wir unseren Spaziergang um den See kurz und fahren nochmal nach Jasper, wo wir uns noch kurz mit Lorena, einer Freundin aus Flieden, die auch gerade in Kanada ist, treffen wollen. Am nächsten Morgen verlassen wir Jasper schon um auf dem berühmten Icefields Parkway in Richtung Süden zu fahren. Dieser nur 260 km lange Highway verbindet die beiden großen Nationalparks Westkanadas, den Jasper Nationalpark und den Banff Nationalpark, und passiert auf seiner Strecke nicht nur etliche Gletscher (daher der Name) sondern auch diverse Wasserfälle und Seen. Ein wunderschönes Bergpanorama begleitet uns dabei über die gesamte Strecke und die Sonne strahlt nach morgendlicher Schüchternheit auch wieder vom Himmel. In Jasper mussten wir nachts zum ersten Mal unsere Heizung im Camper anmachen, morgens lag Tau auf den Gräsern und feuchter Nebel in der Luft. Es riecht nach Herbst. Wir passieren die Athabasca Falls, wo der milchig blaue Athabasca River sich zunächst eine Klippe hinab stürzt und sich dann sehr fotogen durch einen engen Canyon schlängelt. Dann erreichen
Maligne LakeMaligne LakeMaligne Lake

Jasper NP
wir die Sunwapta Falls, die nicht ganz so spektakulär sind. Und schließlich, nachdem wir einige Gletscher schon während der Fahrt besichtigen konnten, das Columbia Icefield, dessen Gletscherzunge sich fast bis an den Highway ergießt, unser heimliches Highlight der Fahrt. Hier kann man vom Parkplatz ein paar Kilometer hochwandern oder aber man fährt für 80 Dollar mit einem dämlichen Amphibienfahrzeug mitten auf den Gletscher und trampelt dann dort auf dem Eis herum. Nachdem man schon vor der Zufahrt zum Parkplatz an einem Pfeiler sehen kann, dass der Gletscher noch 1967 fast einen Kilometer weiter herunter reichte, verstehe ich noch weniger, dass sich ganze Busladungen von Touristen auf den Gletscher karren lassen und damit mit Sicherheit seinen weiteren Rückgang nicht unbedingt verlangsamen. Wir wandern also brav zur Gletscherzunge hoch und bewundern das Eis von unten. Links und rechts schieben sich noch zwei weitere Gletscher ins Bild und so ist die Aussicht auch von hier schon beeindruckend genug. Auf der Weiterfahrt suchen wir uns einen einfachen und recht einsamen Campground am Wegrand und versuchen das Beste aus einer immer kälter werdenden Nacht und einem Stapel nassen Holzes zu machen. Insgesamt eine eher frustrierende Angelegenheit, zumal wir für die Feuererlaubnis auch noch acht Dollar bezahlt haben. Und auch diese Nacht wäre ohne Heizung sehr unangenehm geworden. Am nächsten Tag geht es bei Nieselregen und kuscheligen fünf Grad weiter in Richtung Lake Louise. Am Peyto Lake Viewpoint kann man ein kleines Stück vom Parkplatz durch den Wald zu einem grandiosen Aussichtspunkt aufsteigen und den unfassbar türkis leuchtenden See von oben bewundern. Busladungen von Chinesen wiederum werden zu einem weiter oben liegenden Parkplatz gekarrt und müssen dann von dort nur noch 100 m zum Aussichtspunkt laufen. Dennoch sind die meisten gekleidet wie für eine einwöchige Annapurna-Umrundung und haben auf dem asphaltierten Weg ihre Wanderstöcke in Betrieb. Da leider pünktlich bei unserer Ankunft auch gerade ein Bus seine Selfie-Stick-bewaffneten Passagiere ausspuckt ist der Aussichtspunkt leider heillos überfüllt und wir lernen eine wertvolle Lektion: hier lieber immer früher aufstehen. Oder kürzer Frühstücken. Oder mehr Gas geben. Als wir in Lake Louise, unserem nächsten Übernachtungsort ankommen ist das Wetter leider immer noch nicht besser aber wir kaufen uns optimistisch ein Seilbahnticket für den nächsten Tag. Sofern die Wolken und der feuchte Nebel sich verziehen soll man vom Hausberg des Ortes der eigentlich nur aus einer Ansammlung von Feriensiedlungen und Campgrounds und ein paar Läden zur Versorgung der Touristen besteht, „Ten Peaks“, also ganze Zehn Berggipfel sehen können. Außerdem soll man während der viertelstündigen Gondelfahrt eine gute Chance zur Grizzly-Beobachtung haben, denn rund um Lake Louise lebt eine der größten Grizzly-Populationen im Banff Nationalpark. Wir verbringen den unfreundlichen Tag mit Erledigungen und entspannen ein bisschen im Camper. Am nächsten Morgen wollen wir um sieben Uhr am Lake Louise stehen, denn wir haben ja unsere Lektion am Peyto Lake gelernt. Tatsächlich gelingt es uns, am nächsten Morgen mit nur