Hospital Story


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Published: January 17th 2018
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I guess I‘ve seen better days...

Ich lieg im Krankenhaus in Managua, mit einer Infusion die langsam eiskalte Flüssigkeit durch meinen Körper spült. Mein Arm und meine Finger sind schon ganz taub, anscheinend ist das ein Magenschoner, wenn ich die Krankenschwester richtig verstanden hab... Ich kann euch leider nicht verschonen - dieser unschöne, wenig philosophische Teil gehört auch zu meiner Reise. Zum Glück ist das jetzt aber schon Vergangenheit...

Das Krankenhaus ist schön, erstaunlich viel Personal und wenige Patienten. Wahrscheinlich können Nicas sich die Behandlungen hier nicht leisten... Ich wurde direkt aufgenommen, durchgecheckt, hab gleich mein Bett und eine Decke bekommen. Seit dem werken 3 Krankenschwestern an mir rum. Ich glaube sie bereiten mich auf eine Magenspiegelung vor, hab ich nicht so genau verstanden, ist aber auch egal. Ich fühle mich in guten Händen und vertraue den Ärzten. Wenn wir uns auf Spanisch unterhalten verstehe ich das meiste (bis auf das Fachchinesisch) deshalb ist der Übersetzer gleich am Anfang nach dem „Check-In“ wieder abgehauen, seit dem bin ich alleine. Ich bin ehrlich gesagt auch einfach nur froh, dass ich in Ruhe in einem kühlen Raum liegen kann - ab jetzt muss es ja wieder bergauf gehen. Ich hab ein Teddybärenpflaster über meine Infusion geklebt bekommen, das heitert mich etwas auf. Die Krankenschwestern sind zuckersüß, wundern sich alle, dass ich ganz allein da bin: „Estás soltera, mi ija?“

Ich hab so das Gefühl, dass sie mich über Nacht da behalten. Auch egal... ich bin k.o., will eh nicht wieder da raus. Die Busfahrt zum Krankenhaus war anstrengend genug. Ich mache mir keine ernsthaften Sorgen, wird halt irgendein lästiger Virus oder sowas sein... trotzdem bin ich ziemlich mitgenommen. Die Tage haben an mir gezehrt, das merk ich jetzt wo ich (endlich) hier liege umso mehr. Sie haben mich gefragt, wann ich zuletzt ordentlich gegessen hab... ich weiß es gar nicht mehr, muss das Mittagessen am Freitag gewesen sein, wahrscheinlich sowas wie Reis mit Gemüse, typisch für Nicaragua.

So, jetzt ist es mittlerweile 16:30, ich bin seit guten 5 Stunden hier, warte nach wie vor auf einen Befund oder eine weitere Untersuchung. So leer das Krankenhaus am Vormittag auch war, jetzt sind alle 8 Betten in meinem Zimmer belegt. Und alles andere hat Vorrang - kann ich auch verstehen, ich bin ja kein Notfallpatient. Trotzdem wärs gut zu wissen, wann ich hier raus komme, schön langsam wirds nämlich dunkel draußen... Anscheinend bekomme ich in 15 Minuten die Befunde und noch eine Untersuchung, da bin ich mal gespannt.

Wieder eine Stunde später: Soweit ich verstanden habe ist es tatsächlich ein Virus. Was glaube ich gut ist... ich kanns nicht sagen, schwebe irgendwo zwischen Hunger, Durst, Magenkrämpfen und Müdigkeit hin und her und warte eine finale Entscheidung ab. Die Ärztin ist wieder weg, die Infusion steckt noch, also wohl doch noch nicht Zeit für den Check-Out...

Endspurt, 19:00 Uhr. Knappe 8 Stunden nach meinem Check-In folgt nun der Check-Out. Ich hab einiges an Pillen im Gepäck, eine nette Blutblase als Andenken an die Infusion und einen ordentlich flauen Magen so ganz ohne Essen und Trinken. Und nach dem langen Warten, Bürokratiekram und Diagnosegeschwafel auf Spanisch - das ja wohl kein normaler Tourist versteht nach 8 Stunden Krankenhaus - bin ich echt froh hier wieder raus zu kommen. Das Angebot mir ein Taxi zu rufen hab ich dankend abgelehnt (die zocken Touristen nur ab) und wurde somit mit einem leicht besorgten „Cuidate“ (Pass auf dich auf) von dem Pfleger verabschiedet. Ich denke er hat gemerkt, dass bei mir die Luft raus ist...

Die übervollen Busfahrten zur Rush Hour zurück nach Veracruz waren dann fast schon erfrischend nach so viel Krankenhausduft und ich kann mit Stolz sagen, dass ichs ohne zusätzliche Schrammen nach Hause geschafft hab. Uff... was für ein Tag.

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