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March 16th 2020
Published: March 18th 2020
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Endlich durchatmen und entspannen
Tag 7 – 16.3. Wo ist Corona & Desinfektionsaktion

Wir standen auf mein Plädieren hin um Viertel nach fünf auf. Unser Zug nach Lyon sollte um 6.19 Uhr fahren. Wir waren um Viertel vor sechs da, wie geplant. An der Anzeigetafel stand der Zug nicht, den wir nehmen wollten. Glücklicherweise lief gerade ein Bahnmitarbeiter vorbei. Ich fragte ihn und er meinte, der Zug führe nicht. Wir könnten später einen anderen Regionalzug nehmen, und von dort aus nach Lyon fahren, oder über Paris fahren. Er wollte mal bei dem TGV für uns nachfragen, da der wohl voll sei. Richtig nett. Aber leider kam er nie wieder. Wir fassten die Entscheidung, nach Paris zu fahren. Keine Experimente mehr, am Ende fuhren die anderen Regionalzüge auch nicht.
Man konnte tatsächlich noch den Paris-Zug um 6.40 Uhr online buchen. Allerdings schien er von einem sogenannten Avignon-TGV-Bahnhof zu fahren. Ein Transferzug fuhr dort hin. Allerdings hatte er 10 min Verspätung. Oh, 20 min. Damit erreichten wir den Paris-Zug nicht. Wir mussten laufen. Namid schaute schnell auf FGM, er meinte zu wissen, wo der Bahnhof ungefähr lag. Wir hatten gestern extra nochmal geschaut, ob es in Avignon verschiedene Bahnhöfe gab, aber unser Zug hätte definitiv
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Der komplizierte Plan A
von diesem fahren müssen. Es kam wieder ein Bahnangestellter vorbei, ich war nicht sicher, ob es der gleiche war. Ich fragte direkt nach Paris, aber es war ein anderer. Namid fragte ihn, ob es der Bahnhof war, den er auf FGM eingegeben hatte. Das waren 25 min, das konnten wir laufen. Doch er meinte nur nein, das schafft man nicht zu laufen. Wenn dann mussten wir ein Taxi nehmen. Namid war aber trotzdem starrsinnig und wollte zu diesem Bahnhof laufen. Ich versuchte ihm klarzumachen, dass das unmöglich war laut dem Bahnangestellten und wir noch nicht mal wussten wo der Bahnhof lag und ob der da der richtige war. Schließlich suchte er nochmal den TGV Bahnhof und sah dann auch, dass es viel zu weit war. „Wir müssen jetzt schnell ein Taxi nehmen“, sagte ich. Und zum Glück lenkte Namid ein. Ich war erst mal erleichtert, als wir uns ins Taxi setzten, sagen konnten, wo wir hinwollten und der Taxifahrer uns da einfach hinbrachte. Wir mussten 17 € bezahlen, ich war froh, dass es unter 20 € war. Auf der Fahrt versuchten wir, den Zug zu buchen. Aber die Zahlung funktionierte nicht. Die Seite lud einfach nicht, obwohl wir vollen Empfang
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Vertrauenserweckender sauberer Thalys-Zug
hatten. Wir versuchten es erneut, doch es ging wieder nicht. Vielleicht hatte die Interrailseite einfach ein Problem, das hatte auch am Vortag schon der Fall sein können. Als wir am Bahnhof ankamen liefen wir schnell zu den Leuten am Check-in-Gate. Der Schalter hatte natürlich noch zu um diese Zeit. Ich schilderte ihnen unser Problem, und der eine rief einen Bahnangestellten an, der kurz darauf herbeikam und mit uns zum Ticketautomaten ging. Dann buchte er für uns das Ticket. Erst fand er den Zug nicht, doch schließlich wurde der richtige Zug angezeigt und das Interrail-Kontingent war auch noch da. Mir fiel mein VISA-Pin nicht gleich ein, uns so bezahlte dann doch Namid. Und kurz darauf hielten wir die Tickets in den Händen. Halleluja! Ich bat den Mann, auch noch nach einem Paris-Deutschland-Ticket zu schauen. Wir hatten allerdings nicht mehr viel Zeit bis zur Abfahrt des Zuges, und auf die Schnelle fand er auch kein Ticket für Interrail mehr. So gingen wir zum Gleis. Ich war sehr erleichtert, als wir im Zug nach Paris saßen. Wir versuchten mehrmals, ein Ticket von Paris zu buchen. Es funktionierte wieder nicht. Wir versuchten es mal mit Namids Karte. Bei meiner musste ich auf meinem Handy
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Back in Germany - Köln
mit der 3D-Secure-App noch einen Code bestätigen, wobei sich das Handy aufhängte, Namid musste einen Code per SMS empfangen. Das war ja vielleicht besser. Schließlich machten wir von jedem Schritt der Buchung auf der Interrailseite einen Screenshot. Die wollten wir dann alle meiner Mutter schicken, damit sie zuhause mit Computer und WLan versuchen konnte, die Reservierung für uns zu buchen. Und ich hatte es schon fast vermutet, dabei klappte es dann endlich bei uns. Hurra! Nun konnte kaum was mehr schiefgehen, wir hatten das Ticket nach Deutschland. Ich war nun sehr froh, Namid total müde und genervt, dass sein Straßburg-Regionalzug-Plan nicht funktioniert hatte.
