Wieder zurück in Pokhara


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April 25th 2013
Published: April 25th 2013
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Jeah, wieder zurück in der Zivilisation!! :D Ich hab heute früh schon was geschrieben, war dann aber von den Feierlichkeiten gestern Abend (wegen 1,3 in der Diplomarbeit) nicht so ganz in der Lage... also hier nochmal ein update!!

Zusammenfassend kann ich sagen, das Wandern hat mir wirklich großen Spaß gemacht, Sascha und ich wollten an unsere Grenzen kommen und das haben wir auch beide geschafft glaube ich. Jeden Tag sind wir 15 bis 25km gewandert in verschiedenen Höhenlagen und Landschaften, vom tropischen Wald bis zur Steinwüste bis Knietiefem Schnee war wirklich alles dabei!

Die ersten Paar Tage waren ziemlich hart, wir mussten uns noch an das Gepäck auf dem Rücken und dem stundenlangen Laufen gewöhnen, alles hat geächzt und die Füße taten weh, aber immerhin war die Höhenlage noch kein Problem. Nach ca. 3 Wandertagen waren wir dann beide relativ fit und konnten auch längere Strecken am Tag zurücklegen. Beim Wandern an sich haben wir natürlich auch immer mal wieder Pausen gemacht, um die Landschaft, Menschen, Dörfer und Tiere zu bestaunen. Wir hatten keinen richtigen Plan, wie weit wir pro Tag kommen wollten, haben aber ein gutes Tempo gehabt und haben z.T. an einem Tag über 1.000 Höhenmeter gut gemacht (das ist viel 😉

Ab ca. 3.000m hab ich angefangen die Höhenluft zu spüren, morgens hatte ich manchmal Kopfschmerzen oder Nasenbluten (im Schlaf atmet man nicht so tief, dann fehlt einem der Sauerstoff und man bekommt Kopfschmerzen... woher das Nasenbluten kommt weiß ich nicht, hatten aber andere auch, also keine Sorgen!!) Wie zu erwarten, haben wir einige andere Trekker getroffen und sind mit allerlei Nationalitäten in Kontakt gekommen. Vor allem mit Israelis! Es scheint dort sehr stark etabliert zu sein, dass man nach seinem Militärdienst von mind. 2 Jahren nach Nepal kommt und wandert, wir haben also bestimmt über 50 Israelis getroffen und sind mit der einen Gruppe ein Stück mitgelaufen. Am Pass, also der höchsten Stelle waren Sascha und ich dann schneller als die, haben die meisten davon aber schon wieder in Pokhara getroffen...

Die Route an sich führt um das Annapurna Massiv herum, meistens in Sichtweite einige der Gipfel Annapurna 1 bis 4 durch mehr oder weniger kleine Dörfer. Wir sind eigentlich jeden Tag von alleine zwischen 6 und 7 Uhr aufgestanden, haben schnell gefrühstückt und sind dann 6 bis 8 Stunden gewandert!! HArtes Programm, aber wir beide wollten es wie schon gesagt wissen. An einem Tag haben wir noch ein langes Bad in heißen Quellen genommen, die aus dem Gestein brodeln und natürlich auch heilig waren (oder so...)

Abends waren wir immer sehr sehr platt, haben also höchstens noch ne Runde mit Israelis Karten gespielt (ein Spiel namens Shithead) und sind dann schlafen gegangen. Die Zimmer waren meist sehr sehr basic (je höher desto basic-er), also meist Bambushütte mit getrocknetem Schlamm als Wand und Zwei Betten... Steckdose etc. war schon ziemlicher Luxus! In den höheren Lagen wurde es auch wirklich kalt, ich habe ab der ersten Nacht in meiner modischen Tschibo Jacke geschlafen und kontinuierlich mehr und mehr zum Schlafen angezogen... der Schnee, den wir am Abend mit ins Zimmer getragen haben lag morgens immer noch da, es war also wirklich z.T. sehr kalt!

Zur Akklimatisation haben wir einen Abstecher von der eigentlichen Route gemacht und sind zum Tilicho Lake (angeblich der höchste See der Welt mit knapp über 5.000m) gewandert. Hier sind wir richtig in die Berge gekommen, die Sicht war wirklich unglaublich! Diesen Teil haben wir mit einer Gruppe Israelis, die Träger/Guides dabei hatten (Weicheier!) unternommen. Eine der Israelinnen hatte ein einer steilen Stelle ziemlich Angst und ist umgekehrt, kurz darauf wurden Sascha und eine Israelin fast von einem Stein umgehauen, der den Berg runterrollte, aber alle sind am Ende gut angekommen... die Strecke ging an einem sehr sehr steilen Abhang an der Seite des Massivs entlang, ich glaube wenn einer da abstürzt sieht es nicht so gut aus... der Träger/Guide meinte aber er hätte Schutz von oben und der erstreckt sich auch auf uns, also kein Grund zur Sorge etc.

