Kalte Nächte in kühlen Höhen


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December 16th 2011
Published: December 17th 2011
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Tanah Mera-Gua Musang-Tanah Rata


Will man den Dschungel Malaysias bereisen und beschreiben, so muss man sich beeilen. Denn zwischen den gigantischen Palmöl- und Obstplantagen, neu entstandenen und schnell expandierenden Orten, Rodung und Straßenbau, bleibt nicht mehr viel Platz für den tiefen, undurchdringlichen, tropischen Regenwald. Die Entwicklung und der Fortschritt Malaysias beruht auf den Naturschätzen und der üppigen Vegetation, die den Motor des Landes bilden und schmieren, im wahrsten Sinne des Wortes. Da bleibt nun einmal kein Platz für die Natur. Ein ganzes Land scheint hier im Umbruch zu sein, von einem dörflichen Entwicklungsland in dem die Bewohner in Holzhütten am Flussufer leben, im Einklang mit der Natur und nur so viel sich von dieser holen wie sie brauchen, scheint Malaysia weit entfernt. Es gibt einen Allgegenwärtigen Trend zur Modernisierung. Ganze Städte entstehen in den Planungsbüros wie in einer Computersimulation, in einem Tempo, mit dem die Bevölkerung nur schwer schritthalten kann. Zu tief verwurzelt sind die Malayen in ihren Traditionen und Gebräuchen. Doch die Regierung will nach vorn kommen. Wem kann man es verübeln. Da werden ganze Dörfer von der Küste weg umgesiedelt in neue, rechtwinklig angelegte, geplante Häusersiedlungen, die ebenfalls aus dem Dschungel geschlagen werden. Das gewonnene Land am Ufer wird an große Konzerne verkauft. In einigen Jahren werden die Hotel- und Industriegiganten die Küsten Malaysias zubetoniert haben. Gut das wir jetzt hier sind.




Der steinige Weg in die Highlands

Jungel- Train

Vier Stunden dauert die Fahrt in dem langsamen Zug durch das Tal, ringsum, nichts als Grün, in allen Schattierungen. Ab und zu ein Tunnel oder eine Brücke über einen braunen, sich dahin schlängelnden Fluss. In gemütlichem Tempo, oft stoppend an versteckten Siedlungen macht uns der Zug müde und schläfrig. Ein beruhigendes, wohliges Gefühl ist es so dahin zu fahren und die Landschaft vorbei ziehen zu sehen. Carmen schläft ein. Ich versuche mich weiterhin wach zu halten und die Schönheit dieser immer seltener werdenden Natur in mich auf zu saugen. Die Gedanken schweifen ab. Tagträume begleiten mich. Leute steigen ein und aus. Eine ganze Schulklasse reist in unserem Wagon mit und fängt immer wieder plötzlich an Lieder zu singen. So bleibe ich doch ganz gut wach. Die Landschaft wechselt sich zwischen dichtem, überwuchertem Dschungel, wo man gerade ein paar Meter weit sehen kann und etwas überschaubaren Tälern, in deren Ferne man die sanften Hügel der Gebirgsausläufer erspäht, ab. Hier und da sind Affenfamilien in den Baumkronen zu erkennen, das sind allerdings auch schon die einzigen Uhrwaldbewohner, außer den Menschen in den Dörfern und Städten, die ich zu sehen bekomme.




