Erste Tage in Vietnam


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Asia » Vietnam » Southeast » Ho Chi Minh City
July 12th 2018
Published: July 15th 2018
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Weiter nach Vietnam, dass Land auf welches ich am meisten gespannt war. Für die Einreise nach Vietnam muss man sich im Vorfeld einen sogenannten Approval Letter ausstellen lassen, dies habe ich dann auf den letzten Drücker hin auch gemacht. Mit den letzten 30 Dollar flog ich dann nach Ho Chi Minh. Dieses Geld reichte dann auch exakt für das 1 Monats Visa und das Foto das ich noch machen lassen musste. Dann ging es mit einem Grab Taxi (bei uns heisst es Uber und ist verboten) in die Innenstadt. Meine Unterkunft befindet sich unmittelbar neben der Bui Vien Strasse, der Backpackerstrasse in Ho Chi Minh. Eine genaue Vorstellung wie das dort aussieht hatte ich nicht, jedenfalls als ich ankam, war ich mitten im Getümmel, das Taxi hielt einfach auf der Strasse und lud mich aus. Es war bereits 22:00, und es war richtig was los da. Bars, Gogo Bars, Street Food Stände, unzählige Roller und noch mehr Menschen tummelten sich auf der Strasse. Ich fand jedoch ganz gut zu meinem Hotel und bekam dann auch ein ganz gemütliches, ruhiges Zimmer. In den grossen Städten bevorzuge ich Hotels eher als Hostels. Da lernt man ohnehin immer wieder neue Leute kennen. Kurz frisch gemacht, gleich um die Ecke Bier und Reis bestellt und dann ab in die Partystrasse. Was mir gleich auffiel, waren die hunderte zu der Strassenmitte hin gerichteten Plastiktischchen und Stühlchen – und zwar von beiden Seiten. Da sassen die Vietnamesen dann und tranken und assen, teils wurde auch in einer Lautstärke noch Karaoke gesungen. Weiter hinten dröhnte es jedoch aus Clubs und Bars noch lauter. Man drängelte sich also durch diese enge Gasse wo links und rechts die Leute sassen. Doch man war als Fussgänger nicht allein, da kamen noch mobile Street Food Stände und natürlich Roller, die ununterbrochen zu hupen schienen. Schaute man nach oben, hängten überall Leuchtreklamen und Kabel teils quer über die Strasse. Zusätzlich ist ja noch WM, also bei jeder Bar wurde noch provisorisch ein Fernsehen oder eine grössere Leinwand hingestellt. War also schön was los. Doch mir gefiel dieses Durcheinander irgendwie ganz gut. Ich setze mich irgendwo hin und schaute die Spiele, traf noch ein paar Chinesen, von denen es auch nicht zu Wenige hatte, und genoss den ersten Abend im wilden Vietnam.

Am nächsten Tag stand einiges auf dem Programm, wie immer versuche ich mich in grossen Städten ohne grössere Hilfe von öffentlichen Transportmitteln zu bewegen. Ich laufe gerne und zu Fuss hat man auch die nötige Zeit, alles auf sich wirken zu lassen, mal stehen zu bleiben, in dieses Gässchen abzubiegen, dort einen Kaffee zu trinken oder sich auf diese Bank zu setzen.
So lief ich dann als erstes zum nahe gelegenen Park, da wurde ich auch schon zum ersten Mal richtig mit dem Vietnamesischen Verkehr konfrontiert. Zebrastreifen gibt es, sind jedoch nicht viel mehr als Striche auf der Strasse. Man kann die Strasse eigentlich überall überqueren. Wünschte ich mir in der Schweiz auch. Für den geübten Spaziergänger, vereinfacht sich so das Fortbewegen enorm. Ich habe dies mit dem Verkehr und dem Strassen überqueren bereits in Kambodscha und Indonesien üben können. Doch die Asiaten verhalten sich auch hier nicht überall gleich. Die Vietnamesen sehen einem, hupen dann 5mal, fahren aber schön in Ihrer Linie weiter, hupen nochmals 3mal und fahren dann an dir vorbei – wäre auch ohne hupen gegangen. Als Fussgänger ist man versucht sein Tempo und seine Ideallinie nicht gross zu verändern und einfach weiterzulaufen. So sollte im Normalfall auch nichts passieren. Mittlerweile überquere ich die Strassen ohne gross nach links und rechts zu sehen und bin dann selber erstaunt wie reibungslos der Verkehr an einem vorbei zischt. Macht die Zebrastreifen und das ganze Ampelsystem also überflüssig.
Weiter also, durch den Park, zum War Remnants Museum, dem Kriegsopfermuseum. Mich interessiert Vietnam nicht auch zuletzt wegen des Krieges und den Folgen und wie sich das Land im Süden und im Norden seit dem entwickelt hat. 3 Stunden lang las ich Berichte, sah Fotos, Waffen und Kriegsmaschinerie aus dieser schlimmen Zeit vor rund 40 Jahren. Es gab viele Eindrücke zu verarbeiten, besonders die Fotos, von Tim Page glaube ich, waren teils sehr hart. Da sah man ganze Geschichten in einem Bild, wie Familien auseinander gerissen oder vor Ort einfach getötet wurden. Man sah auch Bilder von amerikanischen Soldaten, jungen Soldaten, die in den Krieg geschickt wurden, die wohl gar nicht genau wussten wer die guten und die bösen Vietnamesen sind. Der Kampf im Dschungel, in dieser tropischen Gegend, gegen einen Gegner der nur schwer zu besiegen war, war wohl von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Und als langsam durchsickerte, dass zu Hause in Amerika, der Krieg gar nicht goutiert wurde und es überall immer mehr Proteste gab, fragte sich der eine oder andere Soldat wohl auch, was er hier eigentlich macht. Nach diesem Exkurs in die 70er Jahre Vietnams, gönnte ich mir an einem ruhigen Ort mal einen schwarzen Eiskaffee. Es war an der Zeit für angenehmeres Sightseeing, ich lief weitere 2 Kilometer in dieser Hitze, es waren gut 36 Grad. Bis ich zur wunderbaren Jade Emperor Pagode kam. Sie ist an verschiedene Götter gerichtet ist, jedoch vor allem an den Jade Kaiser. Nicht weit davon, befand sich das Postoffice, welches von Gustave Eiffel geplant und gezeichnet wurde. Es stammt noch aus der französischen Kolonialzeit und ist immer noch in Betrieb. Am Nachmittag ging es zurück in den Park, wo sich immer viele vietnamesische Jugendliche tummeln und auf der Suche nach Ausländern sind, um Ihre Sprachkenntnisse in Englisch zu verbessern. Da sass ich dann 30 Minuten lang und unterhielt mich über dies und das. Ich erfuhr, dass nur unweit vom Park, die besten Banh Mi’s der Stadt verkauft werden. Dort angekommen, standen 30 Leute in der Schlange, bis auf die Strass hinaus. Doch in Vietnam geht dies Zack Zack, nicht wie bei uns in der Migros. 5 Minuten später hatte ich meine 2 Banh Mi. Mein erster Tag in Vietnam war voller Eindrücke, trotzt der 9 Millionen Einwohner in dieser Stadt und dem ständigen Verkehr und Lärm, die Vietnamesen lernte ich an diesem Tag als gelassene, respektvolle, freundliche Menschen kennen.

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