Der Zug fuhr direkt nach Paris, ohne Zwischenhalte, und kam sogar pünktlich an. Ich hatte auf der Fahrt den Übergang und die weiteren Verbindungen recherchiert. In Paris liefen wir schnell zum RER D und fuhren zum Gare du Nord. Dort sollte unser Zug nach Köln zwei Stunden später abfahren. Als wir aus dem RER stiegen, fanden wir aber den Bahnhof nicht. Da waren zwar die Gleise, aber nicht das Reisezentrum und die Bahnhofshalle. Komisch. Aus den Wegweisern wurden wir nicht schlau. Schließlich fanden wir einen Ausgang und liefen einmal um das Gebäude herum. Und zum Glück gelangten wir über einen anderen Eingang in die Bahnhofshalle. Im Reisezentrum fragten wir gleich, ob unser Zug nach Köln fahren würde, und bekamen das bestätigt, ja, 11.55 Uhr würde er fahren. Auf der Anzeigetafel wurde er soweit im Voraus natürlich noch nicht angezeigt. Mehrere Züge waren gestrichen worden, und auf den Bildschirmen stand, dass wegen des Virus der Verkehr reduziert wurde. Wir bangten darum, dass unser Zug wirklich fahren würde. Ich kaufte mir einen vitaminreichen Smoothie, den Namid sündhaft teuer fand aber mir helfen würde, mich bei einer Grenzkontrolle gesund zu fühlen (Stichwort „innocent“) sowie ein frisches Schokocroissant. Namid kaufte sich Milch, das Wasser war nämlich mehr als doppelt so teuer. Echt absurd, da kippten sie Wasser in die Kuh und zusätzlich noch Futter und verwendeten Energie für das Melken, Verarbeiten, Verpacken und Transportieren, und heraus kam ein Produkt, dass viel billiger war als das ursprüngliche Wasser. Das sollte jemand verstehen! Die Welt war doch verrückt.
Wir warteten in Sicherheitsabstand zu anderen Leuten und starrten auf den Bildschirm, unser Zug wurde dort mittlerweile angezeigt, und wir warteten darauf, dass das Gleis angegeben wurde, wo man einchecken konnte. Erst dann hatten wir Gewissheit, dass der Zug wirklich fuhr.
„Neun!“, rief ich irgendwann. Namid verstand nicht. Er hatte eher „Nein!“ verstanden und hatte Sorge, unser Zug wäre gecancelt. Ne, unser Zug fuhr von Gleis neun. Schnell liefen wir hin. Es war ein belgischer Thalys-Zug, und man brauchte nicht mit QR-Code einchecken, sondern zeigte einfach sein Ticket den Zugbegleitern an den Türen vor. Entspannt. Der Zug wirkte sehr sauber und Corona-frei. Vereinzelt saßen ein paar Deutsche in unserem Waggon, die ebenfalls nach Hause wollten. Ich war so erleichtert, als der Zug tatsächlich losfuhr. Der Schaffner war ein niedlicher Opa mit Hut, und er machte alle Ansagen auf Französisch, Flämisch, Deutsch und Englisch. Sehr lustig. Namid war total müde und durchträumte die Suche nach Zügen und Flucht aus Ländern, mehrfach erschreckte ich mich, wenn er zusammenzuckte. Als der letzte Halt in Belgien war, dort hatte es bei der Ein- und Ausreise keine Kontrollen gegeben, blieb er wach, um möglichst fit für eine mögliche Gesundheitskontrolle zu sein.
