KUMBH MELA 7. - 8. und 13. - 14.APR. 2010


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April 7th 2010
Published: May 7th 2010
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Haridwar


Über Umwege und Glück kam ich dazu diesem größten Fest der Hindhus und gleichzeitig dem größtem Fest der Welt beizuwohnen.
Nur alle 12 Jahre stehen Sonne und Jupiter in der richtigen Position, so dass das Fest an einem der vier heiligen Orte in Indien stattfinden kann. Alle 12 Jahre in Rotation. 2010 in Haridwar.
Klar wusste ich lange, dass es dieses Jahr wieder soweit ist. Auch wollte ich ja unbedingt nach Rishikesh, was nur 15km von Haridwar entfernt ist. Klar war aber auch, dass man ein Hotelzimmer ungefähr ein Jahr im Voraus buchen muss und dass es schweineteuer ist. Und auch hatte ich Angst. Und überhaupt war ich ja im Nordosten und wollte da ja auch gar nicht weg. Aber alles kam wiedermal anders.
Wie alles kam....
Eine Vipassana hatte ich Anfang April gebucht in der Nähe von Kolkata. 10 Tage wollte ich schweigen und meditieren. Dass das hart werde würde war mir klar. Aber es kam härter.
Morgens um 4Uhr wurden wir geweckt zur Morgenmeditation, die ersten zwei Stunden sitzen und nur aufs Atmen konzentrieren. Dann nach dem Frühstück nochmals zwei Stunden und nach dem Mittagessen nochmals. Da war meine Energie schon so aufgebraucht, dass ich unter Tränen dasaß. Nicht weil es mir schlecht ging. Es war soooo heiß und die Ventilatoren blieben aus und die Fenster zu. Es gab keine Luft und die Kleider klebten am Körper. Tag eins war noch nicht überstanden und ich wusste, obwohl ich gerne Durchhaltevermögen beweise, dass das grad nicht das Richtige ist für mich. Zudem verstand ich das englisch von den abgewetzten Kassetten nicht, welche die Grundlage und die Anleitung darstellen sollten und ab dem ersten Abendessen plagte mich Durchfall. Noch in dem Kloster beschloss ich, dass es Zeit ist den die Umgebung komplett zu wechseln. Vipassana ist nicht abgeschlossen, ich werde meine erste echte in Deutschland auf deutsch zu normalen Temperaturen besuchen.
So beschloss ich nach Nordindien zu gehen, vor allem Kashmir. Auf dem Weg dorthin wollte ich sehen was alles für Attraktionen besucht werden konnten. Ich wollte weg aus dem Nordosten, ich wollte weg aus der Hitze. Ich brauchte Luft zum Atmen. Wenn ich schon hier nicht arbeiten kann wie ursprünglich über Monate geplant, warum weiß ich bis heute nicht, dann möchte ich wenigstens was Besonderes. Am nächsten Tag flog ich von Kolkata nach Delhi. Schlug meine große Nordindienkarte auf und sah: Corbett Nationalpark, (davon hab ich schon berichtet), Rishikesh, Daramsalam, Kashmir.
Der wirklich sehr nette Mann der mir seine Tour zum Corbettnationalpark verkaufte, machte mich drauf aufmerksam, dass die Kumbh Mela immer noch stattfindet. Ich dachte, dass sie bereits Mitte März zu Ende ging. Ohhh, dass klingt spannend und wenn ich schon hier bin, dann versuche ich ob was geht. Der Bus nach Haridwar war schnell gebucht, das Hotel auch. Es lief reibungslos. Wow! Im Internet auf der offiziellen Seite der Kumbh Mela stellte sich dann raus, dass es sog. heilige Badetage gab. Dann wenn die Planeten exakt in der richtigen Position stehen, erscheinen in der mittelgroßen Stadt Haridwar ca 20 Mio Menschen und nehmen ein Bad im heiligen Ganges. Das soll die Seelen SOFORT reinigen. So in etwa wie Mekka für Moslems. Ok, gelesen, gefragt ob es auch da ein Zimmer für mich gibt. JA, aber der Preis ist anders. Ok, dreimal so teuer, aber wann bekommt man schon eine Kumbh Mela geboten mit allem drum und dran. Ich buchte und sprang auf und ab vor Freude. Bis dahin, es dauerte es noch eine Woche, bin ich abgereist und wohnte halbwegs friedlich in Rishikesh, der Yogawelthauptstadt am Ganges.(hier folgt ne Extrageschichte).

Dann kam der 13.April 2010. Ich reiste mit dem Zug die 15km nach Haridwar zurück. Das Hotel war direkt neben dem Bahnhof somit perfekt, da die Zufahrtsstraßen völlig verstopft waren. Schiss hatte ich, dass ich verloren gehe, zertrampelt werde und auch vor einem Bombenanschlag. Hab dann einfach versucht, nicht dran zu denken und mich immer ein wenig im Hintergrund aufgehalten.
Eine Nacht und zwei Tage, der Wahnsinn an Menschenmassen! Kaum Touristen, 20 Millionen Hindhus, kein freies Plätzchen irgendwo. Da die Wege zu den Attraktionen weit waren, hab ich oft frech die Polizisten auf Mopeds gefragt, ob sie mich mitnehmen. Die waren immer happy, eine Touristin auf dem Rücksitz haben die auch nicht alle Tage, und ich war happy, da ich mir die Füße bei 40 Grad nicht wundlaufen mußte.

