Pokhara - Eine richtige Dusche, ein richtiges Bett und ein bisschen Adrenalin


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April 7th 2014
Published: April 9th 2014
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Phewa Lake und Himalaya im HintegrundPhewa Lake und Himalaya im HintegrundPhewa Lake und Himalaya im Hintegrund

...so schön war die Sicht leider nur am Freitag
Bevor wir den Bus nach Pokhara für unser kinderfreies Wochenende besteigen bekomme ich noch ein nepalesisches Makeup und eine Frisur von Aishma verpasst und eine Blume ins Haar gesteckt. Die Mädchen finden es ganz wundervoll während ich eher das Gefühl habe wie eine Mischung aus Geisha und Wanderhure auszusehen. Aber weil sie so süß zu mir sind, lasse ich alles so wie es ist bis ich im Bus bin. Gegen 14 Uhr sind wir in Pokhara und beziehen das nächstbeste Hotelzimmer wo wir uns garnicht mehr einkriegen können darüber, dass wir einen Schrank, ein Bett mit einer richtigen Matratze und eine richtige Dusche und Toilette haben. Unsere Unterkunft in Sauraha ist eben doch sehr nepalesisch, das Bett besteht aus einem Holzbrett mit einer windeldicken Stoffauflage, auf dem ich fast jeden Morgen mit Rücken und Hüftschmerzen aufwache und das "Duschen" im Fluss und unter der Wasserpumpe im Hof erlaubt eben auch nicht wirklich Komfort und Privatsphäre und erst Recht kein Warmwasser nach einem staubigen Tag. Am schwersten kann ich mich persönlich jedoch an die Stehtoilette ohne Spülung gewöhnen in der er es immer irgendwie nach Raubtierkäfig riecht. Wir schwelgen also im Luxus aber gehen erstmal eine Runde in die Stadt.

Pokhara liegt wunderschön am Phewa-See mit Blick auf die Ausläufer des Himalaya und umgeben von einer grünen Hügelkette und ist einer der touristischen Hauptzentren Nepals. Das liegt zum einen sicherlich an der schönen Lage mit einem gewissen Erholungswert, zum anderen daran, dass Pokhara Ausgangspunkt für fast alle Trekkingtouren ins Annapurnagebiet ist. Dementsprechend hoch ist die Dichte an Outdoorläden, Trekkingagenturen und Wellnesstempeln für die gestressten Wanderwaden.Im Stadtteil Lakeside, wo auch wir wohnen, reihen sich Souvenirläden, Bars, Restaurants, Spas und Tourenanbieter aneinander. Da wir uns schon überlegt hatten, hier paragliden zu gehen, erledigen wir erstmal ein wenig Organisatorisches und buchen für Sonntag Vormittag einen Tandem-Flug und für Nachmittags noch eine Ziplining-Tour. Ausserdem buche ich für nächste Woche noch einen Guide für meine Trekkingtour. Leider bietet keine Agentur offene Touren an, sodass ich mich einer Gruppe anschließen könnte. Es wäre schön gewesen, ein wenig Gesellschaft zu haben und vorallem sich die Kosten für den Guide zu teilen.Aber vielleicht ist es auch alleine mal ne Erfahrung. Wenn ich Glück habe, reicht das Englisch meines Guides für mehr als eine Basis-Unterhaltung. Da Alex Donnerstag zurück nach Kathmandu fährt, da sein Flug Freitag Vormittag geht, habe ich beschlossen auch donnerstags schon wieder nach Pokhara zu kommen und dann von Freitag bis Dienstag trekken zu gehen.Ansonsten verbummeln wir den Nachmittag mit Bummeln am See und in den belebten Straßen, trinken einen Lassi auf der Dachterrasse eines Cafés mit Seeblick und genießen das schöne Wetter.Vor dem Essen gibts dann die langersehnte heiße Dusche und nach dem Essen gehen wir noch auf ein paar drinks ins Busy Bee, laut Reiseführer "the place to be in Pokhara". Die Bar ist gestopft voll mit Einheimischen und Touristen und alleine zum Leute kucken lohnt es sich, hier her zu kommen. Die Drinks sind billig und so stark, dass wir nach zwei Cocktails schon völlig betrunken sind, und es spielt eine chinesische Liveband mit zunächst von uns völlig unterschätztem Gesangstalent. Kurzum es fühlt sich an wie der erste Abend zurück in der Zivilisation nach langer Abwesenheit und er wird ein Genuss ;-)

