letzte Tage


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Published: July 9th 2017
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2.7.

Die Reise zum Tortuguero Nationalpark ist etwas umständlich (Taxi zum Terminal, Bus nach Cariari, Bus nach Pavona, Boot ins Dorf Tortuguero), es klappt aber alles ohne Zwischenfälle, trotz teilweise heftigen Regens und schlechter Strassen. Wir beziehen unsere Unterkunft im Hostel und erkunden danach Dorf und Umgebung. Das Dorf liegt auf einer schmalen Landzunge zwischen Lagune und Meer, es gibt nur schmale Fusswege und ausser Handkarrren keine Verkehrsmittel. Die Küste ist rau, hohe Wellen brechen sich am Strand.

Nach Einbruch der Dunkelheit begeben wir uns einmal mehr auf eine Nachtwanderung, wo wir Echsen, Spinnen (inklusive zweier grosser, haariger, schwarzer Taranteln), Frösche und allerlei Insekten beobachten können.

3.7.

Um sechs Uhr besteigen wir im Dauerregen ein Kanu und gleiten damit durch die Kanäle des Nationalparks. Dank Regenponchos bleiben wir einigermassen trocken, und Tiere gibt es auch jetzt zu sehen: Riesenechsen, Faultiere, Affen, Reiher, Tukane und eine Boa Constrictor.

Nachmittags ist es wieder trocken und wir spazieren nochmals im Park umher. Wir sehen Spechte, einen Tamandua (Ameisenbär), das übliche Kleinvieh (Frösche, Echsen, Insekten) und werden von grünen Aras mit Mandelschalen bombardiert.

Spät abends steht dann die Hauptattraktion des Parkes an: wir beobachten die Eiablage einer Meeresschildkröte. Dies läuft streng kontrolliert ab, man geht mit einem Guide hin, der Strand ist in verschiedene Sektoren eingeteilt, die Anzahl Besucher ist limitiert. Eine Lotterie bestimmt, wer wann wo hin darf. Wir haben das Los «22.00h bis 24.00h Sektor 3» gezogen und warten also mit unserem Guide und einer Reihe anderer Gruppen rund 100m vom Strand entfernt hinter Büschen. Wir mussten uns dunkel kleiden und es herrscht strenges Licht-, Fotografier- und Redeverbot, um die Schildkröten nicht zu verscheuchen. Ranger warten am Strand und beobachten die Schildkröten, die an Land kommen. Erst als diese ein Loch gegraben haben und mit der Eiablage beginnen, werden die Touristen in kleinen Gruppen herangeführt. So kauern wir also andächtig hinter der Schildkröte und beobachten, wie ein weiches, schleimiges Ei nach dem andern in die Grube kullert. Der Prozess dauert rund eine halbe Stunde – es sind 100 bis 120 Eier, danach bedeckt die Schildkröte die Grube mit Sand. Dies ist enorm anstrengend für sie, und das wirkt auch so. Jeweils nach ein paar scharrenden Bewegungen macht sie wieder eine Pause. Man merkt, dass dies nicht ihr Element ist: sie kommt überhaupt nur zur Eiablage an Land, und dies nur alle zwei bis drei Jahre. Die ganze restliche Zeit verbringt sie im Wasser! Während des Zugrabens wird sie von zwei Leuten der Forschungsstation vermessen und gechipt (sie ist noch nicht markiert, das heisst sie ist zum erstem Mal zur Eiablage gekommen), was sie nicht zu stören scheint. Danach kriecht sie langsam die ungefähr zehn Meter zum Wasser zurück und verschwinden mit der ersten grossen Welle lautlos in der Dunkelheit.

4.7.

Wir reisen zurück nach San Jose, auf der Bootsfahrt scheint diesmal die Sonne und wir sehen nochmals eine ganze Reihe Tiere: einen Kaiman, eine Fluss-Schildkröte, 9 Leguane in verschiedenen Grössen und Grün-Schattierungen, Brüll- und Kapuzineraffen.

5.7.