von Gua Musang nach Tanah Rata

Gegen Mittag erreichen wir Gua Musang, ein ehemaliges, Holzfällerdörfchen, was in den letzten Jahren stetig zur Provinzhauptstadt ausgebaut wurde und daher einige große, moderne Gebäude, sowie zahlreiche Hotels und Märkte beherbergt. Von hier wollen wir versuchen, möglichst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, über den neuen „East- West“ Highway in die Cameron Highlands zu kommen. Zu Fuß laufen wir einmal quer durch die wenig beeindruckende Stadt zum Busbahnhof, an dem wir zunächst zwei mal vorbei laufen, um dann die ernüchternde Nachricht zu bekommen, „No bus to Cameron Highlands!“. Kein Bus, keine Minibusse, nur Taxi. Genervt setzen wir uns erst einmal in einen Footcourt zum Essen und Beratschlagen. Was nun? Wie da hoch kommen? Immerhin sind es von Gua Musang bis nach Thana Rata in den Highlands etwa zweieinhalb Stunden per Auto. Wir entscheiden uns für´s Trampern und stehen wenig später mit einem großen Schild und traurigen Mienen am Straßenrand. Leider mit mäßigem Erfolg. Eine Junge Frau nimmt uns ein Stück mit, hinaus aus der Stadt zu einer direkten Verbindungsstraße. Mittlerweile gießt es in Strömen. Unsere Sachen stellen wir in einem verlassenen Essensstand unter, ziehen die Ponchos über und versuchen es eisern weiter, jetzt mit noch mehr mitleiderregenden, weil nassen Mienen. Nach einer halben Ewigkeit, mit viel Gehupe und Gegrüße von den Vorbeifahrenden, stoppt ein alter Mitsubishi mit einem verschrobenen alten Mann darin. Dieser macht den Wagen aus, steigt aus und stellt sich bei uns unter. Er sagt kein Wort, zündet sich eine Zigarette an und schweigt beharrlich. Etwas ratlos schauen wir uns an und schweigen ebenfalls. Dann macht er eine Handbewegung die uns zu verstehen gibt, „Wie viel zahlt ihr?“ Wir konnten uns so etwas schon denken und versuchen ihm zu erklären das wir ihm den Tank zahlen wenn er uns mitnimmt. Er scheint einverstanden. Deutet uns zu warten und fährt wieder weg. Wir trauen dem nicht ganz und versuchen es weiter. Nach etwa zwanzig Minuten, ohne Erfolg. Kommt der verschrobene, alte Mitsubishi, inklusive selbigem Insassen erneut angefahren und tatsächlich, er stoppt. Wir sind happy und steigen ein. Doch anstatt in Richtung Highlands, fährt er zurück in die Stadt. Bei einer Tankstelle stoppt er. Ich verstehe, tanken. Doch er schreibt 200 auf einen Zettel und meint nur „Pay/ Bezahlen“. So war das ja nun nicht abgemacht, geben wir ihm zu verstehen. Eine Tankfüllung hätte vielleicht 30RM gekostet. Zornig steigen wir wieder aus. Nichts gekonnt. Im Gegenteil, jetzt sind wir auch wieder zurück in der Stadt. Und die Zeit rennt uns davon. Es ist bereits Nachmittag. Selbst ein verzweifelter Anruf bei einem Hostel in den Highlands und der Bitte uns doch weiter zu Helfen, ist vergeblich. Alle Busse eingestellt. Nebensaison. Wir entscheiden uns für das letzte Mögliche, bevor wir aufgeben und uns eine Unterkunft suchen und versuchen die „einsame-hilflose-weiße-Frau-Nummer“, ich lasse also Carmen allein an der Tankstelle stehen. Nach etwa 10 Minuten kehre ich zurück und siehe da, es hat funktioniert. Irgendwoher kam ein junger Mann der ihr Hilfe anbot, indem er sich bereit erklärte sie, bzw dann uns, nach Tanah Rata zu fahren. Zwar will auch er Geld, doch in unserer Verzweiflung nehmen wir an.

Nun geht es doch in einem alten, verschrobenen Mitsubishi, jedoch mit einem freundlichen und angenehmen Fahrer über den neuen Highway in die Highlands. Zweieinhalb Stunden. Und die Fahrt wird zu einem wahren Erlebnis. Nach etwa einer halben Stunde werden die Fahrzeuge weniger. Die meisten nehmen wohl die Abfahrt nach Ipoh, Richtung Kuala Lumpur. Nur wenige wollen von hier in die kühlen Berge. Die Landschaft wird zunehmend alpiner. Weite Täler zeichnen sich inmitten von Hügelketten zu unserer Rechten ab. Links wird die Straße durch steile Felswände begrenzt, aus denen selbige mit enormer Kraft heraus gesprengt wurde. Der alte Mitsubishi hat immer mehr Mühe mit der steilen Straße. Zeitweise bewegen wir uns nur im Schritttempo vor ran. Die Aussicht ist jedoch jede Mühe wert. Die untergehende Sonne lässt die Umgebung leuchten. Die über und über mit dichtem Dschungel bewachsenen Berge wirken magisch. Zwischendurch ziehen sich Nebelschwaden und verstärken somit den Eindruck. Selbst unser einheimischer Fahrer ist beeindruckt von dieser Natur. Doch es soll nicht lange dauern und die ersten Zeichen der Industrialisierung dieses undurchdringlichen Dickichtes werden uns grausam vor die Augen geführt. Links von uns weitet sich das Tal und wir können weithin über komplett gerodete und terrassierte Bergrücken blicken. Große Baumaschinen sind vereinzelt zu erkennen und je weiter wir fahren, je höher wir kommen, um so schlimmer wird der Raubbau an der Natur sichtbar. Riesige, unüberschaubare Plantagen überziehen jeden einzelnen Winkel des gewonnenen Bodens. Palmöl- und Obstplantagen, schön in ordentlichen Reihen gepflanzt und zugänglich gemacht. Ab und zu sieht man abgerutschte, erodierte Hänge. Dort wo noch keine Plantagen angelegt worden, liegen die gefällten Bäume, kreuz und quer auf den Hügeln und in den Tälern. So muss man sich wohl einen Kriegsschauplatz vorstellen. Tausendfach durchwühlt von den Stahlgeschossen,bis kein Baum, kein Strauch, kein Ast mehr auf dem Anderen liegt, von den Tieren die hier einst gelebt haben brauche ich wohl nicht mehr zu reden. Erst aufkommender Nebel und die zunehmende Dunkelheit beenden das Endzeitszenario und legen ihren gleichmütigen, besänftigenden Schleier über das geschundene Land.