Dafür wird der nächste Morgen eine Qual, denn nach ein paar Stunden Schlaf klingelt um 06.30 Uhr schon wieder unser Wecker und wir schleppen uns ziemlich verkatert zum Bootsanlegesteg wo uns ein Fährmann über den wunderschönen frühmorgendlichen See rudert. Dann erklimmen wir üner unzählige Stufen einen der Hügel, auf dem sich die Weltfriedensstupa von Pokhara befindet. Oben wird man dann mit einem wunderschönen Blick über den See und die Stadt belohnt und praktischerweise gibt es dort auch noch ein Frühstückscafé, bei dem wir erstmal eine Pause einlegen.Dann besichtigen wir die Friedensstupa, die von japanischen Mönchen nach dem zweiten Weltkrieg gestiftet wurde und von denen es weltweit 100 geben soll. In Unserem Reiseführer ist eine 6-7 stündige Tour aufgeführt, die aber ausser drei Himmelsrichtungen, in die man sich an Gewissen Fixpunkten wenden soll nicht weiter erläutert ist. Wir versuchen uns trotzdem mal optimistisch daran und verlaufen uns natürlich prompt, weil wir den "Abstieg nach Norden" von irgendeinem verdammten Aussichtspunkt (den wir wohl auch verpasst haben) verpassen. Trotzdem ist es eine sehr schöne Wanderung durch ursprüngliche Bergdörfern voller streunender "Hello-What's-your-name-Where-you-from"- Kinder durch Reisterrassen und mit immer wieder schönen Ausblicken ins Tal. Irgendwann gehen wir querfeldein durch ein paar "Vorgärten" (wo wir aber immer freundlich gegrüsst werden) und dann ein wenig oben auf dem Bergrücken entlang findet sich auch wieder ein Weg der uns runter Richtung See bringt. Auf dem Abstieg sehen wir dann auch den Aussichtspunkt plötzlich, wir sind ungefähr drei Gipfel weiter gelaufen. Trotzdem kommen wir irgendwie doch ungefähr da am Fuße des Berges raus, wo wir uns auch vorgestellt hatten, dass wir ankommen werden. Die vom Reiseführer versprochene Hängebrücke über den Fluss ist natürlich nicht existent, dafür aber mit einer lustigen kleinen Fähre ersetzt worden, die man sich selbst rüberzieht und dann durch kurbeln übersetzen kann. Wir laufen dann auf der anderen Seeseite zurück und in einem kleinen Dorf, was aus höchstens zehn Häusern besteht findet sich plötzlich ein Schild, dass auf ein Restaurant hinweist. Da wir fix und fertig und schon lange hungrig sind, immerhin haben wir auch über 600 Höhenmeter bewältigt, beschließen wir dort zu pausieren und die völlig überraschte "Wirtin" zaubert uns auch tatsächlich innerhalb von 40 Minuten ein frisch gekochtes Menü aus Dhal Bat, Curry und Pickles. Köstlich.

Noch überraschender -für die Wirtin und uns- kommen nach kurzer Zeit noch zwei verschwitzte Mountainbiker dazu, die ebenso verzückt sind, in diesem Winkel eine Art Restaurant zu finden und natürlich kommt einer von Ihnen aus Deutschland. Die Welt ist klein. Und zum Glück hat die Köchin unseren Hunger überschätzt und ausreichend Essen gemacht.Wir bleiben also fast zwei Stunden sitzen, plaudern ein bisschen, genießen den Blick über die Ebene und den See und laufen schließlich noch die letzten Kilometer nach Pokhara zurück, die angesichts der ebenen Strecke und der geteerten Straße eine wahre Freude sind. Als wir am späten Nachmittag im Hotel ankommen sind wir wieder völlig verzückt, dass wir eine Dusche und ein richtiges Bett zum Füße hochlegen haben, und sind auch zu sonst nicht mehr viel zu gebrauchen an diesem Abend.Und das ist auch gut so, denn am nächsten Morgen geht es auch schon wieder Früh los.