Und dann erreichten wir Aachen. Die Durchsage war „Nächster Halt Aachen. Wir bedanken uns bei allen Reisenden, die uns hier verlassen“, der Zug hielt, der Zug fuhr wieder ab, und wir waren in Deutschland, ohne jegliche Kontrolle. Puh. In Köln stiegen wir aus. Hier verhielten sich alle am Bahnhof ganz normal. Keine Atemschutzmasken, kein Abstand. Später erfuhren wir, dass diese Region besonders viele Fälle hatte. Für uns fühlte es sich an, also ob es hier kein Corona gäbe. Bevor unser Zug nach Hannover einfuhr, wurden drei S-Bahnen auf unser Gleis umgeleitet. Doch dann kam er pünktlich. Als wir saßen erinnerten wir uns daran, dass wir nun nicht von unserem Hygiene-Muster (Hände waschen, desinfizieren, nichts anfassen) abweichend durften, nur weil der Zug und seine Insassen so wirkten, als hätten sie noch nie einen Corona-Patienten gesehen.
Als ich vom Händewaschen zurückkam (es gab hier Seife und Desinfektionsmittel, beides sogar noch vorhanden!) unterhielt sich Namid mit einem Mann neben uns. Er brauchte Hilfe, da jemand ihm über Whatsapp sein Ticket geschickt hatte, und er dieses nicht finden konnte. Er hielt uns sein Handy unter die Nase und wir sagten „klick da“, „scroll runter“ und zeigten in der Luft, wie man das machte. Er meinte immer „nehmen Sie, machen Sie“ aber wir wollten ja sein Handy nicht anfassen. Schließlich gab ich auf uns klickte für ihn. Namid telefonierte schließlich mit besagtem Whatsapp-Kontakt und forderte ihn auf, das Ticket erneut zu senden. Ich fand heraus, dass der Mann anscheinend ausversehen den Kontakt blockiert hatte und somit keine Nachrichten mehr sehen konnte. Schließlich hatten wir die Blockierung aufgehoben und die Dokumente waren erneut verschickt. Wir gingen beide schnell Hände waschen und desinfizieren. Unser Zug hatte 20 min Verspätung. Erst sollte er wegen einem Notarzteinsatz am Gleis über Düsseldorf umgeleitet werden, aber konnte dann doch wieder die normale Strecke fahren. Wegen der Verspätung konnte der Mann seine Verbindung nicht nehmen. Die Schaffnerin sagte ihm die neue Verbindung und er schrieb sich etwas auf, aber wusste dann trotzdem nicht genau, was er machen sollte. So schaute ich schließlich in meiner DB-App und schrieb ihm alles noch einmal genau auf. Er wollte irgendwann aussteigen, und wir hielten ihn zurück und sagten ihm Bescheid, als wirklich seine Haltestelle erreicht war. Und dann wusste er nicht, wie er die Tür öffnen sollte. Ich hatte bereits mit Blogschreiben begonnen und lief mit dem Laptop in der Hand zur Tür, fand den Knopf auch nicht gleich, Namid meinte „dort links der grüne“, ich drückte den Knopf mit dem Ärmel und der Mann witschte vielmals dankend nach draußen. Mission erledigt. Normalerweise war ich ein hilfsbereiter Mensch und half gerne anderen weiter, aber auf diesen Mann muss ich recht abweisend gewirkt haben. Fremde (und auch eigene undesinfizierte) Handys waren ein rotes Tuch, und der Mann war uns ziemlich auf die Pelle gerückt, und hatte auch ein paar Mal gehustet. Seinen Stift hatte ich auch benutzt. Diese Interaktion widersprach allen Corona-Verhaltensregeln (vor allem den 2 m Abstand) und es war uns schwergefallen; der Balanceakt zwischen Vorsicht und Hilfsbereitschaft war nicht richtig geglückt. Dem Mann war das wohl gar nicht bewusst gewesen. Alle anderen Menschen um uns herum verhielten sich ja auch normal…
