Fantastische Flora und Fauna in Costa Rica


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Published: July 1st 2017
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19.6.

In strömendem Regen verladen wir unser Gepäck in den nagelneuen Pickup – wir sind die einzigen Fahrgäste - und fahren los, zur costaricanischen Grenze. Unser Fahrer, ein älterer Herr, kennt sich offenbar mit dem Fahrzeug noch nicht aus: als es lebensgefährlich wird, da er offenbar nicht weiss wie man den Scheibenwischer schneller einstellen kann und deshalb blind fährt, schreiten wir ein. So sind wir nervlich bereits etwas gereizt, als wir das Übertrittsprozedere beginnen – schlechte Voraussetzungen. Wir legen uns mit den nicaraguanischen Grenzbeamten an, da diese noch diverse undurchsichtige Gebühren verlangen für die Ausreise (bezahlen schliesslich alles, erhalten aber immerhin für jede Gebühr eine Quittung), beklagen uns lauthals über die Stunde Wartezeit in der Hitze (mittlerweile scheint wieder die Sonne) auf den Bus (den wir immerhin zum Voraus teuer bezahlt haben) und schimpfen nochmals über die lange Schlange vor dem Schalter zur Einreise in Costa Rica (zwei weitere werden gerade geöffnet, als wir – nach einer weiteren Stunde Anstehen – endlich an die Reihe kommen). Danach läuft es jedoch rund. Dass hier alles anders wird erkennt man sofort: die Strasse ist schlaglochfrei asphaltiert und ohne Abfall-Saum, die Stromleitung daneben besteht aus soliden Masten und ordentlich gespannten Drähten, die Häuser sind robust gebaut und gepflegt und es herrscht allgemein eine Atmosphäre von Ordnung und Wohlstand. Das hat natürlich seinen Preis. Bereits das Taxi von Liberia, wo wir den Bus verlassen, an die Küste, kostet ein Vermögen (ist dafür massiv schneller und bequemer als der Bus, und wir sind ja müde von der Reise, wie uns der Taxifahrer erklärt, der uns eigentlich nur vom einen Busterminal zum andern bringen sollte, uns dann aber einen «guten Preis» macht für die ganze Strecke – wie kann man da widerstehen?). Das Hotel ist zwar schön gelegen – direkt am Strand mit dem zutreffenden Namen «Playa Hermosa»- aber mit durchschnittlichem Service, kostet dennoch ebenfalls deutlich mehr als was wir bisher bezahlt haben, das Znacht später dünkt uns sogar unverschämt teuer. Daran müssen wir uns wohl gewöhnen.

Es weht ein frischer Wind, regnet aber nicht, so dass sich Marco und Eva noch in die Fluten stürzen. Ich geniesse einfach den Sonnenuntergang am Strand und versöhne mich mit dem Tag.

20.6.

Marco hat bereits zum Voraus ein Auto organisiert, und das wird uns wie versprochen zum Hotel gebracht. So fahren wir mittlerweile wieder gut gelaunt los, der Küste entlang Richtung Süden. Die Strasse ist auf der Karte als «seasonal» angegeben, und wir finden bald heraus, was das bedeutet: Schlaglöcher bis zum Gehtnichtmehr und Flussdurchquerungen mit Wasser bis zur Kühlerhaube. Heute sitze ich am Steuer, und nur dank der verschiedenen 4x4-Abenteuer in Australien, Afrika und Island, die wir alle schadlos überstanden haben, getraue ich mich überhaupt weiterzufahren. Wir bleiben auch diesmal nicht stecken, und die Strecke belohnt uns für unseren Mut: wir sehen Affen, eine lange, braune Schlange, massenhaft Vögel, und natürlich die zahllosen Strände mit schwarzem Vulkansand, bunten Muscheln und zerklüfteten Felsen, an denen wir vorbeifahren.

Am Playa Guiones betrachten wir den wunderbaren Sonnenuntergang und machen ein paar Kunstfotos von Eva, bevor wir dann im Dunkeln ein Hotel suchen. Im «Giardino tropicale» der Amerikanerin Spesha ist es zwar hübsch, aber Marco nennt sie ab sofort nur noch «rip-off-girl», obwohl alle Unterkünfte hier im Ort etwa gleichviel kosten. Der Fairness halber muss man eingestehen, dass die Logistik bei dieser Strasse erschwert ist und etwas höhere Preise wohl gerechtfertigt sind.

21.6.

Nachts hat es etwas geregnet, aber Marco und ich stehen um 5 Uhr bei Sonnenschein auf und machen einen Morgenspaziergang am Strand, in Begleitung von Espa, der Haushündin. Wir sehen tausende von Krebsen mit schwarzem Körper, leuchtend orangen Beinen und violetten Zangen, die – Google weiss es – Halloween-Krabben heissen und in der Regenzeit vom Inland an die Küste pilgern, um dort ihre Eier zu legen.