„Wie ein entsetzlicher Brand die gewundenen Thale durchwütet, hoch im dürren Gebirg; es entbrennt unermesslich die Waldung und rings wehed der Wind mit sausenden Flammenwirbeln: So rings flog mit der Lanze der Wütende, stark wie ein Dämon, folgend zu Mord und Gewürg.“(Homer, Ilias)



Tanah Rata

Nach etwas über zwei Stunden bei nun schon tiefster Dunkelheit und strömendem Regen erreichen wir die Bergstadt Tanah Rata in den Cameron Highlands, Malaysias größtem und berühmtesten Anbaugebiet für viele Obstsorten und vor allem Tee, benannt nach dem Entdecker dieses bis zu 2000m hohen Plateaus, William Cameron. Auch entwickelte sich in den 1920er Jahren in diesen kühlen Höhen eine wachsende Erholungsregion für Tropen Geplagte Europäer. Zwischenzeitlich sind es jedoch weniger die Europäer, sondern mehr wohlhabende Chinesen und Japaner, die diese Region zu einem Tourismusgebiet ausgebaut haben. Große, viereckige Hotelbunker zieren die sanfte Hügellandschaft auf eine besonders unansehnliche Art und Weise. Und der Bauboom kennt keine Grenzen.

Tanah Rata ist von den drei größeren Orten hier oben noch der ansehnlichste und am Besten für günstige Unterkünfte geeignet. Beim aussteigen aus dem Wagen aber erst mal ein Schock. Es ist kalt! Wir sind nur in kurzen Sachen gekleidet, was bisher auch immer völlig ausreichend gewesen war, außer man geht in ein Gebäude. Merkwürdige Welt, beim nach draußen gehen aus und beim nach drinnen gehen anziehen. Die Klimaanlagen machen es möglich.

Schnell begeben wir uns in das erstbeste Guesthouse und buchen für eine Nacht. Nach der ersten warmen Dusche seit über zwei Monaten ziehen wir uns alles an Klamotten an was wir zur Verfügung haben. T-Shirt, Longsleef, dünne Jacke, Regenponcho und ziehen noch einmal los um etwas zu essen. Danach geht ein langer und von Auf und Ab´s geprägter Tag zu Ende. In unsere dicke Decke gehüllt, schlafen wir gut und tief, auch ohne Aircondition oder Ventilator.



19.10.2011 bis 26.10.2011 in den Camreon Highlands

Nach einer richtig erholsamen Nacht packen wir auch schon wieder unsere Sachen und wechseln in ein anderes Guesthouse, was uns sympathischer scheint, billiger ist und eine schöne Lage etwas abseits hat. Die daniels lodge soll für die nächsten sieben Tage unser neues zu Hause werden. Gefallen hat uns vor allem die große, überdachte Terrasse mit einer einladenden Couch und vielen Tischen und Stühlen. Gut zum Relaxen und Leute kennen lernen. Eine angenehme Atmosphäre herrscht hier. Wir bekommen auch einen Discount auf unser Zimmer, da wir vor haben eine für Guesthouse- Verhältnisse lange Zeit zu bleiben. Und so freunden wir uns gleich am ersten Tag mit einem Pärchen, er aus Liverpool, sie aus Prag, an. Beide sind seit Juni mit dem Fahrrad unterwegs die Welt zu entdecken. Von Tschechien aus gestartet über Osteuropa bis in die Türkei und dann nach Indien und dem Himalajagebirge und schließlich in Malaysia und in den Camerons, auf der Couch im Daniels, angekommen. Wer die Abenteuer von Radka und John nachlesen möchte, kann das auf deren Homepage tun: cycleabike.com