einer Handvoll anderer Touristen eine der Hauptattraktionen des Parks zu teilen. Der wunderschön von Bergkuppen eingerahmte See liegt milchig-hellblau schimmernd und ruhig vor uns, als wir uns nähern und es herrscht andächtige Stille an seinem Ufer. Könnte allerdings auch daran liegen, dass es nur zwei Grad warm ist, dass hier keiner Lust auf große Gespräche hat. Wir laufen ein bisschen um den See, der wirklich wunderschön ist und genießen den eisigen Morgen. Die Farbgebung des Wassers kommt übrigens von den Sedimenten des Gletschergesteins, die das Wasser hier mitführt. Sie reflektieren sich gegenseitig so stark, dass diese besondere Färbung entsteht. Würde man das Wasser in ein Glas abfüllen wäre der ganze Zauber zerstört und das Wasser glasklar. Dann fahren wir zur Talstation der Gondel, wo wir erst mal ein großes Frühstück einnehmen und uns aufwärmen. Am nur 10 km entfernten See war das Wetter eigentlich ganz gut aber hier sieht es wenig einladend aus. Und so vertrödeln wir bestimmt 90 Minuten am Frühstücksbuffet in der Talstation bevor wir eine kleine Gondel besteigen, die uns auf 2088 m bringen soll. Leider lässt sich kein Grizzly sehen, von der sicheren Gondel aus wäre so eine Sichtung ja absolut perfekt gewesen. Aber vielleicht ist denen das Wetter auch zu ungemütlich. Oben gibt es einen Aussichtspunkt- heute ohne Aussicht, außer man lässt Wolken als solche gelten- und man kann man ein bisschen wandern wenn man den grizzly-geschützten Bereich verlässt, denn der gesamte Aussichtsbereich hier oben inklusive eines Cafés und eines kleinen Museums mit ausgestopften Wildtieren ist von einem mannshohen Elektrozaun gesichert. Irgendwie ist uns doch etwas mulmig als wir das schwere Tor öffnen und raus spazieren aber jetzt sind wir ja schon mal hier oben. Auf dem Wanderweg begegnen uns dann zum Glück auch einige andere Leute, keine Grizzlys aber dafür ein paar Steinböcke. Leider klart es auch am nächsten Aussichtspunkt nicht auf und wir können nichts sehen, sodass wir uns nach einer guten Stunde wieder auf die Fahrt nach unten begeben. Unten im Tal ist es zwischenzeitlich wirklich schön geworden und so fahren wir nochmal an den See. Ich hatte gestern schon gesehen, dass man dort Reiten kann und buche kurzfristig noch einen zweistündigen Ausritt um den See. Dennis geht währenddessen mit Marlene nochmal um den See spazieren und wir genießen alle nochmal diesen einzigartigen Ort bei Sonnenschein. Am nächsten Morgen wollen wir unser Glück noch einmal am etwa 15 km entfernten Moraine Lake versuchen aber als wir um 6.30 Uhr aus dem Fenster schauen sind wir tatsächlich eingeschneit. Wie fürchterlich. Da wir aber eh schon wach sind fahren wir trotzdem los, nur um festzustellen, dass am See ein Schneesturm tobt und außerdem um acht Uhr schon die wenigen Wohnmobil-Parkplätze besetzt sind. Ziemlich gefrustet werfen wir nach drei Runden erfolgloser Fahrt um den Parkplatz einen kurzen Blick auf den trostlosen See und fahren zurück zum Campground um zu frühstücken und dann nach Banff, etwa 60 Kilometer weiter südlich zu fahren. Von Süden kann allerdings keine Rede sein, auch hier hängen die Wolken so tief, dass um 11 Uhr bereits (oder noch) die Straßenbeleuchtung brennt, es schneit und ein eisiger Wind bläst. Da wir aber zunächst eh erst mal Wäsche waschen müssen, haben wir eine Beschäftigung für diesen unangenehmen Vormittag und verbringen den Nachmittag damit, von einem warmen Geschäft zum nächsten zu laufen. Banff, der Hauptort des gleichnamigen Nationalparks, ist im Winter bestimmt ein toller Skiort und man soll hier bei gutem Wetter auch ein bisschen Wandern können. Bei Schneematsch und Temperaturen um den Gefrierpunkt ist es allerdings nur ein rummeliger Ort mit vielen Souvenirgeschäften, Coffeeshops und teuren Steakhäusern. Auch die schöne Lage, der Ort liegt wie Jasper von Berggipfeln umgeben, können wir leider nur erahnen. Dennis geht mal wieder traditionsgemäß zum Urlaubs-Friseur, wir kaufen noch zwei billige Wintermützen und bummeln ansonsten ein bisschen durch die kleinen Läden und Passagen. Wintercampen ist echt nicht schön. Und auch wenn man immer mit Schnee in den Rockies rechnen muss, hatten wir uns doch für Anfang September etwas schöneres Wetter erhofft. Und so wird unser Rendez-Vous mit Banff vorerst eher kurz ausfallen.