Wir sollen um neun im Hotel zu unserem Paragliding-Flug abgeholt werden aber das das Wetter wieder nicht so gut ist, Wolken die Sonne verdecken und es kaum Wind und dafür leichten Nieselregen gibt, ist bis zehn Uhr überhaupt nicht klar, ob der Flug überhaupt stattfinden kann. Um zehn werden wir dann aber doch abgeholt und mit dem Jeep nach Sarangkot, einem kleinen Bergdorf hoch über dem Phewa-See gefahren. Hier werde ich dann doch etwas nervös, denn wir sind verdammt weit oben...und jetzt soll ich mich an so ein Stück Stoff gurten lassen und losfliegen? Nach dem Start verfliegen allerdings schnell alle unguten Gefühle und ich habe Glück, wir erwischen eine gute Windböe und steigen schnell hoch auf. Das ist auch aus dem Grund nicht schlecht, da sehr viele Paraglider gleichzeitig gestartet sind und wir da oben zumindest mal mit keinem anderen Schirm zusammenstoßen. Dafür kreisen eine Menge Geier um uns herum, ob das ein gutes Zeichen ist!? Wir gleiten über die Berge hinweg und der Blick nach unten ist atemberaubend, auch wenn es wieder sehr diesig ist. Leider ist der Himalaya durch die dichte Wolkendecke verdeckt, das wäre natürlich ein noch schöneres Panorama gewesen aber dennoch genieße ich den ca. 30-minütigem Flug sehr. Alex Tandemflugpartner bekommt den Schirm leider nicht ganz so hoch geschraubt. Beim Abstieg über dem See fängt BJ, mein "Pilot", an Pirouetten zu drehen und ein paar wie er es nennt " acrobatics" zu vollziehen, das heißt mal nach links wegzukippen, mal nach rechts und mal achterbahnmäßig im Sturzflug nach vorne. Macht super Spaß aber danach ist mir speiübel und als wir unten landen muss ich mich erstmal hinsetzen und meinen Magen ankommen lassen. Irgendwie ist mir magenmäßig heute eh nicht so gut, vielleicht weil wir gestern in einem sehr einfachen Straßenlokal zu Abend gegessen haben...
Super Timing mal wieder!

Nach einem kurzen Powernap im Hotel und nachdem Alex irgendwelche Akupunkturpunkte an meinem Handgelenk gedrückt hat, bin ich allerdings wieder fit für den zweiten Adrenalinkick des Tages, dem Ziplining. Wieder gondeln wir ewig viele Serpentinen den Berg hoch nach Sarangkot, bis wir am Startpunkt der Tour angekommen sind. Diese Zipline übertrifft alles, was ich bisher kenne, denn es ist ein einziger 1,8 km langer Flug bis ins Tal, bei dem man 600 Höhenmeter überwindet und bis zu 140 km/h an Geschwindigkeit erreichen kann.Die beiden dicken Stahlseile führen parallel hinunter ins Nichts, sodass man mit zwei Passagieren gleichzeitig starten kann. Aufgrund der Länge der Strecke hängt man bei dieser Zipline auch nicht frei über dem Abgrund sondern sitzt in einer Art Gurtgestell, was natürlich den Thrill etwas nimmt. Trotzdem macht es großen Spaß so ins Tal hinunter zu sausen und Alex hängt mich auch erst auf den letzten Metern der Strecke ab.Ob wir tatsächlich so schnell waren, wie angekündigt, können wir beide nicht sagen, denn irgendwie verliert sich auf der Fahrt jedes Gefühl für Geschwindigkeit, da sowohl das Tal als auch die umliegenden Berge so unwirklich weit weg sind!