Wir genießen die Tage. Stehen Früh am Morgen auf und Gehen jeden Tag wandern auf einem der zahlreichen Touren, die man auch ohne einen Führer machen kann. Entdecken die beeindruckenden Teeplantagen und durchstreifen den mit dichtem Moos überwucherten Wald. Das günstige Klima ermöglicht uns viele Stunden zu Gehen ohne das schwüle Hitze uns in die Knie zwingt. Die Wege sind oft überwachsen, steil und schlammig und manchmal nicht so leicht zu finden, doch der grandiose Ausblick den man von den Höhen herunter hat, ist einfach unglaublich schön. Um größere Entfernungen zurück zu legen versuchen wir uns auch hier im Trampen, diesmal aber mit mehr Erfolg. Nach jeweils nur wenigen Fahrzeugen die vorbei fahren, hält eines an und nimmt uns mit. Wir essen jeden Tag indisch und werden somit zu gern gesehenen Gästen in unserem Stammlokal, wo man uns schon von weitem her zu winkt und mit Handschlag begrüßt. Carmen entdeckt hier ihr persönliches Frühstücks -highlight. „Kashmiri Naan“, ist ein im Steinofen gebackenes Fladenbrot garniert mit Rosinen, Erdbeeren und Honig. Am Abend sitzen wir dann in entspannter Runde zusammen und spielen Würfelspiele oder Schach oder hören uns die Geschichten der vielen, täglich wechselnden Traveler an, oder erzählen selbst einige Episoden aus unserem mittlerweile nicht so kleinem Reiserepertoire. Am letzten Abend bekommen wir sogar die Möglichkeit selbst zu kochen. John hat einen kleinen Benzinkocher dabei und Radka und Carmen zaubern aus Tomaten, Zwiebeln und Chili eine schmackhafte Sauce zu den Spaghetti. Nach über drei Monaten sind Spaghetti mit Tomatensauce nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern ein vertrauter, ja fast heimischer Geschmack. Wir verabschieden uns mit den besten Wünschen und herzlichsten Umarmungen von den Beiden. Auf das wir sie irgendwann einmal wiedersehen werden.

Am Mittwoch dem 26.10.2011 verlassen wir die kühlen Berge, die schöne Natur, oder das was davon noch übrig ist. Die Highlands sind absolut eine Reise wert, auch wenn viele Bausünden begangen wurden und begangen werden, schwebt noch ein Hauch von englischem Hochlandszenario durch die Luft. Die allgegenwärtige Teatime, die alten, herrschaftlichen Villen versteckt zwischen saftigem, grünem, kurz geschorenem Rasen und das kühle und regenreiche Wetter, ja selbst der gepflegte Golfplatz, alles passt ins Klischee.

Mit dem Bus geht es in etwas mehr als vier Stunden in das wirtschaftliche Zentrum des Landes, Kuala Lumpur. Die Fahrt schwankt und schlängelt sich über eine endlos scheinende, kurvenreiche Straße vom Hochland hinunter. Mehrmals muss ich gegen Brechreiz in dem vollgestopften Bus ankämpfen und ich bin reichlich erleichtert, als wir endlich die Ebene erreichen. Dann gleitet der große Reisebus sanft über die neue, breite Autobahn quer durch den zukünftigen Reichtum dieses Landes, Palmölplantagen. Nichts als Palmölplantagen



by Patrick Bauer



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17th December 2011

Hey ihr zwei, wie immer ein toller Eintrag! Umso toller, weil mir alles so bekannt vorkommt ;) Wir sind seit Montag wieder zu Hause und Südostasien erscheint schon wieder viel zu weit weg! Die Temperaturen, die allgegenwärtige Hetze, die Dunkelheit und die Weihnachtsstimmung tun ihr Übriges, um die ganze Reise irgendwie surreal erscheinen zu lassen. Mehr so als hätten wir es nur geträumt... Ein wunderschöner Traum, den wir hoffentlich irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft weiterträumen können ;-) Lasst es euch gut gehen, passt auf euch auf und fühlt euch gedrückt, Lisi

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