Ich stellte fest, dass wir im Berlin-ICE saßen, der von Hannover weiter nach Wolfsburg fuhr. Aber ich wollte erst am nächsten Tag nach Hause fahren und noch bei Namid in Braunschweig bleiben. Meine Mutter meinte dann allerdings, dass wir lieber beim Gesundheitsamt nachfragen sollten, weil ich durch meine Reise eine erhöhtes Corona-Potential hatte und wir meine Großeltern ja nicht gefährden durften. Die Uni hatte auch Mails geschickt, Heimkehrer aus Risikogebieten durften die Uni für 14 Tage nicht betreten, und Treffen über 5 Leuten waren verboten. Alles sollte digital abgewickelt werden. In einem Risikogebiet waren wir allerdings nicht gewesen. Aber als Vorsichtsmaßnahme sah ich das mit der Quarantäne natürlich total ein, aber es führte erneut zu einer Panik meinerseits. Ich hatte gedacht, sobald wir zuhause waren, wäre alles gut. Ich würde einfach in Sicherheit zuhause bleiben, meine Eltern waren gut informiert über die Situation in Deutschland und hatten genug zu essen. Jetzt mussten Namid und ich eventuell zwei Wochen in seiner Wohnung bleiben, und mussten nun noch ganz schnell irgendwie genug Essen kaufen. Ich hatte auch die Info bekommen, dass ab Mittwoch die Läden geschlossen hatten. Namid beruhigte mich, wir würden das schon alles hinbekommen.
Im Zug von Hannover nach Braunschweig überlegten wir, was wir alles einkaufen wollten. Dann liefen wir zum großen Edeka. Der hatte normalerweise mindestens bis zehn auf, am Eingang stand jedoch ein Schild, dass er um acht schließen würde. Wir hatten also zehn Minuten. Ich holte Obst und Gemüse, Namid Brot, Zwieback und Käse. Jeder nahm einfach die Sachen, die er für sinnvoll hielt. Wir fragten einen Mitarbeiter und während ich auf der Suche nach Klopapier ein Riesenpakete Küchenrolle mitnahm, schaute Namid nach Reis. Wir hatten abgesprochen, uns vorne bei den Getränken zu treffen, waren jedoch dann beide unsicher, wo jetzt genau. Ich war zur Kasse bei den Getränken gegangen, wo wir auch beim letzten Mal gewesen waren. Der Kassierer erlaubte mir, meine Sachen schon mal abzulegen und dann Namid zu suchen. Schließlich fanden wir uns und holten noch schnell eine Flasche Ouzo – zur Desinfektion, und gleichzeitig das einzige hochprozentige Getränk, was ganz okay schmeckte. Dann bezahlten wir schnell und liefen mit den ganzen Sachen zum Bus.

In Namids Hausflur folgte nun eine riesige Desinfektionsaktion. Als erstes musste Namid allerdings auf Toilette. Dafür musste er aber Schuhe und Socken ausziehen, Hände desinfizieren, nichts in der Wohnung berühren und jeden Schritt laut kommentieren, damit keine unüberlegte Bewegung gemacht wurde. Wir wollten, dass seine Wohnung 100-prozentig Corona-frei blieb, damit wir uns darin unbesorgt bewegen, essen und auch ins Gesicht fassen durften. Als nächstes wurden alle Einkäufe in der Küche abgelegt. Dann packten wir alle Sachen auf dem Flur aus. Sie wurden sortiert nach „zu waschen“ und „zu desinfizieren“ und „wegschmeißen“ und „müsste wirklich sauber sein“. Dann sprayten wir mit meinem Desinfektionsspray, das ich auch noch dabeihatte, drauf los. Jede verwendete Karte (EC, Ausweise), jedes Taschentuchpäckchen, Handcreme usw. wurde desinfiziert. Als Namid leichte Kopfschmerzen bekam machten wir schnell alle Fenster auf und ich sprayte weiter. Die desinfizierten Wertsachen legten wir in Namids Flur. Alles andere ließen wir erst einmal liegen und holten unsere Fahrräder aus dem Keller. Dann fuhren wir zu meiner Wohnung. Ich hatte kurz mit Andrea telefoniert, aber die