Am 14.APR.2010 war dann das letzte superheilige Bad für die nächsten 12 Jahre. Ein Umzug zur heiligen Badestelle sollte stattfinden und die heiligen Babas sollten nackt als erstes dort ankommen um in die heiligen Fluten zu springen. Es war nicht einfach rauszufinden, wo und wann genau dieser Umzug stattfinden soll. Ich habs dann doch irgendwie rausgefunden und hatte auch noch verdammtes Glück. Eine Polizistin hatte mich auf ihrer Rücksitzbank transportiert. Ich sah einen Mopp aus Fernsehkameras und ein weißes Touristengesicht. Das ist mein Punkt. Hier muss was passieren. So sprang ich vom Moped und lernte Charlie aus Frankreich kennen, der genau nur für die Kumbh Mela nach Indien kam!! Die Polizisten, verfrachteten uns paar weiße Hansel auf eine abgesperrte Polizistenverkehrsinsel, dass uns ja nix passiert, ein Wachhäuschen spendete uns Schatten, und sie passten immer schön auf uns auf! Ich fühlte mich gut mit den Bullen und mit Charlie! Und da war richtig auch noch Platz!
Fünf Stunden haben wir gemeinsam ausgeharrt und uns gegenseitig Geschichten von der Welt erzählt. Keiner wusste wann denn endlich was passiert.
Dann kamen sie! Auf Autodächern sitzend, nackig laufend, angehimmelt schreiend mit erhobenen Armen von der Menschenmasse bejubelt. Babas, Sadhus, tausende, trommelnd, lächelnd. Es schien kein Ende mehr zu nehmen. Da wir auf einem Schnittpunkt dreier Straßen erhöht standen, sahen wir alles aus nächster Nähe, in erster Reihe.
Zwischen den tiefgläubigen nahezu echten Babas gab es auch ziemlich viele 'Gangster', die sich an den Straßenrand stellten und von den Zuschauern Geld einsammelten. Trotzdem, zu sehen wie tiefgläubig die Leute weite Wege auf sich nahmen, von überall aus der Welt oft sehr beschwerliche und auch teure Reisen auf sich nahmen nur um genau dann in die Wasser des grünen Ganges zu tauchen hat mich beeindruckt! Viele waren barfuß und hatten nur eine kleine Tasche! Die Übernachtungsfrage stellt sich hier nicht. Die Pilger, alt wie jung schliefen wo es Platz gab. Überall. Auf der Straße, in Klöstern, in Zelten, auf dem Boden vor Eingängen. In Horden!
Ich war vorher für ein paar Stunden in der Zeltstadt unterwegs und wollte sehen wie sich da das Leben abspielt. Wurde sofort eingeladen auf einen Tee. Zwei Monate harrte diese Familie aus Kolkata hier aus. Auf kleinstem Raum in einem Zelt, gestellt von der Pilgerorganisation. Sie bereiten ZitronenZuckerwasser für die durstigen Vorbeikommenden zu. Auch ich bekam einen Schlck ab. Die Frage nach Filterwasser stellte sich ein bisschen, da mein Magen nicht auf der Höhe war. „Neinein, das ist kein Filterwasser. Das ist reinstes Gangeswasser, pur!!“ Es schmeckte köstlich, kühl und nach Zitrone, aber ich ließ es dann doch lieber stehen, meinem Magen zuliebe, obwohl ich schwer durstig war und kein Mineralwasserstand weitundbreit zu sehen war.

Am Ende gab es dann doch noch eine Quetschsituation für mich. Als wir auf einer Überführung versuchten den Weg zum Bahnsteig zu finden ging nix mehr und eine kleine Panik brach aus. Sofort sperrten die Polizisten den Übergang bis sich die Lage beruhigt hatte. Für drei Minuten hatte ich Angst dass ich zerquetscht werde, dann war ich happy als ich im Zug auf der Gepäckablage tatsächlich einen Sitzplatz fand. Charlie hatte ich leider in der Masse verloren.

Ein besonders Massenerlebnis indischer Art, dass ich niemals vergessen werde!

Ach übrigens: Auch ich sprang mit voller Montour, wie die Inderinnen, in die grünen reißenden Fluten. Ob meine Seele nun reiner ist weiß ich nicht. Es war in jedem Fall eine willkommene Abkühlung in der mehr als 40GradHitze!



Hier noch eine ausführlichere Erklärung von Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kumbh_Mela



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Hare Krishna aus PlastikHare Krishna aus Plastik
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....war erst ziemlich beeindruckt, weil sich der so gar nicht bewegte :-)))
Allabendliche PujaAllabendliche Puja
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...Puja=Ehrerweisung an den heiligen Ganges


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