Mit der Akklimatisation vom Tilicho Lake quasi im Gepäck haben wir uns dann wieder Richtung Pass aufgemacht. Dazu haben wir wieder relativ viele Höhenmeter am Tag zurückgelegt und das Wetter wurde schlechter, es hat viel geregnet und geschneit. Sascha war mit jeans und nicht wasserdichten Schuhen unterwegs, er meinte er hat sich das irgendwie anders vorgestellt... aber auch er ist gut über den Pass gekommen! Dazu mussten wir bei knapp unter 5.000m eine sehr kalte Nacht verbringen und um 4:00 morgens aufstehen!! Man muss sehr früh über den Pass, da scheinbar ab 10:00 morgens sehr starke Winde dort wehen und man nur schlecht voran kommt. Nach einem Frühstück bestehend aus Porridge sind wir also los und haben sogar einige Leute eingeholt, die vor uns aufgebrochen sind. Es lag ca. 30cm Neuschnee und je mehr Leute wir überholt haben, desto schwieriger wurde die Strecke. Bei ca. der Hälfte des Aufstiegs gab es eine kleine Teehütte, bei der alle, die vor uns aufgebrochen waren, gewartet haben. Von dort aus sind wir zwei Typen gefolgt, die ein GPS Gerät dabei hatten. Die hatten die Aufgabe, zu entscheiden, wo es langgehen sollte und welchen Weg wir hoch nehmen wollten... es gibt an sich keinen festen Weg, sondern nur Pfosten in Entfernungen von ca 200m voneinander, wenn aber vor einem noch keiner den Weg gelaufen ist, muss man selbst entscheiden wie man von Pfosten zu Pfosten kommt. Der restliche Aufstieg zum Pass war sehr sehr anstrengend, selbst mit leichtem Gepäck (wir hatten viele Müsliriegel dabei, die wir bis dahin zum Großteil schon gemampft hatten) fiel es uns beiden schwer, einen Schritt vor den anderen zu setzen. Ein Australier, der mit uns lief, hatte Haluzinationen wegen der Höhenluft auf über 5.000m und ist eine Weile Hasenspuren in eine komplett falsche Richtung gefolgt...

Weil nur wenige Leute vor uns die Strecke an dem Tag gelaufen sind, mussten wir mehr Energie als sonst aufwenden, denn man rutscht oft aus, sinkt ein oder läuft unnötig steile Hänge hinauf. Diese Stelle war also nicht nur physisch, sondern auch psychisch recht anstrengend. Psychisch vor allem, weil man nie so recht sehen konnte, wo der Pass war und wie weit man war... dazu dann immer wieder abrutschen und einsinken... Am Ende sind wir dann an 8. und 9. Stelle auf den Pass gekommen (Sascha wollte unbedingt unter ten Top 10 sein 😉 ) Dort gab es wieder eine Teehütte, in der wir kurz Platz genommen haben. Wir hatten beide nasse Hosen und Füße und unsere Kleidung fing an zu dampfen! Bevor uns zu kalt wurde, haben wir uns wieder auf den Weg gemacht, der Schweiß in meinen Handschuhen war trotzdem schon gefroren.

Irgendwie hatten wir beide viel an den Aufstieg gedacht, nicht aber so sehr an den Abstieg. Das waren dann nochmal über 3 Stunden, in denen wir viel rumgeschlittert und ausgerutscht sind. Auch hier konnte man wegen schlechter Sicht nie sehen, wann man ankomen würde... endlich endlich waren wir dann im Tal, wo wir erstmal uns augeruht haben. 1 Stunde entfernt liegt das Dorf Muktinath, wo wir im Hotel Bob Marley ein Zimmer genommen haben. Weil wir es uns verdient hatten, und weil es ein sehr entspanntes Hotel ist, haben wir einen Tag dort Pause gemacht und sehr viel gegessen.

Nach zwei Wochen Wandern, viel Kälte, Schnee und kalten Duschen wollten wir dann doch wieder in die Wärme und haben uns nach einem Ruhetag wieder auf den Weg zu unserem Ausgangspunkt Pokhara gemacht. Luftlinie ist das ca. 120km, wir haben dafür aber zunächst an einem Tag 2 Stunden Jeep, dann an dem nächsten Tag 13 Stunden Bus gebraucht!!! Und das auf wirklich schlimmen Straßen, auf denen man zwischen 30° Links- und Rechtsneigung wechselt... und zu allem Überfluss haben wir keinen Sitz mehr bekommen, sondern mussten auf einer Bank hinter dem Fahrer mit Rücken zur Fahrtrichtung fahren. Rückblickend weiß ich nicht mehr so genau wie ich das überstanden hab! Sascha hat sich vermutlich dabei einen Nerv im Nacken eingeklemmt!

So sind wir also vorgestern Abend in Pokhara agekommen. Als ich meine Mails gecheckt hab, habe ich die guten Nachrichten von meiner Diplomarbeit erfahren, wir haben dann gestern noch gefeiert... Heute sollten wir eigentlich eine 90 minütige Massage von Blinden bekommen, waren aber dann doch noch zu fertig und machen das morgen. Wir beide fühlen uns gerade recht schlapp, ich glaube das Wandern und die Rückfahrt wirken jetzt erst so richtig!

Trotzdem gehts uns beiden weiterhin sehr gut, in Pokhara ist es wieder schön warm und entspannt, nachmittags regnet es jetzt wegen der kommenden Monsunzeit häufiger. Wir werden uns wohl noch ein Paar Tage hier mit unseren vielen Israeli Bekannten aufhalten und dann weiter nach Kathmandu (wieder eine ewige Fahrt auf schlechten Straßen!!!) Falls nichts wildes in der Zwischenzeit passiert, melde ich mich von da!!



Liebe Grüße,

A

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