Der Flug nach Panama dauert zwar nur rund eine Stunde, beansprucht aber dennoch den ganzen Tag. Im Reiseführer wird gewarnt vor falschen Taxifahrern am Flughafen in Panama-City und wir sind dementsprechend skeptisch, als wir zwar endlich ein offizielles Taxi finden, sich dann aber ein weiterer Fahrgast auf den Beifahrersitz setzt. Er diskutiert eifrig mit dem Fahrer – in dermassen rapidem Spanisch, dass wir nichts verstehen. Wir sind misstrauisch. Plötzlich kehrt sich der Fahrgast zu uns und fragt in breitem Zürichdeutsch: «für wie lang sind ihr dänn in Panama?». Er ist Spanier, in Zürich aufgewachsen und lebt in Panama. Und gibt uns einige Tipps zu Sehenswürdigkeiten. Und warnt uns vor den Taxifahrern, die Touristen für gewöhnlich über den Tisch ziehen würden: er empfehle uns Uber, das klappe gut und dann sei der Fahrpreis fair und zum Voraus klar.

Wir erreichen unser Hotel unbeschadet, kaufen im nahen Einkaufcenter Proviant für morgen ein und erholen uns dann in unserem Zimmer mit fantastischer Sicht auf Skyline und Meer von den Strapazen.

6.7.

Das mit Uber funktioniert gut, der Fahrer kennt allerdings unsere Destination, den Soberania Nationalpark ausserhalb der Stadt, nicht und muss einen Taxifahrer fragen… Dort findet er dann den Haupteingang zum Park nicht und lädt uns einfach am Strassenrand ab, aber wir wissen ungefähr wo wir sind und gehen das Risiko ein. Wir wandern rund 10km – Eva ist froh, dass dies definitiv die letzte Wanderung ist, wir aber geniessen ein letztes Mal den tropischen Regenwald, die schwüle Hitze, das dichte Grün, die Gerüche, die Geräusche und die Tiere: Vögel, Frösche, Echsen, Schmetterlinge, ein Nasenbär.

Wir finden die Busstation am Rand des Parks problemlos und fahren zur Miraflores-Schleuse am Kanal. Dort beobachten wir einen norwegischen Frachter, der die Schleuse passiert und erfahren im Museum alles zur Geschichte des Kanals. Für die Rückfahrt versuchen wir es wieder mit Uber und machen so die Bekanntschaft mit Norton. Er ist Unterwasser-Mechaniker hier in Miraflores, das heisst er repariert tauchend Schäden an der Schleuse. Für die Fahrt nach Arbeitsschluss zurück in die Stadt loggt er sich bei Uber ein und verdient so noch gleich das Benzingeld. Clever. Und wir erfahren nochmals viel Wissenswertes zum Kanal und zu Panama im allgemeinen.

7.7.

Auf Anraten von Norton fahren wir zum Causeway, dem Damm, der ein paar Inselchen mit der Stadt verbindet und so den Yachthafen bildet. Von dort aus hat man eine gute Sicht auf die Skyline, und eine Reihe von Cafés, Spielplätzen und Anbietern von Vierpersonen-Velos, Rollerblades und ähnlichem laden Einheimische wie Touristen zum Verweilen ein. Da wir ja nun den korrekten Preis kennen, nehmen wir ein normales Taxi zurück in die Stadt und lassen uns beim "Casco antiguo", der Altstadt, absetzen. Wir spazieren vorbei an der Festung aus Kolonialzeiten sowie durch Gassen und Plätze mit schönen Häusern aus dem 18. Jahrhundert, erbaut nach einem Brand. Einige sind schäbig bis baufällig, andere sind prächtig renoviert und erstrahlen in kräftigen Farben oder edlem Weiss, die Fenster verziert mit kunstvollen Gittern. In einer Bar auf der Dachterrasse eines solch prunkvollen Gebäudes genehmigen wir uns ein Apéro und stossen auf den letzten Abend unserer Reise an - was jetzt noch folgt sind nur noch Ferien...

Morgen fliegen wir nach Curaçao, dort haben wir für zwei Wochen ein Appartement gemietet. David und Anna-Lea stossen übermorgen zu uns, wir freuen uns sehr auf ein Wiedersehen. Ich werde wohl noch einmal von dort berichten.


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