Abends gehen wir Essen und haben beide irgendwie Lust auf was Westliches, also landen wir im Once Upon a Time - Restaurant, das vom Lonely Planet für seinen guten Service empfohlen wird...das ist auch korrekt so, aber es bestätigt sich mal wieder die alte Regel, dass es das schlimmste ist, was man in Asien tun kann, wenn man "continental" bestellt. Alex' Lemon Chicken ist ganz gut, meine Seafood-Platte ist mies und teuer und ich glaube ne Aldi-Tiefkühlpackung. Der Service ist aber wirklich nett und lässt mich zum Glück den Wein den ich haben will vorher probieren, denn der ist auch mies und ich bestelle lieber n Lemon Soda. Das war mein letzter Versuch hier in Nepal Wein zu trinken :-)Die vorherigen gingen etwa so: "Something to drink for you Ma'am?", "Yes a glass of the Merlot please", "Oh I am sorry, don't have.", "Can I have a glass of the Cabernet then?" Verzweifeltes Kopfschütteln " Don't have", "hm, so which wine of the menu do you have?" Jetzt wird wild mit dem Kugelschreiber durchgestrichen und es bleiben von den 15 Weinsorten, die auf der Karte standen, etwa 10 übrig. Ich zeige also auf den Hauswein. Jetzt wird der Kellner sauer "don't have!! Die durchgestrichenen sind die die wir haben" ah, das macht Sinn, okay. Irgendwas mit fruity und sparkling also... "Dann nehm ich n Wasser".

Am spannendsten in unserem Restaurant ist allerdings der Nebentisch. Hier sitzen meine Lieblingstouristen zum Kopfschütteln: die Chinesen.Eine Reisegruppe von 10
Ziplining SelfieZiplining SelfieZiplining Selfie

... Da gehts runter
Personen sitzt sich gegenüber und 8 Leute starren auf ihr Handy und tippen darauf herum. Keiner spricht, die beiden armen Handylosen (vermutlich Akku leer) bekommen aber im Verlauf der nächsten 10 Minuten wenigstens ab und zu ein Handy unter die Nase gehalten um sich irgendetwas darauf anzuschauen. Wie nett. Dann kommt das Essen, alle haben Pizza oder Chinesisch bestellt, nur eine Chinesin war mutig und hat unsere geliebten Momos bestellt. Auch während dem Essen wird munter weiter das Handy bedient aber wenigstens etwas mehr gesprochen, denn scheinbar schmeckt es nicht so. Deswegen wird der Kellner mehrfach herbei zitiert und kurz darauf kommen drei Teller Pommes, von denen sich jetzt jeder bedient. Die Momo-Esserin macht sich munter Ketchup auf ihren Teller und isst jetzt Momos mit Ketchup und parallel dazu Pommes. Alle anderen lehnen sich quer über den Tisch, um sich auch noch Pommes und Ketchup auf ihre Teller zu schaufeln und so langsam kommt etwas Leben in die Gesellschaft. Dann fotografieren sich noch alle mit ihrem Essen gegenseitig und schließlich gehen sie einträchtig auf ihr Handy tippend hinaus, um noch das letzte bisschen WIFI bis zur Türschwelle des Restaurants auszunutzen. Allein für dieses Schauspiel hat sich der Besuch dieses Restaurants gelohnt.

Auf einen Drink gehen wir noch ins Busy Bee, aber da ist heute nicht so viel los. Dann kaufen wir uns lieber noch zwei Flaschen Himalaya-Wasser (das ist dieses Zeug was sich Madonna immer für 10$ die Flasche einfliegen lässt), das hier stolze 60 Rupies, also etwa 50 Eurocent, kostet aber definitiv jeden Cent wert ist. Ein Schluck Himalaya-Wasser fühlt sich im Mund so weich an, als ob dir jemand mit einem Steiffplüschtier deinen Gaumen streicheln würde und versöhnt mich schnell mit meinem miesen Abendessen. Wir überlegen ernsthaft hier ins Import/Export-Geschäft einzusteigen, zumal unser Handgepäck ja jetzt gut geleert ist.


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