Nach dem Zmorge («rip-off-girl» heuscht für zwei Scheiben Toast mit Butter und Konfi US$4.-, dafür ist der Kaffee gratis) fahren wir noch ein Stück der Küste entlang, zweigen dann aber ab Richtung Inland, und dort wird dann auch die Strasse wieder zivilisierter. Unser Zwischenziel ist der Rio Tempisque, der entlang des Nationalparks Palo Verde verläuft. Dort heuern wir Roberto an, der uns mit seinem Boot die Tiere zeigt, die in der Regenzeit eben da sind: 5 Meter-Krokodile, von denen wir nur Nasenlöcher und Augen aus dem Wasser lugen sehen, und dutzende von Jungtieren, die im Mai geschlüpft sind und die wir nie im Leben selbst entdeckt hätten, da sie reglos im Gestrüpp am Ufer sitzen. Riesenechsen von bis zu zwei Metern Länge, die ebenfalls gut getarnt auf den Bäumen hocken. Eine Familie von Brüllaffen, die auf einem Baum Siesta hält. Und eine ganze Reihe verschiedener Vogelarten, die zu Hunderten auf einer Insel in der Flussmitte auf Sträuchern nisten, für den Nestbau aber zum andern Ufer fliegen müssen, um dort Zweige und Lianen zu holen. So herrscht reger Verkehr hin und her, und wir staunen nur.

Nachmittags fahren wir in die Berge, in den Nebelwald von Monte Verde auf 1500 Metern. Dort ist es tatsächlich neblig und kühl und beinahe dunkel, als wir ankommen. Wir finden eine angenehm günstige Unterkunft und eine Pizzeria gleich nebenan, die ihrem Namen alle Ehre macht.

22.6.

Marco und ich machen wiederum einen Morgenspaziergang von 5-7 Uhr im Regenwald – und sind arg enttäuscht, da wir kaum ein Tier sehen.

Später ist dann Action angesagt: wir reihen uns unter die Touristen und machen «Zip-Lining»: 13 Tirolienne-Fahrten von Plattform zu Plattform, die Längste ist sagenhafte 1000 Meter lang, hoch über und mitten durch die Baumkronen. Ein buchstäblich atemberaubendes Abenteuer.

Gemächlicher verläuft dann der 3km lange Hängebrücken-Trail, wir nehmen uns viel Zeit und betrachten die fabelhafte Flora in aller Ruhe: Bäume, Sträucher, Farne, Orchideen über-, unter- und um uns herum, es wird uns schier schwindlig. Mitten auf einer Brücke sitzt ein Hund. Wie kommt denn der hierher? Als wir uns auf einige Meter genähert haben steht das Vieh auf und rennt davon, über die Brücke und danach hinauf in einen Baum: es ist kein Hund, sondern ein Nasenbär!

Im «Hummingbird-Garden», wo mit Zuckerwasser-gefüllten Flaschen Kolibris angelockt werden, wollen wir etwas verschnaufen. Nichts da: die grossen Blauschimmernden verscheuchen die kleinen Grünleuchtenden von den begehrten Futterquellen, es herrscht ein Geflatter und Gezwitscher, wir werden umschwärmt und beinahe-bombardiert, dass wir kaum wissen, wo uns der Kopf steht. Einfach fantastisch.

Der Höhepunkt ist aber die Nachttour: Davide, ein junger Biologe, der ausgezeichnet Englisch und dank eines Auslandsemesters in Köln auch ein paar Brocken Deutsch spricht, führt uns durch den nächtlichen Regenwald und findet im Strahl seiner Taschenlampe Unglaubliches: Motten, Stabheuschrecken, Tausendfüssler, Schnecken, Spinnen, eine Tarantel, eine Baumviper, Tukane, ein Opossum, ein Gürteltier und einen Honigbären. Zu allem und jedem kennt er die lateinischen Namen und weiss viel Interessantes zu erzählen. Und er freut sich ab jedem noch so kleinen Vieh wie ein kleiner Junge («this is so cool!») und bedankt sich bei ihm («thank you, little fellow!»). Wir sind gerührt und beeindruckt.

23.6.

Nachts hat es etwas geregnet, aber nun scheint wieder die Sonne. In Costa Rica scheint die Regenzeit etwas später einzusetzen – uns soll's recht sein. Wir lassen den Tag nach dem gestrigen Vollprogramm gemütlich angehen und fahren dann bergab und rund um den Lago Arenal zum gleichnamigen Vulkan. Dort mieten wir ein hübsches Bungalow in einem Garten voller Hibiskus-Sträucher mit einer Terrasse zum Vulkan hin und erhalten 25% Rabatt – wir sind die einzigen Gäste. Da es so schön ist auf der Terrasse bleiben wir den Rest des Nachmittags dort sitzen und holen etwas Schulunterricht nach.

Auch beim Znacht im Steakhouse nebenan sind wir die einzigen – erhalten aber keinen Rabatt…

24.6.

Eva setzt heute den Joker, so gehen Marco und ich alleine wandern im Park rund um den Vulkan. Die Wanderung ist abwechslungsreich: erst führt der Weg am Fuss des Vulkans durch dichten Regenwald und an einem See vorbei, der bei einem früheren Ausbruch entstanden ist. Wir sehen wiederum viele Vögel, und ich trete beinahe auf eine Schlange, die gut getarnt auf dem Weg liegt. Eine Viper, meint der Ranger später auf meine Beschreibung hin. Danach führt der Weg steil bergauf, wird steiniger und Bäume gehen über in Sträucher und Gräser. Vom Gipfel des Lavafeldes vom Ausbruch von 1968 haben wir einen Rundblick auf die umliegenden Hügel und Wälder und den Lago Arenal. Den Gipfel des Vulkans lassen wir links liegen, diese Wanderung dauert sechs Stunden, das ist uns für heute zu anstrengend.

Den Rest des Nachmittags verbringen wir wiederum auf der Terrasse, obwohl es mittlerweile doch auch wiedermal regnet.


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