Kanada-Fakt Nummer drei lacht uns schon seit Wochen als Aufkleber von unserem Armaturenbrett entgegen: „Your Road Trip may take longer than you think“ . Und der Grund dafür: Es wir überall gebaut in diesem Kanada. Es beginnt immer mit einem netten Schild, dass dich darauf hinweist: „Baustelle. Rechne mit Verzögerungen“ Zum Glück steht dann meistens nicht dabei, dass die Baustelle bis zu 30 km lang ist, sonst wäre man ja direkt demotiviert. Dann kommt irgendwann, manchmal auch erst nach 10 km, der sogenannte Flagger oder wie wir ihn liebevoll getauft haben: Der Stop-Slow-Man. Der Stop-Slow-Man ist ein meistens –verständlicherweise- schlecht gelaunter Mensch mit einem Schild auf dem er dich wahlweise auffordert anzuhalten oder langsam die Baustelle zu passieren. Manchmal ist der Stop-Slow-Man auch ein wahnsinnig gut gelaunter Mittzwanziger der auf der Straße rumtanzt und in jedes Auto winkt. Aber nur manchmal. Wenn man dann das Glück hat slow fahren zu dürfen, dann kriecht man einspurig durch eine viel zu eng gestellte Fahrspur und hat keine Ahnung wie lange das so geht. Und am Ende kann man immer bestätigen, dass die Reise länger gedauert hat als man dachte.


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Peyto Lake Peyto Lake
Peyto Lake

Banff NP
Lake LouiseLake Louise
Lake Louise

Banff NP
Lake LouiseLake Louise
Lake Louise

Banff NP


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