war sowieso bei Jannis. Bei mir zog ich dann ebenfalls Schuhe und Socken aus, desinfizierte meine Hände, zog auch mein Oberteil aus und stattdessen eine frische Jacke aus dem Flur an und ging vorsichtig in die Wohnung. In meinem Zimmer nahm ich alle Sachen, die ich noch brauchte (wer wusste, ob ich in den nächsten Monaten herkommen würde, wir hatten erfahren, der Höhepunkt der Pandemie sollte in Deutschland im Juli/August sein) und brachte sie in einer Tasche auf den Flur. Die Anziehsachen, die ich ausgezogen hatte, nahmen wir in einer Extra-Tasche mit. Dann fuhren wir zurück. Nun leerten wir unsere Rucksäcke komplett und desinfizierten sie von außen und innen. Wir brachten alle Wäsche nach unten. Wie gut, dass es in diesem Haus zwei Waschmaschinen und sogar zwei Trockner gab. Wir füllten beide Maschinen, getrennt nach „fein“ (Anziehsachen) und „grob“ (Jacken, Taschen usw.). Unsere Anziehsachen wurden mit Waschnüssen und Waschmittel gewaschen, doppelt hielt besser. Dann liefen wir wieder hoch. In Namids Flur zogen wir unsere Sachen aus und warfen sie durch einen Türspalt auf den Hauptflur. Namid überwand sich, mit einem Handtuch unsere restlichen kontaminierten Sachen in die Waschmaschine zu bringen. Dann duschten wir und zogen uns frische Sachen an (ich hatte mir ja zuvor neue Sachen aus meiner Wohnung geholt). Die letzten Gegenstände wurden noch desinfiziert und Namid kochte Aufstrichgläser, Brotdose und Zahnbürsten mit Wasser ab. Gegen zwölf hatten wir schließlich alle Sachen sauber in der Wohnung. Nun konnten wir endlich etwas essen, und telefonieren. Vor dem Schlafengehen packten wir alle Sachen aus den Waschmaschinen in die Trockner.

***
Am nächsten Morgen weckte mich Namid um neun, und wir holten schnell die Sachen aus dem Trockner hoch, damit sie nicht noch jemand anders im Wohnheim auf den Boden warf, weil er die Maschine benutzen wollte. Dann schliefen wir bis zwölf weiter. Nach dem Frühstück (wir hatten Tee, Brioche, Marmeladen, Kiwi, Orange, meinen Rest Smoothie, Namid freute sich über Brot und Käse, so ein umfangreiches Frühstück hatten wir lange nicht gehabt) recherchierten wir. Herr Geerken hatte wohl geschlossen, also schickten wir unsere Sprachzeugnisse und Anträge auf vorzeitigen Beginn der Bachelorarbeit per Mail. Wir schauten Tagesschau, in Frankreich hatten sie seit heute Mittag Ausgangssperre, wir hatten so Glück gehabt, dass wir da vor weniger als 24 h rausgekommen waren. Wir entschieden, doch jeder nach Hause zu fahren; da wir nicht aus offiziellen Risikogebieten kamen und uns extrem vorgesehen hatten war unser Corona-Risiko schon recht gering. Außerdem wollten wir im Falle einer plötzlichen Ausgangssperre nicht hier in der Einzimmerwohnung gefangen sein, sondern lieber wenigstens in den Garten gehen können uns sicher bei unseren Eltern sein. Wir kochten uns Blumenkohl mit Kartoffeln und tauschten Fotos aus. Namid kaufte Zugtickets nach Hause für den nächsten Tag und meine Mutter holte mich mit meinen ganzen Sachen ab. Wir nahmen noch Namids Kannenpflanze und Diamantnatternkopf in Asyl und evakuierten auch noch meinen Eukalyptus und die Sukkulente aus meiner Wohnung. Und dann war ich endlich richtig zuhause. Mal schauen, wann Namid und ich uns wiedersehen würden. Vielleicht konnte ich ihn ja in ein paar Wochen besuchen fahren, wenn wir gesund blieben und keine Ausgangssperre verhängt wurde…

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